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Schafft das ZDF ab
von Alexander Kissler

Wir leisten uns, neben der ARD, zusätzlich für 1,73 Milliarden das ZDF: um die Meinungsvielfalt, den unabhängigen Journalismus zu sichern, die Demokratie zu stärken? Warum eigentlich zweimal? Ein Plädoyer für die Abschaffung des Zweiten Deutschen Fernsehens.

Die Bundesrepublik Deutschland zahlte 2007 netto 7,42 Milliarden Euro an die Europäische Union – ein enormer Betrag, der politisch umstritten ist und für Debatten sorgt. Fast genauso hoch, aber politisch völlig unumstritten ist die Summe, die das öffentlich-rechtliche Gebührenfernsehen einstreicht. Anno 2008 flossen 7,26 Milliarden Euro an die alimentierten Sender. Das größte Stück vom Kuchen sicherte sich das Zweite Deutsche Fernsehen, nämlich 1,73 Milliarden. Warum eigentlich? Braucht man das ZDF, um die Meinungsvielfalt zu sichern, die Demokratie zu stärken, den unabhängigen Journalismus zu festigen? Nein, lautet dreimal die Antwort. Deshalb ist es an der Zeit, über die Abschaffung des Zweiten Deutschen Fernsehens nachzudenken.

Das ZDF ist jenes größte öffentlich-rechtliche Fernsehunternehmen Europas, das in Deutschland pro Tag durchschnittlich 27 Minuten geschaut wird. Die Zuschauerquote im Gesamtpublikum betrug im zurückliegenden Jahr 13,2 Prozent. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen waren es sieben Prozent. Quoten sind nicht das Kriterium, um über Qualität zu entscheiden. Die Rekordwerte der privaten Konkurrenz werden mit nacktem Fleisch und billigen Sensationen erkauft. Zudem ist das 1962 gegründete ZDF ein Politikum. Es wurde ins Leben gerufen, um Adenauers Idee eines staatsnahen Senders wahr werden zu lassen. Im ZDF besitzen Bundes- und Landesregierung über den Fernsehrat Einfluss.
Heute zeigt das Programm keine größere Nähe zu den Mächtigen als die Konkurrenz. Wohl aber belegen die mediokren Quoten, dass die Strategie des Intendanten Markus Schächter vorerst gescheitert ist. Die Boulevardisierung hat dem ZDF bisher keine zählbaren Erfolge eingetragen. Im Zweifel wählt der Konsument das Original. Die privaten Sender wissen besser zu unterhalten, professioneller zu rühren und ausdauernder zu fesseln – nötigenfalls unter Verzicht auf Würde und Scham. Die neun Landesrundfunkanstalten, die die ARD bilden, sind in sich wesentlich pluraler, meinungsstärker, abwechslungsreicher. Wäre es nicht ein Politikum durch und durch, am Leben gehalten von Politikern und Subventionsströmen, man hätte das ZDF schon abgewickelt.

Woraus besteht das ZDF des Jahres 2009? Aus Gefühlsmanagement, das für Journalismus ausgegeben wird, und aus Kitsch und Klimbim, die Unterhaltung sein sollen. Besonders eindrücklich ist die Verwandlung des einstigen Nachrichten-Flaggschiffs „heute journal“ in eine „Sendung mit der Maus“ für Erwachsene – zumindest dann, wenn Marietta Slomka moderiert. Fast jede Nachricht präsentiert sie im Gestus des altklugen Kindes.

Die Eröffnung führt hinein in Mariettas bunte Welt. „Auch heute war wieder Krise“, lautet ein typischer Eingangssatz, oder „Das war heute wieder ein Tag mit schlechten Nachrichten“. Es folgen die Überlegungen eines strebsamen Mädchens, das sich für uns, dem Lehrer in der „Feuerzangenbowle“ gleich, janz, janz dumm stellt. „Soll Opel am Ende verstaatlicht werden? Und was heißt das überhaupt?“ Spätestens jetzt schraubt ihre Stimme sich nach oben. Ja, „was heißt das überhaupt?“ Den Beitrag fasst sie zusammen mit „schwierige Sache“.

Ein Filmchen über den kalifornischen Gouverneur Schwarzenegger nutzt Slomka zum Scherzwort. Er sei „schon längst kein Superheld mehr, sondern“ – kurze Pause, Stimme wandert nach oben – „Politiker“. Von solcher Art sind die Witzelchen im Nachrichtenmagazin des ZDF: gestern Held, heute Politiker, was für ein Abstieg, hahaha.

Den klügelnden Anmoderationen folgen Lach- und Sachgeschichten. Ob die Krise bei der Nordbank erklärt, eine mögliche Pleite der Bundesrepublik erörtert oder die Problemlage bei Opel dargelegt werden soll: Die Filme beginnen mit einer großen Portion human touch, mit dem Einzelfall, dem Arbeiter, der Hausfrau, dem Großgrundbesitzer, zu dem sie zyklisch zurückkehren. Dazwischen spricht ein Experte.

In der Mitte des Filmchens explodieren die Farben, schwirren die Formen durcheinander. Klötzchen sollen Anteilsverhältnisse anschaulich machen, Spielzeughäuser symbolisieren Auf- und Abschwünge, Spielzeugpanzer deuten auf Heeresgrößen. Der Zeichentrickfilm ersetzt die politische Analyse. Bezeichnenderweise führte das Regiment bei der optischen Runderneuerung von „heute“ und „heute-journal“ ein Grafikredakteur von „logo“. So heißen die Kindernachrichten im ZDF.

Das neue Design ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur allumfassenden Infantilisierung. Nicht erklären, nur zeigen wollen die Männer und Frauen der Nachrichtenabteilung. Satte 30 Millionen Euro Gebührengeld setzte man für das neue Studio in den Mainzer Sand. Im 690 Quadratmeter großen Raum ist der Moderator Teil der Kulisse. Der Computer berechnet dreidimensionale Modelle, die so schlicht geraten sind, dass sie peinlich berühren. Dem Jubiläum des Mondflugs etwa nähert man sich mit einem kleinen Planetenabbild, auf das der Moderator zuschreitet. Ein winziges Flugzeugmodell und ein winziges Raketenmodell dürfen dann ihren sekundenkurzen Flug Richtung Kunstmond antreten. So lernt man, dass ohne Geschwindigkeit der Mensch nicht vom Fleck gelangt. Derart überhand nehmen die Effekte, dass die Inhalte unerheblich werden. An einem Samstagabend waren die wichtigsten Nachrichtengeschichten: ein Erdrutsch in Sachsen-Anhalt, die Schweinegrippe auf Mallorca, das Verbot der Himmelslaternen in Nordrhein-Westfalen.

„Powered by emotion“ war einmal das Motto von Sat.1. Heute bemüht sich das ZDF, in dieser klebrigen Disziplin die Marktführerschaft zu erlangen. Darum gerieten die Berichte von der Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten zu Barack-Obama-Jubelfestspielen. Slomka stand unter Washingtons kaltem Himmel. Die vom ZDF als Reporterin eingekaufte Schauspielerin Dennenesch Zoudé tummelte sich auf der „National Mall“. Dank Zoudé weiß der Gebührenzahler, „es war einmalig, hier in der Menge zu sein. Wir hatten hier eine solch emotionale Stimmung, dass selbst mir die Gänsehaut gelaufen ist. Ich muss auch ehrlich sagen, ich hatte Tränen in den Augen. Es war einfach unglaublich.“ Zoudé legte nach: „Leute habe ich gesehen, die geweint haben – große, starke Männer, die gebebt haben vor Emotionalität, endlich diesen Tag erleben zu dürfen. Die Leute sind einfach euphorisch. Ja, es ist vollbracht.“ Der Messias muss herniedergestiegen sein in Washington, das ZDF erkannte ihn an der Verwandlung von Muskeln in Tränen.

Nichts ist einzuwenden gegen den Gang in die Menge. Alles aber ist einzuwenden gegen ein Nachrichtenprogramm, das sich darin erschöpft, gefühlig über Gefühle zu berichten und sich gemein zu machen mit der Stimmung des Augenblicks. Für pures Einverstandensein wurde der Journalismus nicht erfunden.

Wer sich vom ZDF unterhalten lassen will, gerät ebenfalls an die Falschen. Ein Kölner Witzbold etwa mit dem Hang zur Fäkalsprache, Horst Lichter, schweinigelt sich durch die Mainzer Kernkompetenz, das Kochen. Lichter bekam 2007 die „Saure Gurke“ für besonders frauenfeindliche Fernsehbeiträge verliehen. Heute himmelt er, in „Lafer! Lichter! Lecker!“, die Schauspielerin Eva Habermann an, küsst ihre Hände: „Eva, bei dir schlägt selbst ein verdorrter Apfelbaum neu aus.“ Als eine andere Schauspielerin, Valerie Neuhaus, traurig auf den Teig blickt, „das zieht sich immer wieder so ein“, kommt Lichters Replik schnell. „Dat kenn’ ich, bei meiner ersten Frau hat sich auch immer alles zusammengezogen.“
Manches wäre zu sagen zu „Wetten, dass?“ als Testlauf für das Überschreiten von Ekelgrenzen – Thomas Gottschalk ließ dort Stierhoden kredenzen und Tierkot erschnüffeln –; zum Quotenhoffnungsträger Horst Sigl, der als „Bergdoktor“ wöchentlich die Alpenwelt rettete; zum seifigen Radauverkäufer Norbert Lehmann, der bei „ZDF.Reporter“ die immer gleichen Filmchen anpreist über Schulschwänzer, Langzeitarbeitslose, Kaffeefahrtbetrüger: Allein, es reicht. Das ZDF in seiner derzeitigen Form ist keine 1,73 Milliarden wert. Es unterhält schlechter als Sat.1 oder RTL, und es informiert schlechter als die ARD. Man würde es nicht vermissen.


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Leserkommentare
klaus spors (berlin) 30.01.2010
seit jahren geht das Lamento
betreff GEZ , öffe. rechtl. Rundfunk und Fernsehen. mindestens 50% der Gebühren sind meiner Meinung nach Alimente für Nieten. Beweis: Es
wird immer argumentiert, dass
eigentlich zuwenig Geld in den Kassen ist. Für wen? DIE FRAGE
wird nie beantwortet. Ein Schelm, wer...
BBirke (Leverkusen) 25.01.2010
Das Problem ist, dass die öffentlich-rechtlichen das meiste Geld dafür ausgeben, was eben die Privaten besser können: Shows, Sportveranstaltungen, Prominentenkult, Daily Soaps und hin und wieder ein paar Filmproduktionen, alles, was die Privaten auch machen.

Informationssendungen und ernsthafte politische Debatten (nicht das Talkshow-Theater, wo die immer gleichen Promis belanglose Dinge zu meist ebenso belanglosen Themen sagen) dürften im Vergleich dazu billig sein! Es ist die Frage: Gibt man z.B. 10000 Euro für einen vernünftig recherchierten Info-Beitrag aus, oder dafür, dass irgendein Promi nur sein Gesicht in die Kamera hält und Belangloses sagt, und dass seine Prominenz allein ihm so viel Geld einbringt.

Allerdings kann ich keinen Grund sehen, ARD und ZDF da unterschiedlich zu betrachten.

Freilich haben es Politmagazine in Zeiten des Internet schwer, das Image eines absolut integren und fehlerfreien "Gott-Journalismus" aufzubauen (den es real natürlich nicht gibt und auch früher nie gegeben hat). Daran scheitern sie, gerade wenn sie wirklich Murks produzieren, wie billige Zucht- und Ordnung-Zensurhetze gegen Computerspiele, die bei "Frontal 21" schon eine gewisse Nachhaltigkeit hat und bei "Panorama" am 22.Februar 2007 für einen absoluten journalistischen Tiefpunkt sorgte: ein gefälschtes Vergewaltigungsspiel, diffamierend verfälschte Spielerinterviews und viel Material einer Firma für Internet-Zensursoftware, deren Chef dann als "Experte" interviewt wurde - und die auch bei mehreren anderen Panorama-Beiträgen in ähnlicher Weise beteiligt war.

Wer sich mit den verschiedenen Themen als Insider auskennt, erkennt schnell, wie gerade bei Lückenfüller-Beiträgen Schund produziert wird, während sich die Magazine mit einigen Headlinern als ultraseriös und perfekt-investigativ darstellen wollen.

Dennoch sind solche Sendungen wohl die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, wenn es denn eine gibt. Und all das, was derzeit meist auf Arte, Phönix oder 3sat kommt.
Ralf Kopka (Hannover) 02.01.2010
hi

wenn die überschrift eine aufforderung ist, muss sie durch ein ! abgeschlossen werden.

mfg

ralf kopka
Heini (Berg-Gladbach) 19.12.2009
Für seine Fernsehgebühr bekommt man wenigstens reichlich Werbung von ARD und ZDF gezeigt, was ja auch eine Frechheit ist und nun wollen sie demnächst die Gebühren wieder erhöhen, ich kann nur sagen, die Freien Sender sind besser und da lasse ich mir die Werbung gefallen, sie leben ja davon, aber klamm heimlich macht dieses auch ARD und ZDF und keine sagt was, bin mal gespannt wann der Deutsche wach wird.Ich würde ZDF und ARD sofort abmelden, aber leider geht es nicht, dafür haben die Herren auch gesorgt. Sie sind wie unsere Herren in Berlin abzocke wo es geht.
Dr.Michael Schneider-Flagmeyer (66740 Saarlouis) 05.12.2009
Bravo Herr Kissler! Endlich mal das ZDF richtig gesehen; denn mit dem Zweiten sieht man höchstens RTL 3. Ich stimme mit A. Kissler völlig überein. Betonen muß man noch, daß hier im Gegensatz zur ARD immer weniger Nachrichten objektiv gesendet werden,sondern gleich kommentiert werden und uns die Meinung des Moderators aufgenötigt wird. Mich stößt auch die Rambomanier ab, mit der hier die Politiker,Amtsträger und gewählten Volksvertreter mitunter heruntergemacht werden. Herr Kleber ist das Gegenteil seines fairen und objektiven vornehmen Vorgängers. Zu beklagen ist auch der immer aggressiver werdende Säkularismus der Moderatoren. Das immer seichter werdende Programm hat ja vor Kissler
schon die daraufhin verbannte Elke Heidenreich angeprangert. Warum werden wir gezwungen, das alles zu bezahlen? Der Widerstand dagegen wächst,so wie glücklicherweise der Widerstand der von uns gewählten Politiker wächst, sich die Rambomanier der politischen Moderatoren weiter gefallen zu lassen, wie die jüngste Entscheidung in Sachen Chefredakteur bewies. Vor 2 Jahren lagen die politischen Moderatoren bei einer repräsentativen Umfrage im Ansehen der Bevölkerung an drittletzter Stelle. Beim ZDF und anderswo hat man nichts daraus gelernt. Auch Warnungen früherer ZDF-ler
wie Prof. Holzhammer und anderer haben nichts bewirkt.Das ZDF war einmal die beste Sendeanstalt. Es ist traurig, was daraus geworden ist.
Dr. C.J. Ganter (Zirndorf, Mittelfranken) 02.09.2009
Vieles, was hier vorgetragen wird, kann einer ernsthaften Überprüfung nicht standhalten. Ob die Seriosität des Nachrichtenjournalismus im ZDF mit der Generation Kleber-Slomka in den letzten Jahren derart substantiell an Qualität eingebüßt hat, wie A. Kissler propagiert, und inwieweit das derzeitige Niveau von 'Wetten dass' wenigstens rudimentär noch Frank Elstners dereinst geniale Idee einer generationenübergreifenden Unterhaltungssendung wiederspiegelt, mag einmal dahin gestellt bleiben. Fakt ist, dass ich (41) das ZDF nach wie vor für den besten Fernsehsender halte, den ich empfange. ZDF und das von ihm mitproduzierte 3Sat sind die beiden Kanäle, die ich am häufigsten sehe - und damit stehe ich augenscheinlich jenseits jeder medialen Repräsentativität. Indes, da der Durchschnittsseher täglich stundenlang RTL, PRO7 und viele andere Perlen der zeitgenössischen Televisionskunst konsumieren dürfte, schäme ich mich dessen nicht - im Gegenteil !
Mit der britischen Reihe 'Cracker' (dt. 'Für alle Fälle Fitz') hat das ZDF in den 1990er Jahren die m.E. beste und anspruchsvollste Fernsehserie aller Zeiten ausgestrahlt und nach wie vor zählen für mich (neben 'Kulturzeit' auf 3Sat) die britischen Sonntagskrimis im ZDF zu den wenigen Pflichtsendungen, auf die ich selbst bei extremem Zeitmangel nur im Notfall verzichte.
Das ZDF "unterhält schlechter als Sat1 oder RTL" und sollte u.a. auch aus diesem Grund abgeschafft werden ?!? Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich das Postulat Kisslers für den völlig verunglückten Versuch einer Satire halten. Nein, Herr Kissler, ich würde das ZDF sehr wohl vermissen und ich bin überzeugt, anderen Nicht-Durchschnittssehern würde es ebenso gehen !
R.Blasius (Amsterdam) 28.08.2009
Natürlich macht es Sinn bei der Vielfalt unserer Fernsehprogramme in Deutschland immer wieder über nötige Reformen beim Öffentlich Rechtlichen Fernsehen nachzudenken. Warum gerade das ZDF Opfer dieser Denkspiele werden sollte ist mir jedoch nicht klar und in diesem Sinne erscheint mir der Artikel recht einseitig.
Natürlich erhält das ZDF als traditionell deutschlandweiter Sender mehr Geld, als die einzelnen landesweiten Sendeanstalten der ARD. Addiert man die Zahlen der ARD auf, sieht ein Vergleich jedoch völlig anders aus und man erkennt, wer in Deutschland das wahre Gebührenloch gräbt.
Alle ARD Anstalten haben gemeinsam über 22tausend Mitarbeiter in Lohn und Brot stehen. Demgegenüber sehen die 3600 Stellen des ZDF sehr bescheiden aus. Allein der SWR hat bereits 3600 Stellen, neben den weiteren 3400 Stellen des NDR und den 4200 Stellen des WDR usw. Dabei verbrät die ARD über 70 Prozent der Gebührengelder gegenüber etwas mehr als 20 Prozent des ZDF. Und dies lässt sich wohl kaum mit den zahllosen überflüssigen Radiosendern erklären die, die ARD noch nebenbei unterhält.
Bei den Mitarbeiterzahlen der ARD fragt man sich zu Recht, wie der ein oder andere Angestellte in den Landesanstalten seinen Tagesablauf gestaltet. Aber auch auch das kann man verstehen, wenn man sich überlegt, dass jede dieser Anstalten auch ihre eigene Bürokratie und ihre eigenes wichtiges Organigram hat, wo die Landespolitik ihre Mitarbeiter unterbringen kann.
Deutschlandweit bekannte Programme des Saarländischen Rundfunks oder von Radio Bremen sind bis auf den Tatort wohl eher Fehlanzeige.
Bei den viel zitierten Quoten macht sich das übrigens nicht proportional bemerkbar. Die ARD hat im Jahresdurchschnitt eine nur unwesentlich bessere Quote als das ZDF. Ich jedenfalls würde vorschlagen, dass man bei der Abschaffung öffentlich rechtlicher Sender mal bei den Landesanstalten der ARD anfängt, dann könnten wir uns gleich mehrere Sender, wie das ZDF leisten und trotzdem noch jede Menge Geld sparen.
K. Beermann (Bremen) 24.08.2009
Auch ich habe mir neulich mal wieder ZDF angeschaut, nach dem lustigen Desaster um das neue heute-Studio. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich seit Jahren kein ZDF mehr gesehen habe, es ist beim Durchzappen immer in der Kategorie "D-max, Das Vierte" unbeachtet geblieben. Ich habe auch seit Jahren in meinem Bekanntenkreis kein Wort über das ZDF oder irgendeine Sendung dort gehört, wie mir mittlerweile auffällt. In der politischen Berichterstattung kenne ich aus dem Fernsehen sowieso nur Infantiles oder Speichelleckerei - Irgendwelche politischen Grundsatzargumente habe ich noch nie gehört. Und wenn - sie wären sowieso einseitig. Der Advocatus Diaboli ist in der deutschen Meinungspresselandschaft sowieso unbekannt - natürlich auch bei den faktisch staatlichen "öffentlich-rechtlichen", denen diese Aufgabe wohl zukäme. Insofern: Nicht nur der Verzicht auf das ZDF wäre kein Verlust.
WD Schellin (Gütersloh) 24.08.2009
Entgegen der im Artikel geäußerten Meinung möchte ich auf keinen Fall auf die ÖR Sender verzichten. Und auch ein Monopolismus zu Gunsten der ARD-Sendeanstalten halte ich für nicht gut.

Aber, ich möchte betonen, dass ich das neue Studio des heute-journals für viel zu groß halte. Wir sind nicht in den USA, in denen alles immer größer und größer sein muss.
Walter F Brieke (Frankfurt am Main) 16.08.2009
Schafft lieber das Privat-Fernsehen ab. Das braucht kein Mensch
Hermann Mahr (Darmstadt) 16.08.2009
Leider wenig sachliche Kommentare über Frau Slomka und Herrn Kleber.
Jens Hoffmann (Dresden) 16.08.2009
Interessanter Beitrag.
Was ich z.B. auch nicht nachvollziehen kann (betrifft aber sowohl ARD als auch ZDF), ist der Grund, weshalb z.B. bei Sport-Großveranstaltungen (wie jetzt wieder bei der Leichtathletik-WM), beide Anstalten parallel ihr volles Equipment anfahren und vom Ereignis berichten.
Warum kann man sich nicht einigen, ein "einziges" Studio zu installieren bzw.die notwendige Infrastruktur gemeinsam zu nutzen ?
Hier werden meiner Meinung nach schon seit Jahren Gebührengelder unnütz verplempert.

Bruno Kayser (Düsseldorf) 14.08.2009
Man kann manchen Einlassungen beipflichten. Aber ist das ERSTE wirklich besser? Es ließe sich genau so negativ beurteilen. Sicher ist jedenfalls, dass beide öffentlich-rechtlichen Sender ihrem Programmauftrag nur unvollkommen nachkommen
Hoyer (Wiesbaden) 14.08.2009
Wann hat der Autor zuletzt ZDF geschaut?
MM (DUS) 12.08.2009
Interessant
Von Czekus (Berlin) 11.08.2009
Die ö/r Sendeanstalten sind nur noch Durchlauferhitzer für Regierungspropaganda. Braucht kein Mensch und schon gar nicht als Informationsquelle. Gut, dass es das Internet gibt...nicht umsonst, wird über Sperren desgleichen immer öfter und immer lauter nachgedacht.
egogel (Weilheim/Obb.) 11.08.2009
Diesem Artikel ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Nach Inbetriebnahme des 30 Mio. € teuren neuen
Nachrichtenstudios habe ich wiederum das ZDF bei
mir ausser Betrieb gesetzt. Jetzt bleibt mir endlich der selbstgefällige Herr Kleber erspart.
R. () 11.08.2009
Die 30 Millionen wurden nicht (nur) für das Redesign, sondern für das ganze neue Gebäude ausgegeben.

Wenn schon rummaulen, dann bitte mit korrekten Daten.
José Beerens (Breda die Niederlände) 11.08.2009
Ab schaffen? Nein, bitte nicht!!!

Ich schaue seit 20 Jahren das Forsthaus Falkenau an, und auch sehr oft der Bergdoktor.

José -NL-
Anne Reidt, Leiterin Redaktion heute-journal (Mainz) 11.08.2009
Hochmut hoch drei. Da macht sich einer Sorgen um eine angebliche Mutation des heute-journals, indem er einfach die Grundregeln des Journalismus in Frage stellt. Die Sendung war und ist immer noch eine so besondere, weil sie sich mit Politkersprech und Terminabklapperei nicht zufrieden gibt. Was ist dagegen einzuwenden, wenn ZDF-Journalisten ihre Berichterstattung über Krise, Opel, Nordbank auch aus der Sicht von Steuerzahlern, von Arbeitslosigkeit Betroffenen oder sogar Hausfrauen erzählt? Wenn sie sich grafischer Elemente bedient, damit komplexe Zusammenhänge wie mögliche Staatsbankrott oder bad bank auch verstanden werden? Genau das ist der Grund, warum wir Gebühren bekommen, wir sind Erklärer, Erzähler im Dienst der Zuschauer. Arroganz ist anders. Da macht sich einer Sorgen um zuviel Gefühl, weil eine dunkelhäutige Reporterin ergriffen ist nach der Vereidigung des ersten schwarzen Präsidenten der USA? Nach analytischen Beiträgen und Gesprächen zur Inauguration in der kritisierten Sendung wohl ein erlaubtes Mittel, eine sogar klassische Form. Warum sonst ist die "Seite 3" der Süddeutschen so legendär? Wir erschöpfen uns nicht in Gefühlen, was uns aber erschöpft, sind Diffamierungen wie diese.
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Alexander Kissler
Alexander Kissler schreibt für die Süddeutsche Zeitung. Zuletzt erschien von ihm das Buch "Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet." (Gütersloh 2009).


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