David McAllister, Niedersachsens Ministerpräsident, steht vor einer schwierigen Landtagswahl im nächsten Jahr. Dafür kopiert er das Erfolgsrezept von Hannelore Kraft – er setzt voll auf die Landespolitik und streitet Ambitionen auf Höheres ab. Er habe schließlich noch viel Zeit.
Herr McAllister, was haben Sie eigentlich gegen
Berlin?
Gar nichts. Berlin ist meine Geburtsstadt. Ich bin für Berlin. In
Charlottenburg bin ich aufgewachsen und habe dort bis 1982, also
bis zu meinem elften Lebensjahr gelebt. In Berlin komme ich ohne
Navi und Karte klar. Unsere Hauptstadt ist historisch spannend,
kulturell vielseitig und zu Recht ein Magnet für Besucher aus aller
Welt.
Aber mit dem politischen Berlin haben Sie nicht viel am
Hut?
Im Gegenteil. Im Schnitt bin ich zweimal pro Woche in Berlin – ob
im Präsidium und Bundesvorstand der CDU, im Bundesrat oder bei
anderen wichtigen Treffen. Dort bin ich hundertprozentig präsent,
wenn es um die gezielte Durchsetzung niedersächsischer Belange
geht. Landespolitik wird auch in Berlin gestaltet. Zu bestimmten
Umgangsformen im Berliner Politikbetrieb halte ich Distanz. Manche
Gepflogenheiten sind einfach nicht mein Stil – etwa das
Durchstechen vertraulicher Unterlagen oder Gesprächsinhalte an die
Medien oder das Schlechtreden politischer Freunde in sogenannten
Hintergrundkreisen. Um sich mit seinen politischen Inhalten Gehör
zu verschaffen, muss man auch nicht zwingend jedes Mikrofon
ungefragt und ununterbrochen ansteuern.
So hat Kurt Beck aus Mainz auch mal von Berlin geredet.
Es ging nicht lange gut.
Kurt Beck ist als SPD-Parteivorsitzender an innerparteilichen
Intrigen und der mangelnden Solidarität seiner Genossen
gescheitert. Was mich angeht, so habe ich zu den Spitzen der
Bundes-CDU ein sehr gutes Verhältnis. Daher bin ich ganz
entspannt.
Warum?
In Berlin will ich nichts werden. Keiner muss fürchten, ich wolle
ihm oder ihr einen Posten wegnehmen. Mein Platz ist in
Niedersachsen. Dieses Land ist meine Heimat. Hier bin ich froh und
glücklich mit dem, was ich bin. Hier mache ich meine Arbeit und bin
für die Menschen da. So einfach ist das.
Auch das hat schon mal einer gesagt und galt dann erst
recht als derjenige, der Merkel ans Leder wollte: Ihr Vorgänger
Christian Wulff.
Dass in der Berliner Republik alles aus der Sicht der
Bundeshauptstadt wahrgenommen wird, verstehe ich. Aber es gibt in
Deutschland auch ein reiches politisches, wirtschaftliches und
kulturelles Leben außerhalb des Berliner Regierungsviertels.
Landespolitik ist spannend und nah an den Menschen. Gerade
Letzteres ist mir besonders wichtig. Als Ministerpräsident kann ich
viel für das schönste Land der Bundesrepublik tun. Für mich ist es
eine große Ehre, in vergleichsweise jungen Jahren dieses Amt
bekleiden zu dürfen.
„Du musst auch mal den Arm heben", hat Ihnen Ihr
väterlicher Freund Peter Harry Carstensen empfohlen. Was ist falsch
an der Empfehlung?
Die Empfehlung ist richtig. Alles zu seiner Zeit. Und ich habe noch
ganz viel Zeit.
Seite 2: „Politik ist nicht das permanente Schielen auf einen neuen Job"










