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 > Das SOS aus Europa verhallt in Deutschland

Berliner Republik

ESM & FiskalunionDas SOS aus Europa verhallt in Deutschland

Von Christoph Seils11. Juni 2012
picture alliance
Eurokrise, Griechenland, Bankenrettung, Ruderboot, Athen
Steuert Griechenland mit den Parlamentswahlen endgültig in die Isolation
Schrift:

Dramatische Wochen stehen Europa bevor. Griechenland droht nach den Parlamentswahlen am kommenden Sonntag das Euro-Aus, auch Spanien steht finanziell am Abgrund. Andere Länder könnten folgen: Italien, Zypern, Frankreich? Die Angst vor einem Auseinanderbrechen der EU ist groß

Seite 1 von 2

In Brüssel hat derweil das Endspiel um den Euro begonnen. Mit 100 Milliarden Euro aus dem Euro-Rettungsfonds sollen die spanischen Banken gerettet werden. Um wie Griechenland oder Portugal das ganze Land unter den Rettungsschirm zu stellen, reicht das Geld nicht.

In der Krise soll Europa nun noch sehr viel enger zusammenrücken, um den Euro zu retten und einen Absturz der europäischen Volkswirtschaften zu verhindern. Obwohl der Fiskalpakt noch nicht von den 25 beteiligten Euro-Ländern ratifiziert wurde und der europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) mit seinem Stammkapital von zunächst 700 Milliarden Euro noch nicht eingerichtet ist, wird in der EU schon der nächste Rettungsplan vorbereitet. Die Visionen, die derzeit in Brüssel diskutiert werden, klingen dabei wie eine europäische Revolution.

Und was machen die deutschen Parteien? Sie reden die Lage schön, ducken sich weg, verlieren sich in billigen parteitaktischen Spielchen. Die Angst vor den eigenen Wählern ist so groß, dass niemand europäische Verantwortung übernehmen will. In Brüssel steht das Schicksal Europas auf dem Spiel, doch Regierung und Opposition in Berlin erwecken gemeinsam den Eindruck, als hätten sie den Ernst der Lage überhaupt nicht erkannt.

Von der Bundesregierung sind die immer gleichen Parolen zu hören. Zwar erklärte Merkel am Donnerstag vergangener Woche in einem Interview mit dem ARD-Morgenmagazin „wir müssen Schritt für Schritt auch Kompetenzen an Europa abgeben“, auch plädierte sie für ein Europa der zwei Geschwindigkeiten. Doch blieb sie dabei ziemlich abstrakt. Konkretes ließ die Kanzlerin wie immer offen, von Führung bei Angela Merkel keine Spur. Die Bundesregierung pocht in der EU weiter allein auf eine rigide Sparpolitik, die die Wirtschaft in den Krisenländern abwürgt. Sie verhindert so Fortschritte in der Stabilisierung der Eurozone.

In der deutschen Innenpolitik dominieren zudem weiterhin die parteitaktischen Spielchen. Noch vor der Sommerpause sollen Bundestag und Bundesrat den Fiskalpakt und den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) verabschieden. In beiden Parlamentskammern ist eine Zweidrittel-Mehrheit und damit die Zustimmung der SPD erforderlich.

Die Opposition knüpft ihre Zustimmung jedoch an sachfremde Bedingungen, zum Beispiel die Einführung der Finanztransaktionssteuer und ein europäisches Wachstumspaket. Dabei wissen alle: Der Fiskalpakt, auf dem sich im März alle EU-Länder außer Tschechien und Großbritannien verständigt haben, lässt sich nicht mehr aufschnüren. Die Bundesregierung wiederum spielt auf Zeit. Merkel spekuliert darauf, dass die Sozialdemokraten es sich am Ende allein aus staatsmännischer Verantwortung nicht leisten können, den Fiskalpakt scheitern zu lassen. Die Folgen für den Euro und für Europa wären schließlich unkalkulierbar.

Seite 2: Kleinkariter Parteienstreit, föderale Erpressungsmanövern und nationale Egoismen

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Allen voran Deutschland:

Es müsste mit seiner Wirtschaftskraft das finanzielle Überleben des Euros garantieren?

Get real: dazu ist die Wirtschaftskraft Deutschlands viel zu klein. Davon ab gibt es aber auch nicht den geringsten Grund, dass deutsche Steuerzahler für irgendwas garantieren sollen, das nicht von ihnen selbst ins Risiko gebracht wurde.

Die zunehmend sozialistischen Transfervorschläge im Cicero sind, gelinde formuliert, irritierend.

  • Antworten
VerySeriousSam11.06.2012 | 12:29 Uhr

Erfolgreiche Staaten entstehen durch den Willen ihrer Völker

Die Entstehung Schweiz im 15. Jahrhundert, der Vereinigten Staaten von Amerika 1776 und die deutschen Einigungen von 1870/71 sowie 1989/90 zeigen, dass erfolgreiche Staaten nur entstehen, wenn die Bevölkerungen diese Staatengründungen wollen. Heute die Vereinigten Staaten der Eurozone zu schaffen, würde vermutlich von den Völkern Europas überwiegend als feindseliger Akt der eigenen Eliten und Brüsseler Bürokraten empfunden werden. Die meisten Europäer wollen miteinander verbündet sein, die wenigsten jedoch in einen Einheitsstaat mit finanzieller Zwangsbewirtschaftung gepresst werden.

Wenn sich die heutige Eurozone nur in einem gemeinsamen Staat erhalten ließe, sollten in allen Euroländern Volksabstimmungen durchgeführt werden, welche Völker das mehrheitlich wollen. In der Konsequenz dieser Abstimmungen wäre die Eurozone (die Länder, deren Völker das wollen), in einen Staat umzuwandeln oder in ihre funktionsfähigen Teile zu zerlegen.

Wiedergewinnung der Funktionsfähigkeit auf den soliden Grundlagen von Selbstbestimmungsrecht der Völker, Demokratie und Marktwirtschaft ist weit wichtiger als heutige Schadensminimierung. Völkergefängnisse wie die Monarchien der Habsburger und Osmanen, die Sowjetunion und Jugoslawien bergen hohe Risiken, so lange Ineffizienzen zu subventionieren, bis das Ganze nicht mehr funktioniert und so lange Spannungen zu deckeln, bis sich diese irgendwann in einem kriegerischen Zerfall entladen. Der Euro ist auf bestem Wege, Europa in diese Abwärtsdynamik zu treiben.

  • Antworten
Karl Schade11.06.2012 | 12:53 Uhr

Wer die Banken rettet, rettet die Politik

Auf dem Weg zu den Vereinigten Staaten von Europa? In den Sonntagsreden der Politik ist Europa nicht das Problem, sondern Teil der Lösung der aktuellen Banken- und Schuldenkrise. Eine vertiefte europäische Integration soll die Versicherung für Freiheit, Frieden, Demokratie und Wohlstand sein. Sie wollen einen europäischen Bundesstaat. Die politische Union. Sie sagen Europa hat seinen Preis, weil Europa seinen Wert hat. Das Gegenteil von dem, was wir in diesen Reden Jahr für Jahr hören ist der Fall. Die Weichen sind heute eher auf einen kollektiven Staatsbankrott, oder auf eine Hyperinflation gestellt. Gerne wird auch immer sinnbildlich vom Haus Europa geredet. Wer als politischer Architekt in der gesellschaftlichen Praxis einen Entwurf vorlegt, muss auch dem Bauherrn (und das sind wir, die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes) erklären können, wie er umgesetzt werden soll und gleichzeitig eine Kostenschätzung vorlegen. Außerdem sollte eine geprüfte Statik vorgelegt werden, damit eventuelle Haftungssummen nicht den Bauherrn ruinieren. Und wer ist verantwortlich? Der Bauherr oder der Architekt? Oder vielleicht die Bank, die den Kredit gewährt hat?

  • Antworten
bernhard jasper11.06.2012 | 13:13 Uhr

Warum akzptieren denn die Schuldenlaender, die sich

ueberverschuldeten und nun ihre Schulden nicht tilgen koennen nicht dass sie selber fuer ihre verzwickte Lage und nicht der Rest der Euro-Buerger. Ich denke nicht dass man die Probleme loesst indem die Schulden ausgeflaggt werden.Wer z.B seine Nachbarn dazu bringen kann die Schulden zu uebernehmen nimmt den Schuldenmachern jede Motivation das Benehmen zu aendern. Der Euro,weil er in Laendern benutzt wird die nicht auf gleichem Niveau wirtschaften ist kein Friedensbringer sondern eher ein Spaltpilz und schaft Unfrieden weit ueber Europa hinaus.

  • Antworten
Karin S.Bryant11.06.2012 | 14:50 Uhr

Getrennte Kasse, bitte!

Ich habe den Eindruck, dass außerhalb Deutschlands alle, die in Europa von „Europa“ sprechen, damit ihre nationalen Interessen meinen, vor allem: Deutschland müsse (mehr) zahlen und die Deutschen sollten sich nicht so anstellen mit ihrer Hartwährungs-Pingeligkeit. Ziel: Vermeidung politisch unbequemer Strukturreformen.

Nur in Deutschland scheint das Eigeninteresse keine Lobby zu haben. Journalisten, zumal bei Cicero, meinen, wenn Sie „Europa“ sagen, so etwas wie: Wir Deutschen müssen ‚Verantwortung‘ übernehmen für die ‚Einigung Europas‘ etc. Klartext: Deutschland soll garantieren und zahlen, die EZB soll Geld drucken.

So sind sich die Meinungsmacher im In- und Ausland einig.

Ich sehe das jedoch anders.

  • Antworten
leopold11.06.2012 | 15:06 Uhr

Verfassungsrechtliche Verantwortung

Soweit ich es überblicke, weder FAZ, noch ZEIT und SZ, und wohl auch nicht CICERO, keine dieser Qualitätsmedien kommt ihrer demokratischen Verantwortung nach und vermittelt ihrer Leserschaft die Notwendigkeit einer Volksabstimmung nach Artikel 146 GG: weder Fiskalpakt noch ESM sind allein über Bundestag und Bundesrat rechtswirksam zu ratifizieren.

Statt vieler: Mehr Demokratie e.V.

Was bringt daher all das viele Geschreibe, wenn am Ende des Tages das BVerfG die Verträge kippt wegen Aushöhlung des unveränderlichen Verfassungskerns (Artikel 20, 79 Abs. 3, 146 GG)?

Hat die Redaktion schon einmal ein solches Szenario durchgespielt und bedacht, was es auch und gerade für Europa bedeuten würde, wenn die genannten Verträge wegen Verfassungswidrigkeit durch das BVerfG als nichtig erklärt würden, im Nachhinein?

Erscheint es daher nicht geboten, diese Thematik des Kernbereichs der Verfassung(sog. Ewigkeitsgarantie)vorab in die Öffentlichkeit zu tragen, statt stets nur - das Thema vermeidend - von einem baldigen Abschluss dieser völkerrechtlichen Verträge zu schreiben?

Es mag althergebracht erscheinen, auf den Wortlaut der Pressegesetze hinzuweisen. Vom DIENEN ist dort die Rede - und gäbe es ein demokratischeres Thema als den Kernbereich der Verfassung?

Wohlan!

  • Antworten
mkveits11.06.2012 | 15:29 Uhr

Ärgerlich, in der Tat.

Volle Zustimmung zum Kommentar von <VerySeriousSam>. Ich musste mich heute schon im Tagesspiegel über diesen Artikel ärgern, Cicero macht sich mehr und mehr zum Sprachrohr einer weniger durch plötzliche Einsicht in die Sinnhaftigkeit eines großen Europäischen Einigungsprojektes, sondern vielmehr durch national-egoistische Eigeninteressen verschiedener Länder motivierten Begehrlichkeits-Politik. Ein hektisch aus diesen Zutaten zusammengeschustertes Gericht will uns der Autor als ideell-ökonomischen Aufbruch in eine bessere Zeit schmackhaft machen - dieser Artikel ist ideologische Panikmache in Reinkultur, hier soll nicht informiert, sondern missioniert werden. Zu welchem Zweck weiß nur der Autor. Armer Cicero, hattest mal gute Ansätze...

  • Antworten
Werner Gratsch11.06.2012 | 17:33 Uhr

Es ist vielleicht besser, wenn Deutschland darauf verzichtet

im Vorfeld irgendwelche Positionen zu formulieren. Denn darauf warten viele Länder um dann Gegenpositionen aufzubauen, die sie sich teuer abhandeln lassen. Immer wenn ich was von "deutscher Führung" höre, ist eigentlich nur das Geld des deutschen Steuerzahlers gemeint. Warten wir doch erst einmal ab, zu welchen Konditionen Spanien den Bankenkredit bekommt. Momentan ist die Lage unübersichtlich. Schon fordert Griechenland Neuverhandlungen und Italien denkt darüber nach, wie es schmerzhafte Strukturreformen durch Kredite aus dem Rettungsschirm vermeiden kann. Ich finde es vernünftig, diese Debatten nicht öffentlich zu führen. Sie zerstören die Bereitschaft der Bürger in Europa zu investieren und geben nationalen Populisten Auftrieb.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann12.06.2012 | 07:52 Uhr

Kompetenzen an Europa abgeben

Kompetenzen an Europa abgeben, wie es die alte Frau Merkel machen will? -- Nein, danke. Man sieht ja, was dabei herausgekommen ist, weil seit Unterzeichnung der Römischen Verträge immer mehr Kompetenzen an Europa ebgegeben worden sind. Die "Juneitid Ssteehts of Juropp" sind ein gescheiterter Staat, noch ehe sie offiziell gegründet worden sind!

  • Antworten
Joseph Breitenbach12.06.2012 | 19:06 Uhr

Wird die Spekulation enden?

Selbst wenn es einen Fiskalpakt und einen Schuldentilgungsfond mit einer Verlagerung aller Kompetenzen auf die EU-Ebene gibt, ist nicht gesagt, dass die Zinsen für Kredite wieder sinken. 50% des Marktes sind Psychologie und es ist nicht gesagt, dass die Zinsen für Gesamteuropa dann sinken werden. Das hängt vom Vertrauen der Investoren ab. Dieses verspielt aber nicht Deutschland. Es ist nicht gesagt, dass es besser wird, nur weil Deutschland haftet. Dazu müssten die Krisenländer wettbewerbsfähig werden, das lässt sich aber nur bedingt verordnen. Ich bezweifle, dass der EU die Mittel dazu zur Verfügung stehen, selbst wenn sie die gesetzgeberische Kompetenz bekäme.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann12.06.2012 | 20:20 Uhr

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