von Detmar Doering
Thomas Robert Malthus’ Idee von der Begrenztheit der Ressourcen ist historisch längst widerlegt. Doch seine Methode der linearen Fortschreibung von Trends dient Ideologen bis heute als Vorwand für staatliche Bevormundung und Planung.
Er war ein Pfarrer. Man hätte von ihm eine frohe Botschaft erwartet. Doch er produzierte ein Schauermärchen. Thomas Robert Malthus (1766 bis 1834) war nämlich nicht nur Geistlicher, sondern auch ein bedeutender Ökonom – neben Adam Smith und David Ricardo gehört er zu den großen „Klassikern“ des Fachs. 1805 wurde er sogar der erste Inhaber eines Lehrstuhls für Ökonomie in Europa überhaupt.
Als in Frankreich die Revolution ausbrach, erwies sich Malthus als Kind der anglikanischen Kirche, nämlich als Konservativer. Mit seinem „Essay on the Principle of Population“ wollte er 1798 beweisen, dass jede revolutionäre Weltverbesserei an ökonomischen Fakten scheitere. Malthus’ Argument: Die Bevölkerung wachse in geometrischer Reihe (2, 4, 8, 16…). Die Nahrungsproduktion steige aber nur arithmetisch (1, 2, 3, 4…). Dies mache alle Pläne zur Verbesserung der Lage des Volkes unmöglich.
Es war ein großes Szenario. Es gab nur ein Problem: Die Vorhersagen des Essays erwiesen sich als falsch. Zwar gab es im 19. Jahrhundert in Europa eine Bevölkerungsexplosion, doch stieg die Produktion in allen Gebieten so sehr, dass nicht nur eine Hungerkatastrophe ausblieb, sondern sogar Massenwohlstand entstand.
Logisch rechtfertigen lässt sich das bloße Fortrechnen von Gegenwarts-trends nicht. Die Extrapolation von Trends funktioniert bei Malthus nur, weil sie die Realität auf ein krudes Modell zurückstutzt, in dem der „Markt als Entdeckungsverfahren“ (Friedrich A. von Hayek) ausgeschaltet ist. Während aber Malthus’ Vorhersagen selbst schnell verworfen wurden, fand seine Methode der Trendextrapolation immer neue Anhänger.
Sie erlaubt öffentlichkeitswirksame Horrorszenarien, die nach Belieben politischen Zielsetzungen dienen können. Politische Zielsetzungen, so darf man nicht vergessen, trieben ja auch Malthus an. Der Pfarrer aus England wurde so zu einer Art ideologischem Urgroßvater von Grünen und Globalisierungsgegnern.
Kaum eine Bewegung des links/grünen Spektrums kommt heute ohne malthusianische Szenarien aus. Der „Club of Rome“ fing in den siebziger Jahren damit an, indem er fälschlich die Verdreifachung des Energieverbrauches bis zum Jahr 2000 vorhersagte. Fast alle Prognosen über die Abnahme des Regenwaldes, die Zunahme der Weltbevölkerung oder die Verknappung von Nahrung, die seither präsentiert wurden, erwiesen sich bald als ebenso falsch wie die der African Wildlife Foundation von 1989, dass es 1999 keine Elefanten mehr geben werde.
Wenn es hierzulande heißt, dass „die Arbeit ausgehe“, was staatliche Programme nötig mache, ist genau jene statische Denkweise am Werk, die Malthus auszeichnete. Und wer meint, Haushaltslöcher müssten durch Steuern „gegenfinanziert“ werden, blendet ganz im Sinne Malthus’ die Dynamiken aus, die gerade dann entstehen, wenn Steuern sinken. |