Vier obergrüne Anwärter für zwei Spitzenkandidatenposten – eigentlich eine prima Sache. Blöd daran ist allein, wie sich die Grünen damit in eine Medienfalle manövriert haben. So droht die Kandidatenkür zum Dschungelcamp zu geraten
Sie kriegen es ziemlich dicke ab, in diesen Tagen, die Grünen. Dabei gibt es eigentlich nur gute Nachrichten von ihnen: sie sind basisdemokratisch bis zum Anschlag. Sie wollen ihre Spitzenkandidaten für die nächste Bundestagswahl per Urwahl bestimmen. Welch andere Partei, außer den französischen Sozialisten, traut sich das schon? Sie sind transparent. Ihr Personalkarussell rotiert seit Wochen in schönster medialer Öffentlichkeit. Da könnte selbst den Piraten vor Neid schwindelig werden. Sie haben gleich sechs Bewerber für zwei Spitzenkandidatenposten. Konkurrenz belebt das Geschäft. Sie übererfüllen die Frauenquote. Unter den vier ernst zu nehmenden Kandidaten sind drei politikerfahrene Frauen. Hallo FDP? Hallo SPD? Ist da wer außer einem Solotänzer und einer Zwangstroika aus lauter Kerlen?
Es könnte also alles bestens aussehen, wenn die Grünen am 2. September auf einem kleinen Parteitag über ihre Kandidatenaufstellung für 2013 beraten – und doch geben sie derzeit ein blamables Bild ab. „Machtkampf bei den Grünen“, „Streit um Spitzenkandidatur“ titeln die Zeitungen. Fehlt nur noch das böse Wort vom „Zickenkrieg“. Ziemlich wohlfeil klingt da etliches, was die Medien den Grünen da jetzt unter die Nase reiben. Was bei den Piraten als frische Debattenkultur und Mitmachdemokratie gelobt wird, schreibt sich bei den Grünen als erbitterter Zank. Und was Journalisten selbst forcieren, die Personalisierung der Politik, wird beim Wettbewerb der grünen Köpfe als inhaltsloser Machtzank abgewatscht.
Doch diese Schelte haben sich die Grünen auch selbst eingebrockt -den Sozialdemokraten sollte es Warnung sein: durch vermurktes Krisenmanagement haben sie die Nominierung ihrer Spitzenkandidaten zum weiblichen Dschungelcamp mit männlichem Platzhirsch geraten lassen. Erst versuchten grüne Realos, den unangefochtenen Frontmann Jürgen Trittin als Alleinkandidaten aufs Schild zu hieven. Dann konnte Parteichefin Claudia Roth nicht an sich halten und warf ungeplant früh ihren Hut in den Ring. Daraufhin spielten junge männliche Strippenzieher über Bande. Über die Medien schickten sie mit Katrin Göring-Eckardt eine Frau vor als Roths Konkurrentin. Und zu guter Letzt will nun auch Spitzenfrau Renate Künast noch einmal wissen, ob sie im Bund das schafft, was sie in Berlin vermasselt hat.
Das voraussichtliche Resultat: eine aufwändige Urwahl mit viel grüner Selbstbeschäftigung, bei der einzig Jürgen Trittin recht entspannt, aber auch nicht sicher, ins Rennen gehen kann. Würden die Grünen ihren ausgewiesenen Europa- und Finanzsexperten nicht nominieren - sie wären mit dem Klammerbeutel gepudert. Nicht zufällig hat bisher keiner der grünen Jungmänner, die auf einen Generationswechsel drängen, den Mut, gegen ihn anzutreten.
Stattdessen stecken nun die drei Bewerberinnen in der Klemme, um den vakanten zweiten Platz im Spitzenduo vor allem gegeneinander rangeln zu müssen. Kein Ruhmesblatt für die Frauen einer Partei, in der sie stark vertreten sind wie nirgends sonst in der politischen Landschaft.










