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30.07.2010
Die "Charta der deutschen Heimatvertriebenen" ist eine Farce!
von Ralph Giordano

Anfang August wird der 60. Jahrestag der "Charta der deutschen Heimatvertriebenen" begangen. Dass diese Charta größtenteils veraltet ist und die Gräueltaten des NS Regimes nicht einmal erwähnt, scheint Niemandem bewusst zu sein. Ein Aufruf zur Revision dieses historischen Dokuments von Ralph Giordano.

Am 5. August 2010 wird auf Einladung des Bundes der Vertriebenen im Weißen Saal des Stuttgarter Neuen Schlosses des 60. Jahrestags der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ begangen. Das Motto: „Durch Wahrheit zum Miteinander“, Leitwort ebenfalls der traditionellen Festveranstaltung „Tag der Heimat“ im Internationalen Congress Zentrum Berlin am 11. September 2010.

Das „Grundgesetz der Vertriebenen“, wie die „Charta“ auch genannt wird, war am fünften August 1950 in Bad Cannstatt bei Stuttgart mit der Unterschrift der Ostdeutschen Landsmannschaften und Vertriebenenverbände als „Aufruf an die Völker der Welt“ im Stil eines Staatsaktes aus der Taufe gehoben worden. Schwerpunkte: Bekenntnis zur deutschen Einheit und zu Europa, tätiger Wiederaufbau, Eingliederung der Vertriebenen , Recht auf Heimat, Gewaltverzicht. Allenthalben gerühmt als ein „wegweisendes Dokument der deutschen Nachkriegsgeschichte“ und „beeindruckendes Zeugnis menschlicher Größe und Lernfähigkeit“, ein document humaine von historischem Gewicht.

Kritische Töne fehlen, deshalb zwei Einsprüche.

Erstens: die Lektüre der Charta vermittelt den Eindruck, als habe die Vertreibung in einem historischen Vakuum stattgefunden, in einem luftleeren Raum des 20. Jahrhunderts. Findet sich doch von dem, was ihr vorangegangen war und zu ihr geführt hatte, kein Wort, keine Silbe, kein Buchstabe. In der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ fehlt jede Spur der Vorgeschichte!

Und das, obwohl 1950 noch die offenen Gräber des Vernichtungskriegs rauchten, seine Wunden gänzlich unvernarbt waren und die Erinnerungen an die Schrecken der deutschen Okkupation allgegenwärtig.

Wer aber nach ihren Urhebern sucht, nach Namen wie Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Reynard Heydrich, oder nach den Schädelstätten, die sie auf dem Kontinent hinterlassen hatten, der fahndet vergebens. Massenvertreibungen und Zwangsverpflanzungen ganzer Völkerschaften unter deutscher Herrschaft? Ein weißgeblutetes Polen, das tschechische Lidice, Russlands verbrannte Erde, gar Auschwitz? Aus dem Gedächtnis gewischt, wie die Jubelorgien beim Einmarsch deutscher Truppen in das Sudetenland.

Wen wundert es da, dass eine Gruppe in der „Charta“ gar nicht auftaucht – die Vertriebenen der ersten Stunde? Also die tausenden und abertausenden irrtümlicherweise „Emigranten“ genannten jüdischen und nicht-jüdischen Deutschen, die gleich nach dem 30. Januar 1933 fluchtartig und aus nur allzu berechtigter Furcht um Leib und Leben Deutschland verließen. Der Gedanke an sie hat die Väter und Mütter der „Charta“ bezeichnenderweise nie auch nur angeflogen.

Es kann jederzeit nachgeprüft werden: Die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ klammert die Vorgeschichte der Vertreibung vollständig aus, ein Defizit, das sie auf den Grund entwertet. Sie kappt die historischen Zusammenhänge, die Kausalität zwischen Ursache und Wirkung, ignoriert die Chronologie des Dramas und exkulpiert die Primärverantwortlichen für die Vertreibung und den Heimatverlust durch Anonymisierung – Hitler und das nationale Kollektiv seiner Anhänger. Was sichtbar wird, ist ein institutioneller Abwehrreflex, eine geradezu mit Händen zu greifende Berührungsangst vor der Ära des Nationalsozialismus. Damit wird die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ zu einem Paradebeispiel, einem Lehrstück deutscher Verdrängungskünste! Sie widerspiegelt den Zeitgeist einer Bundesrepublik, in der der Kommentator der Nürnberger Rassengesetzte, Hans Globke, die graue Eminenz des ersten Kanzlers Konrad Adenauer war.

Welch ein Gegensatz zu Richard von Weizsäckers berühmter Rede am 8. Mai 1985 im deutschen Bundestag zum 40. Jahrestag der Befreiung: „Die Ursachen der Vertreibung liegen nicht am Ende des Krieges, sondern an seinem Anfang. Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen.“ Und Willy Brandt: „Wir konnten nicht verlieren und haben nichts verloren, was Hitler nicht schon verspielt hatte.“
Worte, Sätze, die in der „Charta“ undenkbar wären.

Zweiter Einspruch:
„Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung“. So das immer wieder zitierte ethische Zentrum der Charta. Was, um Himmels Willen, soll das heißen? Ist ihren Vätern und Mütter nicht bewusst gewesen, welch höchst problematischen Schwur sie da abgelegt haben? Nämlich etwas ungeschehen gelassen zu haben, was einem eigentlich zugestanden hätte.

Darf man da fragen, wer und was denn nun von deutscher Rache und Vergeltung verschont geblieben ist, und wem sie gegolten hätte? Was ist das für ein großmütiger Verzicht, der sich blind und ahnungslos gibt gegenüber dem Inferno, das der Vertreibung der Deutschen vorausgegangen war?

„Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung“? Da wurde ein realitätsfernes Konstrukt produziert und instrumentalisiert, um die hohe Moralität seiner Erfinder zu demonstrieren und zu bescheinigen... Der vielgerühmte Gewaltverzicht der „Charta“ – eine bloße Leerformel. Da wird auf etwas verzichtet, was gar nicht ausführbar gewesen wäre, das aber, wenn es ausgeführt worden wäre, altem Unrecht ein Weiteres zugefügt hätte.

Mit dem stets im Brustton großmütigen Verzeihens vorgetragenen Kernsatz macht die „Charta“ Deutschland zum Gläubiger der Geschichte, die einst okkupierten Länder Mittel- und Osteuropas aber zu deren Schuldnern. Darin liegt der eigentliche Skandal der „Charta“.

Kritik an ihr nimmt nichts von dem ungeheuren Leid der Vertriebenen, so wenig, wie sie Gleichgültigkeit gegenüber ihrem Schicksal signalisiert. „Wie kann man diese Heimat verlassen, ohne dass einem das Herz bricht?“ heißt es in meinem Buch „Ostpreußen Adé - Reise durch ein melancholisches Land.“ Auch nach 60 Jahren machen einen die Bilder noch fassungslos: Menschen mit kleiner Habe unterwegs, und mit jedem Schritt weiter weg von dem geliebten Zuhause; Menschen verprügelt, niedergeschlagen und im Winter auf offene Güterwagen geladen; darunter Kinder, Kinder, die verstört in die unbegreifbare Welt der Erwachsenen blicken. Ein Riesenfresko an Schmerz, Verzweiflung, Tod. Und über allem der Verlust der Heimat... Ich will jedes Recht haben, über deutsches Leid zu weinen, ohne mich deshalb schämen zu müssen (was den Strom meiner Tränen nicht um eine mindert, die ich vergossen habe, vergieße und bis an mein Ende vergießen werde über die Kinder des Holocaust).

Kein Verbrechen von Deutschen rechtfertigt Verbrechen an Deutschen. Die heutigen Staatsmänner im ehemals deutsch besetzten Mittel- und Osteuropa wären deshalb gut beraten auch da nicht zurückzuschrecken, wo die Geschichte des eigenen Landes bei der Vertreibung der Deutschen nach 1945 nun ihrerseits schmerzhaft wird.

Wahrheit bleibt: Primärverantwortlich für jeden Zivil- und Militärtoten des Zeiten Weltkrieges sind die, die ihn ausgelöst haben: Hitler und das nationale Kollektiv seiner Anhänger. Also erstverantwortlich auch für die Opfer der Flucht und der Vertreibung. Keine Geschichte der Vertreibung ohne ihre Vorgeschichte, wie auch keine Vorgeschichte der Vertreibung ohne ihre Geschichte – die Humanitas ist unteilbar. Dieses Prinzip ist von den Verfassern der Charta unentschuldbar missachtet worden.

60 Jahre danach muss sie deshalb überdacht und aus der Ecke ns-blinder Verdrängung der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts in eine aufgeweckte Gegenwart transportiert werden.

Die heutige Führung des Bundes der Vertriebenen steht nach meiner eigenen Personalkenntnis auf einem anderen Bewusstseins- und Erkenntnisstand, als die von 1950 (was auch für die überwältigende Mehrheit der Vertriebenen und ihrer Nachkommen gilt). „Hitler hat die Büchse der Pandora geöffnet“ und „Der Holocaust ist ein singuläres Verbrechen, gegen das die Vertreibung nicht aufgerechnet werden kann.“ Das hat niemand anders als Erika Steinbach gesagt, Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, ebenfalls ein Satz, der in der Charta undenkbar wäre. Kann man trotzdem weiter hinter ihrem unkorrigierten Wortlaut stehen? Wird es auch diesmal wieder, am 5. August in Stuttgart und am 11. September in Berlin, wie bisher bei Elogen bleiben auf ein Dokument, das die Wurzel der Vertreibung, ihre Vorgeschichte einfach gestrichen hat?

„Durch Wahrheit zum Miteinander“? Ja!

Aber ohne ihre Korrektur bleibt die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ ein Hemmnis auf dem Wege der Versöhnung.


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Leserkommentare
Detlef Suhr (26188 Edewecht) 14.08.2010
Ralph Giordano hat recht, wenn er in Bezug auf die Vertreibung von 14 Millionen Deutschen am Ende des 2. Weltkriegs meint: „Kein Verbrechen von Deutschen rechtfertigt Verbrechen an Deutschen“. Es ist ihm ebenfalls zuzustimmen, wenn er darauf hinweist, dass die Vertreibung der Deutschen nicht in einem „historischen Vakuum“ stattfand, sondern dass ihm furchtbare, von Deutschen begangene Verbrechen vorausgingen. Daraus lässt sich jedoch keine „Primärverantwortung“ der Deutschen für die Vertreibung ableiten. Denn auch der Aufstieg Hitlers und der NSDAP sowie die daraus resultierenden Verbrechen fanden nicht in einem historischen Vakuum statt, sondern hatten ihre Vorgeschichte. Die am rechtsradikalen Rand agierende NSDAP stieg in der von den USA auch nach Deutschland getragenen Weltwirtschaftskrise in den späten zwanziger Jahren von einer bis dahin völlig unbedeutenden Splitterpartei zu einem politischen Machtfaktor auf. Grund war die zunehmende Verelendung weiter Bevölkerungskreise, weil anders als in allen anderen Staaten in Deutschland zusätzlich zur Weltwirtschaftskrise astronomisch hohe Reparationsleistungen an die Siegermächte des 1. Weltkriegs zu bewältigen waren. Die Siegermächte begründeten die Aufbürdung der Reparationsleistungen im Versailler Vertrag mit der angeblichen Alleinschuld Deutschlands für den Ausbruch des 1. Weltkriegs. Die Historiker sind sich jedoch einig, dass der Ausbruch dieses Krieges durch ein komplexes Geflecht von Bündnisverpflichtungen der europäischen Staaten ermöglicht wurde. Liegt also die „Primärverantwortung“ für die Vertreibung der Deutschen vielleicht bei den alliierten Siegermächten des 1. Weltkriegs? An welchem Datum setzt „Primärverantwortung“ ein? Diese Frage ist nicht zu beantworten, weil Geschichte eine endlose Abfolge von einander bedingenden Ereignissen darstellt. Es bleibt nur die unumstößliche Feststellung, dass verantwortlich für seine Taten stets der ist, der sie begangen hat. Übrigens waren es nie die Völker selbst, welche schuldig wurden, sondern stets ihre politisch Verantwortlichen und deren Schächer. Wenn aber Ralph Giordano meint, dass „primärverantwortlich für jeden Zivil- und Militärtoten des Zweiten Weltkriegs Hitler und das nationale Kollektiv seiner Anhänger“ seien, so ist das nichts anderes als ein wenig verklausulierter Kollektivschuld-Vorwurf gegen alle Deutschen jener Zeit. Erstaunlich ist, wie wenig Widerstand sich in Deutschland heute gegen solche absurden pauschalisierenden Aussagen regt.
Zimmermann (Boeblingen) 09.08.2010
Herr Giordano trifft zwei zentrale Punkte. Die Konstruktion der deutschen Vertriebenen als Opfer und nicht als Angehoerige eines Kollektivs von Taetern war falsch von Beginn an. Genauso ein Mythos ist die Konstruktion der Vertriebenen als Gruppe, die mehr gelitten haben unter dem Krieg und seinen Folgen als alle anderen Deutschen. Durch diese Konstruktionen entstanden und entstehen Missverstaendniss en masse.
David_ (Berlin) 07.08.2010
Liebe Brüder und Schwestern!

Wie hat man die Vertriebenen in Kern-Deutschland nach ihrer Ankunft behandelt?

Es waren schliesslich 12. Millionen!

Hurra ihr seid willkommen!

Oder?

Das ist die Frage des Tages!
.
Heimann (Köln) 06.08.2010
Punkt genau.
Leider in der Sprache zu zurückhaltend. Bornierte Menschen wollen einfach nicht verstehen.
Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.
Heute steckt doch nur noch die verkappte Absicht darin, für verlorenes Vermögen und Liegenschaften Entschädigungsleistungen zu erhalten.
Jens (Idstein) 02.08.2010
Herr Giordano sitzt in seinem Sessel im Jahre 2010 und urteilt -offenbar ohne jeden (Sach)verstand- über eine charta von 1950. Die große Errungenschaft dieses Dokumentes ist es ja gerade, nicht gegen die Nazi-Verbrechen aufrechnen zu wollen und eben nicht revancistische Gedanken weiterzuführen. Daher auch der Verzicht auf Rache - die Angst vor einem weiteren dt. Angriffskrieg war doch durchaus da, deshalb wurde Deutschland doch zerstückelt.
mandis (zürich) 02.08.2010
Bitte hört endlich mit diesem Theater auf. Die Vertreibung ist einmal in der Vergangenheit passiert und basta. Das ist Historie. Die Finnen gedenken auch nicht der Vertreibung durch die Russen, die Griechen jammern nicht über die Vertreibung vom heute türkischen Festland. Alle haben eine neue Heimat gefunden und den meisten geht es gut. Also schliesst endlich diesen deutschen Jammerklub, es reicht jetzt.
Gerhard Thiel (22926 Ahrensburg) 02.08.2010
Die Gründe, die Herr Giordano
für die Vertreibung nennt, sind
richtig. Ob deshalb die CHARTA
verändert werden MUSS, ist
sehr fraglich, zumal in ihr ein
Schuldiger weder gesucht noch
verantwortlich gemacht wird.
Ohne die CHARTA im Detail zu
kennen, glaube ich - als 75jäh-
riger Heimatvertriebener -, daß
die Betroffenen trotz allem er-
fahrenen Schmerz ihr Schicksal
akzeptieren und von der grausamen Gesamtgeschichte
der Vertreibungen einschließlich
ihrer eigenen nichts mehr wissen
wollten.
Gerhard Thiel
Gunther Thriene (Göttingen) 02.08.2010
Diese Charta ist natürlich eine "Spielkarte", den politischen Mißbrauch der Deutschen, des Deutschtums, was mehr ist als nur die Passdeutschen, immer und immer wieder fortsetzen zu können: Als 1953 geborener Sohn einer Reichenbergerin hatte ich das Glück, einmal im Jahre 1992 auf Anregung und Einladung meiner jüngsten 'DDR'-Cousine aus Cottbus, eine Stippvisite von mehreren Tagen zur Reisegruppe auch meiner Eltern und ihrer weltweit verstreut lebenden Jugendfreunde eben nach Reichenberg/Liberec in Tschechien zu machen:

In diesen Tagen habe ich nicht ein revanchistisches Wort von auch nur einem dieser alten Menschen gehört. Alle hatten ein schwieriges Schicksal zu meistern gehabt - und haben es ganz individuell gemeistert.

Diese Verbände sind teilweise garantiert für Politverbrecher "ein gefundenes Fressen": Meine Mutter gehört damals 1992 als 1920 geborene noch zu den 'jüngeren' Alten. Wer lebt denn de facto noch aus dieser Generation mit dieser riesigen Lebenstragik?

Heute und in Zukunft braucht Deutschland und Europa Brückenbauer, die in der Lage sind, aus der Erinnerung dieser Geschichte - was mehr sein muss als Kranzniederlegungen am Volkstrauertag - wirkliche Zukunft zu gestalten.
Drahtesel (Berlin) 31.07.2010
Wie kann eine Charta von 1950 heute korrigiert werden? Natürlich würde sie heute nach einem anderen Erkenntisstand formuliert werden. 1950 war 1950 und alle Wunden noch nicht verheilt.
So wie immer wieder auf die Verbrechen Nazideutschlands hingewiesen wird, so weisen die Vertriebene auf das Unrecht hin, das den vielen nicht schuldig gewordenen Deutschen, den Millionen Kindern und Enkeln geschah. Das kann Giordano nach seinem Verständnis der Humanitas doch nicht verbieten.
Wen soll sein vorwurfsvoller Ton treffen? Wo bleibt seine Ermahnung an die Deutschen, sich ihrer eigenen Vertriebenen anzunehmen, nachdem die Opfer der Deutschen in aller Welt anerkannt wurden? Giordano schürt mit seinen Anschuldigungen Abwehr und Feindschaft. Die Vertriebenen haben gebüßt, bis in die nächsten Generationen hinein. Auch sie haben aus ihren Erfahrungen längst Erkenntnisse gewonnen. Trauern wir mit ihnen, damit die Zukunft in einem gemeinsamen Europa gestaltet werden kann. Das ist visionärer als Kritik an vergangenen Formulierungen.
Carsten Pickert (Sant Josep(Ibiza)) 31.07.2010
Auf Verbrechen mit Verbrechen antworten ist ein Verbrechen.
Sascha (Berlin) 31.07.2010
1. Die deutschen Heimatvertriebenen haben die Greueltaten nie ignoriert oder relativiert. Das unterscheidet sie von unseren Nachbarn in den Vertreibungsgebieten, wo dies nicht nur unter der Kommunistischen Herrschaft versucht wurde. 2. Die Vertreibung ist nach unbestrittener Rechtslehre eine Völkerrechtsverletzung. Wer die geplante und kollektive Vertreibung der Deutschen mit vorausgegangenem Unrecht rechtfertigt, begibt sich auf die Ebene der Rechtsbrecher!
Nachdenklicher Zwischenton (Hessen) 31.07.2010
Ich schätze Herrn Giordano sehr und habe großen Respekt für sein Lebenswerk. Ich frage mich aber, ob seine heutige Interpretation der Charta tatsächlich die damaligen Umstände genügend berücksichtigt.
Die Vertriebenen damals haben erlebt, wie man sie aus ihrer Heimat gejagt hat und wie sie den größten Teil ihres Besitzes verloren haben. Bei den im Zuge der Vertreibung auftretenden Exzessen wurden Menschen misshandelt, vergewaltigt und getötet. Nicht alle, die die Behandlung zuvor erfahren hatten, haben in der Nazizeit selbst Schuld auf sich geladen. Der Zorn der Befreiten traf Nazi-Verbrecher, aber auch völlig Unschuldige, z. B. auch viele Kinder. Vor diesem Hintergrund ist der Verzicht auf Rache und Vergeltung in der Tat bemerkenswert, denn wie Giordano selbst sagt, kein Verbrechen von Deutschen rechtfertigt Verbrechen an Deutschen. Giordanos Interpretation der Charta lässt zu vieles außer Acht, bemüht sich zu wenig um die Perspektive derer, die tatsächlich schuldlos zum Opfer der Vertreibung wurden.
Ralf (Ostpreußen) 30.07.2010
nein das ist keine hetze hier aber ein hinweis auf hitler in der charta,wozu?weiss doch jeder!
Amanitus Mucarius (Hamburg) 30.07.2010
Es darf nicht vergessen werden, dass die Polen bereits ab 1918 versuchten die Deutschen zu vertreiben, und Massaker an ihnen verübten. Das Geschah also VOR dem 2. WK, wird aber stets unterschlagen.
Vertriebenenkind (Erlangen) 30.07.2010
Ehrlich gestanden, weiß ich nicht, wieso ein Bezug zwischen dem Mord an Juden und der Vertreibung der Deutschen so sinnvoll wäre. Stalin hat Polen doch nicht einen Teil Deutschlands "geschenkt", weil er so voller Mitleid über jüdische Schicksale gewesen wäre. An und für sich habe ich Herrn Giordano eine differenziertere Betrachtungsweise zugetraut. Und für so altbacken halte ich die Charta auch gar nicht. Denn daß man mit Terror, auf den die heimatvertriebenen Deutschen verzichtet haben, durchaus einiges erreichen könnte, zeigt ja das Beispiel Kosovo.
Yvonne Walden (41334 Nettetal) 30.07.2010
In den Vorständen des Bundes der deutschen Heimatvertriebenen und ihrer Landsmannschaften herrschte und herrscht offenbar bis heute eine sonderbare Ängstlichkeit vor der geschichtlichen Wahrheit, denn sonst gäbe es die sogenannte "Charta" heute, im Jahre 2010, längst nicht mehr oder lediglich noch in einer der Wahrheit und Wirklichkeit angepaßten Form.
Ralph Giordano als vollkommen unverdächtiger Zeitzeuge ("Die Bertinies") weist zu Recht auf die historische Blindheit führender Vertriebenen-Funktionärinnen und führender Vertriebenen-Funktionäre hin. Hoffentlich nicht weiterhin vergeblich !
joe_rulez (Berlin) 30.07.2010
Hallo Herr Giordano!

Natürlich hatte die Vertreibung eine Vorgeschichte.

Aber waren die Heimatvertriebenden in irgendeiner Weise schuld an dieser?

Nein, sie hatten nur das Pech am falschen Ort zu leben und gute Sündenböcke zu sein.

Außerdem wahren es ja eh alles "Junker" da in Ostpreußen und da hat kann ein kleines bischen Vertreibung nicht schaden...

Dieser Artikel ist nichts als die typische Hetze gegenüber den Vertriebenen.

Gruß,

Joe
Klaus Langenburg (Berlin) 30.07.2010
Da versuchen Vertriebene ihren neuen Platz in der Gesellschaft zu finden. Nach all dem furchtbaren Erleben. Ohne ein in den Staub sich werfen und dem Kult um mea culpa unmöglich, so kann der Tenor Giordanos empfunden werden. Wann hört das endlich auf?
Wolfgang Schäfer (Bonn) 30.07.2010
Dr.Giordano - wortmächtiger und überzeugender denn je. Chapeau!

Ein Exzerpt dieses Artikels gehört nach meiner Meinung in jedes gute Schulbuch der Sekundarstufe II.
Nema () 30.07.2010
Eigentlich ja nicht weiter erwähnenswert, oder?
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Ralph Giordano, Jahrgang 1923, ist Schriftsteller. Er lebt in Köln.


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