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Berliner Republik

Energiewende im ParlamentDas Schweigen der Lemminge

Von Michael Naumann1. Juli 2011
picture alliance
Angela Merkel hat sie zum Ausstieg alle auf Linie gebracht.
Angela Merkel hat sie zum Ausstieg alle auf Linie gebracht.
Schrift:

Der Deutsche Bundestag hat die Wende der Kanzlerin in der Atompolitik mitgemacht. Cicero-Chefredakteur Michael Naumann kritisiert in seinem Kommentar, wie Angela Merkel sich das Parlament gefügig gemacht hat.

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Angela Merkels sogenannte „Energiewende“ ist ein politisches Täuschungsmanöver zum Zweck ihres persönlichen Machterhalts. Es wurde angezettelt von einer Machiavellistin im Kanzleramt, sanktioniert von christlichen Romantikern der Ethikkommission und resigniert in Kauf genommen von den oppositionellen Sozialdemokraten auf der Suche nach Liebe, egal von wem.

Von den „wirtschaftsnahen“ Freidemokraten in Merkels Kabinett Widerspruch zu erwarten, wäre reine Energieverschwendung. Sie sind bereits Angela Merkels mittelfristiger Koalitionsplanung zum Opfer gefallen. Die Kanzlerin ist dabei, die FDP zu vernichten. Sie setzt jetzt auf ihr „Hirngespinst“, die schwarz-grüne Koalition. Auch Hirngespinste werden bisweilen wahr.

Die Energiewende ist bei Licht besehen eine Energielüge. Jeder, der aus guten Gründen gegen risikobelastete Atomkraftwerke ist (wie dieser Autor), wird nicht umhinkönnen, die Art und Weise, in der Merkel ihren Richtungswechsel durchzieht, an seinen wirtschaftlichen Folgen und politischen Motiven zu messen.

Erstens: Einen tieferen Einschnitt in die Wirtschaftsstruktur Deutschlands hat es seit der unseligen sozialistischen Bodenreform von 1949 nicht gegeben. Der rot-grüne Atomausstieg der Regierung Schröder hatte den Stromkonzernen eine langfristige Übergangsphase in das Zeitalter regenerativer Energie eingeräumt. Dass sie diese nur schlecht genutzt haben, steht auf einem anderen Blatt. Doch die abrupt verordnete Stilllegung von acht Kernkraftwerken kommt einer staatlichen Enteignung gleich. Der massive Wertverlust der Energieaktien ist politisch vom Kanzleramt gewollt. Sie sind weit gestreut unter den gutgläubigen Anlegern der Republik – in der Mehrzahl wohl CDU- und FDP-Wähler. Sollten sie auch in Zukunft die sogenannte „Wirtschaftskompetenz“ bei der Union vermuten, wären sie für ihre letzten Wahlentscheidungen zu Recht von der Börse bestraft worden.    

Zweitens: Die ökologische und ethische Legitimation der Energiewende im Schnelldurchgang ist haltlos. Dass die „deutschen“ CO2-Emissionen mit den unvermeidbaren neuen Kohle- und Gaskraftwerken die angestrebten Zielmarken der „Umweltkanzlerin“ a. D. weit überschreiten werden, ist bekannt – es sei denn, der Wind weht nicht mehr, wann er will, sondern immer, und die Sonne entschiede sich, dem deutschen Pathos des Neuanfangs beizustehen und einfach nicht mehr unterzugehen. Und was die Ethiker betrifft, denen die Bewahrung der Schöpfung vor dem Schicksal von Fukushima am Herzen liegt, so mögen sie den Endverbrauchern erklären, warum sie keine Moral-Kippschalter empfehlen, die den Import französischen Atomstroms verhindern könnten. Ihre Moral ist universal, findet aber erst einmal rein nationale Anwendung. Damit hebt sie sich auf.

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"Das Schweigen der Lemminge"

Die späte Rache der DDR an der Bundesrepublick.

Der Kommentar von Herrn Naumann ist absolut treffend, auch wenn es einige wenige CDU Abgeordnete wie Frau Gitta Connemann (Wahlkreis Unterems) gibt, die lobenswerterweise nicht zugestimmt haben. - Frau Merkel opfert für ihren Machterhalt reihenweise wertvolle Positionen. Leider hat sie glänzende machtpolitische Fähigkeiten, mit denen man auch Positives hätte bewirken können. Das ist leider nicht der Fall und so ist sie einfach eine späte Rache der DDR an der Bundesrepublik.

  • Antworten
Ingo Schumacher02.07.2011 | 14:55 Uhr

Der Schluss fehlt!

Der Autor beschreibt einen erschreckenden Sachverhalt in mutigen Worten. Politische Korrektheit bleibt weit außen vor. Nur - er hätte nicht schließen dürfen, ohne die Quintessenz dessen, was er beschrieben hat, zu offenbaren. Wie nennt man eine Staatschefin, die ihrem durch Amtseid anvertrautem Land eine energetische Strategie aufzwingt, für die es heute bestenfalls theoretische Möglichkeiten der Realisierung gibt. Wie nennt man eine solche Regierungschefin, die derart verantwortungslos das Schicksal der deutschen Volkswirtschaft und damit die Lebensgrundlage von 80 Mio. Bürgern aufs Spiel setzt? Wie bezeichnet man eine Regierungschefin, die dies alles um ihrer persönlichen Machterhaltung wegen tut? Wie der Autor eine solche Regierungschefin bezeichnet, hätte ich am Schluss des Artikels gern gelesen.

  • Antworten
Anna Radack02.07.2011 | 17:07 Uhr

Selbsttötung aus Angst vor dem Tod

"Will die FDP doch noch überleben, sollte sie sich aus diesem Kabinett ganz schnell zurückziehen." -
So lautet die Schlußempfehlung des Verfassers und Cicero-Chefredakteurs Michael Naumann.
Das wäre dann allerdings das Ende der Regierung Merkel-Rösler, mit allen sich daran knüpfenden Konsequenzen.
Es dürfte eher unwahrscheinlich sein, daß die FDP für ihre "Fahnenflucht" aus der schwarz-gelben Koalitionsregierung von den Wählerinnen und Wählern auch noch belohnt wird.
Das Gegenteil wird der Fall sein. Auch die Wahrscheinlichkeit, daß es der Bundeskanzlerin gelingt, eine neue Koalitionsregierung zustande zu bringen, dürfte angesichts der Schwäche der Unionsparteien gegen Null tendieren.
Ein lachender Dritter könnte allerdings von Neuwahlen profitieren. Peer Steinbrück hat sich bekanntlich als künftiger Kanzlerkandidat der SPD ins Spiel gebracht.
Aus Kreisen der SPD war kein spürbarer Widerspruch zu vernehmen. Ein "Heilsbringer" wie Steinbrück käme da gerade recht. Ob es der SPD bei vorgezogenen Bundestagswahlen allerdings gelingt, Die Grünen zu mandatsmäßig überflügeln, darf bezweifelt werden. Und ob Peer Steinbrück lediglich die Rolle eines Vizekanzlers oder eines Bundesministers unter grüner Kanzlerschaft überneghmen würde, ist alles andere als wahrscheinlich.
Also wird es beim Status quo bleiben, und die FDP wird unter Führung ihres Vorsitzenden (und Arztes) Philipp Rösler wahrscheinlich keine Selbsttötung aus Angst vor dem Tod ins Kalkül ziehen.

  • Antworten
Yvonne Walden02.07.2011 | 18:10 Uhr

Braucht Deutschland noch mehr

Braucht Deutschland noch mehr Feinde und Lacher? Früher habe ich im Ausland - da Jude - meinen dt. Wohnsitz oft verheimlicht. Dann irgendwann nicht mehr. Jetzt hat es etwas mit der Gegenwart zu tun, das mich zum erneuten Lügen zwingt. Obwohl Deutschland es sich m...it den USA, Japan, Griechenland, Libyen und fast(!) Allen seinen Nachbarn verscherzt hat und sich nun mit Irandealern wie R. Polenz retten will - ist das nicht Grund meiner erneuten Verleugnung! Deutsche sind die Freaks aller Völker geworden - in wenigen Monaten.... Was wird dieses Land noch anstellen? Am denukleiertem dt. Wesen, wird diese Welt - Darwin sei Dank - nicht genesen.

  • Antworten
Dr. med. Adam Poznanski03.07.2011 | 23:05 Uhr

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