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 > Das schleichende Gift der Gewöhnung

Berliner Republik

Merkels TrauerspielDas schleichende Gift der Gewöhnung

Von Christoph Schwennicke31. Juli 2012
picture alliance
Merkel, schwennicke, Regierungschaos, Koalition, CDU, Cicero-Empfehlung
Eine einfache Geste, die zum Markenzeichen Angela Merkels wurde. Auch daran haben wir uns gewöhnt
Schrift:

Angela Merkel kann froh sein, dass es die Euro-Krise gibt. Sonst würde das Scheitern ihrer Koalition viel mehr auffallen. Denn statt zu regieren, streiten sich Union und FDP am laufenden Band. Die Öffentlichkeit hat sich an diesen Zustand gewöhnt - was die Misere nicht besser macht

Seite 1 von 2

Der Mensch, sagt man, sei ein Gewohnheitstier. Wahrscheinlich ist er deshalb das erfolgreichste Lebewesen der Welt. Weil er sich an alle Lebensumstände anpasst, sich in den widrigsten einrichtet.

In dieser Fähigkeit liegt aber auch eine Gefahr. Wir passen uns an, gewöhnen uns auch an das Falsche. Der größte Feind des Soldaten im Einsatz ist nicht von ungefähr diese Gewöhnung. Er darf nicht abstumpfen, seine Sinne dürfen nicht nachlassen. Das kann tödlich sein.

Es ist ungeheuer schwer, sich gegen das schleichende Gift der Gewöhnung zu immunisieren, wachsam zu bleiben. Gerade in der Politik. Die Bevölkerung in Deutschland und die Bundesregierung haben sich zum Beispiel im Zuge der Euro- und Staatsschuldenkrise fälschlicherweise an Milliardenbeträge gewöhnt, bei denen früher allen Hören und Sehen verging. Und beide, Bevölkerung wie Bundesregierung, haben sich inzwischen mit einem Umstand abgefunden, mit dem man sich nicht abfinden darf: Die einen akzeptieren klaglos, dass sie schlecht regiert werden. Und die anderen nehmen hin, dass sie schlecht regieren.

Vielleicht hilft ein kleiner Rückblick auf drei Jahre bürgerliche Koalition, ein Verweis auf deren eigenen Anspruch, die erlahmten Synapsen im Gehirn wieder einzuschalten. Die schwarz-gelbe Regierung war angetreten, es endlich besser zu machen als diese rot-grünen Chaoten, die vor der Großen Koalition in Deutschland ihr Unwesen trieben. Noch zu Zeiten des Übergangs, zu Zeiten der Großen Koalition von Union und SPD, verwies die Kanzlerin Angela Merkel immer auf die Notwendigkeit, dass manches Wohl für Deutschland noch warten müsse, bis sie ihr Volk aus dieser ungeliebten Koalition hinausführe ins Gelobte Land der bürgerlichen Koalition.

Seite 2: Planloses Gewurstel

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Ist ja alles richtig,

nur, wo bleibt die 4te Macht im Staat mit der längst überfälligen konzertierten Aktion, das ganze Desaster mal aufzuzeigen und anzuprangern?

  • Antworten
VerySeriousSam31.07.2012 | 15:34 Uhr

so wie es richtig ist

daß die, die am lautesten greinen, die sind, die diese luschen vor der letzten wahl propagiert haben. und dann natürlich die, die sie gewählt haben. wenn man sich heute so umliest, könnte man ja fast glauben, daß der autor dieses artikels nicht zu den früheren fanboys der kanzleröse zählte. im nachhinein wissen es ja alle immer besser, nur zugeben, daß man an dem ganzen schlamassel mitschuldig ist - wo kämen wir denn da hin?

das alles ist so erbärmlich langweilig, daß man sich schon gar nicht mehr darüber aufregen kann. nicht mal über die journaille und ihr inkompetentes starren auf den eigenen bauchnabel.

  • Antworten
hardy01.08.2012 | 06:44 Uhr

Herr Schwenniecke

Europa ist ja eine Weltgegend, wo Gerechtigkeitsfragen gestellt werden. Der Hauptkampf in der Geschichte der Freiheitsbewegung bestand ja zunächst darin, politische Rechte und Freiheiten gegen einen durch Gott legitimierten König durchzusetzen. Heute ist es der Staat, der den Bürgern immer höhere Steuern und Abgaben aufbürdet, er erfindet immer neue Gebühren, hat keine Mindestlöhne und kleine Renten und kappt staatliche Leistungen. Das ist in Griechenland nicht anders als in Deutschland. Ich habe by the way gehört, dass griechische Beamte im Zuge der größten Krise ihres Staates auf Weihnachtsgeld verzichten sollen. Patriotismus? No Comment! Der Staatsapparat soll nicht angetastet werden, das ist so. Es ist letztendlich Klientelpolitik, die wir auch in Deutschland so deutlich wahrnehmen. Der Staatsmann (frau) von heute hat ja eigentlich die Pflicht, nicht nur nach seinem persönlichen Gewissen zu handeln, sondern auch seinem Amt gerecht zu werden. Sie oder er sind Funktionsträger. Wurden einmal politische Entscheidungsträger durch das Amt „veredelt“, so geschieht das heute durch eine nichtssagende Politinszenierung in den Medien. Politiker sollten eigentlich in der Öffentlichkeit immer im Dienste des Staatsvolkes stehen. Hieraus ergibt sich natürlich auch die Notwendigkeit in Konflikten Entscheidungen zu treffen, gerade auch um im Interesse der Allgemeinheit zu einem Ergebnis zu kommen. Selbstverständlich muss auch Schuld auf sich genommen werden, oder modern gesprochen, man sollte für seine Entscheidungen verantwortlich sein wollen. Jede Entscheidung kann niemals allen gerecht werden, ganz klar, und tut immer jemandem Gewalt an. Jetzt stehen jedoch Entscheidungen an, die auf Kosten des gesamten deutschen Staatsvolkes gehen könnten. Die Ausweitung des Staates darf nicht zum politischen Programm werden, das verbieten europäische Verträge („nach Buchstaben und Geist“, Prof. Di Fabio) er darf seine Aufgaben und Kompetenzen nicht überschreiten. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit einer letzten Instanz, welche in Konflikten Entscheidungen trifft, und das ist das von mir hoch geschätzte Bundesverfassungsgericht. Es gibt Grenzen und diese Grenzen sind die der zivilisatorischen Humanität, die Menschen in Europa einst erstritten haben. Um diese Freiheit geht es, die auch nicht im Pathos ökonomischer Sachzwanglogik, genannt Globalisierung, untergehen darf.

  • Antworten
bernhard.jasper31.07.2012 | 19:47 Uhr

Rot/Grün war doch ok

und meine ich sogar ernst. Im Gegensatz zu vielen anderen Regierungen davor (Kohl) und danach (Merkel, "Kohls Mädchen"), haben die selbst mit knappen Mehrheiten ziemlich ambitionierte Vorhaben durchgezogen und das auch mal gegen den Mainstream, sprich "die Koalition der Willigen (Schafe)". Ich wüßte zumindest kein ernsthaftes Projekt, dass Merkel & Co. durchgezogen hätten (außer vielleicht den Euro zugrunde zu richten) und selbst Kohl ist in die Wiedervereinigung eher hineingestolpert (und hat sie ja in vielen Bereichen noch ordentlich vergeigt).

  • Antworten
Thomas D.31.07.2012 | 23:31 Uhr

Die vierte Macht im Staat

Die geht mit dem schleichenden Verfall demokratischer Gepflogenheiten ebenfalls in massenkompatiblem Gedankengut unter. Will heißen, Medien haben zwar Macht, nur ist diese nicht mehr unabhängig.

  • Antworten
Gabriele Rack01.08.2012 | 10:37 Uhr

liebe gabriele rack

>> Medien haben zwar Macht

sie hätten die macht, wenn sich nicht die frühen fanboys der kanzleröse zu ihr auf streichelnähe begeben hätten und statt ihrer aufgabe nachzugehen, lieber lobeshymnen geschnurrt hätten. auch der autor dieses beitrags, wenn ich das recht erinnere. das herzstück der angie-fanboys saß ja damals im spargel ...

  • Antworten
hardy01.08.2012 | 18:41 Uhr

Herr Schwennicke, gestatten Sie

zu ihrem Vergleich mit der Theatertruppe noch ein Nachspiel:

Das Probenpublikum wurde nach der desaströsen Aufführung von führenden Meinungsforschungsinstituten befragt.Am nächsten Tag stand es in allen Zeitungen: Ca. die Hälfte der Zuschauer waren mit der Arbeit des Theaterdirektors Caribaldi sehr zufrieden bis zufrieden.

  • Antworten
edeltraudschubert02.08.2012 | 13:04 Uhr

Das schleichende Gift der gewöhnung

Sehr geehrter Herr Schwennicke,

Ihr Artikel ist typisch links - wie inzwischen der gesamte CICERO.

Frau Merkels Kabinett streitet gern und bringt Vieles nicht zu Stande
- wie jede/r Kanzker/in. So gab es schon Regierungen, welche GRIE-
CHENLAND (trotz ernster Mahnungen) aufgenommen und z. B. den STABILI-
TÄTSPAKT MEHRFACH gebrochen und in der Opposition von Anbeginn EURO-
BONDS - d.h. GEMEINSCHTSSCHULDEN-empfohlen haben. Wahrscheinlich rich-
tiger und für ganz Europa erfolgreicher als Frau Merkels Kabinet.
Die auch als Kriegsgegner angetreten sind und für diese Haltung laut-
stark geworben haben, dann aber sehr schnell in Afghanistan kämpfen
ließen und diese Maßnahmen als "friedliche Brückenbauer" darstellten.
Auf solche Akteure kann man selbstverständlich weniger hören, denn
sie handelten falsch aus politischem Kalkül oder wahrscheinlch aus
reiner Dummheit. Dann lieber die ruhige, zögerliche Frau Merkel, denn
sie hat ihre Meinung deutlich weniger geändert als in der Vergangen-
heit die tüchtige ROT/GRÜNE Mannschaft.

Und das linke Argument "Frau Merkel ist in Europe isoliert" stimmt ja
nicht. Isoliert vielleicht bei den südeuropäischen Schuldnerstaaten,
die billig Geld haben aber über Jahre hinaus auf nichts verzichten
wollen. In Mittel- und Nordeuropa sieht es offenbar anders aus.

Wie ist es in der Privatwirtschaft? Jemand, der sehr hoch verschuldet
ist, bekommt doch nur - wenn überhaupt - Geld zu extrem hohen Zinsen
(sog. ZITTERPRÄMIE). Warum soll für vergleichbare Staaten etwas an-
deres gelten?

Wählen Sie ROT/GRÜN aber wandern Sie vorher aus - leider fast nur noch
in schwer verschuldete, wettbewerbsunfähige Staaten. G. Thiel

  • Antworten
Gerhard Thiel08.08.2012 | 15:22 Uhr

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