Der Austritt Griechenlands aus dem Euro rückt näher, schon im September könnte es so weit sein. Dabei kann sich die Eurozone derzeit keine ungeordnete Pleite leisten, auch Deutschland ist verwundbar
Was war die Krise schön! Noch im Frühjahr konnten deutsche Politiker in aller Seelenruhe zuschauen, wie Griechenland scheinbar unaufhaltsam auf die Pleite zusteuerte. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble durfte öffentlich mit dem „Grexit“, dem Austritt aus dem Euro, drohen. Und Kanzlerin Angela Merkel konnte es sich sogar leisten, Wahlempfehlungen zu geben und vor Alexis Tsipras, dem Chef der Linkspopulisten, zu warnen.
Wenn die Griechen nicht spuren sollten, würde man sie eben aus der Währungsunion werfen, dachte man damals in Berlin. Das Risiko für Deutschland schien beherrschbar. Schließlich hatte man die „Brandmauer“ des neuen Rettungsschirms ESM so hoch gezogen, dass ein Übergreifen der Flammen unmöglich schien. Und die deutschen Banken hatten ihre Investitionen in Griechenland rechtzeitig in Sicherheit gebracht.
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Das muss auch Philipp Rösler durch den Kopf gegangen sein, als er am Sonntag sein „Sommerinterview“ im ZDF gab und mit Unschuldsmiene kund tat, ein Austritt Griechenlands habe für ihn seinen Schrecken verloren. Der liberale Bundeswirtschaftsminister dachte wohl, er sage nur Altbekanntes. Dass sich die Lage in den letzten Tagen und Wochen grundlegend geändert hat, hat er offenbar ebenso wenig bedacht wie das gewaltige Medienecho.
Röslers Interview beherrschte am Montag die Schlagzeilen in ganz Europa. Die Börsen brachen auf breiter Front ein, die EU-Kommission reagierte genervt. „Wir kommentieren keine Gerüchte“, bügelte der Sprecher von Währungskommissar Olli Rehn die groß aufgemachten Berichte aus Berlin ab, wonach Athen kurz vor der Pleite stehe. „Griechenland muss und wird in der Euro-Zone bleiben“, fügte der Sprecher trotzig hinzu.
Was ist nur in die Deutschen gefahren, fragt man sich seitdem in Brüssel. Denn die Unruhe, die Rösler und seine redseligen Mitstreiter aus FDP und CSU auslösen, kommt aus EU-Sicht zur Unzeit. Schließlich hat man noch andere, dringendere Sorgen. Griechenland ist nur ein Teil des Problems, womöglich noch der geringste.
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