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"Und ich gebe dir die Schlüssel des Himmelreiches". Die Päpste sehen sich als Nachfolger Petri
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von Klaus Berger
Was ist dieses Mehr, was ist das Geheimnis des Papstamtes, der einzigen Institution, die seit zweitausend Jahren Bestand hat?
Die Welt hält den Atem an, wenn der Papst auch nur hustet. Das war bei Pius XII. nicht anders als bei Johannes XXIII. und bei Johannes Paul II. Die Welt blickt auf den Papst. Alle übrigen Staatsmänner und verbliebenen Monarchen wirkten stets nur wie dritte Wahl und waren seltsam blass und schemenhaft angesichts der ausnahmslos hervorragenden Päpste, die der Kirche im 20. Jahrhundert geschenkt wurden; denn zu den genannten kommen noch hinzu Leo XIII. in seinen letzten Jahren, Pius X. und Paul VI. Sie haben das Papsttum insgesamt zu einer Höhe des Ansehens geführt, die es in seiner Geschichte vielleicht unter Gregor dem Großen (+604), sonst aber nur selten hatte. – Gewiss, am Papsttum scheiden sich die Geister. Unvergessen ist der Aufschrei deutscher evangelischer Landesbischöfe vor etlichen Monaten: „Papst? Nie!“ Der Lutherfilm, den man vor zwei Jahren sah, stellte den Papst als orientalischen Götzen dar, erstarrt in autoritärer Sinnlichkeit und in ästhetischem Nihilismus. Ist der Papst der letzte absolute Monarch? Nun, ich finde, jeder deutsche Universitätsprofessor ist ein Sonnenkönig angesichts der Zwänge, denen jeder Papst ausgesetzt ist, besonders seitens der Vatikanbürokratie. – Die meisten Nicht-Katholiken reagieren auf das Stichwort Papst mit einer Mischung aus ohnmächtigem Neid und antiautoritärer Abscheu.
War er nur das: ein gebrechlicher, todkranker alter Mann mit polnischer Marienfrömmigkeit und seltsamer Sexualmoral? Das alles genügt wohl nicht, um den Atem anzuhalten. Es genügt auch nicht als Erklärung, weshalb alle Mächtigen, vom Präsidenten der USA bis zum Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber, von Fidel Castro bis Angela Merkel, sich danach drängeln, beim Papst zur Audienz zugelassen zu werden, besonders kurz vor Wahlen.
Gewiss kann man sagen, das Thema „der Papst und die Medien“ sei stets besonders glücklich gewesen. Wer hätte die asketische Gestalt und die großen, klugen Augen Pius XII ohne die Schwarz-Weiß-Fotografie der fünfziger Jahre je wahrnehmen können? Was wäre der gegenwärtige Papst ohne das Fernsehen? Aber alle Sinnlichkeit der katholischen Religion zusammen erklärt noch nicht, weshalb die Bilder immer wieder den einen zeigen. Und ohne Masse wäre auch nichts da zum Fotografieren – nicht die glühende Frömmigkeit Pius X., die überragende Intelligenz Pius XII., die impulsive Weisheit Johannes XXIII., die pastorale Klugheit Pauls VI., die sehnsuchtsvolle Kühnheit des gegenwärtigen Papstes.
Was ist dieses Mehr, was ist das Geheimnis dieses Amtes, der einzigen Institution, die seit zweitausend Jahren Bestand hat? Die nackte Macht kann es nicht sein, denn die wäre zu schillernd und hat umgehend, wenn Päpste ihrer Eigengesetzlichkeit erlagen, die Kirche Unsägliches gekostet. |