Seit der NSU-Affäre hat sich der Druck auf die rechtsextreme Szene verstärkt. Nach dem ehemaligen NPD-Kader Andreas Molau verkündete nun auch Michael Fischer, der Lebensgefährte der Ruderin Nadja Drygalla, seinen Ausstieg. Doch wann ist ein Ausstieg glaubwürdig? Und wie können Freunde und Bekannte dabei helfen?
In den vergangenen Wochen ist das Thema „Ausstieg aus der rechtsextremen Szene“ in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt – anhand ganz unterschiedlicher Beispiele. Zunächst war es Andreas Molau, ehemaliges NPD-Bundesvorstandsmitglied, der mit seinem Ausstieg die Öffentlichkeit überraschte. Dann behauptete Michael Fischer, der Lebensgefährte der Olympiateilnehmerin Nadja Drygalla, er sei kein Nazi mehr. Der ehemalige Aktivist der Nationalen Sozialisten Rostock sagte in einem dpa-Interview, er habe keinen „großartigen Kontakt mehr zu Leuten, die damit zu tun hatten“. Brisant scheint derzeit die Frage, inwieweit man Fischers Ausstiegsbeteuerungen Glauben schenken kann.
Beide Fälle werfen indes ähnliche Fragen auf: Was bedeutet es, aus der rechtsextremen Szene auszusteigen und: Was ist ein glaubwürdiger Ausstieg?
Der Distanzierung von der rechtsextremen Szene geht meist nicht
nur eine jahrelange Mitgliedschaft voraus, sondern auch der Weg in
die Szene.
Den Ausstieg zu verstehen gelingt kaum, ohne sich die Gründe des
Einstiegs genauer zu betrachten. Dazu gehören individuelle
Geschichten und Beweggründe; bei allzu einfachen Erklärungsmustern
ist Vorsicht geboten.
Der Weg in die Szene fällt in vielen Fällen – vor allem bei jungen
Menschen – mit biographischen Brüchen zusammen, die zu einer Suche
nach Neuorientierung führen. Häufig fehlen alternative
Zugehörigkeitsangebote, wodurch der Weg in die rechtsextreme Szene
maßgeblich vorzeichnet wird. Die Aussicht von Gemeinschaft und
Sicherheit lockt immer wieder Neulinge in die Szene. Diese neue
Identität wird meist verstärkt durch ein feindlich wahrgenommenes
Umfeld, das zu einer deutlichen Abgrenzung der sozialen Gruppe
führt. Schritt für Schritt werden so andere soziale Kontakte durch
eine regelrechte „Ersatzfamilie“ eingetauscht. Aussteiger berichten
oft von sektenähnlichen Strukturen der extremen Rechten. Im
erweiterten Umfeld der Szene können die Mitglieder teils komplett
ihren Alltag bestreiten. Es gibt Konzerte, Demonstrationen,
Zeltlager und viele weitere Angebote, die im Zusammenspiel mit dem
neuen Freundeskreis ein
Leben in der Szene ermöglichen. Oft steht bei den ersten
Veranstaltungen nicht die Ideologie im Vordergrund.











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