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Aufbruch der Leistungsträger
von Peter Sloterdijk

Schröpfung des Steuerzahlers, Semi-Sozialismus, Staats-Kleptokratie – der Philosoph Peter Sloterdijk löste mit seinen Thesen zur Zukunft des Kapitalismus in diesem Herbst eine Debatte aus. Axel Honneth, Altverwalter der Frankfurter Schule, erwiderte empört. Exklusiv in Cicero antwortet Sloterdijk mit seinen „Zeitdiagnostischen Bemerkungen“. Entstanden ist ein Manifest zum neuen Zeitgeist, ein Plädoyer für Freiheitswind in Deutschland.

Von Feigheit paralysiert
Seit dem frühen 18. Jahrhundert sind die Angehörigen europäischer Nationen bereit auszuprobieren, wohin es führt, wenn man sich selbst mit den Augen der anderen sieht. So hat Montesquieu in seinen Persischen Briefen von 1721 zwei Orientalen auf die Reise nach Westen geschickt, um ihren Landsleuten zu berichten, wie es mit den Sitten und Gebräuchen in den Ländern des Sonnenuntergangs bestellt ist. Es ist höchste Zeit, scheint mir, wieder einmal die Perser einzuladen, damit sie einen verfremdenden Blick auf die Zustände in unserem Land werfen.

Was den von außen kommenden Beobachtern unserer Verhältnisse sicher am stärksten ins Auge springen würde, obschon es für uns durch seine Alltäglichkeit fast unsichtbar geworden ist: Wir haben uns – unter dem Deckmantel der Redefreiheit und der unbehinderten Meinungsäußerung – in einem System der Unterwürfigkeit, besser gesagt: der organisierten sprachlichen und gedanklichen Feigheit eingerichtet, das praktisch das ganze soziale Feld von oben bis unten paralysiert. Dies gilt, wohlgemerkt, nicht für die aktuelle deutschsprachige Literatur, die farbig und ausdrucksstark ist wie seit langem nicht. Aber unsere sogenannte „Öffentlichkeit“, der politisch-publizistische Raum, die Sphäre der vorgesagten und nachgesagten Meinungen ist auf eine Weise durchsterilisiert und homogenisiert, dass man meinen möchte, fast alle, die bei uns öffentlich das Wort nehmen, kämen geradewegs aus dem Desinfektionsbad. Die Perser würden glauben, sie entdeckten auf fremdem Boden orientalische Verhältnisse wieder.

Denken wir an den entlarvenden Vorgang, der sich vor wenigen Wochen anlässlich einiger kantiger Formulierungen des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin entwickelt hat: Weil er so unvorsichtig war, auf die unleugbar vorhandende Integrationsscheu gewisser türkischer und arabischer Milieus in Berlin hinzuweisen, ging die ganze Szene der deutschen Berufsempörer auf die Barrikaden, um ihm zu signalisieren: Solche Deutlichkeiten sind unerwünscht. Man möchte meinen, die deutsche Meinungs-Besitzer-Szene habe sich in einen Käfig voller Feiglinge verwandelt, die gegen jede Abweichung von den Käfigstandards keifen und hetzen. Sobald einmal ein scharfes Wort aus einem anderen Narrenkäfig laut wird, bricht auf der Stelle eine abgekartete Gruppendynamik los. Dabei geht es zu, als gelte es, einen Wettbewerb in Empörungsdarstellung zu gewinnen: Wer schafft es, seine Konkurrenten an Würdelosigkeit beim Eifern und Geifern zu übertreffen? Einigermaßen fassungslos sieht man mit an, wie dann die Mechanismen der Trivialmoral in endlosen Schleifen abgespult werden – bis hinauf in die Spitzen der „Gesellschaft“. In der Berliner SPD heulen die Wölfe sogar von Parteiausschluss. Auf Wahrheit soll künftig die Höchststrafe stehen: Existenzvernichtung. Auch die Leitung der Deutschen Bundesbank erweist sich gegen die Epidemie des Opportunismus als nicht immun. Deren Chef, statt sich gelassen vor seinen Kollegen zu stellen und zu sagen: Hört zu, Freunde von hier und von anderswo, in einer Welt, wo die freie Rede zu den höchsten Gütern zählt ist, muss man Zuspitzungen aushalten können, wie sie zuweilen aus dem Munde unseres scharfzüngigen Mitarbeiters kommen – statt also irgendetwas Souveränes, Aufheiterndes, gut Ventiliertes zu sagen, spricht sogar Axel Weber, ansonsten wohl ein respektabler Mann, die allgemein erwartete Sklavensprache und deutet an, es wäre für das Ansehen seines Hauses besser, der überdeutliche Mitarbeiter zöge berufliche Konsequenzen. Er kommt nicht auf den Gedanken, seine eigene entkernte Haltung, sein serviles Vorwegnehmen von eingebildeten Nachteilen, sein Floaten mit dem Tageskurs der Empörerei könnten die wirkliche Gefahr für das Ansehen seines Unternehmens bedeuten. Das Beispiel zeigt, wie tief bei uns der Sprachkarren im Dreck steckt – und mit dem Sprachkarren das ganze System der politisch-psychologischen Reflexe.

Deutsches Unverständnis für die thymotischen Affekte
Wenn man erklären sollte, wie es zu diesen entwürdigenden Zuständen gekommen ist, wäre historisch weiter auszuholen. Man müsste erzählen, erklären und dokumentieren – das würde Zeit kosten –, wie es kam, dass bei uns, in Europa im Allgemeinen und in Deutschland im Besonderen, im Laufe des 20. Jahrhunderts die Balance zwischen den Primäraffekten der menschlichen Seele, den gierartigen Regungen auf der einen Seite, den stolzartigen Regungen auf der anderen – griechisch gesprochen: das Wechselspiel von Eros und Thymos – so völlig verloren gegangen ist. Die heute erreichten Grenzwerte sprechen für sich: Von einem Ende zum anderen ist unsere Alltagskultur von den Figuren und Affekten der Mangelrhetorik durchdrungen. Ja, was wir in unseren Breiten Wirklichkeit nennen, ist ein Gesamtkunstwerk aus Mangeleinbildungen. An allen Ecken und Enden spricht man nur noch vom Fehlen, vom Brauchen, vom Nicht-Haben und vom Beantragen – längst neigen die meisten Zeitgenossen zu der Überzeugung, dass mit dem Wort Mängelwesen alles gesagt sei, was über den Menschen als wunschgetriebenes Etwas überhaupt zu sagen ist. Bis in die letzten Verästelungen unserer Begriffs- und Erlebnisform ist unser Dasein durch Mangeldefinitionen geprägt. Wie keine Generation zuvor sind wir therapeutisiert, kulpabilisiert, miserabilisiert und auf Defizitgefühle dressiert. In kulturgeschichtlicher Sicht dürften wir die erste Gesellschaft sein, in der man allgemein den Satz unterschreibt, wonach der Mensch das Tier im Minus ist.
Für die komplementäre Dimension des menschlichen Seelenlebens, den Stolz, die Ehre, die Großzügigkeit, das Haben und Schenken, für die ganze Skala der gebenden Tugenden, die zum kompletten thymotischen Leben gehören, haben wir praktisch kein Empfinden mehr, und mit dem fehlenden Empfinden ist auch die dazugehörige Sprache ausgestorben. Vom gebenden Leben weiß unsere Offizialkultur so gut wie gar nichts mehr. Dass die Menschen aber nehmende und gebende Wesen sind, ja dass sie, sobald sie auf die gebende Seite kommen, materiell oder symbolisch, sofort beginnen, mit sich selbst und den anderen viel bessere Erfahrungen zu machen, als auf der Gierseite je zu gewinnen sind: das ist aus dem aktuellen Horizont unserer Wirklichkeitsauffassung so gut wie völlig ausgeblendet worden.
Es ist wahr, über Einkünfte, Gewinne und Zuwächse, die unserer nehmenden „Natur“ Genugtuung verschaffen, freut man sich, solange die Quelle sprudelt. Und nichts berechtigt uns, über diese Komponente der menschlichen Affektwirklichkeit die Nase zu rümpfen, solange sie nicht einseitig ins Extrem getrieben wird. Jedoch, die tieferen Momente, die uns wirklich Satisfaktion verschaffen, sind ohne Zweifel diejenigen, in denen der Einzelne sich seiner Geberqualitäten versichert. Das sind die Augenblicke, in denen ein Mensch nach vorne geht mit dem Bekenntnis: Das habe ich, das gebe ich, das teile ich, so bin ich.
Vor diesem Hintergrund lässt sich begreiflich machen, warum der westlichen Zivilisation im Allgemeinen und der deutschen Kultur im Besonderen auf mittelfristige Sicht nur noch durch eine Art von politisch-psychologischer Reformation zu helfen ist. Könnte es sein, dass wir am Anfang einer solchen stehen? Tatsächlich, wie wäre es, wenn wir aus dem überall tief ausgehobenen Loch des Mangeldenkens, in dem wir uns imaginär gütig, sentimental und heuchlerisch eingerichtet haben, endlich wieder hervorstiegen, um uns in der zeitgenössischen Welt umzuschauen? Die Wahrheit ist doch, dass wir uns mit den meisten Kulturen auf der Erde seit geraumer Zeit schon nicht mehr richtig verständigen können. Wir haben die Fähigkeit dazu verloren, weil unser eingefleischtes Denken in Kategorien des Fehlens und Brauchens es uns verbietet, die zahlreichen fortbestehenden Stolzkulturen auf der Erde und mit ihnen alle Lebensentwürfe, in denen der Mensch ein Plus hat und Ehre fordert, auch nur von ferne noch zu begreifen.

Kohls Erbe: Lethargokratie und Frivolität
Mag sein, dass dies nicht der richtige Augenblick ist, um mit so vagen und weitwinkligen Perspektiven zu hantieren. Wer redet von Reformation, wenn schon kleine Reformen nicht mehrheitsfähig sind? Und doch, für Mentalitätshistoriker wäre es reizvoll, gerade jetzt, da ein neues Kapitel in der politischen Geschichte unseres Landes begonnen wird, die Langfassung der Saga von der Konsumgesellschaft aufzublättern, an deren aktuellen Spitze wir leben. Deren Anfangspassagen würden uns in die Zeit des französischen Bürgerkönigs Louis Philippe zurückversetzen, der von 1830 bis 1848 über die erste postrevolutionäre Spaß- und Konsumgesellschaft regierte. Da wir uns aber mit der Kurzfassung begnügen müssen, werden wir mit der jüngeren deutschen Mentalitätsgeschichte beginnen. Die muntere Fahrt in den Dreck, in dem der Karren heute steckt, begann – soweit man das zur Stunde überblicken kann – Anfang der achtziger Jahre, als Helmut Kohl an die Macht gelangte, ein Mann, der schon durch seine markant formlose Physis den Zeitgeist des finalen Konsumismus prophetisch verkörperte. Tatsächlich hat man schon damals Kohl mit Louis Philippe verglichen, und hier wie dort sah man in diesen nur scheinbar gutmütigen Gestalten die jeweils zeitgerechte Personalunion aus unerbittlicher Ambition und verführerischem Phlegma an die Rampe treten.

Unter Helmut Kohl ist in unserem Land ein einzigartiges psychopolitisches Syndrom entstanden, das ich die deutsche Lethargokratie nenne. Von weitem erinnert sie an altchinesische Zustände insofern, als schon vor zweitausend Jahren bei den Ratgebern des Kaisers von China die Weisheitsmaxime zu hören war: Die beste Herrschaft sei diejenige, von der das Volk glaubt, sie finde gar nicht statt. Demnach soll im öffentlichen Raum nicht mehr an Lenkung, Dominanz und Machtausübung spürbar werden, als Wasser verspürt, wenn es dem Hang des Geländes folgt. Die im Rückblick unfassbar lang erscheinende Kohl-Ära – sie dauerte schier endlose sechzehn Jahre, 1982 bis 1998 –, war so gesehen eine stilreine Hang-Dynastie. Da rutschte jeder jeden Buckel runter, der abwärts ins Wahrscheinlichere führt, immer entropisch munter hinunter ins Allzumenschliche, der sozialen Endformel entgegen: Urlaub, Umverteilung, Adipositas. Gottfried Benn hatte in der Gründerzeit der BRD notiert: „Dumm sein und Arbeit haben: Das ist das Glück.“ Unter Kohl hieß es: Die Kurse beobachten und ab in die Ferien! Zu seiner Zeit trat in der BRD die erste Generation von Erben und Berufsurlaubern in Erscheinung, die nicht verhehlten, wie schön das Leben sein kann, wenn man tüchtige Eltern begräbt.

Kurzum, die lethargokratische Grundstimmung, die bis gestern über unserem Land lag und auch nach dem 27. September nicht ganz verschwunden ist, reicht unmissverständlich bis in die Jahre, die ihr kennt, zurück. In ihnen wurde die Große Koalition aus Spaß und Stagnation geschmiedet, die für eine ganze Generation junger Deutscher den letzten Horizont markierte. Trägheit und Frivolität wurden damals unzertrennlich. Zieht man nach solchen Zeiten Bilanz, so ist in ihnen, wie das Vertretersprichwort sagt, tatsächlich außer Spesen nichts gewesen, und wenn uns nicht mitten in den Kohl-Jahren wie aus heiterem Himmel die deutsche Wiedervereinigung in den Schoß gefallen wäre, man würde sich schlechthin an nichts erinnern – ein paar schöne Nachmittage auf der Terrasse ausgenommen. Es war Kohl’sche Regierungsweisheit, scheinbar oder wirklich drängende Probleme zurückzustellen, wie um zu beweisen, dass sich das Meiste durch Ignorieren erledigt. Kohls hohe Kunst des Nicht-zur-Kenntnis-Nehmens von Dringlichkeiten war engstens mit der schon damals nicht neuen Technik der Staatsschuldenausweitung verknüpft. Im Grunde war er wie ein chinesischer Regent davon überzeugt, das Nichthandeln sei stets dem Handeln vorzuziehen. In seiner Regierungszeit wurde das Wort „Reformstau“ zum Synonym für deutsche Befindlichkeiten. Der Kanzler selbst war der Stau in Person, und er war in den Stau verliebt – denn der stellte sicher, dass der Mann, der ihn überholen könnte, sollte er schon geboren sein, keine Chance hätte, an die Spitze der Kolonne vorzufahren.

Alle Daten sprechen dafür, dass die Kohl-Ära, als sozialpsychologischer Zustandsraum verstanden, nicht zu Ende war, als der Fürst des Stillstands, der joviale Sitzriese, der leutselige Saumagengourmet und skrupellose Staatsschuldenbeschleuniger nach dem Wahlsieg Schröders von 1998 verabschiedet wurde, obschon er allzu gern eine fünfte Kanzlerschaft gewonnen hätte, explodierenden Arbeitslosenzahlen und ersten Hinweisen auf eine neue soziale Frage zum Trotz. Sie endete aber auch nicht wirklich, als das hektische siebenjährige Rot-Grün-Intermezzo begann, in dem zwei testosteronbefeuerte Alphatiere es genossen, an der Spitze des Staates zu schweben – wer erinnert sich noch an ein Detail aus dieser verlorenen Zeit? Nun ja, da gab es den schändlichen Gewaltblödsinn des elften September, der die politische Semantik der Welt veränderte, weil er die von Konservativen längst vorbereitete Wende zum Vorrang der Sicherheitsthemen auf Kosten von Freiheitsthemen durchsetzen half. Und es gab das Weinwunderjahr 2003, das nicht einmal ein Selbstlobkünstler wie Schröder in die positive Bilanz seiner Regierungstätigkeit schreiben konnte.

In Wahrheit steht die Beendigung der deutschen Lethargokratie erst heute wirklich auf der Tagesordnung – heute, das heißt: nachdem die erste Merkel-Amtszeit von 2005 bis 2009 ihrerseits wie ein Spuk vorübergegangen ist. Auch diese Jahre standen noch ganz im Zeichen der geerbten Paralyse. Die zweite Große Koalition war nichts anderes gewesen als die Wiederaufnahme des Kohl’schen Trägheitssystems und seine Fortschleppung mit anderen Mitteln. In solchen Zeiten lernt das Volk, dass an der Macht zu sein und zu regieren nicht dasselbe ist. Die Politiker lernten eine andere Regel: Sobald man weiß, dass man nie kann, wie man will, ist es am klügsten, mit dem Wollen erst gar nicht zu beginnen.

Die Angela Merkel, die wir bis heute kennenlernten, erwies sich im Kanzleramt als eine echte Kohl-Tochter insofern, als sie den lethargokratischen Machtmodus stilsicher aufnahm, ja ihn im Dauerpatt des schwarz-roten Bündnisses zu seinen letzten Verfeinerungen vorantrieb. In dieses Bild gehören die Anekdoten, die berichten, wie die Kanzlerin ihren Staatsgästen eigenhändig Tee und Süßes an den Platz bringt. Ihre persönliche Zutat zu den Zwängen des Amtes war ein Hauch von postpolitischem Matriarchat, mit dessen Hilfe sie den genial banalen Slogan der Adenauer-Ära: „keine Experimente“ unter den Bedingungen des beginnenden 21. Jahrhunderts noch einmal zur Staatsdevise machte. Enthüllend für die Befindlichkeit der politischen Klasse war in diesem Kontext der Beschluss des Bundestags über den Modus des Wiederaufbaus des Berliner Schlosses: In der spätlethargokratischen Republik versteht zwar niemand mehr, was Wille zur Gestaltung bedeutet, den Willen zur Fassade aber lässt man sich nicht nehmen.


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Leserkommentare
Paul Linder (Bern) 01.07.2010
Leistungsträger der Gesellschaft sind in erster Linie die Millionen "kleinen" Angestellten, die täglich ihre Arbeit verrichten und nicht zuletzt auch den Dreck der "Erhabenen" waschen, putzen, entsorgen und teils sogar ausbaden müssen und dies zusehends auf Dumpinglohnniveau Das ist in der Schweiz nicht anders und auch dort wird der Mittelstand zusehends ausgehöhlt, mit freundlicher Genehmigung der Politik. Ein möglichst breiter Mittelstand ist aber enorm wichtig für ein befriedetes Zusammenleben. Wer ihn aushöhlt, fördert Gewalt, das erkannten bereits die alten Denker. Gewalt von unten (nichts mehr zu verlieren) nach oben und umgekehrt (alles zu verlieren), darauf steuern wir zu. PR, Marketing, Werbung uä tun ihr übriges dazu, uns eine bunte, friedliche Konsumwelt vorzugaukeln, mit freundlicher Unterstützung von Grosskonzernen und deren Gewinnmaximierungswahn. So zerbricht die Gesellschaft in ihren Grundfesten, wenn weiter derart gewurstelt wird. Jeder sollte mal 2 Jahre in seinem Leben obligatorisch von Hartz lV leben müssen, inklusive Manager und Politiker. Ich denke, das würde einige zu anderen Ansichten führen. Gönner sind auch keine Alternative dazu. Mir graut jeweils, wenn ich zB. englische Prinzenherrensöhne in einem afrikanischen Dorf medial inszeniert Geschenke verteilen sehe und nach einer Stunde verschwinden sie wieder, haben ihre Schuldigkeit getan und horten bereits wieder afrikanische Ölaktien auf ihr Konto. So kanns wirklich nicht mehr weitergehen, ohne irreparable Schäden an der gesammten Gesellschaft. Aber vielleicht ist es eh zu spät und einmal mehr werden Extremisten diverser Farben das Ruder an sich reissen. Ein Teufelskreis der menschlichen Natur, quasi die Doppelhelix der DNA, der wir in Zyklen nie entrinnen können?
Thomas Kutzer (Offenbach) 28.01.2010
Zählen Modefilosofen auch zu den Leistungsträgern?
BBirke (Leverkusen) 27.01.2010
Herr Sloterdijk benutzt im Artikel einen höchst streitbaren Begriff des Leistungsträgers, setzt ihn mit Steuerzahler gleich, oder gar das Einkommen mit Leistung.

Doch zwischen den abfällig "prekäre Existenzen" genannten Menschen und den von ihm so genannten Leistungsträgern fehlen Gruppen. So die rapide wachsende Gruppe prekärer Leistungsträger: gezwungene Ex-HartzIV-Empfänger und verelendete Mittelständler, die in Leiharbeitsverhältnisse zum halben Lohn wechseln. Und jene, die zwar hohe Einkommen und Steuerabgaben haben, aber dies ganz oder teilweise von leistungslosem Gelderwerb in Form von Besitz- und Kapitalerträgen oder Spekulationsgewinnen.

Eine entscheidende Frage für Sloterdijk ist offenbar, wie sich die kleinen bis prekären Leistungsträger verhalten: Muss man, um sie als politische Kraft anzusprechen, den Sozialneid nach unten schüren, gegen H.IV-Empfänger mit Flasche, Fluppe und Flachbildschirm, sollte man ihr Verhältnis zu anderen Klassen (solche bilden sich nämlich derzeit wieder verstärkt) in Ruhe lassen, oder soll man ihren Anspruch unterstützen, doch einen größeren Anteil von den Großen zu bekommen?

Die SPD hat es mit dem Sozialneid nach Unten versucht, Koch macht es auch, aber die SPD hat sich damit ihr eigenes Grab geschaufelt, zumal ja die Agenda 2010 auch der Verarmung der mittelständischen Leistungsträger diente, dass Löhne durch Zeitarbeit und gezwungene H.IVler beliebig gesenkt werden konnten. Dazu kam, dass sich die Regierung Schröder als großteils von Interessenten der Reformen gekauft erwiesen hat, siehe Schröder (Gazprom), Clement (RWE, Zeitarbeitfirmen) oder Peter Hartz (VW). Sie hat damit jene Wähler gewonnen, die vom Sozialneid nach unten getrieben sind und "Faule" entweder zwingen oder verhungern lassen wollen, und welche die gebetsmühlenhaften Parolen von der Notwendigkeit dieser Art Reformen glauben.

Und Sloterdijk rät der SPD an, genau weiterhin auf diese Klientel zu setzen, diesen Teil der "linken Mitte". Das hat sie ins Unglück geführt, und es ist kaum zu erwarten, dass diese Klientel mehr als 10-20% der Wählerstimmen bringt.

Schauen wir, was Sloterdijk noch will: Stolzkultur. Aber Stolz worauf? Dass man sich für 6,50 Euro die Stunde abrackern darf, um nicht zu verhungen, dabei noch videoüberwacht wird und jederzeit fliegen kann? Sicher gibt es bei manchen auch solchen Stolz, und der ist leicht verletzt, wenn jemand anderes dann viel mehr Freizeit und einen größeren Fernseher hat als man selbst, ohne sich die Mühe zu machen. Aber was hat man von diesem Stolz, wenn in der sozialen Hierarchie ja noch etliche andere über einem stehen? Es klingt eher nach Stolz der Großen, dass sie "was Bessseres" sind! Doch die soziale Schicht ist in der Regel vorgegeben, die kleinen Aufstiegsleitern können einen Angestellten zum leitenden Angestellten, aber niemals zum Topmanager machen, einen Rekruten zum Gefreiten oder Feldwebel, aber niemals zum General! Folglich ist dieser Stolz vor allem soziale Arroganz, darauf, in eine bestimmte Schicht geboren zu sein.

Denn Einkommen repräsentiert vor allem eines: Macht. Der Topmanager verdient nicht deshalb das 100fache eines Angestellten oder das 1000fache eines für ihn tätigen, chinesischen Fabrikarbeiters, weil er das 100- oder 1000fache leistet, sondern weil er eine Machtposition besetzt, wo er einmal ein hohes Vermögen verwaltet und sich zum anderen das Einkommen daraus nahezu beliebig selbst festsetzen kann. Der chinesische Fabrikarbeiter hat dagegen keine Macht und kann sich nicht dagegen wehren, dass er nur 100 Euro im Monat kriegt und der mächtigere Topmanager die Differenz zum viel höheren Leistungsertrag selbst in seine Tasche steckt. Der Gipfel dieser Macht stellt freilich der völlig leistungslose Gelderwerb der Besitz- und Kapitalerträge dar, das, was an Dividenden, Zinsen oder Shareholder Value aus der Wirtschaft gezogen wird. An dieser Stelle wird die Gleichsetzung von Wohlhabendem, Großsteuerzahler und Leistungsträger endgültig ad absurdum geführt.

Die FDP ist nun die Partei derjenigen, die, vor allem durch Geburt und Elternhaus, etwas durch eigene Leistungen wie Studium, höhere oder ganz hohe Machtpositionen erreicht haben und die dadurch erzielten Erträge nicht geschmälert wissen wollen aus Überlegungen, dass sie vielleicht einen überproportionalen Anteil an den Leistungserträgen, verglichen mit der Leistung, haben. Diesen Leuten geht es nun um Profitmaximierung, darum, sich zu seinen 20 Luxusvillen noch eine 21. dazu zu bauen und dafür Arbeitslose verhungern zu lassen und prekären Leistungsträgern den Arzt zu verweigern. Kurz: sie maximieren ihre Erträge zu Lasten der anderen und wollen dadurch noch mehr zu Leistungsträgern in ihrem Sinne werden, wozu sie die in der Tat vorhandene, strukturelle Sozialdemokratie des Staates abbauen wollen. Und die kleinen und prekären Leistungsträger leisten nach der Definition immer weniger. Der Aufbruch dieser Art Leistungsträger hat schon früher begonnen, man denke an die Gründung und Agitation der Arbeitgeber-Organisation "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM).

Als Wahlpartei ist die FDP heute das, was sie früher fast immer war, eine Kleinpartei, die als Koalitionspartner gebraucht wird und darum überproportionale Macht hat. Die Stimmengewinne zur Bundestagswahl sind schon wieder großteils verflogen; einen Teil dürfte sie auch von Leuten bekommen haben, die auf Bürgerrechtsthemen, wie Überwachung, Datenspeicherung oder autoritäre Medienpolitik (Internetzensur, "Killerspiel"-Verbot usw.) ansprechen. Die werden auch enttäuscht sein, und nicht jeder, der deswegen FDP gewählt hat, teilt auch die Absicht der Wohlstandskonzentration.

Diese selbsternannten Leistungsträger werden also als Wahlpartei auch künftig nur eine begrenzte Rolle spielen. Bedeutsamer werden sie wohl mit Versuchen, Politik durch die Hintertür, durch Lobbyismus, Propagandanetzwerke oder schlicht den Einkauf von Politikern zu erlangen. Die besagte INSM ist das sicher erfolgreichste Beispiel für so einen "Aufbruch der Leistungsträger".
Martin (El Alto/Bolivien) 18.01.2010
Sarrazin hat rassistische Stereotypen bedient. Daran gibt es nichts zu ruetteln.

Kritik an muslimischen Einwanderern ist mehr als angebracht. Aber verallgemeinernde "Kritik" ist es nie.
Dr.Michael Sciuk (Melisourgio /Kreta) 13.01.2010
Wo bekommt man eine so scheuklappenarme Brille?
Der Artikel fordert öfter gelesen zu werden und meine geistige Verdaung.
Moped City (koblenz) 06.01.2010
Dies ist mit Abstand die beste politische Analyse unseres Landes, die ich in meinem Leben gelesen habe - und als Journalist muss ich viel lesen....
Wolfram Wiesel (D-51503 Rösrath) 05.01.2010
Zuwanderer als Lösung?
1973 gab es ca. 3,5 Mio Zuwanderer in Deutschland von denen ca. 2 Millionen einen "sozialversicherungspflichtigen" Arbeitsplatz hatten
2007 gab es ca. 7,5 Millionen Zuwanderer in Deutschland von denen ebenfalls ca. 2 Millionen einen "sozialversicherungspflichtigen" Arbeitsplatz hatten. D.h. ca. 4 Millionen Zuwanderer sind 'irgendwie' im Transfersystem Deutschlands gelandet. Man kommt eben kaum nach Deutschland, um hier unter Opfern und mit überdurchschnittlicher Leistung etwas 'aufzubauen'. Man kommt in den "Deutschen Solzialstaat".
colorcraze (Berlin) 05.01.2010
ich konnte sonst mit Sloterdijks Texten eigentlich noch nie was anfangen, aber bei diesem hier habe ich nun den Eindruck, daß er einen derzeit sehr relevanten Aspekt des Politischen - eine von den jetzigen Verhältnissen gestellte Gestaltungsaufgabe - ein ganz wichtiges Stück weit überhaupt mal begreift. -

Wie ein Leser sagte , "Das Problem mit dem wir in Europa konfrontiert sind, ist nicht, dass die einkommenstärksten 5% für 40% des Haushalts aufkommen, sondern dass die intellektuellsten 5% nur 40% des Systems verstehen." - Das auch, oh ja.
Yves J.L. Latour (Zürich) 31.12.2009

Sloterdijk liegt in der Feststellung, dass Otto Steiger und Gunnar Heinsohn einen Paradigmenwechsel einleuten könnten, tendenziell richtig, aber leider ist seine Fähigkeit, schöne Texte zu schreiben, ausgeprägter, als jene, die logischen Schlüsse zu ziehen.

Er sieht einen Konflikt zwischen den "Steueraktiven" und den "Steuerneutralen" und unterstellt damit, dass die im heutigen sozialnationalen System (aka Staatskapitalismus) Einkommensstarken auch gleichzeitig die Leistungsträger seien. Das ist zu oberflächlich gedacht.
Die Steuerneutralen befriedigen zumindest einen Teil ihrer Bedürfnisse, wobei sie schlussendlich einen Teil der Einkommen der Steueraktiven erzeugen. Die wirklichen Leistungsträger sind ohne ein entsprechendes "unwinding" der komplexen Geldflüsse nicht zu identifizieren; spekulationsgemäss könnten aber Gruppen dazu gehören, die zwar hart arbeiten und Geld verdienen, aber ein unterproportionales Einkommen aus staatsgelenkten Ausgaben erzielen können.

Um am Beispiel zu erläutern: Wieso sollte sich die Finanzelite an der Erhöhung der Staatsausgaben oder der Erhöhung der Steuern stören? Erstere sichert die Ausweitung des Kreditgeschäfts und zweitere die zu zahlenden Zinsen. Beides wirkt also einkommensfördernd, ohne dass der Leistungsdruck auf diese Gruppe von Steueraktiven zunimmt.

Dies ist auch der Grund, weshalb viele Konservative mit dem derzeitigen System zufrieden sind. Sie sind neben den Steuerneutralen in der Rolle der Steueraktiven die Profiteure der staatlich gesteuerten Geldflüsse. Zu diesen Profiteuren könnte sogar Herr Sloterdijk persönlich zählen, da gerade die Massenhersteller, die ebenfalls zu den Profiteuren gehören, durch Kauf von Werbemöglichkeiten bei den Massenmedien, also weiteren Profiteuren, die Möglichkeit erschaffen, Herrn Sloterdijks Ideen zu verbreiten.

Weitergedacht scheint es paradox: gerade die staatliche Umverteilung erzeugt die enorme Kaufkraft der Massen, die die Megaeinkommen und -vermögen der Steueraktiven zu verantworten hat. Und nun sollen ausgerechnet diese "Leistungsträger" den Aufstand erproben, schön nach dem Motto "auf wessen Ast ich sitze, dessen Apfel ich noch ess" ... oder so. Sollte tatsächlich ein solcher Aufstand erfolgen, wird er, wie in der Geschichte nachprüfbar, in etwas Unerwartetem enden (um die Klippen der Deutschen Geschichte zu vermeiden, sei nur die Abfolge frz. Revolution - Napoleon genannt).

Das Problem mit dem wir in Europa konfrontiert sind, ist nicht, dass die einkommenstärksten 5% für 40% des Haushalts aufkommen, sondern dass die intellektuellsten 5% nur 40% des Systems verstehen.
köhler (berlin) 31.12.2009
Naja, Herr Sloterdijk, ob die Parteien"demokratie" als Feigenblatt der Diktatur des Kapitals dieser Beachtung wert ist?
koblenz (koblenz) 16.12.2009
Bhagwa(h)n lebt !
Friedman ist tot. An vorderster Front vertritt Sloterdijk die neue Parole: "Sozialismus für die Reichen". Sein Thymotisches Blasen-Geblubber will den Menschen weismachen, dass berechtigter Ärger asozial ist.
Sloteredijk hat sein von Bhagwan bestimmtes elitäres, egoistisches Menschenbild nie reflekiert. Auch seine Definition von Freiheit hat dere ewige Bhagwan-Jünger aus der Esoterik. Begriffe wie Gemeinsinn, Solidarität und Mitgefühl sind dem eiskalten Zyniker völlig fremd.
Mein Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.
TreBon (Hamburg) 15.12.2009
Was für ein pomadiges Gelaber.
1 Bio. € fliessen durch die Kassen des Staates, also muss es uns gut gehen .Herr S. davon bleiben 20% an Zinszahlungen und weitere 20% für unbeschäftigte Beamte "hängen". Der Rest lässt sich zu 50% auch ohne Staat "verwirtschaften". Issich voll konkrete Fehlsteuerung Ziehtsich immannte Nettoneuverschuldung zwingen nach. Ob nun FDJ Tante oder SPD SteinIrgendwas den Vorturner mimen, Ey, was dahinter läuft is Problem. Thema verfehlt setzen sechs.
Maik Strecker (Erfurt) 12.12.2009
Ein Titel wie "Aufbruch der Leistungsträger" verpflichtet den Leser geradezu im Text nach einer Definition dieses Kampfbegriffes zu fahnden.

Schließlich wird man auf der letzten Seite, nachdem man sich endlos durch nicht abwegiges, nicht uninteressant geschriebenes Geschwafel gewühlt hat, belohnt.
Und sieht ob dieser Hohlheit seine bisherige Lektüre als ärgerliche Zeitverschwendung an!

Denn laut Sloterdijk sind die "Leistungsträger" natürlich die Steuerzahler, genauer, die Einkommensteuerzahler. Er bemüht die Statistik weiter in seinem Sinne, um zu implizieren, dass nur die obersten 5% dieser Steuerzahler die richtigen Leistungsträger sind. Bleiben die üblichen Gegenargumente, die deshalb nicht weniger richtig sind. Um viel Steuern zu zahlen, muss man vorher noch viel mehr Geld erhalten haben. Das hat man mit Leistung viel weniger zu tun als mit Verteilung. Leistungsträger sind diejenigen, die durch ihre Arbeitsleistung tatsächlich das Bruttosozialprodukt erwirtschaften, seien es nun viele oder wenige. Und selbst das stimmt nur im streng ökonomischen Sinne. Würde ich nun damit anfangen, Leistungsträger wären auch jene, die dazu beitragen, dass eine Gesellschaft zusammenhält, stiesse ich hier, so fürchte ich, bereits auf strukturelles Unverständnis des Artikelverfassers.
Protarchos (B) 12.12.2009
Wer einen Satz mit:
"Die Wahrheit ist doch, ..." beginnt erweckt bei mir groesste Zweifel!
Nichts desto trotz stimme ich Ihnen im Kern zu.
Wuerde mir nur wuenschen, dass Sie einen eher sokratischen Stil der Aufklaerung pflegten, da der vernunftbegabte Mensch Freude an der selbst gewonnen Erkenntnis hat. Die westliche Gesellschaft ist gesaettigt von Wahrheiten und wahren Luegen.
gerhard monsees (berlin) 06.12.2009
"Neue Signale" des Zeitgeistphilosophen: "Hälfte den heimischen Leistungsträgern, Hälfte unserem Gemeinweisen" - Das ist mal wieder genau das, was ich an Peter Sloterdijk so mag, dass er seine Beiträge so very contemporary mit Revolutionssemantik füllt und so herrlich hausbacken mit Friede-Freude-Eierkuchen beendet. Verstehen sollte man aber schon, dass systemkritische Analyse heutzutage kaum noch durchzudringen vermag, wenn einer nicht gerade Sloterdijk heißt und am Ende Eierkuchen serviert.
Reinhard Wilhelm (Ense) 05.12.2009
Mit schönen Worten und anspruchsvollen Phrasen bildet der Verfasser zahlreiche Stereotypen und erweckt letztendlich den Eindruck, aufwendige Realitäten in das eigene Weltbild zu pressen. Leider bereichern solche Rundumschlag-Artikel nicht unbedingt die Diskussion, denn die einzelnen Thesen sind dermaßen gewagt, dass jede These alleine eine Diskussion wert gewesen wäre. Durch die Aneinanderreihung und die Verschachtelung von gewagten Thesen und Behauptungen verliert der Artikel seine Diskussionsfähigkeit. Mir stellt sich die Frage, ob der Artikel ein echter Diskussionsbeitrag darstellen soll, oder ob die Intention doch mehr die Selbstdarstellung und Bauchbepinselung von bestimmten Lesergruppen war.

Reinhard Wilhelm
Jan Novak (Berlin) 04.12.2009
Bei diesem substanzlosen Geschwafel und der vielen Zustimmung die es erfährt, kann man sich nur fremdschämen.
Hartung (Neuhaus) 03.12.2009
Dieser Artikel ist sehr gut und anspruchsvoll beim Begreifen der Zusammenhänge. Aber hat es eigentlich noch viel Sinn über diese Partei so viel Geist zu verbrauchen.
gerhardthiel@gmx.de (22926 Ahrensburg) 01.12.2009
Dieser Artikel sollte
jedem Bundestags-und Landtags
abgeordneten vorgelegt werden
mit der Aufforderung innerhalb eines mittelfristigen Zeitraum
eine kurze, persönliche Stellung
nahme abzugeben. Vielleicht be-
wirkt er dann etwas.
Frank Bach (München) 01.12.2009
Wie notwendig dieses Wachrütteln ist! Wie schön! Wie aussichtslos! Einige werden den Ruf aus der Wüste genießen. Die wenigsten werden wach. Immerhin registrieren ein paar den Hauch der Veränderung, die unsere Nachfahren zu Übenden eines ganz anderen Schlages machen wird.
Friedrich Loock (Hamburg) 01.12.2009
Der Witz, mit dem Peter Sloterdijk Fehlentwicklungen der Achtundsechziger aufspießte, war vergnüglich und erhellend. Das ist lange her. Seit der „Kritik der zynischen Vernunft“ ist Sloterdijk wenig Originelles eingefallen. Heute versucht er, mit rhetorischem Imponiergehabe zu glänzen. Doch die semantischen Tricksereien, mit denen er privilegierte Steuerbürger zu Ausgebeuteten stilisiert, sind einfach nur peinlich. An dem Gedöns von der schönen Geste des Gebens stört mich am meisten, dass sich das Geben so schwer sozialisieren lässt. Gut betuchte Eltern geben ihren Kindern, was sie haben, Haltung und Vermögen werden weitervererbt. Und der ungehobelte Proll darf sich artig bedanken, wenn er was abbekommt. Wie soll man das verstehen, zynische Vernunft 2.0?
H Georg Meyer (Hamburg) 01.12.2009
Drei Wünsche:
1. Konzentrat auf einer Seite
2. Allseits glaubwürdige Persönlichkeit, die es sagt
3. Medien suchen, die es sich zu eigen machen... Danke Cicero!
Siegfried Niese (Wildruff) 30.11.2009
Ein wichtiger Beitrag - ich würde ähnliches auch gern von unseren Kandidaten für die Parlamente lesen - statt ihr Konterfei an unmöglichen Orten vor den Wahlen aufgehängt zu sehen. Dann wüßte ich wenigsten, wen ich wählen sollte. Wer über die Ausgaben von 1 Billion Euro zu befinden hat, sollte schon viele Kennnisse und ein Rückgrat, nicht nur Parteidisziplin besitzen.
SeHe (AT) 30.11.2009
Bravo!!

(Mehr brauch ich nicht sagen)
Johann Schiessl (WI USA) 30.11.2009
Wie recht er hat und wie wenig der Plebs versteht was er meint beweisen wieder mal die Leserkommentare. Ein Ruf in der Wueste.
wanninger (berlin) 30.11.2009
lieber herr sloterdijk,
in krisenzeiten ist "das volk" höchst unwillig zu abenteuern mit ungewissem ausgang.
sie, als gescheiter kopf wissen das als privatmensch, wollen es aber als philosoph auf der medienbühne nicht wissen.
ich bin immer ein eifriger und faszinierter leser
ihrer bücher gewesen, aber seit der lektüre von "du musst dein leben ändern", bin ich doch etwas befremded.
mit freundlichen grüssen
wanninger

p.s. weil wir nun mal leider keinen mann vom format eines obama haben, so haben wir doch immerhin eine frau als kanzlerin, die ihre sache nicht sonderlich schlecht macht; wenn man sich die politische verfahrenheit insgesamt, also aller parteien anschaut .
hso (Mexico,D.F.) 30.11.2009
Einfach brillant-aber ca.90%
der Bevoelkerung begreift das doch gar nicht.Nun gut,muss es auch nicht.Viele sind berufen,wenige aber auserwaehlt-zu den Letzteren
gehoehren wieder 90 % unserer Politiker und Fuehrungskraefte.
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Ausgabe November 2009
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Peter Sloterdijk
Peter Sloterdijk ist Kulturphilosoph und seit 2001 Rektor an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Er moderiert zusammen mit Rüdiger Safranski "Das Philosophische Quartett" im ZDF.


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