 |  |
Spricht für George W. Bush: Dana Perino
|
|
 |  |
 |
von Olivia Schoeller
Dana Perino ist kühl, ehrgeizig und überzeugte Republikanerin. Als Kind träumte sie davon, im Weißen Haus zu arbeiten. Mit 35 Jahren ist sie an ihrem Ziel angekommen. Als neue Pressesprecherin des US-Präsidenten präsentiert sie dessen Politik
Schon als Teenager scheute Dana Perino selten eine Herausforderung. Wenn sie auf der Farm ihres Großvaters im ländlichen Wyoming die Ferien verbrachte, stand sie vor Sonnenaufgang auf, sattelte ihr Pferd und half mit, Kühe zu treiben. Auch heute beginnt Perino ihren Arbeitstag in der Dunkelheit. Sie sattelt zwar nicht ihr Pferd, sondern fährt mit dem Jeep zur Arbeit. Aber ihr Job hat durchaus etwas vom Herdentreiben. Anstatt mit Kühen ringt sie nun täglich mit den Journalisten vom Pressecorps des Weißen Hauses, und oft kommen ihr dabei die Fähigkeiten des Cowgirls zugute: „Du musst wachsam sein, flexibel und fähig, mit sanfter Hand zu führen“, sagte Perino in einem Interview, nachdem bekannt wurde, dass sie die neue Pressesprecherin von US-Präsident George W. Bush wird. Sie ist zwar nicht die erste Frau, die diesen Posten übernimmt, das war Dee Dee Myers unter Bill Clinton. Aber mit 35 Jahren ist Perino die Jüngste, die jemals für einen US-Präsidenten sprach.
Die Rolle des Präsidentensprechers in den USA ist anders als in Deutschland. In Amerika liefern Sprecher nicht nur Informationen, sie verkaufen eine Botschaft. Unter Clinton gaben Spindoktoren Geschichten den gewünschten Dreh, damit der Präsident glänzte. Unter Bush wird jede Aussage überprüft und jeder Kritik mit einer „Wahrheitskampagne“ entgegengewirkt.
Von einer Sprecherin erfordert das vollen Einsatz. Dana Perino steht um 4:30 Uhr auf und bis zum ersten Abteilungstreffen um 7 Uhr hat sie Morgengymnastik gemacht und sechs Zeitungen gelesen. Lange Mittagspausen und frühe Feierabende kennt sie nicht. Zweimal täglich informiert sie die Presse, einmal morgens ohne und einmal nachmittags mit Fernsehkameras, was die Journalisten nutzen, um sich zu profilieren.
Für Zuschauer können die bohrenden Fragen nervenaufreibend sein. Doch Dana Perino bleibt meist kühl. Wenn die zierliche Frau mit dem blonden Bob vor das Pressecorps tritt, wirkt sie zunächst distanziert. Mit ihrem freundlich-eisigen Lächeln und den präzisen Antworten kontert sie alle Versuche, sie vom Kurs abzubringen. Weil sie die Fakten beherrscht und Sonderwünsche erfüllt, ist sie unter den Journalisten beliebt. Sie sei enorm diszipliniert, sagt Jim Axelrod vom Fernsehsender CBS, und der Kollege des Magazins Newsweek ergänzt, sie sei „eine ungewöhnlich normale Person“. Perino wirkt wie das nette Mädchen von nebenan, das bereit ist, Fehler einzugestehen: „Ich verstehe, was du meinst“, sagt sie, und das verschafft ihr Sympathien. Beirren lassen sollte man sich davon nicht. Perino ist ein Profi.
Auf Bushs jüngster Reise nach Australien bewies sie, dass sie Journalisten so gut beherrscht wie Kühe. Als Bush und sein südkoreanischer Amtskollege eine Meinungsverschiedenheit hatten, bestand Perino darauf, dass es „keine Spannungen“ gegeben habe. Obwohl die Journalisten mit eigenen Augen den Vorfall gesehen hatten, übernahmen viele Perinos Interpretation. Das ist Herdentreiben par excellence.
Ihre Fähigkeit zu überzeugen, erwarb sich Perino schon im Alter von neun Jahren, als sie mit ihrem Vater beim Abendessen über Politik diskutierte. In der High School und an der Universität von Southern Colorado besuchte Perino Debattierclubs und beschwichtigte später im Büro eines Abgeordneten aufgebrachte Wähler. Bevor sie ins Pressebüro des Weißen Hauses wechselte, war sie Sprecherin im Justizministerium. Davor hatte sie auch in der freien Wirtschaft gearbeitet.
Nur einmal ließ sie es zu, dass ihr zielstrebiges Leben unterbrochen wurde. Das war, als sie ihrem Ehemann nach England folgte und die Tage damit verbrachte, ihren Hund Henry zu trainieren. Dana Perino war 25 Jahre alt, als sie den damals 43-jährigen Peter McMahon im Flugzeug kennenlernte. Sie habe sich sofort in seinen Akzent verliebt, heißt es. McMahon, der eine Firma zur Vermarktung von medizinischen Produkten leitet, hat sich inzwischen an die langen Arbeitstage seiner Frau gewöhnt und bezeichnet sich als „selbstständigen Mann“. Er fährt sie ins Büro, kauft ein und wäscht – nur bügeln mag er nicht. Sie hat zwar keine eigenen Kinder, doch dank einer erwachsenen Stieftochter wurde Perino mit ihren 35 Jahren nicht nur die jüngste Pressesprecherin im Weißen Haus, sondern auch eine junge Stief-Großmutter.
Wer nun vermutet, es stecke eine Strategie dahinter, dass Bush eine Frau als seine Sprecherin ernannte, sieht sich enttäuscht. Als seine Stellvertreterin war Perino die natürliche Nachfolgerin des bisherigen Amtsinhabers Tony Snow. Doch es gefällt Bush, der immer stolz war auf seine fortschrittliche Personalpolitik. Bush hat mit Colin Powell und Condoleezza Rice den ersten Afroamerikaner und die erste schwarze Frau zu Außenministern gemacht.
Dana Perino genieße sein ganzes Vertrauen, sagte der Präsident, als er sie nominierte. Perino selbst nennt sich eine „hundertprozentige Unterstützerin“ von Bush und seinen konservativen Werten. Seit sie politisch denken kann, ist Perino Republikanerin. Ihre Mutter erzählt gerne die Geschichte, wie die sechsjährige Dana auf einen Getränkekasten kletterte, eine US-Flagge hochhielt und verkündete: „Wenn ich groß bin, arbeite ich im Weißen Haus.“ Getränkekästen braucht Perino heute nicht mehr. Im Pressezimmer wurde das Emblem des Weißen Hauses hinter dem Rednerpult niedriger gehängt, damit es der körperlichen Größe der neuen Pressesprecherin entspricht.
Olivia Schoeller, 1968 in München geboren, ist USA-Korrespondentin der Berliner Zeitung in Washington
Foto: Picture Alliance |