Seit 15 Jahren stagniert die Grundförderung für die Wissenschaft. Die Mittelknappheit führt zu abstrusen Vertragslaufzeiten für Nachwuchsforscher und zu abschreckenden Studienbedingungen. Exzellenzinitiative und Qualitätspakt bieten keine Planungssicherheit und verfehlen ihr Ziel Lehre und Forschung zur Exzellenz zu führen.
Professor Marquardt, Vorsitzender des Wissenschaftsrats, hat Anfang Juli eine bemerkenswerte Rede gehalten. Überraschend selbstkritisch kreidet er darin jene Wettbewerbspolitik der Bundesregierung an, die vom Wissenschaftsrat seit Jahren unterstützt wird. Die Konzentration auf den Ausbau der Drittmittel, die Hochschulen selbständig einwerben müssen, könne die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wissenschaft alleine nicht sichern. Während die Grundmittel seit 1995 stagnieren, wurde die Drittmittelförderung stetig ausgebaut und macht inzwischen 20 Prozent des Gesamtbudgets aus.
Was Hochschulen tatsächlich zur Exzellenz verhelfe, seien laut einer Befragung von Professoren „ verlässliche Karriereperspektiven und eine leistungsunabhängige Grundfinanzierung“. Der Wegfall des Hochschulrahmengesetzes und die kurzfristige auf Wettbewerb abzielende Förderung durch die Exzellenzinitiative oder den Qualitätspakt führen jedoch zur Zersetzung dieser Schlüsselelemente.
Warum sind leistungsunabhängige Grundmittel für eine exzellente Forschung und Lehre so wichtig?
Forschung – dass wusste schon Cicero, der Fürsprecher der otium cum dignitate, der würdevollen Muße – ist ein Prozess, der weder auf eine bestimmte Projektdauer festlegbar ist, noch im Vorfeld der Untersuchung auf bestimmte Erkenntnisziele festgenagelt werden kann. Genau diese detaillierte Ziel- und Fristbestimmung wird aber von den Geldgebern für Drittmittelprojekte in aller Regel verlangt.
Die Forschung braucht daher ausreichend bedingungslose Grundförderung, „um ein bestimmtes Maß an Irrtum und Scheitern“ verkraften zu können, so Marquardt. Die Projektförmigkeit der Forschung bürge die Gefahr in sich, „zu einer Kleinteiligkeit der Fragestellungen und zu Begrenzung der Risikofreude zu führen“.
Die Forschung ist jedoch nur das eine Standbein der Wissenschaft. Ihr Fortschritt bleibt gleichermaßen von guter Lehre abhängig. Doch die Lehrbedingungen an den deutschen Universitäten leiden momentan noch stärker unter chronischem Geldmangel und einer Politik der Häppchenfinanzierung. Zeitverträge an den Universitäten erreichen im Durchschnitt nicht mal die Ein-Jahres-Grenze. Wissenschaftliches Personal wird nicht für die Dauer von Projekten eingestellt, was die Lehre in Bedrängnis bringt. „Die Qualität der Lehre leidet massiv unter der zunehmenden Fluktuation des Personals“, gibt Andreas Keller von der Bildungsgewerkschaft GEW zu bedenken, so sei „keine Professionalisierung des Lehrbetriebs möglich.“










