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Benjamin von Stuckrad-Barre als DJ auf einer Aftershow-Party von Udo Lindenberg.
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Berlin ist Deutsches Theater
Interview mit Benjamin von Stuckrad-Barre



Aber die Außenwirkung ist: Stuckrad-Barre hat sich von Springer als intellektuelles Feigenblatt kaufen lassen.
Daran ist alles Kitsch-Poesie, Material, das man sammelt. Große Sammlung über die Dummheit. Schreibt man für den SPIEGEL, ist man die „Popsau“, und bei Springer ist man plötzlich intellektuell.

Und wenn man Geld dafür nimmt, ist man korrupt. Kann man in einer Boulevard-Zeitung gut schreiben, als Dichter?
So weit geht es ja in solchen Hohl-Diskussionen gar nicht, dass wirklich konkret über Text-Qualität gesprochen wird. Ressentiments reichen doch schon – gähn. Im optimalen Fall fügt es sich ein und fällt nicht weiter auf. Ich profitiere gern davon, wie der Boulevard das macht: Übertreibung, Zuspitzung, Drastik. So arbeitet jedes Feuilleton, zumindest probieren sie es. Bei der B.Z. ist es einfach die unverheuchelte Variante.

Was war als B.Z.-Reporter das überraschendste Erlebnis?
Leander Haußmann erzählte mir, wie er seinen Sohn mit der Polizei zusammengebracht hat. Der Sohn fühlte sich dem Schwarzen Block zugehörig und wurde nach einer Demonstration kurz mal festgenommen. Da war es für den Vater Zeit zu handeln. Leander Haußmann hat die Polizei angerufen und gefragt: „Können wir uns nicht mal treffen?“ Das empfand die Polizei als gute Idee, der Sohn hat sich zum ersten Mal etwas Buntes angezogen zu diesem Treffen, und die Polizisten kamen ohne Uniform.

Und dann haben Vater, Sohn und Polizist ein Männergespräch geführt.
Der Polizist hatte, ganz schön schlau, eine sehr hübsche Polizistin mitgebracht, die beim G8-Gipfel verletzt worden war. Der Sohn hat gesehen: Das sind keine Schweine in Uniform. Wie in allen großen Organisationen gibt es natürlich auch da Schweine, wäre ja seltsam, wenn nicht, aber die meisten machen einfach ihren Job so gut sie können. Das gibt es ja nur bei der taz, dass es da keine Schweine gibt. So, und was passierte dann? Boulevard-Haudraufs hätten die Zeile gemacht: „Leander Haußmann: Mein Prügelsohn.“ Aber B.Z.-Chef Walter Mayer sagte: „Ja, des ist a tolle G’schicht’“, guckt drauf und findet die Überschrift: „Erziehungscamp zuhause“. Das ist Poesie.

Erreicht das den B.Z.-Leser?
Aber ja. Für 50 Cent.

Bei der taz hätten Sie mehr Platz.
In Zeilen? Mag sein, aber alles andere dort ist mir zu eng. Ich habe einige Jahre für die taz geschrieben und habe erleben dürfen, wie die in der Redaktion miteinander umgehen, wie selbstgewiss sie denken und schreiben, wie schlecht sie die Zeitung machen und sich dabei über den Boulevard erheben. Das ist widerlicher als alles, was in Bild und Bunte steht. Die Arbeitsbedingungen sind eine Katastrophe, die Bezahlung ist es auch. Das ist der permanente Selbstbetrug.
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Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe Juli 2008

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Benjamin von Stuckrad-Barre
Benjamin von Stuckrad-Barre ist ein deutscher Schriftsteller.


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