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Berliner Republik

NPD-VerbotAntifaschistischer Herdentrieb

Von Christoph Seils3. Dezember 2012
picture alliance
NPD Verbot, Friedrich, NSU, Nazi
NPD – oje
Schrift:

Der Bundesrat hat beschlossen, beim Bundesverfassungsgericht das Verbot der rechtsextremen NPD zu beantragen. Wieder versucht die Politik, ihre Ratlosigkeit und das Versagen der Sicherheitsbehörden an anderer Stelle mit Aktionismus und symbolischer Politik zu überdecken. Aus aktuellem Anlass ein Artikel aus unserem Archiv

Seite 1 von 2

Zu den Gründungsmythen der Berliner Republik gehört das selbstbewusste Bekenntnis von Staat, Politik und Gesellschaft, aus der mörderischen deutschen Geschichte gelernt zu haben.

Daran kann man zwar gelegentlich seine Zweifel haben. Zum Beispiel, wenn die Sicherheitsbehörden des Landes ein Jahrzehnt lang keine Ahnung davon haben, dass eine rassistische Terrorzelle eine mörderische Blutspur durch das Land zieht. Oder auch dann, wenn die deutschen Geheimdienste nach der Enttarnung des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) nichts Besseres einfällt, als eilig jene Akten zu schreddern, die das NSU-Umfeld betreffen.

Die NPD wiederum war zuletzt so sehr mit V-Leuten durchsetzt, dass der Eindruck entstehen konnte, ohne die finanzielle, logistische und intellektuelle Unterstützung des Verfassungsschutzes ist die Partei gar nicht lebensfähig. Selbst das Bundesverfassungsgericht war ob des geballten V-Mann-Einsatzes bei der NPD so irritiert, dass es 2003 das erste Verbotsfahren gegen die Partei einstellte. 

Das soll jetzt anders werden. Die V-Leute des Verfassungsschutzes in der NPD sind abgeschaltet und mittlerweile sieht es so aus, als sei der antifaschistische Zug in den deutschen Amtsstuben nicht mehr aufzuhalten. Selbst Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat seinen Widerstand gegen ein neues NPD-Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht aufgegeben. Zwar gab er noch einmal seine Bedenken zu Protokoll, aber Friedrich will sich den Ländern nicht in den Weg stellen. Am Donnerstag dieser Woche wollen die 17 Ministerpräsidenten das Verfahren nun auch offiziell auf den Weg bringen.

Niemand zweifelt daran, dass sich Bundestag und Bundesregierung dem Drängen der Länder beugen werden. Schließlich will sich kein Politiker dem Vorwurf aussetzen, auf dem rechten Auge blind zu sein. Das kommt zwar gelegentlich vor, aber dann war es ein Versehen, ein Einzelfall oder schlicht und einfach Ermittlungspech.

Im kommenden Jahr wird das Bundesverfassungsgericht also erneut über ein Verbot der NPD verhandeln. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Politik versuchen würde, ihre Ratlosigkeit und das Versagen der Sicherheitsbehörden an anderer Stelle mit Aktionismus und symbolischer Politik zu überdecken. Das war schon im Sommer 2000 so, als die Sicherheitsbehörden keine Ahnung hatten, wer hinter einem Rohrbombenanschlag auf eine Gruppe jüdischer Emigranten in Düsseldorf stand. Stattdessen brachte man das erste NPD-Verbotsverfahren auf den Weg. Das ist nun wieder so, weil die Politik das Entsetzen der Deutschen über die Mordserie des NSU an Immigranten und das Unvermögen von Polizei und Verfassungsschutz irgendwie kanalisieren muss.

Mit derselben administrativen Akribie, mit der vor einem Jahr bei den Verfassungsschutzbehörden Akten vernichtet wurden, wurden nun von den Innenbehörden der Länder auf 1000 Seiten exakt 2649 Belege für die Verfassungswidrigkeit der NPD zusammen getragen. Die Zitate-Sammlung mag beeindruckend sein, rund 400 NPD-Mitglieder wurden darin verewigt. Trotzdem bleibt zweifelhaft, ob das ausreicht, um die Karlsruher Richter zu überzeugen. Weder lässt sich mit der Zitate-Sammlung eine Wesensverwandtschaft der NPD mit der NSDAP noch von einer „aktiv kämpferischen, aggressiven Haltung gegenüber der bestehenden Ordnung“, wie sie Voraussetzungen für ein Parteienverbot nach Artikel 21 Grundgesetz wären, begründen.

Ein erneutes Scheitern des Verbotsantrages ist also alles andere als ausgeschlossen

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NPD Verbot

Sehr richtig, ein NPD-Verbot ändert an der Situation gar nichts. Es ist doch abzusehen dass diese Partei bald von der Bildfläche verschwindet.

  • Antworten
W.D. Kurz03.12.2012 | 16:33 Uhr

noch mal zur überschrift

auch wenn der text vom ressoertleiter ist bleibt es eine selten blöde überschrift

  • Antworten
sonnenschein04.12.2012 | 20:42 Uhr

Scheitern Verboten

Abgesehen davon, dass ich in Parteienverboten die Reinkarnation des Faschismus sehe(Hitler hatte damals auch unliebsame Gegner ausgeschaltet), so gebe ich Recht, dass diese Anti-Neonazi-Hetze ein reinstes Ablenkungsmanöver ist, um die Inkompetenz der Geheimdienste zu übertönen. In meinen Augen dient diese Neonazi-Gefahr-Instrumentalisation eher dazu auch die gesamte Politikunfähigkeit mit deren Krampfgehabe zu überschleiern, "panem et circenses"...seit den alten Römern sehr effizient. Die Gefahr für Deutschland liegt nicht im Neonazismus, sondern im immer höher steigenden Verblödungsgrad der Bevölkerung, die ohne die Medien unfähig wären überhaupt zu denken, das dennkende Wesen Mensch avanciert zum Meinungslosen Papagei, der alles unkontrolliert nachplappert.

  • Antworten
Uwe Ostertag05.12.2012 | 07:00 Uhr

Antifaschistischer Herdentrieb

Die NPD wird verboten: einverstanden! Und wer verbietet die "Autonomen" mit ihren Sprüchen:
"Deutschland von der Karte streichen, Polen muß bis Holland reichen!"?
Wer verbietet die Juden-Hetze von gewissen Muslimen?
Wie wird mit den gewaltbereiten "Autonomen2 umgegangen?
Kommt alles später. Erst mal die NPD verbieten.
Erst mal Griechenland "retten". Dann reden wir über die Zukunft des EURO.
Niemand traut sich in Deutschland zu schreiben, dass die drei Jugendlichen, die den Linienrichter in Holland totgeschlagen haben, junge MFarokkaner waren.
Aber wählen soll ich gehen!

  • Antworten
Wolram Wiesel05.12.2012 | 08:20 Uhr

Laut Ministerpräsidentin

Laut Ministerpräsidentin Christine Liebknecht (Thüringen) stehen die Chancen für ein NPD-Verbot wirklich gut (Interview-Ausschnitte von heute): http://www.lvz-online.de/nachrichten/mitteldeutschland/lieberknecht-sieht-gute-chancen-fuer-npd-verbot--laender-wollen-ersten-schritt-machen/r-mitteldeutschland-a-165762.html
Auf die Person Pastörs wird dabei nicht explizit eingegangen - aber dass er zu dem Verbot seiner Partei maßgeblich beigetragen hat, sollte es denn dazu kommen, ist offensichtlich, wenn man über seine Reden in der Vergangenheit nachdenkt. Wie man dermaßen verblendet sein kann, ist mir unbegreiflich. In seiner Radikalität unterscheidet er sich in Nichts von den "muselmanischen Horden", die ihm ein Dorn im getrübten Auge sind.

  • Antworten
Christoph05.12.2012 | 09:51 Uhr

wehrhafte Demokratie

„Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, dass sie selbst die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft. (…) Man muss auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen.“
leider nicht von mir-aber dennoch anwendbar auf alles was mit ......ismuss zu tuen hat ( Fasch....,Islam....,Salafi.....,National.....,uvm )
von wem das Zitat ist ist ?

Aus der Rede Carlo Schmids am 8. September 1948 im Parlamentarischen Rat.

Das war einer der Menschen der unsere Verfassung/Grungesetz mitgeschrieben hat und vor allen noch mitbekommen hat wie die Weimarer Verfassung "wehrlos" war als Hitlers-Bande sich ihrer bedienten um an die Macht zu kommen.
"Aus Vergangenheit lernen heist Unrecht ver-be-arbeiten ( der ist von mir) !".
Wenn die Bundesrepublik,deren Gewalten, deren Vertreter und ihre Bürger , dazu nach über 70 Jahren noch immer nicht in der Lage ist- wird es sich immer widerholen. Egal mit welchen .....ismus

  • Antworten
gesunder Menschenverstand05.12.2012 | 12:46 Uhr

Alles andere als ausgeschlossen

Es ist peinlich, dass diese Gesellschaft ÜBERHAUPT über ein Verbot der NPD streitet. Schließlich hat Hitler das mit allen Parteien und wesentlich schneller geschafft.
Dieses Verbot ist nichts weniger als der Beweis einerDemokratie, die zu schwach ist, um mit Widerstand umzugehen. Sie verrät nicht nur ihr politisches Ideal des Pluralismus und versucht, Meinungsfreiheit zu unterdrücken, vielmehr zeigt dieser Fall wieder einmal die Unfähigkeit der Verantwortlichen, Beschlüsse durchzusetzen. Und es fällt auf, dass die Nazis mit ihrer Behauptung Recht hatten, die Demokratie sei zu langsam und schwach.

  • Antworten
Felix W.14.12.2012 | 12:40 Uhr

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