Der Fall Stefan Aust
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„Der erfolgreichste Chef in der Geschichte des Unternehmens?“
In den 37 Jahren meiner Arbeit für den SPIEGEL habe ich alle Chefredakteure bis auf den ersten (Hans-Detlev Becker, danach Verlagsdirektor) und die beiden amtierenden erlebt. Es waren Größen der Branche darunter, wie Claus Jacobi, Günther Gaus, Erich Böhme, Werner Frank, die sicher alle ihre eigenen Anteile am Erfolg des Magazins hatten – und Stefan Aust, den ihr Autor und mein Ex-Kollege Wiedemann zum erfolgreichsten aller kürt.
Wenig in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde einer, der 25 Jahre lang unermüdlich und hochprofessionell die Geschicke des SPIEGEL mitgestaltet hat, durch die SPIEGEL-Affäre 1962, die auch in der Redaktion höchst turbulente 68er-Zeit, die beginnende Krankheit Rudolf Augsteins.
Johannes K. Engel war all die Jahre eine leisere Konstante in den ansonsten wechselnden Zweiergespannen der Chefetage, aber all die Zeit nicht weniger effektiv. Er posierte nicht für People-Kolumnen, schrieb kaum selbst, redigierte aber, wo es nötig war, punktgenau und führte viel beachtete SPIEGEL-Gespräche. Vor allem gab er Themen vor, wie etwa die Weltseuche Aids, als manche das noch für eine Hilfsorganisation hielten.
Engel, dem guter Journalismus allemal wichtiger schien als die Macht, hat niemanden rausgeschmissen, Fähige befördert, Konflikte in geduldigen Gesprächen beim Italiener geglättet. Er stand Kollegen bei beruflichen, aber diskret auch privaten Problemen zur Seite. Rudolf Augstein war er dessen Leben lang ein loyaler Freund, auch als andere den kränkelnden Herausgeber nur noch zu beerben suchten.
In seiner Chefredakteurszeit stieg die Auflage des Blattes von gut 300.000 auf 1,1 Millionen. Ein Vierteljahrhundert diente er so dem SPIEGEL an der Spitze, bis er einer schweren Erkrankung weichen musste. Auch er war wohl einer der erfolgreichsten Macher des Magazins.
Siegfried Kogelfranz, Hamburg
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