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 > Erpressung lohnt sich doch

Kapital

Krisenbilanz der BankerErpressung lohnt sich doch

Von Peter Schneider24. März 2011
Rien ne va plus? Es wird weiter gezockt.
Rien ne va plus? Es wird weiter gezockt.
Schrift:

Großbanken wurden mit Steuergeldern vor der Pleite gerettet. Die Bonusempfänger sind wieder im Geschäft, als wäre nichts geschehen. Der Gesetzgeber ringt ohnmächtig die Hände. Die wahren Kosten der Finanzkrise stehen in keiner Bilanz: der Vertrauensverlust der Bürger in die Elite.

Seite 1 von 4

Seltsamer Befund. Die Wirtschaft brummt wieder, die Zahl der Arbeitslosen sinkt unter dreieinhalb Millionen, Löhne und Binnennachfrage steigen. Und dennoch scheint das Land von einer inneren Unruhe befallen, wie man sie sonst nur aus Zeiten des wirtschaftlichen Niedergangs kennt. Das Parkett glänzt, aber der Boden darunter bewegt sich. Etwas zerrt an den Nerven der Bürger, verdirbt ihnen die Laune – wie ein Sieg der Nationalelf, der durch zwei Eigentore des Gegners errungen wurde. Der Grundkonsens, für den die Deutschen von ihren Nachbarn seit jeher bewundert und auch gescholten wurden, ihr Vertrauen in den Staat, ihr Ordnungssinn, ihr Glaube an Regeln, die für alle gelten – er scheint in Auflösung begriffen.

Im Nachhinein erscheint die Affäre zu Guttenberg wie ein winziges Nachbeben jener gewaltigen Erschütterung des öffentlichen Vertrauens, das die weltweite Finanzkrise ausgelöst hat. Nach den Bekundungen ihrer Verwalter ist diese Krise ausgestanden. Und hat nicht die Deutsche Bank, das Flaggschiff der deutschen Finanzflotte, eben erst einen Gewinn von zehn Milliarden Euro für das laufende Jahr in Aussicht gestellt? Sogar die Commerzbank, die nur dank insgesamt 34 Milliarden Euro Staatshilfe überlebte, will demnächst ihre Schulden zurückzahlen – und dies mit 9 Prozent Zinsen! Wenn man alle anderen Zahlen ausblendet, ist die drohende und partiell reale Bankenpleite am Ende ein gutes Geschäft für den Staat gewesen.

Der für Wunder immer aufgeschlossene Steuerzahler nimmt diese erleichtert zur Kenntnis und blickt gleichzeitig beklommen auf die Staatsschulden, die im selben Jahr so stark angestiegen sind wie noch nie seit Bestehen der Republik – auf insgesamt fast 2000 Milliarden.

Die Verwüstungen, die die Finanzkrise in vielen Volkswirtschaften der Welt hinterlassen hat, sind in dieser Schadensbilanz noch gar nicht enthalten. Der Gesamtschaden der globalen Finanzkrise wird nach einer Schätzung der Commerzbank aus dem Jahr 2009 auf 10,6 Billionen Dollar beziffert. Doch niemand hat bisher ausgerechnet, wie sich die Lasten zwischen den Schadensverursachern und den Geschädigten verteilen. Sicher ist, dass die riesige Mehrzahl derjenigen, die die giftige Suppe nun auslöffeln müssen, nicht beim Kochen dabei war.

In Griechenland muss die Regierung die Polizei gegen wütende junge Demonstranten auf die Straße schicken. Sie sehen nicht ein, warum sie für die Sünden ihrer steuerhinterziehenden Vätergeneration und ihrer korrupten Eliten büßen müssen. In Irland, in Island, in Spanien, in Portugal müssen Eltern dabei zusehen, wie ihre gut ausgebildeten Kinder ihren Heimatländern den Rücken kehren, weil sie zu Hause keinen Arbeitsplatz finden. Und was hatten die Millionen von Arbeitnehmern in den USA, die mit ihren Jobs auch ihre Krankenversicherungen verloren, mit der Börse zu tun? Dass sie zum Hauskauf spottbillige Hypotheken aufnahmen, wird ihnen jetzt von denen vorgeworfen, die sie ihnen angedreht hatten.

Bürger überall auf der Welt, die noch nie eine Aktie erworben, noch nie ein Zertifikat angefasst haben, müssen dafür geradestehen, dass ein paar entfesselte Spieler unter den Augen willfähriger oder blinder Politiker ihre Zukunft verwettet haben.

Und die Erfinder des Spieles, die mit Heilslehren wie „Märkte korrigieren sich selbst“ zeitweise den Status von Genies erlangten – was wurde aus denen? Einige wenige prangerten nachträglich die Gier der eigenen Zunft an, andere verblüfften die Medien mit der Ankündigung, ein ganzes Jahr lang für ein Gehalt von einem Dollar zu arbeiten – ein Dollar im Jahr, das muss man sich leisten können! Wiederum andere, zum Beispiel der Chef der Megabank Goldman Sachs, richteten ein großes Essen für die Armen New Yorks aus, bei dem die Topbanker als Kellner dienten und anschließend sogar den Müll beseitigten.

Aber inzwischen hat sich die Branche prächtig erholt. Vertreter von Hedgefonds erzählen den Schülern in britischen Schulen, dass sie „nach wenigen Jahren härtester Arbeit und einem Sklavenjob“ mit 32 Jahren zu den Bankern gehören könnten, „die jedes Jahr mehr als eine Million einstreichen“. Die Großbanken haben ihrer Kundschaft im Jahr 2010 noch größere Gewinne beschert als die berüchtigten Hedgefonds und haben sich prompt neue Höchstgagen genehmigt. Der Durchschnittsverdienst sämtlicher Mitarbeiter von Goldman Sachs betrug im Jahre 2010 rund 430 000 Dollar – und die Kultur der Bonuszahlungen blüht so kräftig wie eh und je.

Lesen Sie im nächsten Teil, wie ein 28-jähriger Trader von Goldman Sachs, der vor seiner Geliebten prahlen wollte, die Scharmlosigkeit seiner Abzockmethoden offenbarte.

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Eine hervorragende Beschreibung der Zustände. Es liest sich fast wie ein Krimi!
Nun fehlt noch die Beschreibung der üblen Schuldenolitik der Staaten.
Und was machen wir nun? Oder mit LENIN: "Was tun?".
Auch nach der Zerschlagung
der Großbanken - wenn sie denn gelingen sollte - bleiben ja die gigantischen Schulden.

  • Antworten
Wolfram Wiesel20.04.2011 | 00:00 Uhr

Menschen, die kein Gewissen haben, heißen Soziopathen. In Deutschland haben sie sogar eine eigene Partei: die Mövenpicker.

  • Antworten
frei20.04.2011 | 00:00 Uhr

Die Krisenbilanz der Banker

Die Welt versucht in kleinen ungeeigneten Schrittchen Figuren wie Muamar El Gadhafi oder Baschir El Assad aus ihren Ämtern zu schießen, warum eigentlich? Diese verbrecherischen Despoten benehmen sich nicht wirklich anders als die die Finanzstrategen unserer Großbanken. Ihnen sind die Hungertote, die aus ihren Nahrungsmittelspekulationen entstehen genauso gleichgültig, wie die der finanzielle Ruin von ganzen Staaten oder weiter Teile der Bevölkerung. „Sollen sie doch Kuchen essen, wenn kein Brot mehr da ist“. So verstehen diese asozialen Schmarotzer die gesellschaftlichen Zusammenhänge. Gut, eine Marie Antoinette wurde ein soziales Bewußtsein ebenso wenig in die Wiege gelegt, wie ein Verständnis für Gerechtigkeit oder Verantwortung. Unter Fair Play verstehen diese Egomanen bestenfalls ein sportliches Motto, gewiß nicht irgendetwas, das ihr Berufsethos beträfe. Die Gesellschaft befördert solchen Irrsinn, da sich bürgerlicher Status nicht nach Honorigkeit sondern nach dem prallgefüllten Geldsack bemißt. Wie soll also ein junger Börsenspekulant die Amoralität seines Handelns entdecken, wenn er jährlich mit einer größeren Yacht und einem weiteren Ferrari doch für sein Wirken belohnt wird.

Kritisch wird es leider wenn die Politik sich nicht in der Lage sieht, den Mißständen Einhalt zu gebieten, wenn sie, trotz der spätestens durch die Finanzkrise aufgedeckten Risiken für individuelle Wirtschaftssituationen sowie für ganze Volkswirtschaften, keine Maßnahmen einleitet die den kriminellen Mißbrauch stoppen. 1789 bleibt der hungernden und ausgezehrten Bevölkerung keine Wahl mehr. Die Massenverelendung gebar als einzig brauchbaren Ausweg:„à la lanterne“, da über Vernunft und eigene Einsichten beim despotischen Adel keine Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen mehr zu erwarten war. Das unerträgliche Geschrei des heutigen Finanzadels, nach vorgeblich eigenen Rechten, ihrem, in ihren Augen gottgewolltem Tun, ihre Unersättlichkeit und eben ihrer verheerenden Einflüsse auf Staaten und Gesellschaften zwingt womöglich wieder zu drastischeren Eingriffen als bloßen Ermahnungen und Kopfschütteln.

  • Antworten
Armin Baumann21.04.2011 | 00:00 Uhr

Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert, das war bisher so und wird gerade unter dieser Regierung nicht besser. Der Schlüssel ist das Haftungsrisiko, das allein solche obszönen Gehälter rechtfertigen kann. Vorschlag: Bei jeder Bank, die too big to fail wird, haften, wenn derr Staat sie retten muss, automatisch alle Vorstands- und Aufsichtsratmitglieder wie jeder ordentliche Kaufmann unbeschränkt und verschuldensunabhängig mit ihrem Privatvermögen, und der Staat nimmt Regress.

  • Antworten
Dr. H. Krull22.04.2011 | 00:00 Uhr

Alle Systeme brechen einmal zusammen. Es ist immer die Gier des Menschen.

  • Antworten
hartmut.nitsch22.04.2011 | 00:00 Uhr

Der übliche verschwörungstheoretische Unsinn ohne jegliche Einsicht in die wirklichen Quellen und Zusammenhänge der Finanzkrise. Nichts von Ludwig von Mises, nichts von Friedrich A. Hayek, von der österreichischen Schule der Nationalökonomie gehört, geschweige denn gelesen.

  • Antworten
Karl Graber22.04.2011 | 00:00 Uhr

@Karl Graber: "Nichts von Ludwig von Mises, nichts von Friedrich A. Hayek, von der österreichischen Schule der Nationalökonomie gehört, geschweige denn gelesen."

Diese Leute gehören mit zu den Ursachen der heutigen Probleme. Finanzmärkte sind ja eben gerade nicht die Märkte, die die oben genannten Genies voraussetzten.

Empfehlenswert auch Herrmann Broch: „Das Gehirn des modernen Menschen ist ökonomisch verseucht“. (Massenwahntheorie. 1939 bis 1948. 3. Teil, Kapitel 5.8. (Totalwirtschaft und Totalversklavung)

Irgendwie sieht unsere Lernkurve seit 1948 doch ziemlich flach aus.

  • Antworten
Götz Kluge23.04.2011 | 00:00 Uhr

Erpressung lohnt sich doch, sagt Peter Schneider und meint mit Erpresser die im Bankensektor agierenden Großbanken, insbesondere deren Investmentbanker und als Erpresste den Steuerzahler im Verein mit dem politischen Establishment. Mit - es lohne sich - meint er wohl, dass der Erpresser vom Erpressten das bekommt was er haben will und trotzdem straffrei ausgeht und alle wieder so weitermachen dürfen wie vorher. Ein neues Spiel, sozusagen ohne Risiko, weil der Steuerzahler im Ernstfall für den finanziellen Chrash haftet. Mag sein, dass es so ist.

Nun gehört zum Erpressen eine gewisse Wehrlosigkeit des Opfers gegenüber dem Erpresser. Diese Wehrlosigkeit muß aber erst einmal herbeigeführt werden muß. Denn ohne sie ist der Erpresser machtlos. Der einfachste Weg Menschen zu erpressen und sie so zu einem Tun oder Lassen zu bewegen, ist, sie über ihre finanziellen Verhältnisse leben zu lassen. Diese Schwäche sich zu verschulden um möglichst schnell an begehrte Annehmlichkeit zu kommen ist zutiefst menschlich. Sie fordert die Menschen immer wieder offen oder unterschwellig dazu auf mehr Geld auszugeben als sie haben. Schulden öffnen die Türen, zumindest temporär, zu einem höheren Lebenstand: Urlaub, Haushalteinrichtung, Auto, Häuser, Kleidung, Aktienkauf, etc. etc. etc. alles auf Pump. So lässt sich leben bis zur Wehrlosigkeit.

Und was für den Einzelnen gilt, gilt insbesondere auch für den oder die Staaten. Staatsverschuldung heißt das Zauberwort. Damit finanziert der die Regierung bei Strafe ihres eigenen Untergangs weiter Annehmlichkeiten ihrer Bürger, obwohl auch sie nur das verteilen dürfte, was sie über Steuern einnimmt. Verschuldet sie sich darüber hinaus ist sie selber ein Spekulant, der darauf hofft, dass er den Kapitaldienst über eine Angebotssteigerung wieder hereinbekommt. Damit macht sich die Regierung selber zum Objekt der Spekulation. Das führt dazu, dass der unbedarfte Beobachter das was er Sozialprodukt nennt, in Wirklichkeit nicht erfüllte Zahlungsverpflichtungen sind oder prosaisch ausgedrückt Privat- oder Staatschulden.

Wer erpresst jetzt wen und für wen lohnt es sich, das ist die Frage? Ist es der Steuerzahler, der von die Regierung mehr will als die Regierung über eingenommene Steuern verteilen kann und im Falle des Nachgebens in eine höher Staatsverschuldung getrieben wird oder die Banken, die dieses Verhalten letztendlich kreditieren und somit den Staat zu einer Beute machen, die man nach Belieben zu einem Tun oder lassen zwingen kann und so letztlich auf den Staatsbankrott spekulieren lässt? Hier scheint mir, dass ein Wolf dem anderen Wolf vorwirft, dass er sich wie ein Wolf benimmt.

  • Antworten
Heinz Pelzer26.04.2011 | 00:00 Uhr

Die Gagen von Goldmann Sachs als Durchschnittseinkommen aller Beschäftigten - vom Manager bis zum Portier - darzustellen verzerrt die Einkommensschere. Es wäre daher das Medianeinkommen darzustellen. Dann sieht man eher die wirkliche Verteilung.

  • Antworten
Walter Mitterbauer04.05.2011 | 00:00 Uhr

Die Zahl der Arbeitslosen sinkt unter dreieinhalb Millionen? Man müsste eher fragen wie viele Menschen in Deutschland in der Lage sind von ihrer Arbeit ohne staatliche Subventionen zu (über)leben und mit ihrer Kaufkraft zum wirtschaftlichen Wachstum beizutragen. Diese Zahl sollte um das doppelte höher angesetzt sein als die angeblichen drei Millionen. Wenn uns die Bundesregierung diese Entwicklung als Aufschwung verkaufen will hat dies etwas von spät-sozialistischen Durchhalteparolen. Und zu den Banken: wenn wir die Regeln der freien Marktwirtschaft bis zur letzten Konsequenz eingehalten hätten, wären diese Versager heute vom Finanzmarkt verschwunden, ein Ende mit Schrecken statt ein Schrecken ohne Ende.

  • Antworten
Betoneber06.05.2011 | 00:00 Uhr

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