Die Bundeskanzlerin operiert an den Grenzen ihrer Gesundheit. Alles muss sie selbst machen – nur Urlaub macht sie nicht. Ein Kommentar von CICERO-Chefredakteur Michael Naumann
Politik verdirbt nicht den Charakter, sondern die Gesundheit. Erschütternd war der Anblick der Bundeskanzlerin auf der Regierungsbank, nachdem sie am 27. Februar ihre fahrige Rede zum zweiten Rettungspaket für Griechenland gehalten hatte. Dass ihr bei der nachfolgenden Abstimmung die so genannte „Kanzlermehrheit“ fehlen würde, dürfte sie geahnt haben. Dass ihr sympathisch-überforderter Innenminister Hans-Peter Friedrich aus der Kabinetts-Disziplin entwichen war und gegen die neue Milliarden-Zusage für die Griechen plädiert hatte, konnte sie den Morgenblättern entnehmen.
Dass der wie immer zu bizarren Vergleichen aufgelegte Gregor Gysi den Versailler Vertrag als Beispiel verfehlter, prä-keynesianischer Politik bemühen würde, kann sie nicht überrascht haben. Und dass sie auf ihren Platz neben einem Vizekanzler Philip Rösler zurückkehren musste, der von allen deutschen Wirtschaftsministern seit einem halben Jahrhundert die groteskeste Fehlbesetzung ist, wird sie – Humor hat sie doch – innerlich längst akzeptiert haben.
Aber die „Verantwortung“, so betonte sie, für das Land und für Europa liege ganz allein auf ihren Schultern. Den Finanzminister erwähnte sie nicht. Der lässt bereits das nächste Rettungspaket für die Griechen in halber Heimlichkeit schnüren. Doch wer den entgleisenden Gesichtszügen der völlig übermüdeten Kanzlerin Aufmerksamkeit schenkte, durfte – jenseits aller parteipolitischen Überzeugungen – Mitleid mit einer Frau empfinden, der das Amt in einer Art und Weise zugesetzt hat, die jeden Hausarzt, jede Freundin, jeden Freund zum Ratschlag verpflichten müsste, Urlaub zu nehmen. Und sei es nur für eine Woche. Bismarck, so viel weiß man, zog sich während seiner Amtszeit für Monate auf seine Latifundien zurück, um nachzudenken. Diese Zeiten sind vorbei. Aber vielleicht sollte Angela Merkel zumindest ihrem Handy Urlaub gönnen.
Doch wer könnte sie vorübergehend ersetzen? Der Vizekanzler und Froschkönig aus Hannover gewiss nicht. Herr Ronald Pofalla? Ein Frank Steinmeier, der als Chef des Kanzleramts jederzeit Gerhard Schröder vertreten konnte (und vertrat), ist er nicht.
Irgendwann meldet sich der Körper mit Zweifeln zurück ...











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