Bereits vor über drei Jahren hatte die Frankfurter Allgemeine gefordert, Merkel solle die Eurokrise erklären. In seinem Sommerinterview forderte Bundespräsident Gauck das nun erneut. Doch im Vergleich zu heute war das Erklären zu Beginn der Krise eine leichte Aufgabe
Es sagt sich so leicht, dass die Kanzlerin nicht erklären könne. Der Bundespräsident ist offensichtlich nicht allein dieser Meinung. Jeder zweite Deutsche denkt so. Das ergab das jüngste ZDF-Politbarometer. Die FAZ stellte bereits vor über drei Jahren auf Seite Eins zur Euro-Krise fest: „Was fehlt: die Erklärkanzlerin“.
Diese Kritik sorgte damals im Kanzleramt für einigen Verdruss. Weil sie traf. Angela Merkel wurde gewarnt, dass sie ebenso scheitern werde wie ihr Vorgänger Gerhard Schröder, wenn sie nicht erklärt. Ihr drohe das gleiche Schicksal, „wenn sie keine Lehre aus Schröders größtem Fehler zieht“, hieß es 2009 in dem Leitartikel. „Die Lehre wäre, richtig zu führen. Dem Land und vor allem der Partei darf der Weg nicht nur gewiesen, er muss erklärt werden. Die Geführten müssen davon überzeugt sein, dass sich die Regierung auf dem richtigen Weg befindet.“
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An diesem Unvermögen war Schröder gescheitert. Dabei hätte es eigentlich ein Leichtes für ihn sein müssen, seine Politik zu erklären. Doch das war ihm lästig, weil sie seiner SPD nicht passte. Vor bald zehn Jahren ging es – „bloß“, muss man heute wohl sagen - um längst überfällige und bereits von der späten Regierung Kohl erwogene Reformen, die Schröder im Werber-Sprech „Agenda 2010“ nannte. Er hatte diesen Reformpfad als notwendig kapiert und schlicht keine Lust gehabt, seine eigenen Genossen mit Pathos und Gerede vor irgendwelchen Gremien von etwas zu überzeugen, das doch sonnenklar schien: Wegen des rapiden demographischen Niedergangs drohten Deutschlands Sozialsysteme unbezahlbar zu werden.
Eigenverantwortung und Sozialabbau wollte Schröder nicht groß
erklären, sondern kurzerhand durchsetzen. Er drohte und brüllte,
berief Sonderparteitage ein, schmiss den Parteivorsitz hin, warnte
immer wieder mal mit seinem Abtritt als Kanzler. Am Ende beeilte er
sich, dann doch wieder alter staatsgläubiger Sozialdemokrat zu
sein. Doch es war zu spät, die Partei hatte sich längst abgewendet
von ihm: 175.000 Mitglieder hatte die SPD während Schröders sieben
Kanzlerjahren verloren.
In ihren sieben Kanzlerjahren hat die CDU-Vorsitzende Merkel eine
viel bessere Bilanz. Die Zahl der CDU-Mitglieder ist weit weniger
dramatisch gesunken. Es gab selbst in ihren schwierigsten
Regierungsjahren, den drei letzten, keine Putschversuche - weder
gegen sie als Kanzlerin noch gegen sie als Vorsitzende. Das liegt
auch daran, dass sie inzwischen durchaus aus Schröders Fehlern
gelernt hat, Partei und Funktionären ihre Politik zu erklären. Sie
redet lang in Fraktionssitzungen, trifft sich häufig mit
Ministerpräsidenten wie Landräten und spricht geduldig vor
Senioren-, Frauen- und Junger Union.
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