2004 holte die Junge Union den Altkanzler wieder hervor und feierte ihn: Für Einheit und Europa. Damit begann die Rehabilitierung Helmut Kohls in der CDU. Schnell merkte auch Angela Merkel, welche Strahlkraft der Mann aus Oggersheim noch immer hat – trotz Spendenaffäre
Vieles sagt sich leicht über einen, der nicht mehr widersprechen kann. Über Helmut Kohl reden sie nun alle, egal ob sie Freunde oder Feinde waren, Kritiker oder kritiklos zu seiner Zeit als Kanzler. Jetzt wird allseits munter gemutmaßt, inwiefern er gefangen gehalten werde von seiner jungen Frau. Dass er wohl ein Versager gewesen sei als Vater. Und mancher sieht bei ihm die Schuld für die Krise Europas, wenn dieser Vorwurf auch zu verhallen scheint.
Vor 30 Jahren, am 1. Oktober 1982, schwor der langjährige Oppositionsführer Kohl im Bundestag den Kanzler-Eid. Helmut Schmidt, der heute weithin verehrt wird als elder statesman, war gescheitert. Doch der Spott wurde über Kohl ausgekippt: „Birne“ nannten sie ihn, „Pfälzer Landei“. 30 Jahre ist das her, drei Jahrzehnte die sich dritteln lassen: Die erste Phase Kohls als Kanzler wäre ohne den Fall der Mauer wohl alles gewesen. Denn seine eigenen Leute – Geissler, Späth, Süssmuth – wollten ihn wegputschen im Sommer 1989. Die Wende in der DDR wurde auch eine Wende für Kohl an der Spitze von Partei und Land. 1989 bis 1999 – das war sein Jahrzehnt als Kanzler wie, im letzten Jahr, als Altkanzler. Da war er gefeierter Vater der Einheit und des Euro. Das letzte Drittel der 30 Jahre begann mit seinem Sturz. Zwei Tage vor Weihnachten 1999 schrieb Angela Merkel ihn ab: Vom „Ende der Ära Kohl“ handelt der erste Satz ihres berühmten Gastbeitrags in der FAZ.
Nun wird diese ganze Ära wieder gefeiert. „Kanzler der Einheit – Ehrenbürger Europas“ heißt der Festakt, den die Konrad Adenauer Stiftung am Donnerstag ausrichtet im Deutschen Historischen Museum. Das passt. Die Festrede wird Angela Merkel halten. Und Kohl hat eine Dankesrede geplant, die im Gegensatz zu seinen nur kolportierten Worten vor der CDU/CSU-Fraktion vom Dienstag öffentlich sein wird. Adenauers politischer Enkel soll also von seinem eigenen „Mädchen“ geehrt werden und ihr dafür danken. So ist es vorgesehen, so will es die Kanzlerin, die sich somit in eine Reihe stellt von den historisch Großen: Adenauer, Kohl, Merkel. Damit beherzigt sie einen Satz, den ihr vor 13 Jahren Roland Koch um die Ohren schlug, aus Empörung über ihren Abnabelungsartikel: „Kohl ist konstitutiver Bestandteil der Partei“, hatte Koch damals gesagt. Wer sich von ihm und damit von der eigenen Geschichte distanziere, der verliere Glaubwürdigkeit.










