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Berliner Republik

Schuldenunion in der EurokriseApplaus für den Mut der SPD!

Von Gunter Hofmann7. August 2012
picture alliance
Sigmar Gabriel,SPD-Parteichef,Schuldenunion
Die SPD, hier Parteichef Sigmar Gabriel, hat sich Mutmacher in der Eurofrage gesucht
Schrift:

Während sich in der FAZ dieser Tage konservative Wut über Merkels Europapolitik Bahn bricht, geht die SPD einen waghalsigen Schritt: Der Vorschlag von Habermas, Nida-Rümelin und Bofinger einer politischen Union und einer Vergemeinschaftung der Schulden ist überfällig

Seite 1 von 2

Kommt vielleicht doch aus scheinbar heiterem Himmel ein überfälliger Diskurs in Gang? Wie der Zufall – oder war es Regie? – so will, wurde jüngst eine wütende Polemik gegen Angela Merkel publiziert, die man in solcher Schärfe noch nicht gelesen hat („Das System M“, 3. August 2012, FAZ).

Tags darauf erschien an gleicher Stelle, nämlich als Aufmacher im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ein fulminanter Text zu Europa. Es war die pointierteste Kritik am „Versagen einer perspektivlosen Politik“, die man bislang lesen konnte, weil sie mit ihren umfangreichen Rettungsprogrammen und kaum noch zu zählenden Krisengipfeln die Situation des Euro-Raumes in den beiden vergangenen Jahren kontinuierlich verschlechtert habe. Schuld sei die Bundesregierung, weil ihr der Mut fehle, „einen unhaltbar gewordenen Status quo zu überwinden“.

Der erste Text stammt aus der Feder Gertrud Höhlers, einer emeritierten Literaturprofessorin, die sich nicht ungern als Beraterin Helmut Kohls titulieren ließ und demnächst ein Buch über die Kanzlerin unter dem kennzeichnenden Titel „Die Patin“ veröffentlicht. Den zweiten Text haben die Professoren Jürgen Habermas, Julian Nida-Rümelin und Peter Bofinger gemeinsam formuliert. Die Pointe daran ist, dass der Vorsitzende der SPD, Sigmar Gabriel, die kühne Idee hatte, den Sozialphilosophen Habermas um einen Beitrag für das Regierungsprogramm seiner Partei zu bitten – woraus sich dann der Essay der drei Autoren entwickelte unter der Überschrift: „Einspruch gegen die Fassadendemokratie.“ (FAZ vom 4. August 2012) Dieser Aufsatz läuft am Ende darauf hinaus, in Europa den nächsten großen Integrationsschritt zu wagen, eine politische Union anzusteuern und dann auch die Schulden – unter Bedingungen – solidarisch zu vergemeinschaften, weil sonst das Euro- und Europa-Projekt zu scheitern drohe.

Prompt hat Gabriel den Ball aufgegriffen und sich öffentlich zu einer solchen Vergemeinschaftung der Schulden bekannt – nun mit der Rückenstärkung prominenter Wissenschaftler ausstaffiert. Ein gelungener „Doppelpass“, wie Fußball-Freunde sagen. Reflexartig folgte natürlich die Reaktion von FDP, CSU und CDU, die geradezu hohnlachend dem SPD-Chef viel Glück beim Sammeln von Wählerstimmen für dieses Vorhaben wünschten, bei dem angeblich die Deutschen – wieder mal! – die Rechnung für das Versagen der Südeuropäer zahlen müssten.

Es fällt schwer, wie ich zugeben muss, beide inspirierenden Texte – die nun auch zufällig in der FAZ erschienen – nicht in einem Kontext zu lesen. Dennoch liefern den ungleich wichtigeren Beitrag natürlich Habermas sowie der Kulturphilosoph Nida-Rümelin und der Ökonom Bofinger.

Es geht gar nicht darum, ob man Gertrud Höhler in allen Punkten applaudiert, ja man kann für einen Moment die Frage sogar beiseite lassen, weshalb sie in einem geradezu überschießenden Maße ins Gericht mit der Kanzlerin geht. Natürlich schwingt da auch eine kulturkonservative Enttäuschung darüber mit, dass die Frau aus dem ehemals kommunistischen Osten – Merkel – die bürgerliche Wertewelt nicht begriffen hat und quasi nach Belieben und Marketing-Lage Politiken aus dem Regal zieht und anbietet, die gerade gut zu gehen versprechen. Richtiges und Falsches mischen sich dabei auf geradezu extreme Weise.

Die Irrtümer beginnen damit, dass Gertrud Höhler Angela Merkel mit Kohl auf eine Ebene stellt und suggeriert, die „Ego-Karriere“ – sprich: Macht – gehe ihr über alles. Keiner ihrer Vorgänger oder Kollegen habe das Tableau seiner Themen „so entschieden unter eine Prämisse gestellt, den persönlichen Machterhalt, wie Angela Merkel“. Genau das aber möchte man, trotz ihres Instinkts für Machterhalt, bezweifeln. Persönliche Karriere ist ihr nicht alles. Man kann auch nicht im Ernst behaupten, „Anklänge“ an die Diktaturen des zwanzigsten Jahrhunderts bei ihr herauszuhören. Für die Marginalisierung der Parteien oder die Randständigkeit des Parlaments gibt es andere Gründe, das ist nicht einfach Frau Merkel anzulasten. Zudem schwankt die Autorin selbst, ob sie die vermaledeite Regierungschefin als total wertrelationistisch geißeln oder ihr „autoritären Sozialismus“ unterstellen soll. Eines von beiden geht nur.

Seite 2: Siebzig Prozent der Deutschen applaudieren der Politik der Kanzlerin

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Anders als auch dieser Artikel suggeriert,

kann man sehr wohl europäisch denken, ja, ein überzeugter Europäer sein, und dennoch -oder gerade deswegen- alle Vorschläge zur Vergemeinschaftung alter und neuer Schulden strikt ablehnen.

  • Antworten
VerySeriousSam07.08.2012 | 12:17 Uhr

Ich stimme Ihnen zu. Auch ich

Ich stimme Ihnen zu. Auch ich bin überzeugte Europäerin, lehne es aber ab, dass die Griechen praktisch ohne Gegenleistung (wann zahlen die GR-Reeder Steuern ?)mit Tricks und Mogelei sich immer mehr EU-Steuergeld erschleichen und die ganze Eurozone als Geisel nehmen und sie in Gefahr bringen. Die Vergemeinschaftung der Schulden hat mit der europäischen Idee nicht das Geringste zu tun.

  • Antworten
Angelika Wagner08.08.2012 | 14:04 Uhr

Applaus für den Mut der SPD, die politische Union zu fordern |

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  • Antworten
entertainment info21.08.2012 | 19:15 Uhr

"Einspruch gegen die Fassadendemokratie"

Man kann dem nur ganz klar entgegenhalten. Einer gesamtschuldnerischen Haftung für die Schulden Europas oder einer Haftung für das Unbekannte können die Bürgerinnen und Bürger nicht zustimmen. Das gilt auch für den derzeit diskutierten Vorschlag, den ESM mit einer Bankenlizenz auszustatten. Auch hier würde Deutschland unbegrenzt für unbekannte Risiken haften. Das wäre auch mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar. Eine Haftungs- und Schuldenunion, muss demokratisch legitimierte sein. Unser Grundgesetz müßte daher geändert werden, und das Staatsvolk muss darüber abstimmen können. Dann würden wieder die alten Schlachten unter dem mehrfach verwendeten Wahlkampfmotto „Freiheit statt Sozialismus“ geschlagen werden. „Freiheit“ stand schon in den 70er Jahren für das demokratisch-politische System Bundesrepublik Deutschland, „Sozialismus“ für das politische System und den Wirtschaftsraum der DDR (aktuell Euro-Zone). Die DDR ist ja bekanntlich implodiert und existiert nicht mehr, die Gemeinschafts-Ideologie scheint jedoch weiterzuleben. Verantwortlich waren damals ein paar nicht gewählte Leute im Politbüro der DDR. Egalisierende Konzepte und Vorstellungen in Form einer Haftungs- und Schuldenunion dürfen niemals zum politischen Programm werden. Man kann immer wieder nur die Verfechter einer gemeinschaftlichen Ordnung darauf aufmerksam machen, mit ihrem sozialen Radikalismus, sie vergewaltigen das Grundbedürfnis des Menschen, indem sie die Menschen auf ein Bild, eine einzige Idee einschwören. Das wird auch nicht gelingen, weil die Mehrheit des Staatsvolkes sich gegen dieses Konzept entscheiden würden. Egal welche Partei damit in den Wahlkampf geht, sie wird verlieren. Es gibt kein einheitliches fixiertes Leitbild von Europa, nur das Europa der gebrochenen Verträge.

  • Antworten
bernhard jasper07.08.2012 | 15:33 Uhr

Schwer im Magen

Der Angela-Merkel-Artikel von Frau Höhler liegt Herrn Hofmann, dem früheren Weltgewisssen-Orakel der Zeit, scheinbar schwer im Magen. Majestätsbeleidigung! Wir lassen uns unsere rot-grüne Spielpuppe mit CDU-Parteibuch nicht so einfach kaputtreden. Schon gar nicht von Schirrmacher und seinen Leuten, die Merkel früher gar nich hoch genug schreiben konnten.
Über Europa sollten Herr Hofmann freilich noch einmal nachdenken, bevor er sich die weltfremden und größtenteils falschen und unsachlichen Aussagen der drei älteren Herren in der FAZ zueigen macht. Wieso sollen europäischen Institutionen auf einmal funktionieren, wo sie doch maßgeblich an der Europa-Misere schuld sind. Sie haben jahrelang gegen die offensichtlichen Fehlentwicklungen in den jetzigen Krisenländern nichts unternommen, und, als die Krise offen ausbrach, im Krisenmanagement völlig versagt. "Mehr davon!" ist da wirklich das naheliegende Rezept.
Wie war das noch mit der Wiedervereinigung und all den guten Ratschlägen von der "Zeit", die sich alle als ebenso wohlmeinend wie falsch herausgestellt haben. Und dem Schwachsinn von Herrn Habermas mit seinem Gerede vom "DM-Nationalismus". Mit der Folge, dem abschließenden Absturz der SPD in die Bedeutungslosigkeit und dem Scheitern der Grünen an der 5% Hürde. Beim Euro empfehlen sie der SPD dieselbe Medizin. Wohl bekomms.

  • Antworten
Otto Hildebrandt07.08.2012 | 15:53 Uhr

Habermas, Nida-Rühmelin und Bofinger

'No taxation without representation' findet sich eindeutig bei den drei Intellektuellen. Damit lässt sich aber eine Schuldenvergemeinschaftung nicht begründen.
Schulden sind mit Kredit finanzierte Staatsausgaben von GESTERN. Sie haben ihre demokratische Legitimation prinzipiell nur nationalstaatlich. Sie beinhalten sowohl den staatlichen Eigenverbrauch, der besonders in Italien ein besonderes Problem ist, und Leistungsgesetze. Wir können uns da nicht einmischen. Solange Italien proportional das Zweieinhalbfache von Deutschland für den Staatsapparat ausgibt, wird es in Europa keinen demokratischen Konsensus dafür geben, für die aufgelaufenen Schulden gemeinsam zu haften - d.h. alle die relativ weniger Schulden und mehr Wachstum haben müssten mehr als sonst zahlen, und, die Ausfallhaftung, auch für zukünftige Pensionszusagen, ist auf alle verteilt.

Die erwünschte supranationale Brücke trägt nicht, wenn wir mit den Schuldenlasten darüber gehen wolten.

Confederation Europa ! Ende des supranationalen Gedöns.

  • Antworten
Bernhard K. Kopp07.08.2012 | 16:48 Uhr

Europa ist ein Zweckbündnis aus dem Kalten Krieg

Herr Jaspers hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Schuldenunion des Euro ist doch nur dazu da, einerseits den Verschuldungsorgien der Banken zu dienen, und andererseits den GIPS-Ländern billige Zinsen zu verschaffen, da sie in Bezug auf ihre Leistungsbilanzdefizite hoffnungslos unterlegen sind. Es scheint unserem Dream-Team von Rümelin, Habermas und Bofinger nicht einzugehen, dass der Euro mit den GIPS keine Zukunft haben kann. Es gehört numal nicht zusammen, was nicht zusammen passt. Dieses eweige "immer mehr von demselben", ergor immer mehr Kredite und Taregtverschuldungen von EU und EZB in die GIPS-Länder zu pumpen, ist doch nicht mehr auszuhalten. Zumindest wird der deutsche Steuerzahler dies bald einsehen, wenn die Arbeitslosigkeit und Inflation aufgrund der Rezession auch in Deutschland ankommen wird. Dann werden wir Staatsbürger auch den Schluss ziehen, und unseren wohlfeilen Schaukelstuhleuropäern nicht mehr erlauben, noch mehr Geld in die Rachen der GIPS-Länder zu werfen. Der Vergleich mit der DDR ist gar mal von der Hand zu weisen. Man darf auch nicht vergessen, warum die Europäische Union letztendlich gegründet worden ist. Nämlich im Kalten Krieg die Russen aus Europa fern zu halten, und die Deutschn unten zu halten. Das ist Gott sei Dank nicht mehr aktuell. Aber so zu tun, als wäre der Euro der Kern der Europäischen Union ist schlichter Blödsinn, weil die EU allein 27 Staaten umfasst, und die Währungsunion nur 17. Aber wer hört schon genau hin.

  • Antworten
Gregor Kampmann07.08.2012 | 20:07 Uhr

Teil 1: Keine Transferunion! Mehr nationale Eigenverantwortung!

@ VerySeriousSam, Berhard Jasper, Otto Hildebrandt, Bernhard K. Kopp
Ich stimme Ihnen in allen Punkten zu.
!!! Ein Europa auf Kosten Deutschlands. Ein solches Europa wollen wir nicht !!!

Die Euroretterei läuft auf eine gigantische Transferunion hinaus. Die Rede vom „zur Kasse gebetenen deutschen Steuerzahler“ ist dabei verkürzend und euphemistisch. Denn die Vorschläge dieses Triumvirats, die sich die SPD offensichtlich zu eigen macht, würden zu einer gigantischen Umverteilung von Wohlstand aus Deutschland in den den Club Med führen.
Es betrifft nicht nur den deutschen Steuerzahler, sondern die gesamte deutsche Volkswirtschaft mit all den massiven negativen Folgen für uns alle. In einer solchen Schulden-, Haftungs-, Inflations- und Transferunion würden ungezählte Milliarden unserer Volkswirtschaft entzogen und in die Staaten des Club Med gepumpt. Das ergäbe einen nicht zu akzeptierenden Wohlstandsverlust bei uns, und in den Empfängerländern würden die Geldzuflüsse die notwendigen Reformen blockieren. Es würde nur noch schlimmer.

Übrigens hat sich in Deutschland der Länderfinanzausgleich längst ad absurdum geführt: es gibt nur noch drei Geber- aber 13 Empfängerländer. Bremen und Berlin denken überhaupt nicht daran, ihre Defizite abzubauen und Maßnahmen durchzusetzen, die die wirtschaftliche und damit die finanzielle Situation ihrer Länder verbessern könnten.
Ich höre mal auf. Es ist alles so deprimierend.

  • Antworten
Bakwahn07.08.2012 | 21:56 Uhr

Teil 2: Die romantischen Ideen deutscher Intellektueller

Habermas und Rümelin sind Kulturphilosophen; Ökonomie und Finanzen standen nie auf ihren Lehrplänen. Von diesen beiden müßte man allerdings etwas anderes erwarten: nämlich Aufklärung über die substantiellen Differenzen der beteiligten europäischen Nationen und ihre höchst verschiedenartigen Kulturen, Mentalitäten, Identitäten.

Die Europaideen des größten Teils der deutschen Politiker, Intellektuellen und auch Journalisten speisen sich aus zwei Quellen: aus einem tiefen Mißtrauen gegen die eigene Nation und einer romantischen, ja sentimentalen Ganzheitsidee, die an das Heilige Römische Reich Deutscher Nation erinnert, die man jetzt im Superstaat Europa endlich verwirklichen könne. Diese Auffassung schimmert auch durch den Text des Triumvirats hindurch (Link siehe unten).
Ich stütze mich bei meiner Argumentation auf einige Leitgedanken Karl Heinz Bohrers, die er in den letzten 20 Jahren in seinem Merkur (deutsche Zeitschrift für europäisches Denken) in diversen Aufsätzen diskutiert hat.
Bohrer schreibt: „Die beiden Quellen der deutschen Europa-Idee, das Mißtrauen gegen die Nation und die Ganzheitsschwärmerei, haben eine zentrale Gemeinsamkeit: Sie sind realitätsabgewandt und ohne wirkliche Kenntnisse der politischen Bedingungen und Mentalitäten in Europa. Und das macht sie am Ende illusionär und deshalb sogar gefährlich.“
Dem Text des Triumvirats (und diesem hier von Hofmann sowieso) fehlt jegliches Bewußtsein über die grundsätzlichen politischen, wirtschaftlichen und vor allen Dingen auch kulturellen Differenzen und unterschiedlichen Mentalitäten, die einer gemeinsamen europäischen Identität und einer weiteren und tieferen Integration im Wege stehen.

Hier der Link zum Ausatz der Troika:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/europas-zukunft/kurswechsel-fuer-europa-einspruch-gegen-die-fassadendemokratie-11842820.html

  • Antworten
Bakwahn07.08.2012 | 21:59 Uhr

Teil 3: Die europäischen Differenzen

Warum ist eine weitere Vertiefung Europas nach dem Zusammenbruch des Ostblocks 1990 ausgerechnet über eine gemeinsame Währung versucht worden? Warum sind nicht andere Politikfelder in den Blick genommen worden?

Herr Gunter Hofmann, der Verdacht drängt sich auf, daß bei der Wiedervereinigung Mitterand Kanzler Kohl erpresst hat. Kohl hat aus romantisch-eigensüchtigen und zugleich naiven Gründen nachgegeben. Kohl wollte als Mitbegründer eines vereinten Europas, als europäischer Superstar, in die Geschichtsbücher. Gleichzeitig hatte er von Wirtschaft und Finanzen herzlich wenig Ahnung.
Mitterand wollte über die gemeinsame Währung - wie Italien und Spanien auch - den deutschen Tresor knacken. Jetzt zeigt sich: es ist gelungen.

Eine gemeinsame europäische Währung, die aufgrund eines kaltblütig kalkulierenden Erpressers (Mitterand) und eines naiven Romantikers und Egomanen (Kohl) zustande gekommen ist, ist kaum 10 Jahre später eigentlich am Ende. Sie wird im Wesentlichen nur noch von der deutschen Volkswirtschaft am Leben erhalten.

Warum wird der Euro als scheinbar einziges Mittel zu einer weiteren Integration Europas angesehen?
Warum werden nicht andere Politikfelder in den Blick genommen?

Ich mache folgende Themenvorschläge zu einer gemeinsamen Verteidigungs-, Sicherheits- und Außenpolitik, die der links-liberale CICERO journalistisch aufarbeiten könnte.
(1) Die europäischen Nationen gründen eine gemeinsame Armee:
(a) zur gemeinsamen Verteidigung der europäischen Außengrenzen
(b) zum Einsatz bei Kriegsverhinderungs- und Friedensmissionen in außereuropäischen Krisenregionen. Selbstverständlich nur nach Maßgabe der UNO und, wenn möglich, in Kooperation mit der NATO.

(2) Ein gemeinsames Außenministerium:
Die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Außenministeriums, was gleichzeitig bedeutet, daß Frankreich wie auch Großbritannien ihren Sitz im Weltsicherheitsrat abgeben. Europäische Interessen werden dann in Zukunft von einem gemeinsam bestellten europäischen Vertreter im Sicherheitsrat wahrgenommen. Daß Frankreich und Großbritannien dort noch mit Sitz und Stimme vertreten sind, ist doch ein kruder Anachronismus! Ein Treppenwitz der Geschichte!

An diesen beiden Beispielen der Außen- und Sicherheitspolitik zeigt sich die unüberbrückbare Differenz zwischen Deutschland einerseits sowie Frankreich und Großbritannien. Die beiden Nationen werden niemals ihr Mandat aufgeben, noch werden sie auf eine eigenständige Außen- und Sicherheitspolitik verzichten.

Bakwahn
Hamburg Bangkok Düsseldorf

  • Antworten
Bakwahn07.08.2012 | 22:02 Uhr

Realitätsverweigerung

Die Realitätsverweigerung deutscher Politiker ist atemberaubend. Wann stellt man sich endlich der Tatsache, dass wir für die Übernahme fremder Schulden nie und nimmer Haushaltsdisziplin als Gegenleistung erhalten werden? Die Realität zeigt doch, dass entsprechende Verträge, Abkommen, Gesetze inzwischen skrupellos ignoriert werden, womit Rot-Grün übrigens angefangen hat. Maastricht-Grenze? No bail out? Interessierte nicht mehr, sobald man die Hartwährung hatte. Genausowenig wird irgendjemand außer den Deutschen tatsächlich auf Souveränitätsrechte verzichten. Nur die Haftung der Nordländer wird man gern mitnehmen. Haften die erst den bösen "Märkten", geht einem das Wort Zahlungseinstellung leichter über die Lippen.

  • Antworten
Helgoo07.08.2012 | 22:32 Uhr

Finanzmärkte sind nic längerfristig politisch manipulierbar

Erstmalig wird europäischen Politikern der Gegenwart vor Augen geführt, welche Folgen dauerhaft nicht ausgeglichene Staatshaushalte haben können. Ebenso wird den Staatslenkern aufgezeigt, welche Folgen sich aus einer mangelhaften Kontrolle der Banken ergeben können. So hat man in Spanien die Risiken des Baubooms für die Kreditinstitute nicht wahrnehmen wollen. Sicher auch aus Gründen des Arbeitsmarktes.
Der Finanzmarkt bewertet jetzt die Finanzsituation der einzelnen Staaten und damit die Politik der Verantwortungsträger der Vergangenheit. Das kennen und mögen Politiker nicht. Aktuelle Umfragen, eigene Außenwirkung, Fehler des politischen Gegners sind die Impulse des politischen Handelns. Die Schulden aus vergangenem Handeln waren bisher nicht wirklich relevante Faktoren.
Das ist jetzt anders. Täglich wird aufs Neue das Verschuldungsproblem auf den Tisch gebracht. Damit kommen die Politiker und das politische Umfeld nicht mehr klar. Es entstehen abstruse Vorschläge, die die Bürger nicht wollen.
Es gibt weder für eine Schuldenübernahme noch für eine weitere Abgabe nationaler Selbstbestimmung eine Zustimmung in der Bevölkerung. Und das ist richtig, denn derartige Vorschläge lösen die Probleme nicht.
Einzig eine glaubwürdige Politik der kontinuierlichen Konsolidierung der Staatshaushalte wird das Finanzmarktproblem der betroffenen Staaten lösen. Griechenland wird das nicht leisten können und wird die Eurozone verlassen müssen. Die Korrektur eines politischen Fehlers der Vergangenheit, wenn man so will.
Die anderen Staaten werden hart arbeiten müssen, um die Konsolidierung zu schaffen. Politisches Taktieren hilft nicht mehr. Den Finanzmarkt kann man nicht ausschalten, wenn man Geld braucht.
So wird sich die politische Klasse wohl daran gewöhnen müssen, dass die Märkte zwar nicht gewinnen, aber eine Art Kontrolle über fremdfinanzierte politische Maßnahmen ausüben. Waren die Maßnahmen falsch, kosten sie Zinsaufschläge. Wenn ich länger darüber nachdenke, bin ich eigentlich mit diesen Mechanismus nicht unzufrieden.
So zwingt er vielleicht die Politiker, doch mal etwas weiter als bis zur nächsten Wahl zu denken.

  • Antworten
Bernd Milke08.08.2012 | 00:56 Uhr

Zur Sache- wir haben es mit

Zur Sache- wir haben es mit einem Betrug zu tun..., beschrieben in einem kleinen Büchlein:

"Das Ende des Geldes - Wegweiser in die ökosoziale Gesellschaft"

"Die Zeit der Banken und des Geldes ist vorbei", schreiben die beiden Wirtschaftswissenschaftler Franz Hörmann und Otmar Pregetter. Denn Banken erfinden Geld aus Luft, die freien Märkte sind Blasenmaschinen zum Missbrauch für die Eliten, unser gegenwärtiges Finanzsystem ist ein reines Betrugsmodell. Die Folge: Der ultimative Finanzcrash droht; damit verbunden, das Ende des Geldes. Doch die beiden Autoren verbreiten in diesem Buch keineswegs Hiobsbotschaften, wenn sie „grundlegende Veränderungen der Gesellschaft“ fordern. Sie zeigen realistische Möglichkeiten auf, wie eine Gesellschaft auch ohne Geld funktionieren kann, und sie bieten einen Wegweiser in eine ökologisch und sozial orientierte Zukunft.“ Siehe:
http://www.franzhoermann.com/
In der Homepage von Prof.Dr. Franz Hörmann kann das o.g. Buch gratis per downloads kostenfrei erworben werden.

  • Antworten
Uwe E. Mertens08.08.2012 | 07:27 Uhr

Die Internationale

Ich musste an die Internationale denken und an das marxistische Motto „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“

Sigmar Gabriel denkt diesen Ansatz neu und ruft: Schuldner aller Länder, vereinigt euch!

  • Antworten
Robert09.08.2012 | 12:08 Uhr

GR kam durch Betrug in die Eurozone

und kann heute nur durch unsaubere Massnahmen in der Zone gehalten werden.Dabei wird ignoriert dass GR schon seit 1980 grosse Summen aus dem EU Topf bekam da das Land chronisch pleite war.... Wenn ich mich nicht irre hat GR schon seit 1948 in roten Zahlen gewirtschaftet. Auch der Wohlstand der erst nach Aufnahme in die Eurozone kam war ausschliesslich auf Pump finanziert.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant11.08.2012 | 15:31 Uhr

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