Cicero Startseite | Twitter | Kontakt | RSS-Feed | Als Startseite festlegen
 Anzeige
druckenIhre MeinungArtikel versenden
zoom
Deutschland muss atomar aufrüsten
von Peter Scholl-Latour

Eine deutsche Außenpolitik gibt es nicht, behauptet Peter Scholl-Latour.

Eine deutsche Außenpolitik, die diesen Namen verdient, gibt es ebenso wenig wie ein deutsches strategisches Konzept. Die Schuld daran ist nicht nur den in Berlin agierenden Parteien und Politikern anzulasten. Die überstürzte Ausweitung der Europäischen Union auf 27 Mitglieder mit extrem divergierenden Interessen hat den Kontinent und somit auch Deutschland jeder resoluten Handlungsfähigkeit beraubt. Im militärischen Bereich ist der Atlantischen Allianz mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion der Gegner abhandengekommen. Seitdem hat sich die Nato „out of area“ in eine zeitlich und räumlich unbegrenzte Phantomjagd auf den internationalen Terrorismus eingelassen.

Wer die Dinge beim Namen nennt, setzt sich in den deutschen Medien unweigerlich dem diffamierenden Vorwurf des Antiamerikanismus aus. Dabei sind es prominente amerikanische Politiker, die George W.Bush als den verhängnisvollsten Politiker in der Geschichte der USA anprangern. Die Chance einer „pax americana“, die nach dem Ende des Kalten Krieges durchaus bestand, ist durch den blinden Bellizismus der Bush-Administration wohl endgültig verspielt worden. Heute gilt es für die Deutschen, endlich den Unterschied zu erkennen zwischen dem Nordatlantischen Bündnis Europas mit Amerika, das den existenziellen Bedürfnissen beider Kontinente und ihrer kulturellen Affinität entspricht, und andererseits der konkreten Struktur dieser Allianz – North Atlantic Treaty Organization, die seit Beilegung des Ost-West-Konflikts obsolet wurde und sich für die europäischen Partner zunehmend negativ auswirkt.

Als flagrantes Beispiel für diese Fehlentwicklung lässt sich die Absicht Washingtons zitieren – ohne Information und Konsultation der übrigen Verbündeten –, in Polen und Tschechien einen vorgeschobenen Raketenabwehrschirm beziehungsweise ein hoch entwickeltes Radarsystem einzurichten. Die Behauptung, diese Dislozierung an Weichsel und Moldau diene ausschließlich dem Zweck, das Territorium der USA vor der sich steigernden ballistischen Kapazität der Islamischen Republik Iran oder gar Nordkoreas zu schützen, klingt absurd und widerspricht zudem dem Geist atlantischer Solidarität. Die Staaten der Europäischen Union dürften ja viel eher in die Reichweite nuklearer Sprengköpfe geraten, die eventuell aus dem Orient abgefeuert würden, als das durch die Weiten der Ozeane geschützte Amerika.

Die Deutschen sollten endlich begreifen, dass im Extremfall nicht die perfektionistischen Abwehrsysteme glaubwürdigen Schutz gegen die nukleare Bedrohung durch blindwütige Feindstaaten bieten, sondern – in Ermangelung eines kontinentalen Konsens – die nationale Verfügung über eine eigene atomare Abschreckung. Frankreich hat aus dieser Erkenntnis mit der Schaffung seiner „Force de dissuasion“ längst die Konsequenz gezogen. Im Deutschen Bundestag, wo schon die zivile Nutzung der Kernenergie mehrheitlich verworfen wird, würde die Erwähnung eines ähnlichen Projektes einen Orkan der Entrüstung auslösen. Die Zeiten, da unter Kohl und Mitterrand – bei aller Loyalität gegenüber Washington – über eine enge militärische Symbiose zwischen Deutschland und Frank­reich beraten wurde, gehören offenbar der Vergangenheit an. Einer Kanzlerin, die in der Uckermark beheimatet ist, kann man schwerlich „karolingische“ Visionen zumuten. In Paris wiederum ist den Epigonen de Gaulles der Sinn für die „grandeur“ des Abendlandes abhanden gekommen.

Seit George W. Bush und seine neokonservative Umgebung trotz gelegentlicher Beschwichtigung an die europäische Adresse am Unilateralismus der US-Politik festhalten und die wirklich relevanten Staaten sich frei nach Nietzsche als „kälteste aller Ungeheuer“ zu erkennen geben, wirken die Beteuerungen von Nibelungentreue, wie sie aus dem Berliner Reichstag über den Atlantik klingen, naiv und unzeitgemäß. Wer kann es übrigens Wladimir Putin verübeln, dass er den Aufbau neuer Lenkwaffenstellungen an seiner Westgrenze, die mit einem von Warschau geschürten „Drang nach Osten“ der Nato und der EU einhergeht, als Provokation empfindet und adäquate Gegenmaßnahmen trifft. Hat bei den patentierten Kreml-Kritikern jemand bedacht, wie wohl die amerikanische Öffentlichkeit reagieren würde, wenn russische Ingenieure ihre Raketensysteme – unter welchem Vorwand auch immer – in Venezuela, Nicaragua oder gar Kuba einbetonierten?

Hier offenbart sich ein grundlegendes Dilemma der aktuellen deutschen Außenpolitik. Wie soll eine diplomatische Leitlinie für 27 Mitgliedstaaten der EU getroffen werden, wenn die osteuropäischen Beitrittsländer weit mehr auf Washington als auf Brüssel ausgerichtet sind. Die Konvergenz zwischen Deutschland und Russland, die – unabhängig von Schröder und Putin – einer historischen Tradition und vor allem einer zwingenden ökonomisch-industriellen Komplementarität entspricht, stößt somit auf das Misstrauen der Vereinigten Staaten einerseits, die sich einer Verselbstständigung Berlins von der exklusiven atlantischen Einbindung diskret, aber nachhaltig entgegenstemmen, sowie andererseits auf die offene Kritik der ehemaligen Sowjetsatelliten, denen die Annäherung zwischen Berlin und Moskau, beziehungsweise St.Petersburg, allzu oft zum historischen Verhängnis wurde. Kein Wunder, dass das Interesse Osteuropas an der Europäischen Union sich im Wesentlichen auf die Überwindung bestehender finanzieller Engpässe und die Verheißung ökonomischer Prosperität beschränkt. Machtpolitik, wie es die Stunde erheischen würde, unter gemeinsamer Einflussnahme auf die globalen Entwicklungen lässt sich mit einem so bunt karierten Haufen nicht bewirken.

Seit dem Debakel von Bagdad, an dem gemessen die US-Niederlage in Vietnam rückblickend als Episode erscheint, drängt sich der Zweifel an der Fähigkeit Amerikas auf, den Herausforderungen des „asymmetrischen Krieges“, der globalen Auseinandersetzung mit den verzettelten Brandherden der islamischen Revolution erfolgreich zu begegnen. So wie die US-Army in Falludscha hat ja auch die israelische „Zahal“ im Südlibanon feststellen müssen, dass alle technologischen Wunder der modernen Rüstungsindustrie gegen einen taktisch perfektionierten Kampf ihre Wirkung verfehlen, dass jegliche Verwüstungen und „Kollateralschäden“ angerichtet werden. Es wäre überdies an der Zeit, dass die deutsche Regierung, als treuer und aufrechter Verbündeter, auf gewisse unverantwortliche Husarenritte der Bush-Regierung aufmerksam machen würde. Während man auf Capitol Hill verzweifelt nach einem halbwegs ehrenhaften Ausweg aus dem irakischen „quagmire“ sucht, bricht das Pentagon den Raketenstreit mit Russland vom Zaun, hält Vizepräsident Dick Cheney Brandreden gegen die angeblich weltbedrohende Aufrüstung Chinas. Präsident Bush fegte die überaus vernünftigen Vorschläge der Baker-Hamil ton-Kommission vom Tisch und schickt sich an – wie viele Experten befürchten – im Verbund mit Israel einen Vernichtungsschlag gegen die iranischen Nuklearanlagen zu führen. Unterdessen erwägt man in Berlin lediglich ein Verschärfung der Sanktionen gegen Teheran, was sich als wirkungslos erweisen wird, und versucht mit dem gewohnten Zweckoptimismus die Einsicht zu verdrängen, dass ein Kriegseintritt Irans der militärischen Präsenz der USA im Irak ein jähes Ende setzen würde.

Allzu viele Berliner Parlamentarier verweigern sich der Einsicht, dass der Krieg im Irak – wie US-Verteidigungsminister Robert Gates diskret eingesteht – bereits verloren ist, dass eine Ausweitung des Konfliktes auf Iran sich zum Desaster für den ganzen Westen erweisen würde und – was Deutschland unmittelbar betrifft – dass der Krieg in Afghanistan nicht zu gewinnen ist. Auch am Hindukusch und nicht nur in Mesopotamien müssen Überlegungen darüber angestellt werden, wie man den auf Dauer unvermeidlichen Rückzug aus Afghanistan ohne allzu schmerzlichen Gesichtsverlust und vor allem ohne hohe eigene Verluste vorbereitet.

Zu See und in der Luft verfügen US-Navy und Air Force über eine erdrückende und unvergleichliche Überlegenheit. Es sind die Bodentruppen, die Sorgen bereiten. Durch den Einsatz von 140000 GI’s im Irak und knapp 20000 Infanteristen in Afghanistan erscheint die US-Army hoffnungslos überfordert. Seit Abschaffung der Wehrpflicht fehlt es an tauglichen Soldaten. Ganz offen wird in Washington die mangelnde Bereitschaft gewisser europäischer Verbündeter geschmäht, sich mit stärkerem Personaleinsatz an den sich häufenden Krisenherden zu engagieren. Gemeint sind vor allem Deutschland und Frankreich, die der frühere amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld noch vor drei Jahren ermahnte, sich an den Rumänen und Albanern ein Beispiel zu nehmen.

Schon fordert der niederländische Generalsekretär der Nato, de Hoop Scheffer, der dem amerikanischen Präsidenten jeden Wunsch von den Lippen abliest, dass die aus europäischen Kontingenten rekrutierte „Nato Response Force“ bis zu einer Stärke von 300000 Mann aufgebläht werde, um jene Mannschaftslücken zu füllen, die aus der mangelnden Wehrbereitschaft amerikanischer Freiwilliger und der Verstrickung in immer neue Konflikte aufgerissen wurden. Dass es sich bei dieser Nato-Truppe um „eine sich selbst finanzierende europäische Fremdenlegion im Dienste amerikanischer Interessen“ handeln würde, wagen nur angesehene amerikanische Publizisten wie William Pfaff auszusprechen. Vielleicht werden sich die führenden deutschen Medien endlich der systematischen Zweckentfremdung der Atlantischen Allianz und der eigenen Unterwürfigkeit bewusst, wenn die Forderung des Pentagon nach Ausweitung der Allianz auf den Pazifischen Raum, auf den Nato-Beitritt Australiens, Neuseelands, sogar Japans und Südkoreas sich bewahrheiten sollte. Eine solche Orientierung in Richtung auf den Stillen Ozean könnte von Peking nicht anders denn als ein bedrohliches Einkreisungsmanöver gewertet werden. Die deutschen Abgeordneten, die als Polit-Touristen China bereisen und die Repräsentanten dieser uralten Kultur immer wieder mit erhobenem Finger zur Übernahme westlicher Demokratiebegriffe ermahnen, täten besser daran, die amerikanischen Verbündeten von einer umzingelnden Stützpunktstrategie gegen das Reich der Mitte abzubringen, die den Europäern nur Nachteile bescheren kann.

In Afghanistan, so hat sich Brent Scowcroft, der frühere Sicherheitsberater des Präsidenten Bush senior geäußert, werde sich entscheiden, ob die Nato an der derzeitigen Krisensituation zerbricht. Die Missstimmigkeiten häufen sich und werden auch nicht durch den willfährigen Einsatz von sechs deutschen „Beobachtungsflugzeugen“ vom Typ Tornado ausgeräumt. Das irakische Szenario scheint sich am Hindukusch zu wiederholen. Seit drei Jahren liegen der deutschen Regierung ernüchternde und realistische Lagebeurteilungen der örtlichen Kommandeure, des BND und eines klarsichtigen Botschafters vor, die das Unternehmen am Hindukusch als „mission impossible“ definieren. Aber die deutschen Regierungsparteien weisen diese Erkenntnis ebenso konsequent von sich, wie die Bush-Administration seinerzeit die Warnungen missachtete, die ihr über den voraussichtlichen Verlauf des Irak-Feldzuges aus diversen verlässlichen Quellen vorlagen.

Entgegen einer gezielten Desinformationskampagne würde die Welt nicht untergehen, wenn die Nato-Koalition Afghanistan räumen und die dortigen Stämme ihrem Schicksal überließe, wie das übrigens dem Wunsch der Bevölkerung entspricht. Auf die Höhlen des Hindukusch ist Al Qaida längst nicht mehr angewiesen, seit diese nebulöse Ter rororganisation in der pakistanischen Nord-West-Region Zuflucht findet und ihre Kampfkraft auf den Schlachtfeldern des Irak erprobt.

Immerhin hat sich in Berlin Widerspruch geregt, als der Sicherheitsberater des Weißen Hauses, Steven Hadley, die freie Verfügung des amerikanischen Nato-Befehlshabers in Kabul über das deutsche Isaf-Kontingent und dessen Einsatz im heiß umkämpften Süden und Osten des Landes anforderte. So weit, so gut. Der wirkliche Skandal hat sich in den letzten Tagen der rot-grünen Koalition ereignet, als der Bundestag mit erdrückender Mehrheit, aber ohne jede Debatte und sachlicher Erörterung die faktische Verschmelzung der ursprünglich grundverschiedenen Militäreinsätze „Enduring Freedom“ und als Isaf sowie die Aufstockung der deutschen Truppen auf 3000 Mann akzeptierte. Im deutschen Parlament wird erst über das Thema Afghanistan diskutiert, wenn ein hysterischer Streit über ein paar Gebirgsjäger aufkommt, die in törichter Unbekümmertheit mit Totenkopfschädeln hantierten. Da wird endlos über den Fall des recht dubiosen Deutsch-Türken Kurnaz debattiert und die Elitetruppe KSK auf die Anklagebank gezerrt. Dabei sollte man sich – statt Kurnaz als Ankläger aufzuwerten – dafür schämen, dass die parlamentarischen Wehrbeauftragten ihrer Fürsorgepflicht für die eigenen Soldaten nicht nachkamen. Die Angehörigen des besagten Spezialkommandos, die harte Kampferfahrung im Massiv von Bora-Bora sammeln sollten, wurden nämlich vom US-Kommando in Kandahar als „KZ-Wächter“ – der Ausdruck stammt von einem der prominentesten Minister der Kohl-Regierung – eines von CIA und US-Army eingerichteten Gefangenen-, Verhör- und Folterzentrums missbraucht.

Das große Thema der deutschen Außenpolitik ist höchst unerfreulich und könnte beliebig ausgeweitet werden. So unbedarft darf kein Minister sein, dass er glaubt, die fünf Vetomächte würden Deutschland einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat einräumen. Die reale Autorität und das Durchsetzungsvermögen der Vereinten Nationen werden in Berlin ohnehin maßlos überschätzt. Die militärischen Einsätze der Blauhelme – soweit diese auf sich selbst gestellt waren – endeten stets mit einem erbärmlichen Fiasko. Es nützt auch wenig, im Konflikt um das Heilige Land als „ehrlicher Makler“ aufzutreten, wenn man aus der „road map“ lediglich die Anerkennung Israels durch die mehrheitlich gewählte Hamas-Bewegung herausliest und die prinzipielle Forderung nach Wiederherstellung des Territorialbestandes von 1967 beiseitelässt. In der unvermeidlichen Auseinandersetzung mit der sich auf Maschreq und Maghreb ausweitenden islamischen Revolution wäre es an der Zeit, dass die Bundesregierung ihr Augenmerk vorrangig auf die unmittelbare Nachbarschaft, auf die muslimischen Balkan-Völker der Albaner und Bosniaken richtet, die einem diskriminierenden Protektorat der „Internationalen Gemeinschaft“ unterstellt bleiben.

Die ungebrochene Beliebtheit, deren sich die Deutschen weiterhin im ganzen Dar-ul-Islam erfreuen und die durchaus nicht nur auf die Bewunderung für Hitler zurückzuführen ist, wird unweigerlich in dem Maße schrumpfen, wie die Bundesrepublik sich von der manichäischen Weltaufteilung in Gut und Böse korrumpieren lässt, die der Vision des amerikanischen Präsidenten vorschwebt. Die Tragödie des Abendlandes besteht darin, dass der Schwund amerikanischer Glaubwürdigkeit in Verteidigungsfragen einhergeht mit einer selbst verschuldeten militärischen Kastration der Europäer. Seit neben Israel und Indien auch die extrem labile Islamische Republik Pakistan sich in den Atomclub drängte, wird das Fortschreiten der nuklearen Proliferation auf Dauer gar nicht zu verhindern sein. Auch dieser Realität muss man ins Auge blicken.

Wie wird die deutsche Bevölkerung reagieren, wenn ihr Staat in den Sog jenes „Clash of civilizations“ gerät, dem Eu­ropa – die eigene Identität verleugnend und die eigene Wehrkraft vernachlässigend – gar nicht entrinnen kann. Was geschieht, wenn in Berlin oder Hamburg die Bomben von Terroristen explodieren oder falls die Europäische Union aus ihrem südlichen oder östlichen Umfeld massiver Erpressung und Einschüchterung ausgesetzt wäre?

Bis dahin sollte die Bundeswehr sich von den überalterten Nato-Schablonen gelöst haben und über die Mittel verfügen, notfalls auch im nationalen Alleingang, am besten aber im engen Verbund mit den französischen Schicksalsgefährten, diesen Gefahren mit vernichtenden Gegenmaßnahmen, notfalls auch mit gezielten „preemptive strikes“ zu begegnen. Dabei kommt es nicht auf die Massen an, sondern auf die kriegerische Eignung einer hochtrainierten Truppe und ihrer speziellen Eingreifkommandos. Diejenigen europäischen Partner, die sich wie Tony Blair als „Pudel Amerikas“ behandeln lassen und die kontinentale Einigung lediglich als eine Art Freihandelszone zu akzeptieren bereit sind, würden dann ihrem eigenen Hang zum Rückfall in Zwist und Missgunst überlassen bleiben. Die deutschen Politiker ihrerseits, die mit ihren endlosen internen Querelen gelegentlich an das christliche Byzanz erinnern, dessen Senat unmittelbar vor der Eroberung der „Polis“ durch die osmanischen Heerscharen Mehmet II. über das Geschlecht der Engel debattierten, würden ihren Auftrag sträflich verfehlen, wenn sie sich nicht eine Überlebensmaxime zu eigen machten, die Napoleon zugeschrieben wird: „Gouverner c’est prévoir“ Regierungskunst gründet sich auf Vorausschau.

Peter Scholl-Latour spricht fließend Arabisch, ist einer der bekanntesten Journalisten Deutschlands und berichtet auch mit 83 Jahren noch hautnah von den Brennpunkten der Welt. Kaum ein anderer deutscher Publizist kann ähnlich viele Länder aus seiner eigenen Anschauung beurteilen, kaum ein anderer kennt so viele Akteure der internationalen Politik aus persönlichen Begegnungen. Ob Afrika, Asien, der Nahe Osten, Russland oder der Balkan – Scholl-Latour war da und berichtete. Er ist Autor zahlreicher Bücher, zuletzt erschien von ihm „Russland im Zangengriff – Putins Imperium zwischen Nato, China und Islam“ (Propyläen-Verlag)


Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe April 2007

» Heftarchiv
» Ausgabe bestellen
» Kostenloses Probeheft


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
Ihr Name  
Ihr Wohnort  
Ihre eMail  
Ihr Kommentar  
    senden
druckenIhre MeinungArtikel versenden
Leserkommentare
Mensch (Erde) 25.11.2009
Erschreckend wenn wir nicht in der Lage sind Frieden ohne Waffen zu ermöglichen und zu wahren. Ich lehne Waffen genauso wie Gewalt strikt ab, alles andere wäre nur die Grundlage für neue blutige Konflikte mit grenzenlosem Leid.
Gabrielle C. (Spanien) 30.04.2007
Obwohl die Überschrift etwas schreckeinjagend erscheint, läßt der Artikel wie üblich einen guten Grund und klares Denken erkennen. Peter Scholl-Latour ist einer der wenigen Berichterstatter der seine Behauptungen auf solidem Wissen von Geschichte und Geografie vertreten kann. Als Wahlamerikanerin stimme ich seinen Observationen 100% zu und wünschte nur seine Artikel und Bücher würden alle in englischer Sprache zur Verfügung stehen. So manchem Engländer und Amerikaner würden die Augen geöffnet werden.
Ich hoffe Sie bleiben noch viele Jahre ein helles Licht im Dschungel der Unwissenheit unserer heutigen Politiker.
Wolf Gauer (São Paulo / Brasilien) 30.04.2007
...reifer und excellent fundierter Ueberblick, bester Scholl-Latour. Statt atomarer Aufruestung lieber Wiederherstellung einer engstmoeglichen Partnerschaft mit Frankreich.
Auch als Ausweg aus der verwaesserten EU und dem unsaeglichen Verlust europaeischer Substanz.

Wolf Gauer
Journalist / São Paulo

J. Wehner (Schweiz) 25.04.2007
Herr Scholl-Latour hat recht, aber nicht nur Blair ist der "Pudel der USA" sondern insbesondere viele europäische Staaten auch. Es fällt auf, das nach jeder Wahl der "Gang nach Kanossa" (Washington) erfolgt um dort Weisungen für ihr zukünftiges Tun in empfang zu nehmen.
Es gibt wenige europäische Staaten welche frei von der Bush-Administration sind.
Aus dieser Zwangshandlung entstehen, für die Mehrzahl der Bürger, aussenpolitisch nicht nachvollziehbare Aktionen. Ich kann es nicht verstehen das eine Regierung jegliche Forderungen der Bush-Administration akzeptiert und umsetzt, obwohl die amtierenden Politiker in der USA immer weniger Akzeptanz in der eigenen Bevölkerung haben. Es kann nicht sein das sich Europa, über Brüssel, zu einer europäischen Einheit bewegen will und gleichzeitig aussenpolitisch uneinst ist und sich von fremden Staaten zu Handlungen "zwingen" lässt. Um dies zu vertuschen, wird nun die Bevölkerung durch "Politik mit der Angst" gefügig gemacht. Angst scheint überhaupt das neue Steuermittel der Politiker zu sein um die Bevölkerung auf den Kurs zu zwingen die sie ohne Angst nie bejahen würden (siehe: Terrorbekämpfung, Öl bzw. Energieschwund, Überalterung der Bevölkerung, Klimawandel usw.).
Markus N. () 11.04.2007
Auch wenn ich in dem Punkt der deutschen Nuklearbewaffnung nicht unbedingt mit Herrn Scholl-Latour übereinstimme so bin ich durchaus der Meinung dass er mit der Forderung nach politisch/ideologischer "Autonomie" Deutschlands Recht hat. Dass sich unsere Nation weiterhin so stark von angelsächsischem Weltherrschaftswahn manipulieren lässt trägt garantiert nicht zur Sicherheit der Bundesbürger bei.
S.Richter (Bayern) 04.04.2007
Herrn Scholl-Latours Auslands-Kompetenz in allen Ehren!
Aber wer fordert, dass nun auch noch Deutschland Atomwaffen haben sollte, sei es auch nur zur Abschreckung des ach so bedrohlichen Schreckgespenstes "internationaler Terrorismus", leidet entweder an Realitätsverlust oder hat einen großen Scheck der entsprechenden Lobby erhalten, genauso wie unsere "Christ-Demokraten", welche ja, zwar nur im zivilen Bereich, ebenfalls die Atomspaltung für das Heil aller gegenwärtigen Energieprobleme halten.

Mit Verlaub, aber was sollte das bringen? Wenn dann jedes Land in naher Zukunft aufgerüstet hat, zünden dann alle Ihre Raketen und knobeln aus, wer als Letzter dahinsiecht?

Nein, Abschreckung und überhebliches "Wir-sind-die-Demokratie"-Gehabe sind hier fehl am Platz.

Deutschland sollte lieber aussteigen aus der, wie Sie schon so treffend bemerkt haben, "Phatomjagd nach Terrorismus" und unsere zweckentfremdete Bundeswehr in die heimischen Gefilde zurückbeordern, wo Sie laut Grundgesetz hingehört: Zum Schutz und zur Verteidigung der Deutschen Grenzen!

Schluß mit der amerikanischen Kriegstreiberei, welche ja schon zum Lieblingsthema unserer werten Herrn Innenminister geworden ist!

Mfg
Bauer Gerhard (Marktl) 01.04.2007
Herr Scholl-Latour begleitet mich schon seit Kindesbeinen in Fernsehen und Presse. Die deutschen Politiker und nicht nur diese sollten die Artikel dieses Experten aufmerksam lesen und intensiv über dessen Aussagen nachdenken. Es gibt nicht mehr viele Menschen die ihre Meinung offen sagen und diese vertreten.
Herzliche Grüsse an Peter Scholl-Latour aus Bayern.
Anzeige
  Cicero-Sammelschuber - Jetzt bestellen!
RSS Feed
Abonnieren Sie Weltbühne als RSS-Feed
abonnieren

randnotiz
Artikel aus
Ausgabe April 2007
» Heftarchiv
» Ausgabe bestellen
» Kostenloses Probeheft

Peter Scholl-Latour
Peter Scholl-Latour war TV-Korrespondent in Krisengebieten. Von ihm erschien „Kampf dem Terror – Kampf dem Islam? Chronik eines unbegrenzten Krieges“ (Propyläen Verlag)


Bekenntnisse eines Berlin-Verächters
mehr lesen
Die Schweiz: Ein Zukunftsmodell für Europa
mehr lesen
Benedikt, ein Papst in deutschem Namen
mehr lesen
Debatte
Mama, hilf!
mehr lesen
Die Pförtner der Macht. Eine Beobachtung
mehr lesen
Berliner Republik
Benedikt, ein Papst in deutschem Namen
mehr lesen
Der Arbeiterführer
mehr lesen
Kapital
Von Ackermännern und Müllmännern
mehr lesen
Googles größter Kampf
mehr lesen
Salon
Skandal im Kunstbezirk
mehr lesen
"Die Kirche ist ein Märchenpark"
mehr lesen
Politsche Videos
Der satirische Wochenrückblick
Video anschauen
Giuliani vs. Guttenberg "Krieg" oder "Einsatz"?
Video anschauen
Leinwand
„Fuck, Clooney ist dabei, das darf ich nicht verbocken!“
mehr lesen
Ein wahrhaft warmes "Welcome"
mehr lesen
Netzstücke
Bekenntnisse eines Berlin-Verächters
mehr lesen
"Vor mir und hinter mir gibt es viele große Namen"
mehr lesen
Bibliothek
"Geschichte ist Warnung und Lehrmeisterin zugleich"
mehr lesen
Sex, Religion & Politics
mehr lesen

 Magazin Cicero
Die aktuelle Printausgabe

Inhalt
Abonnement

 Service
Newsletter
abonnieren

anmelden

 Medien im Blick
Die tägliche
Presse-
Rundschau

weiter

nach oben