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 > Absturz in plebejische Tiefen

Berliner Republik

Margarita MathiopoulosAbsturz in plebejische Tiefen

Von Birgit Lahann5. Juni 2012
Picture Alliance
Zur Hochzeit kamen Brandt, der italienische Botschafter, Doktorvater Bracher und Bundespräsident Richard von Weizsäcker
Mathiopoulos nimmt die Aberkennung ihres Doktortitels nicht an
Schrift:

Der Werdegang von Margarita Mathiopoulos liest sich wie ein Leben magna cum laude. Doch die Vita der glamourösen Griechin hat Schönheitsflecken bekommen. Kuckucksei, Rosenkrieg, Friedensgala mit Gaddafi Sohn, und jetzt wird auch noch ihr Doktortitel aberkannt. Ein Sturz von akademischen Höhen in plebejische Tiefen

Seite 1 von 2

Was für eine Frau! Honorarprofessorin, Unternehmerin, Starpolitologin, Historikerin, Industrieberaterin, Diplomatin aus Leidenschaft, Welten-Pendlerin mit Kontaktadressen in Berlin, Potsdam, Hongkong und Washington, studierte in Bonn, Harvard, Stanford und an der Sorbonne, verfasste eine Dissertation, schrieb Bücher über die DDR, die Bonner Republik und Amerika, entwarf Reden für Hans-Olaf Henkel, lieferte Artikel über Gorbatschow, Kohl und Papandreou, hielt Vorträge in Düsseldorf, London, Bratislava, New York, Neapel, Hannover, Washington, Münster, Cambridge – alles ellenlang und penibel aufgezählt auf ihrer Homepage.

Die Dame, denkt man, muss spätes Mittelalter sein bei diesem geistigen Output. Aber es leuchtet hoch oben ihr Konterfei: Margarita Mathiopoulos, 55, attraktiv, elegant im ausgeschnittenen feinen Schwarzen und mit diesem kühlen Blick in die Ewigkeit.

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Und nun das. Der Absturz in plebejische Tiefen. Die Aberkennung des Doktortitels. Denn ohne Doktor keine Professur mehr. Weil sie abgeschrieben hat. Und das großzügig aus mehreren Publikationen. Das hatten wir ja alles schon bei Karl-Theodor zu Guttenberg und Silvana Koch-Mehrin. Doch dieses Mal ist es anders. Seit 20 Jahren gibt es klare Hinweise auf ein Plagiat. Aber Mathiopoulos wurde immer wieder reingewaschen.

Das seien handwerkliche Mängel, hieß es, das könne schon mal passieren. Warum schmetterten die Professoren die Vorwürfe einfach ab? Weil sie von ihrer prominenten Blenderin geblendet waren? Und warum hat nicht einmal – wie die FAZ schrieb – ihr berühmter Doktorvater Karl Dietrich Bracher gemerkt, dass seine Schülerin sogar bei ihm abgeschrieben hat?

Wer bei der Internetplattform VroniPlag anklickt, der erlebt sein buntes Wunder. Da sehen zum Beispiel 20 farbig markierte – weil abgekupferte – Zeilen auf Seite 111 ihrer Doktorarbeit aus wie eine Skizze zu Gerhard Richters gemaltem „Strip“ mit seinen unzähligen waagerechten Regenbogenstreifen. Also viele Gedanken aus fremden Federn.

Sogar die Fußnoten hat sie in ihre Arbeit eingebaut. Das vor allem ist dreist. Denn da haben vor ihr fleißige Menschen quasi für sie geforscht. Und was sagte die Angegriffene, als die ersten Gerüchte auftauchten? Das seien „bedauerliche Flüchtigkeitsfehler“. Na so was. Es sind über 320 Stellen, die beanstandet werden.

Die Vita von Margarita Mathiopoulos liest sich wie ein Leben magna cum laude. Das engt den Blick vieler Betrachter ein. Die Eltern, die nach der Machtübernahme der griechischen Obristen in die Bundesrepublik emigrierten, sind befreundet mit Carlo Schmid, Gustav Heinemann und Willy Brandt. Das bringt die Tochter früh in höchste Politgefilde.

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Hätte nun Mathiopoulos weniger verdient als Pflüger - würde man dann auch schreiben, sie habe sich ihre Ausgleichszahlungen "peinlicherweise" erstritten? Oder würde dies nicht vielmehr als Selbstverständlichkeit wahrgenommen?

  • Antworten
Ingbert Jüdt06.06.2012 | 14:20 Uhr

wunsch

ich würde mir wünschen das es über eine julija tymoschenko mal einen ähnlich kritischen bericht geben würde. bis jetzt wurde über die dame die in ihrer regierungs- bzw. opoositionszeit zur millionärin mutiert ist, nur berichtet als sei sie ein engel der die ganze welt befreien möchte und das möchte unsere sowjetfreundin sicher nicht.
mfg

  • Antworten
frank06.06.2012 | 15:02 Uhr

Deutschland...

...mutiert immer mehr zum Land der Blender und Täuscher und derjenigen, die es lieben, sich im Licht dieser Leute zu tummeln. "Kir Royal" läßt grüßen!

  • Antworten
Annette08.06.2012 | 09:15 Uhr

Nicht komplett...

Die Liste der Peinlichkeiten ist nicht komplett. Unerwähnt bleibt das unrühmliche Ende von Frau Doktors kurzer Karriere als Pressesprecherin (offizieller Titel: "Bankdirektorin")bei der Nord/LB in Hannover. Dort wurde sie firmenintern als "schwarze Mamba" tituliert (Ihr Auftreten und ihr Umgang mit Mitarbeitern ist inzwischen zur Legende mutiert - eines Ihrer Opfer habe ich mal persönlich kennengelernt). Trotz Ihrer Prominenz sah man sich damals gezwungen, sich wegen "nicht zu überbrückender Meinungsverschiedenheiten" von ihr zu trennen. Inklusive Abfindung. Frau Doktor Bankdirektor erstritt sich 410.000 DM samt Dienstwagen.

Da hatte sie sich aber schon über ein Sponsoring für das 250-jährige Jubiläum der Uni Braunschweig (bezahlt von - genau - der Nord/LB)den Titel "Honorarprofessor" erarbeitet.

Im Politikwissenschaftlichem Institut der TU bekam man sie dann eher selten zu Gesicht - worüber Mitarbeiter und Studenten allerdings mehrheitlich nicht traurig waren - ihren damaligen Spitznamen an der Uni lasse ich hier mal unerwähnt. Was Frau Prof. Dr. M. dort "im Vorbeigehen" unterrichtete, war meistens der aktuelle Stand Ihres sich im Werden befindlichen neuesten Buches. Kapitelweise von diversen Assistenten geschrieben. Diese wurden noch nicht einmal im Impressum der Bücher als Koautoren namentlich erwähnt. Ich war damals Student an der TU BS; ich habe Frau Prof. Dr. M. persönlich erlebt und auch einige ihrer Ghostwriter. Oft gehört: „Das Seminar nächste Woche fällt leider aus, da bin ich in Washington“ (oder Paris, Bonn, Brüssel etc.).
Bleibt am Ende die Tatsache im Raum stehen, dass Frau (noch) Prof. Dr. M. nach wie vor zum engeren Beraterkreis um den Bundesaußenminister gehört. Aber wo ist eine Rüstungslobbyistin besser aufgehoben, als im Bundesflieger des Herrn Westerwelle?

Übrigens: Peter Struck hatte in seiner Zeit als Verteidigungsminister ihrem "Zentrum für transatlantische Sicherheit und Militärfragen" jene Fördergelder verweigert, die ein Scharping noch versprochen hatte. Herr Struck hatte die Dame schon Anno 2002 durchschaut.

Wir anderen in der Region Braunschweig/Hannover bereits 1995.

  • Antworten
JLO08.06.2012 | 11:53 Uhr

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