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Bill Gates 2.0 von Gregor Peter Schmitz Melinda Gates hat ihren Mann zum größten Wohltäter des Planeten umgemodelt. Und Bill ist auch ein Gewinner: Neben seiner interessanten Frau wirkt selbst der ewige Computerfreak ein wenig sexy. Die amerikanischen TV-Sender versuchen sich derzeit in ihren „Makeover“-Shows mit der Verwandlung des hässlichsten Entleins zu übertreffen – doch der besten Transformations-Story hinken sie weit hinterher. Anfang der neunziger Jahre war ein pickliger, schlecht frisierter Computertüftler der genialste Geschäftsmann der Welt, dabei aber so rücksichtslos besessen, dass frustrierte Kunden und Konkurrenten ihn Napoleon oder Hitler tauften. So asexuell war er, dass sein Verständnis von Romantik darin bestand, Frauen Computerrätsel zuzumailen, deren Auflösung lautete: „Willst du mich heiraten?“ Im November 2004 ist ebendieser Mann im New Yorker zu sehen, von Richard Avedon porträtiert, mit ordentlicher Frisur und modischer Brille. Er ist nun der Mensch, der pro Jahr mehr Geld für die Dritte Welt gibt als ein Land wie Finnland. Und, verblüffender noch, sein Arm ruht auf einer sympathisch und dynamisch dreinschauenden Frau, die nichts dagegen zu haben scheint. Seine Hand deutet auf sie, als wolle er sagen: „Seht her, wer mich möglich gemacht hat.“ Die Transformations-Story ist die Geschichte der Ehe von Bill und Melinda Gates. Wahrscheinlich ist es ungeheuer unfair, ein Porträt über eine Frau nur mit Gedanken an ihren Mann zu beginnen. Aber immerhin ist Bill Gates der reichste Mann der Welt, der seiner Gattin in Seattle ein 75-Millionen-Dollar-Haus baute, in dem Besucher einen Chip erhalten, der in jedem Raum Wandschmuck und Musik nach ihrem Geschmack ändert. Und wer sich auf den Wandel ihres Mannes konzentriert, erzählt ja eine Menge über Melinda. „Sie ist ein absolut gleichwertiger Partner“, sagt Warren Buffett, US-Börsenguru und enger Freund. Als die Texanerin 1994 mit 29 Jahren Frau Gates wurde, hatte sie einen MBA, managte bei Microsoft ein Team von 50 Leuten, besaß millionenschwere Aktienoptionen. Einen Ehevertrag unterschrieb sie nicht. Manche Microsoft-Konkurrenten hofften, Bill Gates werde durch die Heirat weniger machtbesessen. Ist er nicht geworden, und doch ist alles anders. Nicht nur bei den Äußerlichkeiten, sondern – wie die Amerikaner es nennen – in der „mission“. Gates ist immer noch ein enorm erfolgreicher Geschäftsmann, aber er hat als Ehemann begonnen, sein Geld zu verschenken. Viel Geld: Die „Bill und Melinda Gates Foundation“, von den beiden 1999 ins Leben gerufen, ist mittlerweile mit mehr als 30 Milliarden Dollar die reichste private Stiftung der Welt und spendet über eine Milliarde jährlich für Bildung und Gesundheitsvorsorge in der Dritten Welt und den USA. Kritiker mäkeln, das sei ein PR-Akt, weil Microsoft unter Beschuss des Kartellamtes stehe. Andere kritteln, Bills Vater, der die Stiftung mitleitet, habe die Idee gehabt. Aber niemand bestreitet, dass Melinda, die sie bei Microsoft „First Lady“ nennen und die schon als Schülerin ehrenamtlich den Armen half, die neue soziale Verantwortung ihres Mannes stark geprägt hat. Zwar kümmert sie sich vor allem um die Erziehung ihrer Kinder (acht und sechs), aber wenn die im Bett sind, liest sie E-Mail-Anfragen an die Stiftung. Und oft fungiert Melinda als deren Aushängeschild, etwa auf Gesundheitskonferenzen, wo sie sogar ihre Interviewscheu ablegt. Dann sagt sie Sätze wie: „Ein Flugzeugabsturz macht Schlagzeilen, aber wenn jeden Tag 50-mal so viele Menschen an vermeidbaren Seuchen sterben, stört das niemanden.“ Die nur rund 200 Stiftungsmitarbeiter, die Melinda und Bill oft unter Microsoft-Überfliegern rekrutierten, konzentrieren sich auf Strategien zur Bekämpfung von Seuchen wie Tuberkulose oder Aids. 750 Millionen Dollar hat die Stiftung für Impfstoffe bereitgestellt, zur Aids-Bekämpfung erkundet sie in Ländern wie Botswana, wie Infektionen am ehesten festgestellt werden, wie Aufklärung am besten gelingen kann. Freunde sagen, die Gates diskutierten dies beim Abendessen. Warum das alles? Hat Melinda Bill, wie kolportiert, Andrew Carnegie lesen lassen („Wer reich stirbt, ist entehrt“)? Ihn an die philantropische Tradition erinnert, die es sowohl bei den Eltern Gates als auch in ihrer Familie gab? Oder dem leidenschaftlichen Wettkämpfer sogar Gutsein als eine Art Sport verkauft? Fest steht, dass beide Eheleute überzeugend erklären, ihren Kindern nur einige Millionen vererben zu wollen. Die unprätentiöse Mutter Melinda, die mit dem Nachwuchs oft ohne Leibwächter bei McDonalds speist, scheint sie darauf vorzubereiten, die gigantische Rückgabe-aktion nicht als Verschleuderung ihres Erbes zu empfinden. Vor seiner Heirat war es einfach, jeder Geschichte über Bill Gates ein „Ja, aber“ anzuhängen. Klar, 80 Milliarden, ABER bei Frauen so ein Verlierer, dass er als Student manisch Playboy las, sich in Rotlichtvierteln herumtrieb und noch als Microsoft-Chef weibliche Mitarbeiter zu beeindrucken versuchte, indem er aus dem Stand über Stühle sprang. Und jetzt hat der ewige Außenseiter sich auch noch eine spannende Frau geangelt, mit der er eine Vision zu teilen scheint. Macht ihn fast sexy. Sorry, Melinda, richtig gerecht ist das nicht. |
![]() | Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe Januar 2005
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