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Nr. 16 der Cicero-Umfrage zu den Ministerpräsidenten trifft Nr. 1: Edmund Stoiber und Ole von Beust Foto: Picture-Alliance |
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von Christiane Götz
Kennen Sie Jens Böhrnsen? Was halten Sie von Roland Koch? Wie regiert Edmund Stoiber sein Land? Eine bundesweite, repräsentative Umfrage
Es ist der Sommer der Zufriedenheit. Die Wirtschaft wächst, die Sonne scheint und die Kanzlerin strahlt mit den Mächtigen dieser Welt. Aber auch auf die Politiker in der zweiten Reihe fällt das Licht: Überwiegend zufrieden mit ihren Ministerpräsidenten sind die Bürger unseres föderalistischen Landes. Das ist eine Kernaussage der repräsentativen Umfrage, die Cicero bei Infratest-Dimap in Auftrag gegeben hat.
Den Lorbeerkranz setzen die Befragten Hamburgs Regierendem Bürgermeister Ole von Beust auf: Jeder Zweite bewertet die Arbeit des CDU-Politikers als gut, kritisch sind nur acht Prozent. Das Schlusslicht bildet sein Kollege aus Bayern: Edmund Stoiber polarisiert wie kein anderer. Der CSU-Politiker ist der Einzige in der Ministerpräsidenten-Riege, der für seine Arbeit mehr Ablehnung als Zustimmung erfährt (47 gegenüber 45 Prozent).
Angesichts einer angeblich weitverbreiteten Politikverdrossenheit und zurückgehender Wahlbeteiligung ist dies ein verblüffendes Ergebnis. Außerdem überrascht, wie wenig bekannt selbst diese herausragenden Repräsentanten unseres politischen Betriebs sind. Nicht nur im eigenen Land, sondern auch bundespolitisch kommt dem Ministerpräsidenten eine wichtige Funktion im Verfassungsgefüge zu. Die Rolle des Bundesrates scheint im Bewusstsein des Wählers jedoch nicht fest verankert. Jens Böhrnsen regiert als das Schattengewächs unter den Landesfürsten: Nicht einmal jeder Vierte der Befragten kennt ihn überhaupt. Freilich wurde er auch erst im November 2005 gewählt und ist somit der am kürzesten amtierende Regierungschef in Deutschland.
Ähnlich unpopulär wie der Bremer sind sonst nur die Kollegen aus den neuen Bundesländern: Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen sind auch im 18. Jahr nach dem Mauerfall unentdeckte Gebiete auf der Landkarte der politischen Klasse. Auch kaum gekannt, aber geschätzt wird Peter Harry Carstensen, der bärige Politik-Knut aus Schleswig-Holstein, der es zusammen mit Peter Müller (CDU) aus dem Saarland und Dieter Althaus (CDU) auf Platz sechs der Akzeptanzliste geschafft hat. Der thüringische Ministerpräsident erhält damit nach Matthias Platzeck die besten Noten unter seinen Ost-Kollegen. Georg Milbradt hat es als Chef des mit Abstand größten und bedeutendsten Bundeslandes im Osten immerhin auf einen mittleren Bekanntheitsgrad geschafft.
Der Norden hat es leichter mit der bundesweiten Akzeptanz, hochdeutsch schlägt süddeutsch: Kurt Beck sagt das und Edmund Stoiber beweist es. Er, aber auch Günther Oettinger haben zu Hause eine beeindruckende Bilanz ihrer Regierungsgeschäfte vorlegen können: Der Wirtschaftsmotor läuft in Bayern und dem Nachbarländle Baden-Württemberg mit noch höherer Drehzahl als anderswo. Gedankt wird es den beiden nicht. Zuviel Sand ist ins Getriebe gekommen, die Bürger haben Stoibers Zickzack-Kurs in Berlin nicht vergessen, und Oettinger ist durch die undifferenzierte Rede beim Filbinger-Begräbnis ausgebremst.
Der SPD-Parteivorsitzende kann sich nach dieser Umfrage zunächst einmal freuen: Er landet auf dem zweiten Platz, den er sich mit Christian Wulff, einem der profiliertesten Hoffnungsträger der CDU, teilen kann. Immerhin attestieren Kurt Beck 58 Prozent der befragten Wähler, dass er seine Sache in Rheinland-Pfalz gut mache, während nur 18 Prozent seine Arbeit nicht schätzen. Doch ist das Kompliment voll Ambivalenz: Die Erhebung zeigt zugleich, dass noch immer ein Viertel der Bevölkerung den Pfälzer gar nicht erst kennt. Und da er als Bundespolitiker derzeit sehr dürftige Umfragewerte erzielt, scheint ihn das Wahlvolk als Ministerpräsident sehr zu schätzen – als Berliner Größe aber nicht. Dabei ist er als Führer der sozialdemokratischen Koalitionspartei das Pendant zur Kanzlerin.
Seinen Intermezzo-Vorgänger als Parteivorsitzenden mehrheitlich schätzen die, die ihn kennen (Platz 5 der Akzeptanzliste). Aber 42 Prozent kennen Matthias Platzeck nicht. Heute spielt er wieder in der Landesliga.
Das ist auch gut so, wird sich Klaus Wowereit denken, der der gefährlichste Konkurrent Becks um das Machtgefüge in seiner Partei und mit dieser Umfrage nun gekrönter Partykönig von Berlin ist: Trotz maroder Haushaltspolitik – „Berlin ist arm, aber sexy“ – bescheinigen dem Regierenden Bürgermeister der Hauptstadt 56 Prozent der Befragten, dass er „gut arbeitet“. Herbe Kritik an seiner Pleite-Bilanz äußern dagegen nur 27 Prozent. Entscheidend für Kurt Beck dürfte eine andere Kennziffer sein: Der innerparteiliche Widersacher, der rot-rot mit der Linkspartei regiert, ist im bundesweiten Bewusstsein fester verankert, nur 17 Prozent kennen den Berliner nicht. Die Strahlkraft der Hauptstadt ist ein Phänomen, auf das Kurt Beck wird achten müssen.
Die ständige Sorge, sein Privatleben skandalfrei und in jahrzehntelanger Ehegemeinschaft präsentieren zu müssen, braucht Kurt Beck nach dieser Umfrage nicht länger umzutreiben. Das Coming-out von Klaus Wowereit und Ole von Beust hat den Wähler anscheinend ebenso wenig irritiert wie Christian Wulffs Ehebruch mit einer Jüngeren oder Carstensens ungewöhnlich extrovertierte Suche nach einer neuen Frau per Boulevardzeitung – der Bürger versteht das Private von der Politik zu trennen.
Zufrieden dürfte Jürgen Rüttgers (CDU) mit dem Umfrageergebnis sein: Einen guten vierten Platz erzielt der Chef des größten deutschen Bundeslandes, der immer wieder den Stachel gegen seine eigene Partei löckt. Der andere große Polarisierer in der Kanzlerpartei, Roland Koch, ist zwar noch ein bisschen bekannter als Rüttgers, landet für seine Politik in Hessen aber nur auf einem wenig rühmlichen zehnten Platz, obwohl seine Erfolgsbilanz sich durchaus sehen lassen kann.
Ein Faktor freilich bleibt bei der Befragung unberücksichtigt: der weibliche. Denn noch ist die Ministerpräsidentenriege ein exklusiver Herrenklub.
Wer ist Deutschlands bekanntesterMinisterpräsident?
1. Edmund Stoiber
2. Klaus Wowereit
3. Kurt Beck
4. Roland Koch
5. Jürgen Rüttgers
6. Christian Wulff
7. Günther Oettinger
8. Matthias Platzeck
9. Ole von Beust
10. Georg Milbradt
11. Peter Müller
12. Dieter Althaus
13. Harald Ringstorff
14. Peter Harry Carstensen
15. Wolfgang Böhmer
16. Jens Böhrnsen
Christiane Goetz ist Publizistin. In ihrem Verlag ist die Autobiografie eines Ministerpräsidenten erschienen: Walter Wallmann „Im Licht der Paulskirche“, Ch. Goetz Verlag |