Er gilt als der "Kanzlerfotograf" – Konrad Rufus Müller. Helmut Kohl hat er über Jahre begleitet und fotografisch porträtiert. Das Bild des Altkanzlers, das nun die Sondermarke prägt, werde dem Machtmenschen Kohl nicht gerecht
Dieses Bild des Helmut Kohl wird dem Anlass des Erscheinens nicht gerecht. Es zeigt einen alten Mann, aufgenommen wahrscheinlich nach seinem folgenreichen Sturz im Jahre 2008. Da ist nichts mehr von dem Menschen zu sehen, der vor Kraft und Bedeutung schier zu bersten schien, der CDU-Politiker, an dessen Wahl zum Bundeskanzler im Herbst 1982 mit dieser Briefmarke erinnert werden sollte.
Das Leben aus dem Gesicht retuschiert, im schlecht sitzenden Anzug, ein Mann, der nach rechts unten aus dem Bild zu rutschen scheint. Diese Wahrnehmung hat der Machtmensch Kohl nicht verdient. Es passt aber zu der Vermutung, dass auch hier Frau Richter-Kohl federführend war. Als gäbe es den wahren Helmut Kohl erst seit dem Jahr 2005, als sie öffentlich in das Leben des berühmten Rentners trat. Es ist wieder so ein Mosaiksteinchen in dem großen Tableau, das Frau Richter-Kohl uns kleben will. Hätte der Altkanzler noch die Kraft zu entscheiden, er hätte sicher ein anderes Motiv gewählt.
Die Photographie, die ich meine, entstand im Oktober 1988, 10.000 Meter über Grund, an Bord der Luftwaffen-Boeing Konrad Adenauer, auf dem Weg von Bali nach Australien. Der Bundeskanzler hatte gerade die gesamte Delegation über den plötzlichen Tod seines Widersacher Franz-Joseph Strauß unterrichtet. Da stand vor uns ein Sieger, nicht ein über das Schicksal eines Politikerkollegen erschütterter Regierungschef. Später, immer noch an Bord, ist mir dann das Portrait gelungen, das Helmut Kohl später zu seinem Lieblingsfoto erklärte und mit dem er die Titel seiner ersten drei Memoirenbände schmücken sollte.
Foto: Konrad Rufus Müller
Der geschichtsbewusste Autor schaut nachdenklich, konzentriert, sich seiner Bedeutung bewusst. Die Erinnerungen: Bismarck, Churchill, Mitterrand, sein Freund, zu dem er aufblickte, dem Mann, den die Franzosen erst „Tonton“, dann „DIEU“ nannten. Große Vorbilder für den Memoirenschreiber Helmut Kohl, dessen Textbeiträge der Journalist Heribert Schwan jetzt zu atomisieren scheint.












5 Kommentare