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Teil 5 der Serie "Welcome to your brain"
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15.03.2010
Welcome to Your Brain: Spiegelneuronen
von Sandra Aamondt, Samuel Wang

Hätten Sie es gewusst? Der Affe sieht, der Affe tut: Spiegelneuronen

Teil 1: Der 10-Prozent-Mythos
Teil 2: Bei Sonnenlicht niesen
Teil 3: Posttraumatische Belastungsstörung
Teil 4: Mythos "Intelligenz aus Gehirnfalten"
Teil 6: Sex und Liebe I
Teil 7: Sex und Liebe II
Teil 8: Sex und Liebe III

Soziale Kompetenzen hängen von Empathie ab, dem Einfühlungsvermögen in das, was andere fühlen. Empathie ist nicht von Geburt an vorhanden, sondern muss in der Kindheit entwickelt werden. Psychologische Studien lassen vermuten, dass Nachahmung eine Möglichkeit ist, über die Kinder lernen, die Körpersprache und Gesichtsausdrücke anderer zu interpretieren. Kleine Kinder neigen dazu, alles nachzumachen, so als würden sie in einen Spiegel schauen. Sie bewegen ihre linke Hand, wenn jemand seine rechte Hand bewegt, und sie neigen auch dazu, die Ziele einer Handlung nachzuahmen, nicht unbedingt die Handlung selbst.

Neurologen haben mittlerweile bestimmte Schaltkreise entdeckt, die auf Nachahmung spezialisiert sind und für die Empathie ebenfalls eine gewisse Bedeutung haben könnten. Die sogenannten Spiegelneuronen befinden sich bei Affen im inferioren, frontalen Gyrus und im prämotorischen, parietalen Kortex. Sie sind aktiv, wenn das Tier eine zielgerichtete Aktion wie das Greifen nach Essen ausführt oder wenn es zusieht, wie ein anderes Tier dieselbe Aktion ausführt. Manche Spiegelneuronen sind nur dann aktiv, wenn das Tier sieht, wie ein anderes genau die gleiche Bewegung ausführt, andere hingegen sind aktiv, wenn ein anderes Tier das gleiche Ziel auf andere Weise erreicht. Manche Spiegelneuronen werden sogar von einem sensorischen Reiz aktiviert, der zu einer Aktion gehört, die nicht zu sehen ist, wie das Geräusch beim Auspacken von Lebensmitteln oder der Anblick einer Hand, die hinter einer Wand verschwindet, wo Nahrung steht, wie der Affe genau weiß. Spiegelneuronen können allem Anschein nach auch die Absicht hinter einer bestimmten Aktion unterscheiden: Ein bestimmtes Neuron feuert etwa Signale ab, wenn jemand nach Nahrung greift und vorhat zu essen, aber nicht, wenn jemand danach greift und sie zu seinem Vorrat legt.

Laut Studien mit bildgebenden Verfahren sind die beiden Regionen auch im menschlichen Gehirn bei der Nachahmung aktiv. Wenn die Funktion des inferioren, frontalen Gyrus durch magnetische Stimulation gestört wird, beeinträchtigt das die Nachahmung beim Menschen. Ein Hauptzugang zur parietalen Spiegelneuronenregion ist ein Bereich namens superiorer, temporaler Sulcus, der für die Zuordnung mentaler Zustände von anderen Menschen wichtig ist. Unter normalen zehnjährigen Kindern sind die Regionen mit Spiegelneuronen bei Individuen mit einer hohen Punktzahl im Empathietest aktiver, was vermuten lässt, dass Empathie erlernt werden kann, indem man sich in andere hineinversetzt.

An den sozialen Defiziten, die bei Autisten zu beobachten sind, könnte auch eine Fehlfunktion im Spiegelneuronensystem beteiligt sein. Autistische Kinder zeigen weniger Aktivität in diesen Hirnregionen als normale Kinder, wenn sie aufgefordert werden, Gesichtsausdrücke zu beobachten oder nachzuahmen. Überdies steht die Abnahme der Aktivität in einem Zusammenhang mit der Schwere der autistischen Symptome. Natürlich beweisen diese Erkenntnisse nicht, dass Defizite im Spiegelneuronensystem Autismus auslösen, und es gibt viele andere Regionen, die bei dieser Störung ebenfalls nicht normal reagieren, darunter etwa die Hirnregion, die speziell für die Gesichtserkennung zuständig ist. Ein weiterer möglicher Ort für Probleme bei autistischen Menschen ist die Insula, die sowohl bei der Verarbeitung des eigenen emotionalen Zustands als auch bei dem anderer aktiv wird (siehe 16. Kapitel). An diese vielversprechenden Ansätze werden im Laufe der folgenden Jahre weitere Forschungen anknüpfen; sie werden Wissenschaftlern neue Aufschlüsse über die Ursachen des Autismus ermöglichen.

Ein Auschnitt aus:
Sandra Aamodt, Samuel Wang:
"Welcome to your brain. Ein respektloser Führer durch die Welt unseres Gehirns"
C. H. Beck Verlag, München 2008

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