Karlsruhe entscheidet derzeit über die Zukunft Euros und damit auch über die Zukunft Europas. Viele unterstellen der EZB eine fehlende demokratische Legitimation – das sollte aber auch für das Bundesverfassungsgericht gelten. Eine Analyse
Könnte ich mich in eine Maus verwandeln oder unsichtbar machen, würde ich mich jetzt gerne in das Richterzimmer des 2. Senats des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe begeben. Denn glaubt man der Medienberichterstattung der vergangenen Wochen und Monate, wird dort gerade über die Zukunft des Euro entschieden.
Als Maus oder unsichtbarer Hobbykoch würde mich auch noch interessieren, ob der Hobbykoch, Gerichtspräsident und Vorsitzende des 2. Senats, Andreas Voßkuhle, seinen Kollegen aus seiner sagenumwobenen Küche kleine Snacks mitbringt, womöglich gar Salat mit Dressing, aber das nur am Rande.
Die eigentliche Frage ist doch eher, ob diese dramatische Zuspitzung überhaupt stimmt? Ist der Euro wirklich am Ende, wenn Karlsruhe den geplanten dauerhaften Rettungsschirm namens ESM für verfassungswidrig erklärt? Nein, es wäre nur schwieriger, politische Strukturen und Institutionen in Europa zu schaffen, die die bisherigen Schwächen der Gemeinschaftswährung beseitigen. Die praktischen Konsequenzen einer ablehnenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, zu der es meines Erachtens wird, wären zunächst gering.
Das wissen wir spätestens seit gestern Nachmittag, als EZB-Präsident Mario Draghi der Weltöffentlichkeit mitgeteilt hat, dass die Europäische Zentralbank ein „unbegrenztes Programm“ zum Aufkauf von Anleihen der Krisenstaaten auflegen wird. Die Märkte sind durch das Wörtchen unbegrenzt erst mal beruhigt, da kann Karlsruhe entscheiden, was es will.
Ist das ein falscher Schritt der EZB, überzieht sie damit ihr Mandat, begeht sie einen Rechtsbruch, fehlt es ihr an der dafür notwendigen demokratischen Legitimation, heizt sie Inflationsgefahren? In der Theorie lassen sich all diese Fragen schnell bejahen. Mitten in der größten Krise, die die Gemeinschaftswährung seit ihrer Einführung zu bestehen hat, helfen diese theoretischen Antworten aber nicht weiter.
Seite 2: Die EZB ist die einzige Handlungsfähige Institution in Europa











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