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„Ein Käfig voller Feiglinge
von Peter Sloterdijk

Der Philosoph Peter Sloterdijk wirft in der neuen Cicero-Ausgabe den Kritikern des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin Opportunismus vor. Cicero Online veröffentlicht vorab einige kritische Passagen.

„Denken wir an den entlarvenden Vorgang, der sich vor wenigen Wochen anlässlich einiger kantiger Formulierungen des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin entwickelt hat: Weil er so unvorsichtig war, auf die unleugbar vorhandende Integrationsscheu gewisser türkischer und arabischer Milieus in Berlin hinzuweisen, ging die ganze Szene der deutschen Berufsempörer auf die Barrikaden, um ihm zu signalisieren: Solche Deutlichkeiten sind unerwünscht. Man möchte meinen, die deutsche Meinungs-Besitzer-Szene habe sich in einen Käfig voller Feiglinge verwandelt, die gegen jede Abweichung von den Käfigstandards keifen und hetzen. Sobald einmal ein scharfes Wort aus einem anderen Narrenkäfig laut wird, bricht auf der Stelle eine abgekartete Gruppendynamik los.“

Selbst Bundesbank-Chef Axel Weber habe sich nach Sloterdijks Meinung von der Epidemie des Opportunismus anstecken lassen:

„Auch die Leitung der Deutschen Bundesbank erweist sich gegen die Epidemie des Opportunismus als nicht immun. Deren Chef, statt sich gelassen vor seinen Kollegen zu stellen und zu sagen: Hört zu, Freunde von hier und von anderswo, in einer Welt, wo die freie Rede zu den höchsten Gütern zählt ist, muss man Zuspitzungen aushalten können, wie sie zuweilen aus dem Munde unseres scharfzüngigen Mitarbeiters kommen – statt also irgendetwas Souveränes, Aufheiterndes, gut Ventiliertes zu sagen, spricht sogar Axel Weber, ansonsten wohl ein respektabler Mann, die allgemein erwartete Sklavensprache und deutet an, es wäre für das Ansehen seines Hauses besser, der überdeutliche Mitarbeiter zöge berufliche Konsequenzen.“

Das ganze Sloterdijk-Manifest mit dem Titel "Aufbruch der Leistungsträger - Zeitdiagnostische Bemerkungen" finden sie in der ab morgen erhältlichen November-Ausgabe.


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Leserkommentare
Ignaz Wrobel (Berlin) 05.12.2009
Wirklich erschreckender finde ich die viel abgründigere Feigheit, mit der die Abgehärteten sich hinter einen Wortführer verstecken, der sich nicht nur durch seine xenophobischen Abgründe sondern vor allem durch ein ausgesprochenes Herrenmenschengehabe hervorgetan hat. Der egomane Macher, der keine Lust hat, sich vom verachtungswürdigen und niedrigen Rest der Menschheit seinen persönlichen "Erfolg" vermiesen zu lassen.
Was Integration sein soll, ob das überhaupt geht und ob das gut ist, lässt sich diskutieren. Aber bitte ohne diesen zutiefst zynischen Unterton des Elitarismus.
Adam (Berlin) 11.11.2009
nicht so neu; s.
Jens Jessen "Deutsche Lebenslügen" ...
Andreas Oling (Schwerin) 09.11.2009
Es ist wohltuend im Cicero nicht nur in diesem Artikel das eigene Befinden wunderbar in Worte gefasst wiederzufinden. Durch die Sprache erhält das eigene Denken, das bisher oft nur ein Bauchgefühl war eine Struktur und wird damit kommunizierbar.
Solange aber in den Chefredaktionen der meisten öffentlichen Medien überwiegend Linke Alt-68er sitzen, brauchen wir uns auch nicht über die veröffentlichte Meinung wundern. Die Babybommer Generation hat eine andere, eine ideologiefreie, Sicht auf die Welt. Hoffentlich dauert es nicht mehr lange bis die letzten Linken in die Rente geschickt werden.
hans Schiessl (North Prairie USA) 29.10.2009
Excellent.
Leider ist die Presse an der ganzen Sache nicht unschuldig. ALLE haben noch am selben Tag des Interviews "Richter, Geschworene und Scharfrichter" gespielt. Sie sind die wahren Feiglinge.
albert flad (Port Elgin) 29.10.2009
Endlich sagt einer die Wahrheit und was passiert - er wird "massarkiert"
Im Ernst glaubt denn noch irgeneiner was in Politik - Wirtschaft und Presse verbreitet wird Ich schon lange nicht mehr. Hat da ein Herr Angst vor seinem Poestchen bei der Bank.
Herr Srrazin sagen Sie weiterhin Ihre Meinung Sie stehn nicht allein.
albert flad port elgin n.b.
Klaus Häufle (79639 Grenzach-Wyhlen) 27.10.2009
Gebe Hr.Sloterdijk recht.Möchte auf eine Rede aufmerksam machen die der Australische Premier John Howard im Februar 2008 (jahrestag der Baliattentate) gehalten hat)in der er einen gesunden Patriotismus zeigte . Dieser fehlt nach meinem Empfinden unserer sog.Elite.
Gabriele Manzke (Berlin) 27.10.2009
Ich finde es beängstigend, wie die "Elite" und Verfechter der "Leitkultur", Sarrazins vulgäre Pöbelei hinnimmt!
Andy Meier (Berlin) 27.10.2009
Oh doch, Herr Silberfuchs aus Rettenbach in der Province: da sollte man keinen Tee vorschieben und auch keinen Baring usw...
Die interessieren hier gerade nicht.
Sondern Slo sein Pamphlet wider den ekelhaften Opportunismus allerorten.
Kapiert? Egal, war klar.
Andy (Berlin) 26.10.2009
..ich würde ja dem Rettenbacher/in einen Tee einschenken. Einen solchen, wo man dann nich mehr meckern kann.
Meckmeck
Lue Reinhard (Rettenbach) 26.10.2009
Nein, Herr Sloterdijk. Es geht nicht um "kantige Formulierungen"; und man darf Integrationsscheu auch kritisieren. Schlimm sind die ekelhaften Formulierungen von Herrn Srrazin (auch, wenn es nur wenige in einem langen Text sind), weil sie verachtende Denkstukturen offenbaren. Und besonders schlimm ist die intellektuelle Zustimmung von Meinungsträgern wie Henkel, Baring, Broder - und nun leider auch Sloterdijk.
Silberfuchs (Rettenbach) 26.10.2009
Für diesen Artikel von Herrn Sloterdijk gibt's - trotz aller sonstigen Bewunderung - nur eine Erklärung: Der Mann hat einen im Tee gehabt; einen im Sarrazin-Henkel-Broder-Baring-Tee.
Andy Meier (Berlin) 25.10.2009
Okee, "Gedöns" nehme ich zurück, nach genauerem Lesen ohne diesmal einzuschlafen. Slo hat ja nunmal doch einen Stil und Wortfindungen, was einfach nur von grossartiger Sprachkultur zeugt.
Nur eben z.B. dass die Arbeit nicht die ausschliessliche Quelle der Wertschöpfung sei und Slo somit Ricardo und Marx des Irrtums überführt haben will, ist selbst ein recht übermütiger Irrtum des Autors. Auch der daraus resultierende Schluss, Ausgebeutete seien "Nehmende"(!), ist grandios in seiner Kühnheit und ja wohl offensichtlich paradox.
In diesem seinem Beitrag lässt P.S. die grossen "Leistungsträger" (meinetwegen zu Recht) hochleben, verliert aber dann die Relationen, was jedoch wiederum zu "Manifesten" passt. (Marx/Engels waren bei dem berühmten ihren ja aber auch erst Anfang 20, was bei Sloterdijk nicht mehr ganz der Fall ist...).
Andy Meier (Berlin) 24.10.2009
Sloterdijk ist leider nur im ersten Abschnitt seines Artikels erfrischend (um die oft zitierten Stellen herum).
Der lange Rest ist für mich Gedöns mit "weisen" Ratschlägen an die Parteien.
Einschläfernd leider...
Dr. Fruth (Sonthofen) 24.10.2009
Es darf einer ordentlichen Portion Mut um in dieser Republik die Realität auszudrücken, aber ohne diese mutigen Menschen wird die Republik den Bach runtergehen, aber ordentlich
Jan Wilders (Frankfurt und Berlin) 24.10.2009
Gutes Timing.

Wohl dem, der andere die verbale Schmutzarbeit machen lässt und dann als Reporter vor Ort auf Sendung geht.
Michele Felicitas (Südafrika) 24.10.2009
Sarrazin hat Unterhaltungswert und ist besser als die flachen Komödianten in den Privatsendern. Doch überbieten ihn die "Berufsempörer". Bei meinen Besuchen in der BRD stelle ich oft fest, dass viele wie Sarrzin denken aber nicht vermögen, dies in solche Aussagen zu packen. Sloterdijk ist einfach erfrischend und spricht vielen aus der Seele.
anonymous (Dortmund) 23.10.2009
Duhden, gemeint war "Rückgrad" ha ha ha
Helmar Beer (Dresden) 22.10.2009
nur Kulturphilosoph(en)
können noch über die
"Epidemie des Opportunismus sinnieren .
am 10.Juni 2009 ging ES
noch um : "Kleptokratie
und steuerstaatlich(en)
zugreifenden Semi- Sozialismus " ( FAZ )
DAS ist doch dass
Sloterdijk - Manifest ,oder ?



Goebel, Karl Wilhelm (Burgwedel) 22.10.2009
Die Empörer benehmen sich wie schnatternde Gänse. Herr Weber scheint dazuzugehören. Bravo für unseren Philosophen Sloterdijk.
Alpay Yalcin (Schwäbisch Hall) 22.10.2009
Ich freue mich für alle deren Meinung nun endlich durch einen kompetenten und "die grossen Zusammenhänge"-Erkennenden vertreten wird.
Und vor allem freue ich mich auf eine Diskussionsrunde, in der die Integrationsunwilligen auch zu Wort kommen werden.
Andyocean (10405 Berlin) 22.10.2009
Bravo & Respekt! Besser als Sloterdijk kann mans nicht auf den Punkt bringen.
Besonders der Herr Weber von der Bundesbank und der Herr Kramer vom Zentralrat d.J. haben mit ihren Reaktionen auf Sarrazins Worte den Gipfel der Lächerlichkeit erklommen..
Jedoch ist mir nicht zum Lachen, auch weil das Philosophische Quartett mit Sloterdijk&Safranski so selten kommt und auch in der zdf mediathek kaum vorhanden ist.
Ist das alles traurig hier...
Freundlichst A.
Jürgen Vogel (Hückeswagen) 22.10.2009
Welch wonnig Gefühl durchströmt den Leser. Endlich
ein Organismus (Hominid), der
ontogenetisches und kommunikatives in sprachlichem Verhalten sichtbar macht und damit das Defizit der Berufsempörer und Opportunisten sichtbar macht.
Dieser verwahrlosten Kaste fehlt es an reflexisem Bewußtsein; lassen wir Sie in Ihrem "seienden" verharren und führen unseren eigenen Lernprozess im "Sein" weiter.
Uwe Gattermann (Nongkhai, Thailand) 22.10.2009
Sarrazin hat das Bundesverdiebnnstkreuz verdient!

Nach Jahrzehnten linker Trickserei und Betrügerei, Diffamierung der Wahrheit, hat er ihr Meinungskartell duchbrochen.

Keine Nieten wie die Berufsversager Edathy, Claudia Fatima Roth und UmVolker Beck, die nie im Leben etwas geleistet, dennoch fürstlich für das Kloppen dummer Sprüche bezahlt wurden.
liv schindler (hamburg) 22.10.2009
ich habe den artikel eben ganz im heft gelesen und bin mehr als erleichtert, daß wir noch *denker* haben, die gesamtzusammenhänge herstellen können. allerdings bin ich auch erschrocken, welcher hypnose wir alle oft wohl unterliegen!
Duhden (Frankfurt) 22.10.2009
Was bitte ist ein "Rückrad"? Ich kenne "Liegerat", "Kirchenrad", "Aufsichtsrad", "Vorradshaltung" etc. - aber "Rückrad" ist mir unbekannt...
Patzschke (Hamburg) 21.10.2009
Beruhigend zu hören, dass in Deutschland noch Männer mit Rückrad zu finden sind.
hanlor (Wien) 21.10.2009
Sehr gut.
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Peter Sloterdijk
Peter Sloterdijk ist Kulturphilosoph und seit 2001 Rektor an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Er moderiert zusammen mit Rüdiger Safranski "Das Philosophische Quartett" im ZDF.


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