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Berliner Republik

Ausbildungen„Die Ausbildungsbedingungen sind oft unattraktiv”

Interview mit Alexandra Uhly26. Januar 2013
picture alliance
Etwa die Hälfte aller auszubildenden Friseure beendet die Ausbildung nicht
Etwa die Hälfte aller auszubildenden Friseure beendet die Ausbildung nicht
Schrift:

Die Quote der Auszubildungsverträge, die vorzeitig aufgelöst werden, steigt seit 2005 und hat den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht. Dr. Alexandra Uhly erklärt im Gespräch mit Cicero Online, warum bestimmte Berufe besonders betroffen sind

Frau Dr. Uhly, seit 2005 steigt die Quote der aufgelösten Ausbildungsverträge kontinuierlich an. 2011 erreichte sie 24,4 Prozent. Haben sich die Ausbildungsverhältnisse oder die heutigen Auszubildenden verändert?
Die Vertragslösungsquote schwankt seit Anfang der 1990er-Jahre zwischen 20% und 25%. Immer wenn sich die Marktlage aus Sicht der Jugendlichen verbessert, steigt auch die Auflösungsquote von Ausbildungsverträgen. Das heißt: Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz angenommen haben, der sich für sie als weniger attraktiv herausstellt oder vorher bereits nur eine Notlösung war, verlassen den Ausbildungsbetrieb deutlich häufiger, wenn viele andere Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen. Momentan sind wir in einer solchen Situation. Es wäre jedoch ein Fehler, die Auflösung von Ausbildungsverträgen ausschließlich als Scheitern der Jugendlichen zu betrachten.

Was können die Betriebe bei einer solchen Marktlage dafür tun, dass ihnen die Auszubildenden nicht davon laufen?
Manchmal hat der Auszubildende wenig Interesse an einer kontinuierlichen Arbeit oder sie ist ihm zu anstrengend. Meist geht es aber um die Ausbildungsbedingungen und die Qualität dieser. Auszubildende beklagen, dass viele Tätigkeiten verrichtet werden müssen, die nur wenig mit der eigentlichen Ausbildung zu tun haben. Aktuelle Studien weisen auf die besondere Bedeutung von Konflikten hin. Der Umgang mit diesen stellt sowohl die Jugendlichen, als auch die Betriebe und die Berufsschulen vor Herausforderungen. Konflikte frühzeitig anzusprechen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, kann das Risiko der vorzeitigen Beendigung von Ausbildungsverhältnissen verringern.

Haben sich die Ausbildungsbedingungen in den letzten Jahren denn verschlechtert?
Aus Sicht der Jugendlichen werden natürlich eher betriebliche Gründe für eine Vertragsauflösung genannt. Dabei sind es vor allem Konflikte mit den Ausbildern, eine mangelnde Ausbildungsqualität und ungünstige Arbeitsbedingungen, die die Jugendlichen zum Auflösen des Vertrages bewegen. Die Betriebe sehen die Ursachen hingegen meist bei den Jugendlichen. Es gibt jedoch keinen Befund dafür, dass einer dieser Gründe in letzter Zeit stark zugenommen hat. Daher muss man hier vor allem die Alternativen auf dem Ausbildungsmarkt als Ursache sehen.

Etwa ein Drittel der Jugendlichen bricht ihre Ausbildung ab, weil sie mit ihrer Berufswahl unzufrieden sind oder sich die Arbeit anders vorgestellt haben. Sind die heutigen Jugendlichen zu naiv und informieren sich nicht genug über den angestrebten Beruf?
Das mag in dem ein oder anderen Fall zutreffen. Wobei es bereits sehr viele Initiativen gibt, um die Jugendlichen schon in der Schule bei der Berufswahl zu unterstützen. Es kann aber auch vorkommen, dass die Ausbildungsbedingungen einfach ungünstig waren. Denn viele Jugendliche wechseln nur den Betrieb und nicht den Beruf. Es ist im Einzelfall sehr schwer herauszufinden, wer die vorzeitige Beendigung eines Ausbildungsverhältnisses zu verantworten hat. Wichtiger Ansatzpunkt ist nicht nur die Berufswahlorientierung der Jugendlichen, sondern auch das Rekrutierungsverhalten der Betriebe.

Warum brechen so viel mehr Kellner als Bankkaufleute ihre Ausbildung ab?
Das wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Man kann zwar nicht sagen, dass Ausbildungsberufe mit einer hohen Lösungsquote generell unattraktiv sind. Berufe wie Koch, Friseur oder Restaurantfachmann, in denen es auch relativ viele unbesetzte Stellen gibt und die Betriebe Probleme haben, Auszubildende zu finden, bieten aber oft unattraktivere Ausbildungsbedingungen. Dabei spielt sicherlich auch die Vergütung eine Rolle und zwar nicht nur die Bezahlung während der Ausbildung, sondern auch im weiteren Erwerbsverlauf. Dazu kommen die Arbeitsbedingungen mit oft langen Arbeitszeiten und Wochenendarbeit.

Frau Dr. Uhly, vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Alexandra Uhly ist promovierte Volkswirtin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Das Interview führte Julian Graeber

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WAS FÜR NEUIGKEITEN!!!!

Jobs wie Kellner, Koch oder Friseuse sind unattraktiv? Na, wer hätte das wohl gedacht - da brauchts natürlich nen promovierten Durchlauferhitzer, um sowas feststellen zu können.

  • Antworten
Vomitorium26.01.2013 | 13:15 Uhr

IN DER TAT SIND DAS NEUIGKEITEN

Die weitgehende Verachtung von traditionellen Lehrberufen ging Hand in Hand mit der weitgehenden Verdrängung der Angestellten durch Mac-Jobber. Das ist nicht ganz so neu.

Wenn ein User namens "Vomitorium" im Forum eines sich bürgerlich gebenden Kampfblattes angesehene und wichtige Lehrberufe als "Jobs" bezeichnet, sich dann noch als Anti-Intellektueller outet dann ist das schon eine Neuigkeit und entbehrt nicht einer gewissen Komik.

  • Antworten
Andreas Säger26.01.2013 | 15:24 Uhr

Lehrjahre sind keine Herrenjahre

leider sind heute viele junge Leute der Meinung dass ihnen ein gut dotierter Job mit viel Freizeit zusteht,oft bei maessigen Leistungen,lernen ist laestig.Schon in der Schule wollen sie 'bespasst' werden. Ganz offenbar haben nur die wenigsten eine Ahnung was ihnen im Leben noch alles zugemutet werden wird.Das grosse Erwachen kommt noch.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant26.01.2013 | 15:37 Uhr

Ach Frau Bryant, und schon

Ach Frau Bryant, und schon wieder bemühen Sie Allgemeinplätze die nichts, aber auch gar nichts mit den hier angesprochenen Sachverhalten zu tun haben und wirklich keinen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten. Sie beweisen erneut, dass Sie auf unterstem Stammtischniveau denken und sollten sich in Zukunft von Medienforen fern halten...

Es geht (um Sie mal aufzuklären) nicht um Lust oder Unlust bzw. mangelndem Arbeitswillen irgendwelcher Jugendlicher, sondern schlicht um die Tatsache dass solche Ausbildungen in Berufsbilder münden, die so wenig an Lohn einbringen dass man davon nicht mal vernünftig leben kann.

Natürlich kann nicht bestritten werden, dass es eben Leute gibt, die aufgrund ihrer intellektuellen Fähigkeiten nicht die Dispositionen besitzen, um alle Anwälte, Ärzte, Piloten oder sonst etwas zu werden.

Klar ist ja auch, dass jede Gesellschaft nun einmal auch die ganze Bandbreite an Berufen und Dienstleistungen auf verschiedenen Niveaustufen - und Gehaltsstufen - braucht. Man sollte in diesem Zusammenhang auch tunlichst vermeiden, eine Kultur des "alles ist allen möglich" als heilsbringend zu proklamieren. Das wird nie funktionieren. Denn natürlich gibt es Menschen, die es im Leben nicht so einfach haben, mittels als "hochwertiger" angesehener Berufe viel Geld zu verdienen, und die meinetwegen auch die erforderliche Bildung mitbringen oder wo andere Gründe sie - im Vergleich zu anderen - als benachteiligt positionieren.

Aber - unabhängig davon müssen ALLE ein unserem Kulturkreis und allgemeinen Wohlstandsniveau entsprechendes "gutes" Leben aus eigener (Arbeits)Kraft erreichen können. Und das ist angesichts der Verdienstmöglichkeiten in solchen Berufen (wobei da noch andere in diesen Kanon gehören) nicht zu erreichen.

Klar soweit?

  • Antworten
Kommentar26.01.2013 | 17:17 Uhr

Ihre Ueberheblichkeit

Schreit zum Himmel. Ich, im Gegensatz von Ihnen, habe eine Lehre( kaufmaennische ) hinter mir und auch wenn es nicht immer Spass war, habe ich auch fuers Leben was gelernt. Was ich nicht verstehe ist warum so viele Leute heute auf das Handwerk runter schauen,so mancher Handwerker verdient besser als viele Akademiker.Dazu sollte man doch mal junge Leute daran erinnern dass jede Arbeit die noetig ist auch von jemandem gemacht werden muss,also ehrenvoll ist. Wenn wir wollen dass Jeder von seiner Arbeit gut leben kann dann muessen wir alle bereit sein mehr fuer diese Arbeiten zu bezahlen und das ist doch der Haken. Aber so lange ' Geiz ist geil' als Leitmotif gilt wird sich diese Attitude nicht aendern. Ausserdem wird sich dieses Problem von alleine loesen denn wenn keiner mehr Kellner oder bzw., Friseur werden will dann muessen wir entweder uns selber bedienen und lernen die Haare selber schneiden.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant29.01.2013 | 15:43 Uhr

Die Arbeitszeiten und der

Die Arbeitszeiten und der Verdienst dürften ja vorher schon bekannt sein. In Gesprächen mit Jugendlichen habe ich öfters erfahren, dass der momentane "Spassfaktor" als sehr wichtig angesehen wird; dass es später nach der Ausbildung ggf. auch andere Möglichkeiten gibt, wird ausgeblendet. Wer macht denn sein ganzes Leben das, was er ursprünglich mal gelernt hat? Im Leben etwas aus sich machen, sich dafür anzustrengen, das ist gefragt.

  • Antworten
Christin28.01.2013 | 16:47 Uhr

Schade

Schade eigentlich, ich kann den Beruf des Friseurs wirklich empfehlen. Klar der Ausbildungsbetrieb ist sehr wichtig, gerade am Anfang muss man als Ausbilder darauf achten das sich die Auszubildenden wohl fühlen aber wenn der Azubi wirklich spaß an der Sache hat, macht gerade dieser Beruf besonderst Spaß. Ich kann diesen Beruf nur weiter empfehlen ! Ihr müsst nur spaß an der Sache haben und euch wie überall ins Zeug legen ;-)

Grüße
Eddine

  • Antworten
Coiffeur Zürich16.02.2013 | 16:20 Uhr

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