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Berliner Republik

RechtsextremismusAusstieg ist nicht gleich Ausstieg

Von Felix M. Steiner8. August 2012
picture alliance
Skinheads,Ausstieg,Rechtsextremismus
Der Sprung raus aus rechten Organisationen ist nicht leicht – und dauert.
Schrift:

Seit der NSU-Affäre hat sich der Druck auf die rechtsextreme Szene verstärkt. Nach dem ehemaligen NPD-Kader Andreas Molau verkündete nun auch Michael Fischer, der Lebensgefährte der Ruderin Nadja Drygalla, seinen Ausstieg. Doch wann ist ein Ausstieg glaubwürdig? Und wie können Freunde und Bekannte dabei helfen?

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In den vergangenen Wochen ist das Thema „Ausstieg aus der rechtsextremen Szene“ in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt – anhand ganz unterschiedlicher Beispiele. Zunächst war es Andreas Molau, ehemaliges NPD-Bundesvorstandsmitglied, der mit seinem Ausstieg die Öffentlichkeit überraschte. Dann behauptete Michael Fischer, der Lebensgefährte der Olympiateilnehmerin Nadja Drygalla, er sei kein Nazi mehr. Der ehemalige Aktivist der Nationalen Sozialisten Rostock sagte in einem dpa-Interview, er habe keinen „großartigen Kontakt mehr zu Leuten, die damit zu tun hatten“. Brisant scheint derzeit die Frage, inwieweit man Fischers Ausstiegsbeteuerungen Glauben schenken kann.

Beide Fälle werfen indes ähnliche Fragen auf: Was bedeutet es, aus der rechtsextremen Szene auszusteigen und: Was ist ein glaubwürdiger Ausstieg?

Der Distanzierung von der rechtsextremen Szene geht meist nicht nur eine jahrelange Mitgliedschaft voraus, sondern auch der Weg in die Szene.
Den Ausstieg zu verstehen gelingt kaum, ohne sich die Gründe des Einstiegs genauer zu betrachten. Dazu gehören individuelle Geschichten und Beweggründe; bei allzu einfachen Erklärungsmustern ist Vorsicht geboten.
Der Weg in die Szene fällt in vielen Fällen – vor allem bei jungen Menschen – mit biographischen Brüchen zusammen, die zu einer Suche nach Neuorientierung führen. Häufig fehlen alternative Zugehörigkeitsangebote, wodurch der Weg in die rechtsextreme Szene maßgeblich vorzeichnet wird. Die Aussicht von Gemeinschaft und Sicherheit lockt immer wieder Neulinge in die Szene. Diese neue Identität wird meist verstärkt durch ein feindlich wahrgenommenes Umfeld, das zu einer deutlichen Abgrenzung der sozialen Gruppe führt. Schritt für Schritt werden so andere soziale Kontakte durch eine regelrechte „Ersatzfamilie“ eingetauscht. Aussteiger berichten oft von sektenähnlichen Strukturen der extremen Rechten. Im erweiterten Umfeld der Szene können die Mitglieder teils komplett ihren Alltag bestreiten. Es gibt Konzerte, Demonstrationen, Zeltlager und viele weitere Angebote, die im Zusammenspiel mit dem neuen Freundeskreis ein Leben in der Szene ermöglichen. Oft steht bei den ersten Veranstaltungen nicht die Ideologie im Vordergrund.

Seite 2: Der Ausstieg als Prozess

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Szene-Ausstieg an Bedingungen knüpfen

Herr Steiner hat einen lobenswerten Artikel abgeliefert. Ich möchte aber auf einen Aspekt hinweisen. Seit den Polizistenmord durch die Zwickauer Terrorzelle hat der Staat ein besonderes Interesse, die Vernetzung zwischen der NPD und dem NSU Trio aufzuklären. Sehr viele Banküberfälle sind nicht aufgeklärt. Im Zusammenhang mit der NPD sind drei Fälle in der Ermittlung. Der NSU Fall ist eine Aneinanderreihung von Pannen und Vertuschungsversuchen. Die NPD kann nicht verboten werden, weil V-Männer in ihr als Agent Provocateur arbeiten. Man kann mutmaßen, dass V-Männer an der Vorbereitung und Organisation von Banküberfällen und Waffenkäufen beteiligt waren. Ein glaubhafter Szene-Ausstieg wäre also, Informationen zur Aufklärung von Waffenlagern, Banküberfällen und geheimen Bankkonten zu liefern. Gerade in der Phase der Neuordnung des Bankwesens sollten wir keine unnötigen Banküberfälle durch Rechtsextreme tolerieren. Die NPD hat akute Finanzprobleme. Gerade jetzt in einer Phase in der mit anti-europäischen Parolen Stimmungsmache finanziert werden muss, sollten wir auf klare Bedingungen für die Aufnahme in das Aussteiger Programm bestehen.

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Brandt10.08.2012 | 17:39 Uhr

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