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 > Auszeit für Angela Merkel

Berliner Republik

Schwarz-GelbAuszeit für Angela Merkel

Von Michael Naumann28. Februar 2012
picture alliance
Angela,Merkel,Urlaub,Physis,Gesundheit,Stress
Ist schon eine Weile her - Angela Merkel am Strand in Polen
Schrift:

Die Bundeskanzlerin operiert an den Grenzen ihrer Gesundheit. Alles muss sie selbst machen – nur Urlaub macht sie nicht. Ein Kommentar von CICERO-Chefredakteur Michael Naumann

Seite 1 von 2

Politik verdirbt nicht den Charakter, sondern die Gesundheit. Erschütternd war der Anblick der Bundeskanzlerin auf der Regierungsbank, nachdem sie am 27. Februar ihre fahrige Rede zum zweiten Rettungspaket für Griechenland gehalten hatte. Dass ihr bei der nachfolgenden Abstimmung die so genannte „Kanzlermehrheit“ fehlen würde, dürfte sie geahnt haben. Dass ihr sympathisch-überforderter Innenminister Hans-Peter Friedrich aus der Kabinetts-Disziplin entwichen war und gegen die neue Milliarden-Zusage für die Griechen plädiert hatte, konnte sie den Morgenblättern entnehmen.

Dass der wie immer zu bizarren Vergleichen aufgelegte Gregor Gysi den Versailler Vertrag als Beispiel verfehlter, prä-keynesianischer Politik bemühen würde, kann sie nicht überrascht haben. Und dass sie auf ihren Platz neben einem Vizekanzler Philip Rösler zurückkehren musste, der von allen deutschen Wirtschaftsministern seit einem halben Jahrhundert die groteskeste Fehlbesetzung ist, wird sie – Humor hat sie doch – innerlich längst akzeptiert haben.

Aber die „Verantwortung“, so betonte sie, für das Land und für Europa liege ganz allein auf ihren Schultern. Den Finanzminister erwähnte sie nicht. Der lässt bereits das nächste Rettungspaket für die Griechen in halber Heimlichkeit schnüren. Doch wer den entgleisenden Gesichtszügen der völlig übermüdeten Kanzlerin Aufmerksamkeit schenkte, durfte – jenseits aller parteipolitischen Überzeugungen – Mitleid mit einer Frau empfinden, der das Amt in einer Art und Weise zugesetzt hat, die jeden Hausarzt, jede Freundin, jeden Freund zum Ratschlag verpflichten müsste, Urlaub zu nehmen. Und sei es nur für eine Woche. Bismarck, so viel weiß man, zog sich während seiner Amtszeit für Monate auf seine Latifundien zurück, um nachzudenken. Diese Zeiten sind vorbei. Aber vielleicht sollte Angela Merkel zumindest ihrem Handy Urlaub gönnen.

Doch wer könnte sie vorübergehend ersetzen? Der Vizekanzler und Froschkönig aus Hannover gewiss nicht. Herr Ronald Pofalla? Ein Frank Steinmeier, der als Chef des Kanzleramts jederzeit Gerhard Schröder vertreten konnte (und vertrat), ist er nicht.

Irgendwann meldet sich der Körper mit Zweifeln zurück ... 

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Merkel ist das Problem

Unsere werte Frau Bundeskanzlerin hat ja inzwischen in der Mainstream-Presse denselben Status, wie einst Helmut Schmidt bei den bürgerlichen Kreisen. Der richtige Bundeskanzler in der falschen Partei. Verquerer könnte die Situationsdeutung nicht sein. Denn im Falle Merkel ist es ja genau umgekehrt. Noch nie hat an der Spitze unserer Regierung ein Bundeskanzler gestanden, der sachlich und politisch von seinem Amt derart überfordert war - Willy Brandt in seiner Spätphase vielleicht ausgenommen. Dem entspricht die Zusammensetzung des Kabinetts. Kompetente und eigenständige Personen haben dort keinen Platz oder wurden isoliert und ausgeschaltet. Wie die meisten Autodidakten hat Frau Merkel das Problem, nicht mit Sachwissen ungehen zu können, sonder von ihm überwältigt zu werden. Verblüffendes Detailwissen bei völliger Orientierungslosigkeit in der Sache. Man muß nur die gestrige Europarede gesehen haben. Auch nach 2 Jahren intensiver europäischer Gipfeldiplomatie scheint Frau Merkel nichr einmal die einfachsten Grundgedanken deutscher Europapolitik verstanden zu haben. Platz genug darauf einzugehen wäre zwischen ihren inhaltslosen Phrasen nun wirklich gewesen.
Die Folgen solch planlosen Agierens sind auf die Dauer gravierend. Politik wird zu reiner Parteitaktik und zum Krisenmanagement selbstgemachter Probleme. Auftauchende Schwierigkeiten werden ignoriert und Scheinlösungen präsentiert. Das gesamte Denken wird vom nächsten Wahltermin bestimmt. Kritik, auch berechtigte, hat in den neuen Machtstrukturen der CDU keinen Platz mehr Vertreter abweichender Meinungen werden mit entschlossener Härte aus ihren Positionen entfernt oder kalt gestellt.
So weit, so bekannt. Die eigentlich interessante Frage ist doch, weshalb diese Art des Regierens allgemeine Zustimmung findet, nicht nur bei den Medien, sondern auch bei der "Opposition". Daneben wachsen Zweifel, wie lange so etwas gut gehen kann. Merkel Kanzlerschaft ist ja nur der vorläufige Endpunkt in der sich immer deutlicher abzeichendne Krise des hermetisch abgeschlossenen Parteinenstaats. Fällt in einem derart personalisierten Machtsystem die Führungsfigur aus, könnte das gesamte System ins Wanken geraten und anschließend zerfallen. Da kann man sich über den Zustand von Frau Merkels Gesundheit schon mal ernste Gedanken machen.

  • Antworten
Otto Hildebrandt29.02.2012 | 13:09 Uhr

Auszeit für Angela merkel???

Ganz sicher braucht Frau Merkel Urlaub - unabhängig davon was ihre Regierung ohne sie nicht bewältigen kann. DOCH: In Deutschland einge-
brockt hat ihr die Suppe ROT/GRÜN (Griechenlandaufnahme/Euro-Stabilit-
tätspackt-Verstöße). D. H.: Auch die "indirekt" gelobte SPD (Stein-
meier, Schröder) haben nicht nur bei der von ihnen teilweise verur-
sachten Reparatur der Eurokrise sondern vor allem bei deren Verur-
sachung SCHMÄHLICH versagt.

  • Antworten
Gerhard Thiel29.02.2012 | 14:33 Uhr

Die einsame Steuerfrau

Der legendäre Vorstandssprecher der Deutschen Bank Hermann Josef Abs sagte einmal auf die Frage eines Journalisten, ob er Zeit für ein Interview habe: „ Wenn ich die Zeit nicht hätte wäre ich eine glatte Fehlbesetzung“. Da heute kein Spitzenpolitiker oder Spitzenmanager von Rang, geschweige denn die Bundeskanzlerin, diese Zeit haben, ist zu vermuten, dass alle Spitzenfunktionen der Wirtschaft und Politik personale Fehlbesetzungen sind.

Das ist natürlich nicht der Fall und dennoch lebt ihr Führungsansatz von der Anmaßung der Vernunft, alles sei machbar und unter Kontrolle zu bringen, obwohl die Zeit für ein Interview oft fehlt. Ungeachtet dessen meinen Viele alle Probleme seien lösbar und zwar auf der Basis von Ordnungsformen, Planung im Detail und Befehl und Anweisung. Sie glauben ernsthaft man könne durch zielorientiertes Einwirken auf Menschen zu jedem gewünschten Ergebnis kommen, so als sei alles nur eine Frage der Menschenführung ohne systemische Interaktion. Nach dem Motto: Wenige wissen alles und diese müssen nur richtig auf Menschen einwirken und schon entstünde eine Zieloptimierung.

Wer das meint sitzt in dem bekannten Boot, in dem einer rudert und alle anderen schauen zu. Das dieser Kräfte verschlingende Vorgang irgendwann zu einem körperlichen und geistigen Zusammenbruch führen muß, dürfte jedem einsichtigen Bürger klar sein. Ganz zu schweigen davon, dass jede Person ohne eine kreative Pause nur aus dem alten Fundus schöpft und ihn abspult ohne ihn zu erneuern. Geistige Neuentdeckungen sind da nicht mehr möglich.

Nun könnte man meinen, dass sei alles ganz einfach, Angela Merkel brauche sich nur die besten Personen ins Boot zu holen um gemeinsam mit ihnen zu rudern und schon könne sie mit geteilter Kraft alles wieder unter Kontrolle bringen. Eben das geht angesichts der heutigen Komplexität nicht mehr. Dazu bedarf es eines völlig neuen Ansatzes. Dieser geht von einer sich selbst generierenden Ordnung aus. Das heißt, nur unter Verzicht einer Detailregulierung und durch die Verwendung genereller Verhaltensregeln in einem größeren Bereich ist eine gewisse Orientierung noch möglich, bei aller Unbestimmtheit im Detail.

Diese politische Ansicht ist für eine Physikerin undenkbar. Sie würde diese Unbestimmtheit nicht ertragen. So wird sie weiter kräftezehrend ihre Politik der kleinen, kontrollierten Schritte durch die Niederrungen des politischen Alltags lenken während andere ständig große Entwürfe von ihr erwarten. Entwürfe, deren Vorwegnahmen zukünftiger Ereignisse dem Wahlvolk eine Art Kontrollgewinn bescheren sollen. Wer ständig vor diese Herausforderung gestellt wird, nämlich die wolkigen Vorstellungen vieler Bürger zu erfüllen, muß eines Tages kraftlos im Boot liegen bleiben. Das ist wohl wahr.

  • Antworten
Heinz Pelzer29.02.2012 | 21:58 Uhr

Mitleid

für Merkel? Sicher nicht. Sie ist ganz allein selbst schuld and em Umfeld, dass sie sich geschaffen hat.

  • Antworten
VerySeriousSam01.03.2012 | 09:22 Uhr

Frau Merkel

@Heinz Pelzer
"Dazu bedarf es eines völlig neuen Ansatzes. Dieser geht von einer sich selbst generierenden Ordnung aus. Das heißt, nur unter Verzicht einer Detailregulierung und durch die Verwendung genereller Verhaltensregeln in einem größeren Bereich ist eine gewisse Orientierung noch möglich, bei aller Unbestimmtheit im Detail. Diese politische Ansicht ist für eine Physikerin undenkbar."
Ihr kluger Kommentar zeigt, dass Sie etwas begriffen haben, wozu die BK nicht fähig ist: nämlich, dass, beginnend beim einzelnen Menschen, über die Familie, die lokalen, nationalen und kontinentalen Gesellschaften bis hin zu den Gesellschaften im Weltmaßstab die Vorgänge, welcher Art auch immer, so komplex sind, dass sie im Grunde nicht regelbar sind. Selbst Gesellschaften, die auf dem Reißbrett entworfen wurden, wie etwa marxistische, die zentral nach ehernen "Gesetzen" gehandhabt werden, laufen irgendwann aus dem Ruder, im Falle der UdSSR nach 70, im Falle der DDR nach 40 Jahren. In beiden Fällen haben sogenannte Persönlichkeiten versucht, die Zügel, zum Teil mit brachialer Gewalt, in der Hand zu behalten. Gegenwärtig erleben wir das wieder bei Frau Merkel. Eigentlich sollten ihr als Physikerin die Grundbegriffe der Systemtheorie nicht unbekannt sein. Auch Gesellschaften sind dissipative Systeme, die bei entsprechendem störendem Input an Punkte gelangen, wo das System von sich aus entscheidet, eine neue Qualität anzunehmen oder im Chaos zu versinken. Eine ältere Frau, die vergeblich versucht, diesem Geschehen in die Speichen zu greifen, ist da nur eine tragische Figur.

  • Antworten
Rudolf Stein06.05.2012 | 17:08 Uhr

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