Sie wissen nicht, was Sie mit Ihrem alten Mobiltelefon machen sollen? Oder wie man einen maßgefertigten Fenstergarten baut? Dann ab ins BMW Guggenheim Lab im Prenzlauer Berg in Berlin
Das Lab – eine 30 Meter lange Karbon- Stahl- Konstruktion – widmet sich dem Thema „Urbanes Leben“ und will als Ideenschmiede sowie als „multidisziplinäre Begegnungsstätte“ verstanden werden. Es stehen erfahrene Ingenieure und Computerspezialisten an der „Engineering Genius Bar“ für Sie parat, um Ihnen bei der Entwicklung Ihrer Ideen zu helfen. Soweit die Theorie.
Vor Ort wird dann Speichel unter selbstgebauten Mikroskopen untersucht oder alte Weinkorken zu Stempeln umfunktioniert. An anderer Stelle wird durch Workshops, wie „Wir nähen einen wasserfesten Fahrradsattelbezug“ der Abwesenheit des Sommers Rechnung getragen. Workshops also, die wohl eher auf eine Vorschulzielgruppe ausgerichtet zu sein scheinen, als auf ein kritisches, Kunst-interessiertes und diskussionsfreudiges Publikum.
Das von BMW finanzierte 180 qm große Labor ist Teil eines Langzeitprojekts der Guggenheim Stiftung. Die Architektur-Abteilung des New Yorker Guggenheimmuseums entwarf den mobilen Quader, um herauszufinden, in wie weit sich Kunst in Richtung soziale Wirklichkeit außerhalb der Museumsfronten erweitern kann. Die auf Stelzen stehende Konstruktion soll während der nächsten sechs Jahre durch insgesamt neun Weltstädte ziehen, um mit einer globalen Gesellschaft über Soziologie, Städteplanung, IT-Technik und Kunst im Dialog zu stehen.
Das Projekt startete mit Erfolg in Manhattans Lower East Side, nun ist Berlin die zweite Station, bevor es weiter nach Mumbai geht. Dem ersten Zyklus der drei Städte ist das Thema „Confronting Comfort“ gewidmet. Hierbei sollen „Ideen für die Großstadt“ gesammelt werden, für die „Erforschung des individuellen und kollektiven Komforts und der dringenden Notwendigkeit ökologischer und sozialer Verantwortung.“ Soll heißen: Auf experimentellem Wege zukunftsweisende Lösungsansätze für das Leben in der Stadt zu entwickeln. Wer will, möge sich an diesem Vorhaben beteiligen, erklärt Guggenheimkuratorin Maria Nicanor.
Leider sprechen die meisten Organisatoren und Mitarbeiter kein Deutsch und die Handvoll anwesender Besucher – vorwiegend im Senioren- und Krippenalter – nur recht wenig Englisch, weswegen sich die Verständigung und daher auch die veranschlagte Bastelaktivität zwischen den introvertierten Ingenieuren und dem Publikum in Grenzen hält.
Immerhin wurde die dreißig-minütige Rede von Lab-Leiter für Gesundheit José Gómez-Márquez für die älteren Herrschaften per Kopfhörer übersetzt. Der „Talk“ lief unter der Überschrift „Mappyness“ und es galt zu klären, wie man mit einer Smartphone-Applikation seinen Stresspegel an verschiedenen Standpunkten in der Stadt messen kann.
Seite 2: Wieso dieser „reisende Handwerkskasten" das umstrittenste Kulturprojekt des Jahres war...










