Christiansen vom 28. Januar
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Keine Frage, der Schmerz und die Trauer der zu Opfern gewordenen Menschen bleiben regelmäßig auf der Strecke, besonders wenn es sich um Kapitalverbrechen handelt, das ist bedauerlich, und es wird dadurch nicht gemildert, daß es öffentlich wird. Gemildert wird es auch nicht durch die Haftdauer, neu geweckt wird es aber offenbar, wenn droht, daß die als Täter ausgemachten Menschen aus der Gefangenschaft direkt übergeführt werden in eine marktschreierische, von der Öffentlichkeit goutierte Rolle. Das aber ist eher Folge der Dynamik unserer teilweise verzerrten Mediengesellschaft, weniger ein Resultat der Interessen der zu entlassenden Häftlinge.
Bubacks Sohn reklamiert aus persönlichen Motiven eine Befindlichkeit, die darin gipfelt, daß er glaubt die RAF-Mörder hätten gegenüber „gewöhnlichen“ Mördern aus niedrigeren Motiven gehandelt; das ist einerseits sein gutes Recht, andererseits rächt sich hier womöglich - aus der Sicht der Opfer - der damalig ganz dezidiert geäußerte Anspruch der rechtsstaatlichen Sichtweise, indem Gericht und Bundesanwaltschaft ja eben ganz darauf abzielten die Morde der RAF-Täter als „gewöhnliche“ Kapitalverbrechen zu ahnden. Durch diese Sichtweise wollte man den ausdrücklichen Ansprüchen der RAF-Täter auf Anerkennung politischer Motive, auf Behandlung als Kriegsgefangene von vorneherein jeglichen Wind aus den Segeln nehmen. es sollte eben an keiner einzigen Stelle ein politischer Prozeß werden.
Mit dieser Vorgehensweise hat man IMHO aber auch dafür gesorgt, daß die gesellschaftspolitische Bedeutung der RAF jahrzehntelang nicht in die Diskussionen einer breiten Öffentlichkeit gerieten - sondern lediglich eine Marginalie im historischen Bewußtsein bildet.
Nun nutzen Mohnhaupt und Klar - jeder auf seine Weise - dieselben Automatismen desselben Rechtssystems, um wieder auf freien Fuß zu gelangen - dabei glaube ich durchaus, wie Bettina Röhl es ausdrückt - daß die gegenwärtige Öffentlichmachung dieser Vorgänge auch durch Kampagnen aus dem „linksliberalen“ Lager befördert werden.
Was ich sehr spannend auch heute finde - gute 30 Jahre nach Schleyers Tod, und mithin wohl dem Höhepunkt der RAF - noch immer interessiert sich offenbar niemand für die Rollen der damaligen Mord- und Entführungsopfer. Einzig vom Kabarettisten Georg Schramm hörte ich im September 2006 innerhalb seines Programms „Thomas Bernhard hätte geschossen“ eine wohl bitter ernst gemeinte Anspielung auf die Biographie Schleyers, der als SS-Offizier zusammen mit Heydrichs in Prag tätig war, dann in den Nachkriegsjahren sich zu einem ganz harten Vertreter der Arbeitgeber-Fraktion entwickelte, der u.a. mit Massen-Ausschließungen ja für ordentlich Zündstoff sorgte.
Hier besteht glaube ich auch noch Stoff für den Geschichtsunterricht: wer waren denn die opfer der RAF, welche gesellschaftlich bedeutsamen Rollen spielten denn Buback, Ponto, Schleyer, Lorenz, Herrhausen & Co.?
Jedenfalls halte ich es ebenso für einen Treppenwitz der deutschen Geschichte, daß z.B. Schleyer zu einer Art Märtyrer der BRD stilisiert wird, wie es eine traurige und bittere Realität unserer Gegenwart ist, daß, wenn man nur „publikumswirksam“ genug morden, schänden, brandschatzen kann, man dann medial interessant ist.
Mein Mitgefühl gehört den Opfern und ihren Hinterbliebenen, mein Verstand interessiert sich aber eben auch für die Rolle der Opfer als sie Täter waren.
Gruß, Christoph Berndt
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