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 > „Das Leben aus dem Gesicht retuschiert“

Berliner Republik

Briefmarke mit Helmut Kohl„Das Leben aus dem Gesicht retuschiert“

Von Konrad Rufus Müller10. Oktober 2012
picture alliance
Helmut Kohl, Kohl Briefmarke, Konrad R. Müller, Richter-Kohl
Dieses Bild wird Helmut Kohl nicht gerecht, sagt Konrad R. Müller
Schrift:

Er gilt als der "Kanzlerfotograf" – Konrad Rufus Müller. Helmut Kohl hat er über Jahre begleitet und fotografisch porträtiert. Das Bild des Altkanzlers, das nun die Sondermarke prägt, werde dem Machtmenschen Kohl nicht gerecht

Dieses Bild des Helmut Kohl wird dem Anlass des Erscheinens nicht gerecht. Es zeigt einen alten Mann, aufgenommen wahrscheinlich nach seinem folgenreichen Sturz im Jahre 2008. Da ist nichts mehr von dem Menschen zu sehen, der vor Kraft und Bedeutung schier zu bersten schien, der CDU-Politiker, an dessen Wahl zum Bundeskanzler im Herbst 1982 mit dieser Briefmarke erinnert werden sollte.

Das Leben aus dem Gesicht retuschiert, im schlecht sitzenden Anzug, ein Mann, der nach rechts unten aus dem Bild zu rutschen scheint. Diese Wahrnehmung hat der Machtmensch Kohl nicht verdient. Es passt aber zu der Vermutung, dass auch hier Frau Richter-Kohl federführend war. Als gäbe es den wahren Helmut Kohl erst seit dem Jahr 2005, als sie öffentlich in das Leben des berühmten Rentners trat. Es ist wieder so ein Mosaiksteinchen in dem großen Tableau, das Frau Richter-Kohl uns kleben will. Hätte der Altkanzler noch die Kraft zu entscheiden, er hätte sicher ein anderes Motiv gewählt.

Die Photographie, die ich meine, entstand im Oktober 1988, 10.000 Meter über Grund, an Bord der Luftwaffen-Boeing Konrad Adenauer, auf dem Weg von Bali nach Australien. Der Bundeskanzler hatte gerade die gesamte Delegation über den plötzlichen Tod seines Widersacher Franz-Joseph Strauß unterrichtet. Da stand vor uns ein Sieger, nicht ein über das Schicksal eines Politikerkollegen erschütterter Regierungschef. Später, immer noch an Bord, ist mir dann das Portrait gelungen, das Helmut Kohl später zu seinem Lieblingsfoto erklärte und mit dem er die Titel seiner ersten drei Memoirenbände schmücken sollte.

Foto: Konrad Rufus Müller

 

 

 

 

 

 

Der geschichtsbewusste Autor schaut nachdenklich, konzentriert, sich seiner Bedeutung bewusst. Die Erinnerungen: Bismarck, Churchill, Mitterrand, sein Freund, zu dem er aufblickte, dem Mann, den die Franzosen erst „Tonton“, dann „DIEU“ nannten. Große Vorbilder für den Memoirenschreiber Helmut Kohl, dessen Textbeiträge der Journalist Heribert Schwan jetzt zu atomisieren scheint.

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Kohl-Briefmarke

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass die Briefmarke bereits mit Erscheinen ein Auslaufmodell ist? Es handelt sich um eine 55-Cent-Marke, ab 1. Januar 2013 kostet der Standardbrief aber 58 Cent.

  • Antworten
Armin Wedekind11.10.2012 | 12:57 Uhr

Kohl...

...nicht der aus Dithmarschen.
Es wird viel zu viel Wirbel um diesen Ehemaligen gemacht, dem zufällig die Einheit in den Schoß fiel, auf die er nur reagierte aber nichts vordachte.
Man sollte Vergangens einfach ruhen lassen, speziell in diesem "Fall".

  • Antworten
Karl-Heinz Görmann11.10.2012 | 13:32 Uhr

Das Leben aus dem Gesicht retuschiert

wie Recht Sie haben, Herr Müller. Wer schützt einen großen alten Mann vor denen, die ihn "lieben"?

  • Antworten
Walter Thomann11.10.2012 | 14:38 Uhr

Kohlbriefmarke

Ja, ja die Witwen in spe! Frau Richter Kohl wird bald eine ähnliche Rolle spielen,
wie z.B. Frau Seebacher-Brandt

  • Antworten
Günter11.10.2012 | 14:59 Uhr

Auslaufmodell

erinnert, wenigstens farblich, auch ein wenig an dieses
philatelistische Auslaufmodell ... http://www.nrhz.de/flyer/media/12549/DDR_ulbricht_marke.jpg

  • Antworten
Tom Schilling12.10.2012 | 00:08 Uhr

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