„Rheinische Preußin“
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Habe ja schon einige Gefälligkeitsartikel gelesen, aber der hier ist doch eine gute Spur zu heftig. Wie kann ein Magazin, dass Ernst genommen werden möchte, einen solchen PR- und Fantext veröffentlichen? Und müsste da nicht "Werbung" darüber stehen?
Herr Zurheide, mit kritischem und sauberem Journalismus hat dieses Hurra-Pamphlet nichts mehr zu tun. Traurig.
Allein die Tatsache, daß Sylvia Löhrmann, wie auch ihre Regierungschefin Hannelore Kraft, aus "einfachen Verhältnissen" kommt, läßt hoffen.
Schul- und Bildungspolitik wird von den allermeisten, insbesondere konservativen Spitzenpolitikern als Standespolitik betrieben, und zur Standespolitik gehört ganz zwangsläufig auch das dreigliedrige Schulsystem mit Hauptschulen, Mittel(Real-)schulen und Gymnasien.
Daß dieses Schulsystem eine leider immer noch vorhandene Klassengesellschaft in Deutschland weiter zementiert, wird zwar nicht offen eingestanden, gehört aber zu den bildungspolitischen Realitäten. Das dreigliedrige Schulsystem schafft erwiesenermaßen Ungerechtigkeiten, die sich im späteren Leben kaum noch "ausbügeln" lassen.
Wenn sich Sylvia Löhrmann also für eine gemeinsame Ausbildung aller Schülerinnen und Schüler in Gesamtschulen stark macht, befindet sie sich auf dem richtigen Wege, weil sie als schulpolitische Insiderin die Probleme begabter, aber leider aus bildungsfernen Elternhäusern stammenden Schülerinnen und Schüler sehr gut kennt.
Hoffentlich gelingt es ihr, auch konservative Kolleginnen und Kollegen aus dem Unionslager und bei den sogenannten Liberalen von den bildungspolitischen Erforderissen für alle jungen Leute zu überzeugen. Zur Gesamtschule gibt es aus dem Blickwinkel sozialer Gerechtigkeit bekanntlich keine Alternative.
Sylvia Löhrmann ist ein Dinosaurier. Sie hängt einem ideologisch durchdrungenem Leitbild von Schule und Bildung nach, welches seit den 70er Jahren immer wieder von Politikern durchgesetzt werden sollte, immer wieder allerdings am Willen der Eltern gescheitert ist.
Das Konzept Gesamtschule führt vielleicht zu einem Fortschritt bei der Bildung und Förderung von Kindern aus bildungsfernen Schichten. Das ist erstrebenswert, aber allein als tragfähiger Grund deutlich zu wenig. Immerhin kann sich unser Land nicht auf weniger bildungsferne Schüler, Auszubildende und Studenten allein verlassen.
Was fehlt, ist eine Förderung der Guten, der überdurchschnittlich Guten, die keineswegs auf Kosten der Anderen gehen muss. Nur Konzepte hierzu will keiner entwickeln.
Die Angleichung aller Schüler in Gesamtschulen führt zu einem mittelmäßigen Bildungsniveau, das erhebliche Chancen vergibt und sich mit Fortschritten im untersten Bildungssegment begnügt. Das ist zu wenig!
Und das ist auch bekannt und dürfte niemanden überraschen: Der Zulauf zu Privatschulen - auch zu solchen, die nicht für die breite Masse unerschwinglich teuer sind, steigt seit langem.
Es ist, Yvonne Walden, zu wenig, Bildungspolitik nur unter dem Gesichtspunkt der sozialen Gerechtigkeit zu verstehen, so wie Sie ihn gebrauchen.
Bedenken Sie, dass der politische Begriff "soziale Gerechtigkeit" immer nur als Rechtfertigungsphrase für einen Vorgang herangezogen wird, der denjenigen etwas nimmt, die davon vermeintlich zu viel haben, und es denjenigen gibt, die davon vermeintlich zu wenig haben. Wenn man dieses Modell mit dem Begriff "Bildung" oder "Intelligenz", vielleicht auch "Leistungswillen" füllt, zeigt sich das wahre Ausmaß der Verfehlungen.
@ Till Becker
Sie sagen es!
Der Artikel ist ja eine einzige Lobeshymmne. Ein bißchen kritische Distanz würde den Artikel glaubwürdiger erscheinen und steht jedem Journalisten gut zu Gesicht.
Es gibt auch Berichte, dass Frau Löhrmann ihre Schulreform gegen massive Widerstände durchboxt und Krtiker dabei gerne durch ihre Schulverwaltung einschüchtern lässt. Soviel zum Thema "alle mitnehmen".
Tut mir leid, aber mir stößt dieser Artikel auch säuerlich auf.
Die Entscheidung über Schulformen (klammen!!) Gemeinden zu überlassen, ist nicht gönnerisch - nein, im Gegenteil, es deligiert Verantwortung, um es vorsichtig zu formulieren.
Böser formuliert: "Sollen die Kommunen doch zusehen, wie sie klarkommen! Wenn die ein Jahr dranhängen (G8/9), zusätzliche Stellen u.ä. wollen, dann sollen DIE mal selber sehen, wie sie das finanziert und organisiert kriegen."
So kann man seine "Ideologie" / Grundüberzeugungen auch vertreten: Man bestimmt, dass die Gemeinden sich selber kümmern sollen, dieser Plan ist aus finanziellen, organisatorischen und personalerischen Gründen sowieso nicht umsetzbar und alle enden auf demselben Level: Gesamtschulen (wg. Schulzusammenlegungen und nötigen Stellenkürzungen) mit Minimalangebot.
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