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Der Heilige Hieronymus: Schutzpatron der Übersetzer
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10.09.2008
Interview mit Christa Schuenke und Thomas Wollermann
Mit 1.300 Mitgliedern sind sie die kleinste Berufsgruppe in der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Seit jeher haben es die Literaturübersetzer schwer, sich in Honorarfragen gegen die Übermacht der Verlage durchzusetzen. Soeben haben die VdÜ-Mitglieder eine neue, mit den Verlagen ausgehandelte Vergütungsregel mit einer Zweidrittelmehrheit abgelehnt. Innerhalb des Verbands war die Debatte um das Ausgehandelte im Vorfeld der Abstimmung immer mehr zu einem ideologischen Grabenkampf geworden. Vor der Abstimmung haben die ehemaligen VdÜ-Funktionäre Christa Schuenke und Thomas Wollerman im Interview mit Cicero-Online erklärt, warum die Vergütungsregel so umstritten war – und warum sie für den Pragmatismus plädieren.
Was sind die Vorteile der Vergütungsregel, die Sie mit verhandelt haben und über die Ende September abgestimmt wird?
Christa Schuenke: Das entscheidende ist, dass man für die geleistete Arbeit sowohl einen Werklohn als auch eine Gewinnbeteiligung bekommen würde. Das Urheberrecht sieht nicht vor, dass man einen Werklohn bekommt. Das sieht lediglich vor, dass Urheber beteiligt werden an der Verwertung ihrer Werke. Insofern ist es also geradezu revolutionär, dass die Verlage bereit sind, uns dieses nicht verrechenbare Grundhonorar zu geben. Ich hielte das für äußerst prekär, wenn man diese Chance verspielen würde. Ich fürchte, das kommt nicht noch einmal. Es hat ja schon Jahre gedauert, bis die großen Verlage überhaupt bereit waren, mit uns zu reden.
Thomas Wollermann: Wir haben allerdings in der Honorarkommission lange darüber diskutiert, ob wir die Vergütungsregel annehmen sollen. Eine Vereinbarung mit den Verlagen besteht natürlich aus Kompromissen, und insofern ist nichts daran ideal. Wir haben uns am Ende schweren Herzens doch dafür entschieden, die Vereinbarung so stehenzulassen – weil wir glauben, dass wir nichts Besseres bekommen können.
Was passiert denn, wenn Ende September die Mehrheit der VdÜ-Mitglieder dagegen stimmt?
Thomas Wollermann: Es gibt infolge der Urheberrechtsnovelle von 2002 ein halbes Dutzend Prozesse, die auf den Bundesgerichtshof zulaufen. Und einige meinen, wenn der Bundesgerichtshof sein Urteil gesprochen hat, dann wären wir in einer besseren Position, eine günstige Vergütungsregel abzuschließen. Ich bezweifle allerdings, dass dann überhaupt noch jemand bereit ist, mit uns eine Vergütungsregel abzuschließen. Außerdem weiß niemand, wann die Urteile gesprochen werden. Das kann noch Jahre dauern.
Warum gibt es innerhalb des VdÜ so viele Gegner der Vergütungsregel?
Thomas Wollermann: Es gab ja lange Zeit bei den Übersetzern diese Solidarität, dass die, die Bestseller übersetzen, bereit sind, etwas von ihrem Gewinn abzugeben an die, die schwierige Bücher mit niedrigen Auflagen übersetzen. Diese Solidarität gibt es nach wie vor. Das war ja das Tauschpfand, das wir in der Verhandlung mit den Verlagen hatten. Das Problem liegt eher darin, dass manche „anspruchsvollen Übersetzer“ (oder solche, die sich dafür halten) sich aus der Solidarität verabschiedet haben, weil sie meinen, dass sie ein Recht darauf haben, höhere Prozente zu kriegen als die „Bestseller-Kollegen“, weil ihre Arbeit höherwertig ist.
Christa Schuenke: Zunächst muss man mal sagen, dass die Vergütungsregel vor allem von denen skandalisiert wird, die sich bislang noch nicht wirklich mit dem Thema beschäftigt haben. Aber ich verstehe die Bedenken: Denn für eine angemessene Bezahlung der Literaturübersetzer, wie das Urheberrecht sie vorsieht, würde diese Vergütungsregel nicht sorgen. Angemessen wäre im Grunde genommen das dreifache oder mindestens das doppelte von dem, was heute üblich ist. Vor allem Leute, die sehr anspruchsvolle, schwierige Bücher übersetzen oder aus kleinen Sprachen übersetzen, würden mit der neuen Vergütungsregel nicht viel besser da stehen als vorher. Zu der ersten Gruppe gehöre ich im Übrigen selbst.
Thomas Wollermann: Der Begriff der Angemessenheit ist aufgeladen. Wenn man den kulturellen Wert unserer Arbeit gegen unsere aktuellen Honorare aufrechnet, dann kann man wirklich nicht im Entferntesten von Angemessenheit reden. Aber in den Verhandlungen mit den Verlagen wird Angemessenheit wieder ganz anders bestimmt. Da geht es darum, was kann der Verlag zahlen, und auch darum, wie sind die Machtverhältnisse.
Können Sie absehen, wie die Abstimmung am 20. September verlaufen wird?
Christa Schuenke: Das ist schwer zu sagen, weil es darauf ankommt, wer überhaupt zu der Abstimmung kommt. Es können nur die abstimmen, die die Zeit und das Geld haben, nach Köln zu kommen. Ich glaube, dass maximal 200 Leute kommen werden. Das entspricht ungefähr der Zahl unserer aktiven Mitglieder. Wir rechnen mit einem sehr knappen Ergebnis.
Thomas Wollermann: Ich hoffe nicht, dass es knapp wird. Es wäre gut, wenn sich der Verband eindeutig entweder dafür oder dagegen entscheiden würde.
Warum?
Christa Schuenke: Der Verband ist schon jetzt durch die ganze Debatte zerrüttet worden. Falls es wirklich zu einer Spaltung kommt, und das ist nicht auszuschließen, dann können sich die Verlage ja nur die Hände reiben. Denn dann geben wir unser kleines bisschen Macht noch ab.
Was ist mit dem Zusammenhalt der Übersetzer passiert, der sich Anfang dieses Jahrtausends so eindrucksvoll in dem erfolgreichen Kampf um eine Novellierung des Urheberrechts gezeigt hat?
Christa Schuenke: Die Verbandsstruktur hat sich in den letzten sechs Jahren stark verändert: viele alte Verbandsmitglieder sind nicht mehr da, dafür kommen junge nach – mit neuen Forderungen. Einige der Neumitglieder arbeiten auch als Fachübersetzer. Da verdienen sie sehr viel besser, und diese Honoraransprüche übertragen sie dann aufs Literaturübersetzen. Dann gibt es manche, die eine Familie gründen wollen und nicht glauben wollen, dass man so wenig Geld mit dem Übersetzen verdient. Ich kann nur sagen: vom Übersetzen wird man nie reich werden. Man kann vielleicht ein bisschen mehr kriegen, und dafür kämpfen wir.
Frau Schuenke, Herr Wollermann, vielen Dank für das Gespräch!
Die Fragen stellte Sophie Diesselhorst.
Foto: Picture Alliance |