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Foto: Jim Rakete, exklusiv für Cicero |
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von Verena Auffermann
Wenn Herrscher sich dem Blick der Öffentlichkeit zeigen, so geschieht das mit Bedacht. Und bevorzugt mit Hund. Zur Geschichte einer probaten Kommunikationsstrategie.
Seit im März 2004 eine Studie der kalifornischen Universität San Diego nachweisen konnte, dass sich Hundekäufer für Tiere entscheiden, die ihnen in gewisser Weise ähnlich sehen, ist die Rassenwahl der Rorschachtest. Die amerikanischen Psychologen ließen die Hunde und ihre Besitzer getrennt fotografieren. Eine 28-köpfige Jury setzte die Paare wieder zusammen, und das gelang in 16 von 25 Fällen. Holly, Schröders Borderterrier, ist kein ganz kleiner, aber auch kein großer Hund. Gerhard Schröder und seine Frau sind keine Riesen. Hollys Oberhaar ist dick, harsch und weizenfarben. Vom Haar ihres Herrn hier kein Wort. Borderterrier sind wesensfest und ausgeglichen, und sie sind zuverlässige Arbeitstiere mit ausreichender Schärfe, sie können sehr hoch springen, wenn ein Stock oder ein Ball sie lockt. Voilà.
Holly ist süß und von den Attributen des Deutschen Schäferhunds sehr weit entfernt. Als Hund des 21. Jahrhunderts fördert Holly die Kommunikation und bringt Tempo in die erlahmte Konjunkturgesellschaft. Dem Borderterrier, bis zu Hollys Einzug in Hannover in Deutschland eher eine unbekannte, britischen Lords vorbehaltene Hunderasse, steht jetzt eine Konjunktur bevor, wie dem Labrador nach der Erhebung in den Präsidentenstand durch Giscard d’Estaing, den Welsh Corgies als Hunde der Queen, dem Mops als Loriots bestes Haustier. Holly ist schon jetzt eine erfolgreiche Marke und für die Hundeaccessoires der Drogeriekette Rossmann, was Claudia Schiffer für Lagerfeld und dessen Kollegen war. Ich weiß nicht, ob Holly die Produktkette ihres Labels selbst konsumiert, mit eineinhalb Jahren ist sie schließlich noch ein Kind, allerdings schon so erfolgreich, wie damals der junge Heino oder Conny Froboess.
Manche Frauen führen ihre Hunde wie Handtaschen spazieren, setzen sie zu Hause auf ihr Lieblingskissen, lassen sich mit ihnen malen oder fotografieren. Macht demonstrieren Frauen mit ihren Hunden selten, eher Schönheitssinn, Eitelkeit, Sehnsucht nach Wärme und einem ansprechbaren Gegenüber.
Bei den Männern ist das ein bisschen komplizierter. Oft stehen sie neben ihren Hunden wie neben einem Wunsch-Alter Ego. Sie zeigen in der Gestalt ihres vierbeinigen Begleiters die Verdoppelung der eigenen Potenz und Macht. Das sieht man auf den Bildnissen der Herrscher. Von Karl V. bis zu Hitler, von den lichtgrauen Doggen der Gonzagas bis zu den Doggen Otto von Bismarcks. Beim Tod seiner Doggen Tyras und Sultan soll der Eiserne Kanzler mit den Tränen gekämpft haben. Es sei „sündlich“, entschuldigte sich Bismarck später, „sein Herz an ein Tier zu hängen“, er habe aber „nichts Lieberes auf der Welt gehabt“. Also nicht nur Macht- und Potenzgehabe, sondern das Verlangen nach bedingungsloser Zuneigung. Wenn es einen Himmel gäbe, mutmaßte Bismarck in späten Jahren, so sei der sicher auch für Tiere da, und er hoffte voller Zuversicht, „im Himmel meinen Hunden wieder zu begegnen“. |