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„Man wird eher vom Küssen schwanger, als vom Zölibat pädophil“

Von Hans-Ludwig Kröber31. März 2010
 Karikatur aus einem Kinderbuch von Heinrich Hoffmann
Karikatur aus einem Kinderbuch von Heinrich Hoffmann
Schrift:

Was treibt Kinderschänder um, was ist das Problem der katholischen Kirche, und wie muss auf die jüngsten Missbrauchsfälle reagiert werden? Ein Gespräch mit Hans-Ludwig Kröber, Deutschlands bekanntestem Kriminalpsychiater.

Herr Professor Kröber, aus der Sicht eines Kriminalpsychiaters: Warum werden Menschen pädophil?
Das ist nach wie vor nicht eindeutig zu sagen, es gibt da sehr unterschiedliche Theorien. Schlüsselerlebnisse als Kind und Jugendlicher spielen häufig eine Rolle, zum Beispiel erste Verliebtheitsgefühle oder sexuelle Erlebnisse mit anderen Kindern, und ein anschließendes Steckenbleiben der sexuellen Entwicklung auf so einer Doktorspielebene. In jedem Fall werden Menschen in ihrer Entwicklungsphase zu Pädosexuellen, und nicht erst, nachdem sie lange Zeit auf Sex verzichten mussten. Man wird, nebenbei bemerkt und rein statistisch gesehen, eher vom Küssen schwanger, als vom Zölibat pädophil.

Nach ihrer Erfahrung mit den Tätern: Wie kann der pädophile Drang nach Triebbefriedigung so stark sein, dass er das Mitleid und den natürlichen Instinkt, Kinder zu schützen überwältigt?
Viele Täter verleugnen, dass das den Kindern schadet. Das läuft unter dem Stichwort kognitive Verzerrung: „Die wollen es doch eigentlich auch“, reden die sich dann ein. Und die Pädophilen-Netzwerke versuchen doch immer noch, so eine Abolition-Politik durchzusetzen, und verkünden, sie seien die Einzigen, die ein gewalt- und herrschaftsfreies Verhältnis zu Kindern haben. „Bei uns geht es nicht um Eltern- oder Lehrermacht, sondern um Liebe und Freiheit“, heißt es dann. Auf dem Trichter war ja auch Daniel Cohn Bendit, da gab es dieses berühmte Foto mit den kleinen Jungs und ihrer Erektion, was dann als Beweis hergenommen wurde dafür, dass auch 8 jährige eine Sexualität haben...

Wenn Kinder sexuell missbraucht werden, ist nicht immer als solche erkennbare Gewalt im Spiel. Trotzdem sind die seelischen Folgen oft so dramatisch, dass sie Menschen in den Selbstmord treiben. Was genau macht den sexuellen Missbrauch so fatal?
Ich glaube, wenn so etwas im Selbstmord endet, dann war der Missbrauch oft nur ein zusätzlicher Faktor in einer vorher ohnehin fatalen Situation. Aber es ist dieses Erleben von erwachsener Sexualität, die einem viel zu nahe kommt, die einen erschlägt und überwältigt, und die für Kinder ekelhaft ist. Es gibt Filme, die Täter in solchen Situationen aufnehmen, und die ich mir als Sachverständiger in den entsprechenden Strafverfahren teilweise anschauen musste. Diese Filme sind äußerst unangenehm zu gucken, aber sie sind auch lehrreich, weil sie die Diskrepanz zwischen Täter und Kind so deutlich werden lassen. Die Täter die sich in so eine Geilheit hineinrutschen lassen, und so tun als würde das Kind das irgendwie auch als erotische Situation erleben. Und diese Kinder die das schon aus mangelnder Kraft über sich ergehen lassen, widerwillig, jammerig, klagend oder auch geekelt. Sie tun am Ende was der Täter will. Und damit, das ist das Schlimme, fühlen sie sich zunehmend als aktive Mittäter. Wenn die Kinder nicht gleich anzeigen, wird es wirklich riskant, dass sich da eine längere Serie entwickelt, und je länger sie mitmachen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie noch mal Anzeige erstatten.

Noch nie war das Thema Pädophilie in Deutschland so präsent wie in den letzten Wochen. Hat unsere Zeit, hatten die 70er, haben bestimmte Institutionen ein besonderes Problem mit dem sexuellen Kindesmissbrauch, oder kommt heute nur ein Schrecken ans Licht, den es so immer schon überall gab?
Nicht nur das, sondern es war auch immer schon klar, dass es das gibt, deshalb verwundert mich die momentane Aufregung. Man muss ja nur in die Kriminalstatistik früherer Jahre schauen. Es sind ja auch immer wieder zum Beispiel Priester verurteilt worden. Aber heute schaffen es zwei Priester der Regensburger Domspatzen auf die Titelseite, die verstorben sind und davor rechtskräftig abgeurteilt wurden. Lange nach ihrem Tod. Warum? Weil Georg Ratzinger auch bei den Domspatzen war, und man hoffte, man wäre jetzt endlich beim Papst. Was man ja schließlich auch auf anderem Weg geschafft hat. Aber in allen pädagogischen Bereichen gab es zu allen Zeiten solche Fälle, ob in der Schule, bei den Pfadfindern, in Sportvereinen oder eben in Gemeinden. Und in den Dörfern gab es immer die Kerle, die ihre Finger nicht bei sich behalten konnten. Den Kindern wurde dann gesagt: Mach einen Bogen um den, der fummelt und ist ein Schweinigel. Aber die Umgangsweise damals war halt eine andere: Man hat nicht viel darüber gesprochen, sondern versucht die Leute dorthin zu bugsieren, wo sie keinen Schaden anrichten.

Gerade dafür steht nun die katholische Kirche in der Kritik. Laut einer Zählung des SPIEGEL sind seit 1995 insgesamt mindestens 94 Verdachtsfälle von Missbrauch durch Kleriker und Laien bekannt geworden...
Also, wenn Der Spiegel mit 94 Tatverdächtigen in 15 Jahren kommt, dann ist das für jemanden der sich kriminologisch ein bisschen auskennt eine verblüffend geringe Zahl. Das hieße, dass das aktuelle Risiko des sexuellen Missbrauchs in Einrichtungen der katholischen Kirche noch viel geringer ist, als ich das zuerst vermutet hätte. Im Jahr werden durchschnittlich etwa 15.000 Fälle von Kindesmissbrauch polizeilich gemeldet. Die Kirche selbst hat etwa 600.000 Bedienstete, das sind rund 1, 8 Prozent der Bevölkerung. Und darunter 94 Fälle seit 1995, das ist im Kontrast zu den alten Fällen eine dramatische Verbesserung der Situation. Abgesehen davon findet weit mehr als die Hälfte des sexuellen Missbrauchs in Familien statt. Noch mehr gilt das für die Gewalttaten. In der Debatte um die katholische Kirche wurde jetzt sexueller Missbrauch und Prügelpädagogik, die es damals unstreitig an allen Schulen gab, so oft vermischt, dass man das Gefühl hatte, man will die Zahlen strecken.

Um der Kirche gegen den Karren zu fahren?
Also, ich neige sehr zu der These, die schon Manfred Lütz in der FAZ vertreten hat: Dass die Leute sich ein holzschnittartiges Bild der Kirche machen, auch wenn sie kaum je eine Kirche von innen gesehen haben, ein Bild, was sich ideal als Pappkamerad und Prügelknabe eignet, um die eigene Fortschrittlichkeit zu demonstrieren. Und vielen scheint klar zu sein: Weil die Leute alle in Frauenkleidern herumlaufen und nicht heiraten, herrscht in dem Laden völlige sexuelle Verwirrung. Das hat besonders der Spiegel schon immer geahnt, dass das nicht gut gehen kann.

Sie selbst waren Mitglied des unabhängigen Gremiums, das die Kirche 2003 bei der Erstellung ihrer neuen Richtlinien zum Umgang mit Pädophilie beraten hat. Was für Lehren müssen aus den Erkenntnissen der letzten Wochen gezogen werden?
Nach meiner Erfahrung tun sich viele Bistümer auch mit den neuen Regeln schwer, wenn Ihnen ein Fall gemeldet wird, weil sie meist einfach keine Erfahrung mit solchen Fällen haben. Die Opfer melden sich bei der Kirche, statt bei der Polizei, was ja der übliche Ort wäre, um Anzeige zu erstatten. Meist wollen sie keine Anzeige. Also muss jetzt das Bistum klären: welche Regeln sind wie anzuwenden, wer dokumentiert was, mit wem muss zuerst gesprochen werden? Damit sind die oft überfordert. Deshalb sollten Betroffene zuallererst zur Kripo gehen. Auch, weil damit die Hemmschwelle für Leute steigt, die sich eigentlich nur wichtig machen wollen. Das kommt leider auch oft vor. Tissy Bruns hat jetzt eine Bundesbeauftragte für sexuellen Missbrauch an Schulen gefordert. Ja bitte, wenn ich mich nicht traue, zum nächsten Polizeirevier zu gehen, dann werde ich doch nicht ein E-Mail nach Berlin zur Bundesbeauftragten schicken. Und es muss viel schneller angezeigt werden, nicht erst 30 Jahre später. Nur dadurch werden doch andere geschützt.

Sind sie selber eigentlich katholisch?
Nein. Ich bin von Haus aus ein militanter Lutheraner, allerdings nicht gottgläubig. Wenn ich in einer katholischen Messe bin, was selten genug passiert, kommt mir das immer noch ein wenig wie Hokuspokus vor. Auf der anderen Seite haben mich meine Aufenthalte als Experte im Vatikan und in der Deutschen Bischofskonferenz schon sehr beeindruckt. Ich habe viele Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Institutionen, auch weil ich mich mit anderen Wissenschaftlern und Forschungsgruppen austausche, und die Bischöfe im Vatikan, die sich mit diesem Thema beschäftigten, waren die klügste und aufmerksamste Gruppe, vor der ich zum Thema sexueller Missbrauch jemals gesprochen habe.

Danke sehr für das Gespräch!

Das Interview führte Constantin Magnis

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Etwas ähnliches habe ich schon vermutet.
Das ist der erste Artikel, der die Fallzahlen ins Verhältnis setzt.
Ich wüßte gerne, wie viele solche Fälle es an unseren staatlichen Schulen gibt.
Aber vermutlich ließe sich dann kein Skandal um Mißbrauch in katholischen Institutionen stricken.

  • Antworten
Simon31.03.2010 | 00:00 Uhr

Ich bin sehr dankbar für diesen Artikel einer kompetenten Person "außerhalb der katholischen Kirche", die die durchaus skandalösen Vorfälle in ein Verhältnis setzt. Es wäre wünschenswert, dieses Interview in großen Zeitungen zu veröffentlichen. Evtl. auch das besonders in den letzten 200 Jahren positiv geleistete Engagement der katholischen Kirche und ihrer Orden im Bereich der Betreuung und Erziehung schwierigster Kinder und Jugendlicher.

  • Antworten
Monika01.04.2010 | 00:00 Uhr

Der Zölibat fördert gewiß nicht einen sich möglicherweise verstärkenden Hang zur Pädophilie. Unbestreibar ist jedoch, daß eine gewaltsame Unterdrückung der eigenen Geschlechtlichkeit insbesondere bei Jungen bzw. Männern durchaus zu psychischen Fehlbildungen führen kann.
Vor vielen Jahren las ich eine Veröffentlichung des früheren katholischen Theologieprofessors Dr. Georg Denzler (Hrsg.) mit dem Titel "Lebensberichte verheirateter Priester - Autobiographische Zeugnisse zum Konflikt zwischen Ehe und Zölibat". (München 1989, Pieper-Taschenbuch 964).
Die Zahl der ehemaligen Priester, die den Konflikt nicht länger ertragen konnten und sich schließlich zu Ihrer Partnerin bekannten, wird von der katholischen Kirche zwar geheim gehalten, geht aber in die Tausende.
Und die Zahl derjenigen Priester, die eine Liebesbeziehung im geheimen unterhalten, wird auf etwa 30 bis 40 Prozent geschätzt; die Anzahl der homosexuell veranlagten Priester dürfte Schätzungen zufolge bei etwa 10 bis 15 Prozent liegen.
Warum beendet die katholische Kirche diese Heuchelei nicht endgültig?
Die Alten Herren im Vatikan haben naturgemäß keinerlei Interesse an einer Liberalisierung und die Nachwuchs-Geistlichen haben innerhalb ihrer Kirche keinerlei Machtbasis.
Also sollten sich junge Männer dreimal überlegen, ob sie sich dem Risikoberuf "Priester" zuwenden, aus dem es bekanntlich kein zurück mehr gibt Und das Recht auf eine freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit dürfen sie vor der Priesterweihe in der Sakristei abgeben.

  • Antworten
Yvonne Walden01.04.2010 | 00:00 Uhr

Sehr interessant. Tatsächlich belegen die Zahlen nicht nur, dass sexueller Missbrauch innerhalb katholischer Einrichtungen "niedriger ist als erwartet", sondern vor allem eher unterdurchschnittlich. Das ist wirklich interessant, denn es hieße, dass das Zölibat eher ein Schutz vor solchen Katastrophen ist, und die Kirche im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen und Institutionen der Gesellschaft ein vergleichsweise sicherer Ort vor sexuellen Übergriffen auf Kinder. Das macht die Sache für die Opfer keinesfalls besser, und die Einzelnen Missbrauchsfälle eher schrecklicher. Aber es wirft auch ein komisches Licht auf die aktuelle Berichterstattung über die Missbrauchsfälle. Journalismus ist doch dazu da, Dinge in den richtigen Kontext zu setzen und gesamtgesellschaftlich einzuordnen. Momentan erweckt die Presse aber den fälschlichen Eindruck, die katholische Kirche habe ein besonderes Problem mit dem sexuellen Missbrauch. Damit führt sie, warum auch immer, aus Recherchierfaulheit, Unwissenheit, Herdentrieb, antichristlichem Ressentiment oder der verzweifelten Suche nach Schlagzeilen, die Öffentlichkeit in die Irre.

  • Antworten
Justus P.01.04.2010 | 00:00 Uhr

@yvonne Walden:

Um Johannes zu Eltz in der aktuellen ZEIT zu zitieren: Der Zölibat ist ein Verzicht und keine Deprivation. Verzichten geht nur in Freiheit. Mit einer "gewaltsamen Unterdrückung" hat das wenig zu tun. Und wer sich im Priesteramt als Persönlichkeit nicht frei entfalten kann der gehört dort nicht hinein. Insofern ja bitte: Junge Männer sollten sich nicht nur dreimal überlegen ob sie Priester werden, sie müssen die Berufungsfrage über Jahre gründlichst prüfen. Denn das Problem des Missbrauchs hat ganz sicher etwas mit tragischen, individuellen und verqueren Biographien zu tun. Es ist, wie der Artikel zeigt, nicht Systemimmanent, wie viele zu hoffen scheinen. Die Kirche muss man nicht mögen, aber ein bisschen Rationalität, ein bisschen Sachlichkeit würde die aktuelle Debatte viel intelligenter machen. Danke an dieser Stelle, Herr Prof. Kröber.

  • Antworten
Kammerschmidt01.04.2010 | 00:00 Uhr

Ich finde es seltsam, daß Sie den Kröber hier zu Wort kommen lassen. Sicherlich vertritt er vernünftig klingend Positionen. Ein wenig Hintergrundwissen über den Herrn schadet allerdings nicht. Bundestagskandidat des kommunistischen Bund Westdeutschlands. Vorbestraft wegen Gewalttaten im Umfeld des Kommunismus. Und beteiligt an der Psychiatriereform, die uns viele Rückfalltäter aus der Forensik beschert hat. Und sexuelle Perversionen in den Maßregelvollzugskliniken.
Nach wie vor nicht thematisiert wird z.B. der sexuelle Mißbrauch an Gefangenen durch ihre linksalternativen Therapeutinnen.
In der forensischen Psychiatrie war dieser Mißbrauch in den frühen 80ern eher die Regel als die Ausnahme. Eine heute in Berlin tätige Ausbilderin für Verhaltenstherapie z.B. war dort berüchtigt für ihre Pettingspiele mit den ihr anvertrauten geistesgestörten Straftätern. Diese mußten/durften ihren Busen streicheln. Wer das machte, bekam schnell Freigang.
Natürlich haben die Straftäter sich da nicht mißbraucht gefühlt, denn sie konnten ja Vorteile erlangen. Trotzdem finde ich es bezeichnend, daß in einer Anstalt, die Straftäter resozialisieren soll, die Therapeutinnen selbst Sexualstraftaten begingen. Und bezeichnend ist auch, daß die damalige Täterin heute eine hohe Funktion als Ausbilderin und Verbandsfunktionärin einer Verhaltenstherapieschule in Berlin einnimmt.

  • Antworten
werner schreiber01.04.2010 | 00:00 Uhr

danke für diesen guten Kommentar.

  • Antworten
christel garbe02.04.2010 | 00:00 Uhr

"Wenn ich in einer katholischen Messe bin, was selten genug passiert, kommt mir das immer noch ein wenig wie Hokuspokus vor."

Der Ring schließt sich: Wer Bundestagskandidat des kommunistischen Bund Westdeutschlands war, Vorbestraft wegen Gewalttaten im Umfeld des Kommunismus und Vorgibt "gottgläubig" zu sein, dass Profil hat, was dem Kommunismus und Nazismus entspricht, von dem ist wohl kaum Respekt vor dem Glauben anderer zu erwarten.

  • Antworten
Clemens Klein04.04.2010 | 00:00 Uhr

@clemens klein & werner schreiber

Bin mir nicht ganz sicher inwiefern die mehrere Jahrzehnte zurückliegende politische Vergangenheit eines Wissenschaftlers für die Debatte um den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche relevant ist. Relevant ist dagegen das nüchterne Zahlenmaterial zum einen, und zum anderen die Tatsache dass sich mit Kröber eine Stimme zu Wort meldet, der jedenfalls Kraft hintergrund kaum voreingenommenheit oder Parteiischkeit zugunsten der Kirche vorgeworfen werden kann. Das macht sie recht Erfrischend im Umfeld der üblichen ideologischen Tiraden beider Seiten. Im Übrigen ist Kröber tatsächlich auf dem Gebiet der Kriminalpsychologie eine der führenden Kompetenzen im Land.

  • Antworten
Kung Fu04.04.2010 | 00:00 Uhr

Diese "Im Grunde ist das ja alles nicht so schlimm"-Haltung gegenüber den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche ist echt der Oberhammer!
Der Zölibat ist wider der Natur . Warum sich das Männer im 21. Jahrhundert nach Christus immer noch antun und so tun, als hätten sie keine Sexualhormone ist mir schleierhaft. Päderasten sind immer Männer (und selten bis nie Frauen) die meistens von einem funktionierenden sozialen Umfeld abgeschottet sind. Und Priester zählen eindeutig zu dieser Gruppe.

  • Antworten
Sylvana U.04.04.2010 | 00:00 Uhr

Dass ich wegen Gewalttaten vorbestraft bin, ist mir neu. Aber da weiß offenbar jemand besser bescheid. Bedenken sollte man vielleicht, dass sich alle Vergewaltiger sexuell keinerlei Zwang auferlegen und das ausleben, was manche Leserbriefschreiberinnen für "natürliche" männliche Sexualität halten. Hunderttausende verzichten - überwiegend unfreiwillig - auf partnerschaftliche Sexualität - weil sie keine Partnerin/keinen Partner haben - und werden deswegen keineswegs straffällig, weder gegenüber Kindern noch gegenüber Erwachsenenen. H-L Kröber

  • Antworten
H-L Kröber05.04.2010 | 00:00 Uhr

Fünf Wochen lang decken unsere investigativen Journalisten Missbrauchsfall um Missbrauchsfall sowie Prügelorgie um Prügelorgie auf. Dankbar und mit Schaudern lasse ich mich durch die Kriminalgeschichte der Nachkriegszeit führen. Heute lese ich gar den erschütternden Bericht eines erwachsenen Mannes, den der heutige Bischof Mixa brutal am Ohrläppchen gezogen haben soll. Auf Ostern war ich extra in der Kirche, um mir mal einen Kinderschänder leibhaftig zu begucken. Und dann lese ich hier, dass über 99,99 % der Missbrauchsfälle noch gar nicht geredet wurde.
Ich frage mich: "Hä?" Wollte mich da jemand verarschen? Wer stand dahinter? Was war das Ziel? Warum?
Und was ich mich auch noch frage: Warum regen sich hier so viele Frauen darüber auf, dass sich Männer dafür entscheiden, freiwillig auf Sex zu verzichten? Haben die kein Recht dazu? Ich versteh`s nicht.

  • Antworten
Charlene06.04.2010 | 00:00 Uhr

Das Beste zu diesem Thema was ich nach dem Artikel "Das Vertrocknen des geistlichen Lebens geht der 'Zölibatskrise' voran" von Manfred Lütz. Ist dieser Artikel identisch mit dem von erwähnten Artikel aus der FAZ? Wenn nicht bitte ich um Übersendung des FAZ-Artikels.

Freundliche Grüße aus Halle

Siegfried Wichmann

  • Antworten
Siegfried Wichmann06.04.2010 | 00:00 Uhr

Ist ja interessant. Nach den Zahlen von Herrn Körber sind die Mißbrauchsfälle der katholischen Kirche also unterdurchschnittlich. Demnach ist es dort also verhältnismäßig sicher. Nun ja, nicht das erste Mal, wo Sicherheitswahrnehmung und tatsächliche Gefahr weit auseinanderklaffen. - Aber daß ein Mißbrauchter eher eine Mail an einen Ombudsmann schreibt als zur Polizei geht, dessen bin ich sicher. Die Hemmschwelle liegt sehr viel niedriger.

  • Antworten
colorcraze07.04.2010 | 00:00 Uhr

Der Artikel ist schlicht und einfach Müll!! Dass in den letzten Monaten und Jahren mehr und mehr Fälle auftauchen ist für Herrn Kröber kein Problem, das ändert an seiner statistischen Darstellung nichts. Zudem ist mir niemand bekannt der behaupten würde, dass Zölibat zu Pädophilie führen würde, sehr waohl aber, dass der Zölibat sexuelle "unreife" anzieht. Ich bin Theologe und kenne die Kirche von Innen, auch als Opfer, Herr Kröber wie auch Herr Lütz scheinen dies auch zu tun, allerdings von einer etwas höheren Warte aus. Für nichts was Herr Kröber behauptet, bzw. glaubt, gibt aus auch nur einen halbwegs belastbaren wissenschaftlichen Beweis. Dass er mit solcher Positionierung die Bischofskonferenz berät erscheint mir dann allerdings auch konsequent.

  • Antworten
Bernhard Rasche09.04.2010 | 00:00 Uhr

In diesem Artikel zeigt sich wieder einmal mehr, dass die Kirche überhaupt noch nichts gelernt hat, denn wenn auf dem Internetportal wieder dieser vereinfachte Titel auftaucht, so stellt dies für mich einmal mehr klar, dass die Verantwortlichen im Bistum und in der Weltkirche aus dem jetzigen Schlamassel immer noch nicht in der Lage sind, die notwendigen Rückschlüsse zu ziehen. Selbst wenn die Behauptungen von Herrn Kröber stimmen würden, so dürfte eine solche Schlagzeile von den Zuständigen einfach nicht übernommen werden. Dieser Titel allein schafft schon wieder Unmut und zwar je länger je mehr gegen die Kirche.

  • Antworten
Eduard Lang09.04.2010 | 00:00 Uhr

Hallo Yvonne Walden!

Fast hätte ich Sie vermisst. Hat man Ihnen im Welt-Online Forum aufgrund Ihrer dortigen Hetzreden Redeverbot erteilt?

Oder hat Sie Ihr Führungsoffizier nun für den Cicero abkommandiert?

Würde mich freuen, wenn ich Ihre Hasspredigten nirgendwo mehr lesen müsste.

Wie grüßt man in Ihren Kreisen "Immer voran, Genossen?"

  • Antworten
joe_rulez09.04.2010 | 00:00 Uhr

>ist für Herrn Kröber kein Problem, das ändert an seiner statistischen Darstellung nichts.

Natürlich nicht, Herr Rasche, da die von ihm vorgefundenen
Zahlen mit seinen Erfahrungen übereinstimmen. Welche Statistik legen denn SIE Ihren Verallgemeinerungen zugrunde?

Herrn Kröbers Sicht wirkt in der vorherrschenden Hysterie erfrischend nüchtern.

Übrigens, Herr Lang, ist er KEIN Mitglied der katholischen Kirche und seine Aussagen verraten daher auch nichts über deren Haltung.

  • Antworten
Eliza Doolittle09.04.2010 | 00:00 Uhr

Zölibat ist unchristlich und menschenrechtswidrig!

Es spielt im Grunde überhaupt keine Rolle, wie eng der Zusammenhang zwischen Zölibat und Pädophilie ist.

Fest steht jedoch:
1. Für viele katholische Pfarrer wäre es eine sehr große Hilfe, nicht pädophil aktiv zu werden, wenn sie - wie ihre protestantischen Kollegen – selbstverständlich auch heiraten könnten.
2. In der Bibel steht weder, dass Pfarrer nicht heiraten, noch, dass Frauen nicht als Pfarrer tätig sein dürfen.
3. Schließlich verbieten die Menschenrechte Ungleichbehandlungen jeglicher Art, so z.B. auch im Weltanschauungs- und Geschlechterbereich.

Daher sollten sich alle katholischen Pfarrer und ebenso Frauen, die Pfarrer werden wollen, fragen, ob es nicht viel besser wäre, zu den evangelischen "Brüdern und Schwestern" zu wechseln.
Höchstwahrscheinlich hätten sie dann ein weitaus erfüllteres Leben!
(Nebenbei: Ich bin weder Protestant noch überhaupt ein Christ)

  • Antworten
Reiner Moysich14.04.2010 | 00:00 Uhr

"Zölibat ist unchristlich und menschenrechtswidrig!"

Wenn ich sehe, wie die Verweltlichung den Protestantismus verwässert und verwaschen hat, dann sage ich nur: Nein danke!

"jeder, der Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Frau oder Kinder oder Äcker um meines Namens willen verlassen hat, wird Hundertfältiges empfangen und ewiges Leben erben" (Mt 19,29)

"Ich gebe euch nur einen Rat als einer, den der Herr durch sein Erbarmen vertrauenswürdig gemacht hat.26 Ich meine, es ist gut wegen der bevorstehenden Not, ja, es ist gut für den Menschen, so zu sein.27 Bist du an eine Frau gebunden, suche dich nicht zu lösen; bist du ohne Frau, dann suche keine. [...] Ich wünschte aber, ihr wäret ohne Sorgen. Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen.33 Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen.34 So ist er geteilt. Die unverheiratete Frau aber und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein an Leib und Geist. Die Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; sie will ihrem Mann gefallen." 1. Korintherbrie 7, 32-34

Wer, wenn nicht die Priester, sollte sich besonders an die apostolischen Ratschläge halten.

  • Antworten
Blaise Pascal18.04.2010 | 00:00 Uhr

Herrn Moysich

>1. Für viele katholische Pfarrer wäre es eine sehr große Hilfe, nicht pädophil aktiv zu werden, wenn sie - wie ihre protestantischen Kollegen – selbstverständlich auch heiraten könnten.

Unsinn. Entsprechende Verbrechen sind ebenso auf evangelischer Seite bekannt. Ein statistischer Zusammenhang zwischen Zölibat und Neigung zur Pädophilie ist nicht vorhanden.

Die Statistik zeigt eindeutig, dass das Gros dieser Verbrechen von verheirateten Männern begangen wird.

>2. In der Bibel steht weder, dass Pfarrer nicht heiraten, noch, dass Frauen nicht als Pfarrer tätig sein dürfen.

Zu biblischen Zeiten bedurfte es des Glaubenszeugnisses, der Befolgung des evangelischen Rats aus Mt 19:12 bei Priestern noch nicht, da das Glaubensbekenntnis selber lebensgefährlich war. Die Ehelosigkeit bzw der Verzicht auf Kinder war es, der in der Synode zu Elvira im 4. Jh den Priestern abverlangt wurde, als das Christentum als etablierte Staatsreligion zu verlottern drohte, religiöse Hochbegabungen, die es mit der Christusnachfolge ernst machen wollten, daher in der Wüste die evangelischen Räte zu befolgen suchten, dh den Gemeinenden ebenfalls verloren gingen,. Dieser Verspießbürgerung der Kirche wird bis heute durch die Ehelosigkeit der Priester in der römischen, der Bischöfe in der griechisch-orthodoxen Kirche entgegengewirkt.

Die Aufgabe des Zölibats wäre ein Rückschritt hinter die Erkenntnisse der Synode von Elvira.

In der Bibel wird dargestellt, dass bei der ersten Eucharistie keine Frauen dabei waren. Der Priester handelt bei der Eucharistie in persona Christi und wird somit auch in seiner Leiblichkeit zu dessen Ikone. Der Gottmensch hat sich als Mann, nicht als Frau inkarniert. Diese Glaubenssubstanz wird von römischen ind griechisch-orthodoxen Christen geteilt, reicht bis in die älteste Zeit hinauf, was seine Authenzität bekräftig und ist unter dem Signum der Religionsfreiheit den Katholiken zuzugestehen.

>(Nebenbei: Ich bin weder Protestant noch überhaupt ein Christ)

Wen wundert's.

  • Antworten
Eliza Doolittle22.04.2010 | 00:00 Uhr

Super Artikel. Vielen Dank!!

  • Antworten
Dominik04.06.2010 | 00:00 Uhr

Ein sehr interessanter, aufschlussreicher Artikel eines kompetenten Authors, der
zudem nicht katholisch ist.

  • Antworten
Herbert Schneiders25.11.2010 | 00:00 Uhr

Drei Sachen stören mich in diesem Bericht.

1. Arbeiten Sie als Gutachter für die Kirche

2.Führen Sie am Anfang eine Statistik an, nennen aber keine prüfbare Quelle.

3.Sie äußern sich zu einer Anzahl von Missbrauchsfällen die "bekannt" geworden sind. Damit klammern Sie alle Fälle aus, die die RKK mit ihrer Politik der Vertuschung, gar nicht erst bekannt werden ließ. Es ist also lediglich die Spitze des Eisbergs. Da sollten Sie, Herr Professor doch wissen, welche Aussagekraft so eine vage Annahme hat. KEINE!

  • Antworten
Simpson29.01.2011 | 00:00 Uhr

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