Erstmals ist über den jungen Wirtschaftsminister Philipp Rösler ein Buch erschienen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach bei der Präsentation von einer „der außergewöhnlichsten Politikerbiografien“. Das Buch zeichnet das Bild eines talentierten, aber karrierefixierten Erfolgsmannes.
Rösler als frommer Katholik auf einer Kirchenbank, Rösler als fleißiger Politiker an seinem Ministerschreibtisch, Rösler als kluger Märchenonkel beim Vorlesen in einer Schulklasse, Rösler als putziger Papa mit seinem Zwillingskinderwagen: Nur 38 Jahre alt musste er werden, und schon ist über den jüngsten FDP-Chef und Vizekanzler bereits ein Porträt erschienen. Das Buch trägt den Titel „Philipp Rösler – Glaube. Heimat. FDP“. Darin plaudert der Bundeswirtschaftsminister auf 152 Seiten aus dem Nähkästchen. Allerdings in enger Abstimmung mit dem Autoren, dem Journalist und Berliner Büroleiter der Rheinischen Post, Michael Bröcker: Jedes Zitat musste vor der Veröffentlichung autorisiert werden. So kommt Rösler in den drei Kapiteln „Herkunft“, „Heimat“ und „Haltung“ fast durchweg als freundliches und politisches Ausnahmetalent daher. Kritisches muss man fast suchen.
Zur Präsentation des Buches in der Katholischen Akademie in Berlin erschien Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstpersönlich; der Porträtierte hatte zuvor noch auf einer Pressekonferenz gesagt, er hoffe auf eine „charmante Kommentierung“ seitens seiner Chefin.
Darum brauchte sich Rösler nicht zu sorgen. Merkels Worte waren nicht nur charmant, sie sprach gar von „einer der außergewöhnlichsten Politikerbiografien, die es in Deutschland je gegeben hat“. Rösler habe eine „große Auffassungsgabe“, sei „fix, schnell“, mache „keine Umwege, keine Girlanden“ und könne sich Reden schneller einprägen als sie selbst. Ein Lob wie das des Klassenlehrers auf einem Schulzeugnis. Merkel betonte, ihr Vize habe auch „keine Scheu, einen Konflikt einzugehen“.
Dabei hat der Konflikt die FDP längst eingeholt: Bei der Landtagswahl in Berlin erreichte sie 1,8 Prozent, etwa so viel wie die NPD oder die Tierschutzpartei.
„Die FDP steckt mitten in einer Existenzkrise, Zeitungskommentatoren rufen das Ende des politischen Liberalismus aus.“ Das Zitat, das perfekt auf die aktuelle Situation passt, bezieht der Biograf Michael Bröcker, Berliner Büroleiter der Rheinischen Post, aber auf die Lage der Liberalen Anfang der neunziger Jahre. Philipp Rösler hatte da gerade das Parteibuch angenommen. Bei der Landtagswahl 1994 scheiterte die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde.
„Rein zeitlich gesehen beginnt mit dem Einstieg von Philipp Rösler in die FDP ihr Abstieg“, schreibt Bröcker weiter. Hat Rösler mit seinem eigenen Aufstieg jetzt auch den Abstieg der FDP vollendet?
Für die Vorstellung des Buches hätte sich das Duo Merkel-Rösler jedenfalls keinen schlechteren Zeitpunkt auswählen können. Am Donnerstag entscheidet der Bundestag über die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms EFSF – eine Abstimmung, die auch ein Lackmustest für die schwarz-gelbe Koalition sein wird. Bei einer Probeabstimmung in der Union hatten zuletzt 19 Abgeordnete der Kanzlerin ihre Zustimmung verweigert.
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