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Shadi Ghardirian, Rebell Minds Gallery |
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von Gabriele Bärtels
Nachdem die Fundamentalisten die Wahlen im Iran gewonnen haben, bangen die Künstler um ihre Freiheit. Eine Frau hat damit schon Erfahrung.
Um ihre dunklen Augen, ihre stolze Haltung und ihre reiche Gestik möchte man persische Frauen beneiden. Was wissen wir sonst über sie? Wir verstehen ihre Sprache nicht, und im Fernsehen tragen sie stets einen Tschador, da sieht man vielleicht ihr Gesicht, aber kaum, was in ihrem Kopf vorgeht.
Shideh Tami, 1962 in Teheran geboren, verwandelt das alltägliche Innenleben persischer Frauen in Kunst. Noch vor zehn Jahren wäre kaum denkbar gewesen, dass sie ihre vierzig Tagebücher voller intimer Gedichte und Zeichnungen im Mullahstaat ausstellt. Sie hätte die Exponate einem Kulturkomitee vorlegen müssen, und das Frauen-Diary hätte die Prüfung wohl kaum bestanden. „Aber“, sagt die zierliche Shideh Tami mit dem trotzigen Ausdruck im Gesicht, die ein wenig verloren wirkt in Berlin-Mitte, „auch schon vor dieser Zeit war es möglich, verbotene Werke auszustellen. Die Überwachung der Vorschriften war eher lau.“
Während der Regierungszeit des gemäßigten Rafsandschani wurde das Komitee dann abgeschafft, und die Verhältnisse für Künstlerinnen entwickelten sich beinahe paradiesisch. Als die Kuratorin und Halbperserin Vesta Mauch jetzt in Teheran den Ausstellungszyklus „Amazones“ vorbereitete, hatte sie die freie Wahl unter spannenden Arbeiten zahlreicher Frauen. Mit dem Sieg des ultrakonservativen Ahmadinedschad, dessen Befürworter vorwiegend aus armen, ländlichen Schichten kommen, in denen der Mullah die lauteste Stimme hat und Frauen sich schweigend bis zustimmend beugen, könnten die goldenen Zeiten schon bald wieder vorbei sein. Doch kann man das Neue ruinieren und das Alte restaurieren, wenn die Bevölkerung eines Staates dermaßen jung ist und ein globaler Wind weht, auch über den islamischen Gotteststaat?
Acht ausgewählte Seiten aus ihrem Werkzyklus hat Shideh Tami, die schon in Frankreich und USA ausstellte, für ihre Ausstellung in Deutschland neu und großformatig gestaltet, unterlegt mit Röntgenfotos, die die poetische Innenschau bis auf die weiblichen Knochen erweitern. Auf uns, die wir die persische Schrift nicht lesen können, wirken die handschriftlichen Zeilen wie Graffiti aus einer lange verschwiegenen Innenwelt.
„In jedem Land der Welt hat man Schwierigkeiten, seinen Weg zu finden. Um sich in Persien Freiräume zu erkämpfen, ging man als Frau nicht zu weit, aber doch so weit wie möglich.“ Shideh Tami argumentiert ambivalent. „Von Deutschland aus gesehen scheinen persische Frauen es sehr schwer zu haben, aber man darf nicht vergessen, dass wir von klein auf gewöhnt sind, in einer männlich geprägten Welt unsere Schlupfwinkel zu finden.“
Ein iranischer Mann habe immer schon einfach aus dem Haus treten und eine Straße überqueren können. Eine Frau dagegen habe von jeher lange überlegen müssen, wie sie ungesehen auf die andere Straßenseite kam, so, wie die Regeln es vorschreiben. Frauen im Iran, müssten daher Mut haben, improvisieren und tricksen. „Das hat uns Frauen stark gemacht.“
Shideh Tami glaubt nicht, dass ihr die internationale Aufmerksamkeit daheim Schutz vor Verfolgung bietet. „Wenn ich sehr berühmt wäre, vielleicht, aber im Moment erscheint es mir eher als Gefahr, dass Ausstellungen die Aufmerksamkeit auf mich lenken.“ Auf die Frage, ob sie sich Sorgen mache, zuckt Shideh Tami mit den Schultern. „Die Rückkehr der Ultrakonservativen wird den Druck erhöhen, der das Land unter Spannung hält. Vielleicht muss das so sein, um die Lage endlich zu klären.“ Morgen, im Flugzeug nach Teheran, wird sie den Schleier wieder über den Kopf ziehen. |