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Die Schweiz: Ein Zukunftsmodell für Europa
von David Harnasch

Auch dieses Jahr werden voraussichtlich ca. dreißigtausend hochqualifizierte und motivierte Deutsche in die Schweiz übersiedeln. Nicht, weil sie ihrem Schwarzgeld nahe sein wollen, sondern, weil sie dort ihre Zukunft sehen. Zu recht, denn die eidgenössische Staatsform ist auf Dauer allen europäischen haushoch überlegen.

Zur Gegenrede: Die Schweiz am Ende: Wilhelm Tells Apfel fault von innen

Das Bankgeheimnis ist nicht der Grund für den enormen Wohlstand der Schweiz, sondern ein Ausdruck ihres Selbstverständnisses. Entsprechend kassierte das Bundesgericht grade eine Einigung zwischen den Regierungen der Vereinigten Staaten und der Schweiz über die Lieferung von UBS-Kundendaten an die USA. Ein Staat, der sich als devoter Diener seiner Steuerbürger versteht, ist grade für jene festangestellten Leistungsträger attraktiv, die ohnehin keine nennenswerten Möglichkeiten zur Steuerhinterziehung haben. In Zürich verdient ein Assistenzarzt das doppelte bei halbem Steuersatz – wohlgemerkt gegenüber Stuttgart. Für eine Hotelfachfrau aus Thüringen fällt die Rechnung noch dramatischer aus. Gleichzeitig sind die Straßen sauberer als in Böblingen, die Schulen besser ausgestattet als in München und selbst die Sozialhilfe auf einem Niveau, das deutsche Geringverdiener mit Arbeit niemals erreichen können.

Und dieser Trend verstärkt sich selbst: Je produktiver der Einzelne seine Talente entfalten kann, desto geringer muss der Staat dessen Einkommen belasten, um seinen Aufgaben gerecht werden zu können. Dementsprechend zieht die Schweiz genau die an, die auf dem Deutschen Arbeitsmarkt am dringendsten gebraucht würden: Ingenieure, Chemiker, Ärzte, Facharbeiter. Zurück bleibt der doofe Rest. Nestlé, und Novartis sind ebenso wenig wegen der komfortablen Schwarzgeldanlage erfolgreich, wie USM Haller, die IWC oder Rolex. Die Eidgenössische Technische Hochschule bietet keine Bargeldkoffer sondern exzellente Forschungs- und Lehrbedingungen. Die Schweizer wissen, was sie an ihren Gastarbeitern haben: In keinem Land Europas leben prozentual mehr Ausländer, doch populistische Schlagzeilen vermochten nichts an der Gastfreundschaft der überwältigenden Mehrheit der Eidgenossen zu ändern.

Von der Schweiz als Niedrigsteuerinsel inmitten Europas profitieren auch jene EU-Bürger, die nicht dorthin ziehen können oder wollen: So lange wenigstens ein Land in Steuerkonkurrenz zum Rest des Kontinents steht und niemand die Absicht hat, eine Mauer zu bauen, können dessen Regierungen ihre Bürger nicht völlig nach Gutdünken zu Tode besteuern.
Gelegentlich bestehlen offenbar auch Schweizer Banker ihre Arbeitgeber im Auftrag der Bundesregierung. Die UBS wird sich aus eigenen Mitteln beim US-Fiskus freikaufen müssen. Beides ändert nichts daran, dass die viersprachige, multiethnische und tatsächlich föderalistische Schweiz das erfolgreich erprobte Modell für ein zukunftsfähiges Europa ist.


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Leserkommentare
Andreas Volkart (Steinmaur) 15.05.2010
Tja, liebes Cicero-Team ! Das mit der Schweiz ist alles richtig und gut, aber ihr vergesst eben aber auch, dass Deutschland gar kein "Staat" ist, und "Deutsch" keine Nationalität ! Darum ist e eidgenössische Staatsform ist die Schweizer Staatsform auf Dauer allen europäischen (ausser dem BRD-Pseudostaat, weil dieser keiner ist) haushoch überlegen.
https://www.mosquito-verlag.de/Buecher/Verschwoerung/Deutschland-Protokoll
Alfons Warschburger (Achern) 10.02.2010
Vielen Dank für diesen Beitrag. Er spricht mir voll aus dem Herzen. Während alle inzwischen mit Schadenfreude den Kriminellen mit geklauten Daten von Steuersündern Beifall klatschen und dem Klischee des "Sozialneids" entsprechen, das Leute aus aller Welt bei den Deutschen negativ auffällt, wird hier nüchtern und mit korrekten Fakten auf die eigentlichen Stärken der Schweiz hingewiesen. Nach einigen Jahren der Projekt-Tätigkeit beim südlichen Nachbarn kann ich das Anliegen der Schweizer Bürger gut verstehen, zumal sie auch außerhalb der Banken-Szene recht gut von ihren demokratisch erstellten Regeln leben. Davon kann Deutschland eigentlich nur träumen !
Christian Goeze (Demmin) 10.02.2010
Allerdings braucht man in der Schweiz auch ein doppeltes Gehalt und geringere Steuern, um sich die überhaus hohen Lebenshaltungskosten, wie Miete und Lebensmittel leisten zu können.
Claus (Hamburg) 10.02.2010
Dem Gerry nach Zürich sei gesagt - es ist beschämend immer dahin zugehen ow man sich die Rosinen auspicken kann - die Schweiz wird nicht nur die Minarette verbieten die Zukunft wird zeigen was sie noch mit den deutschen Schmarotzern vorhat! Die Schweiz will sich nur als Nation erhalten - und das ist legitim. Diese Land mit "Sack und Pack" zu überrennen ist nicht legitim!
Gerry (Zürich) 09.02.2010
Was nervt, ist diese ewige Rumheulerei wie Scheisse doch alles in Deutschland ist plus dieses andauernde, fatalistische Untergangsgesäusel. Allein schon aus diesem Grund bin mit Sack und Pack nach Zürich. Von den arbeitstechnischen Rahmenbedingungen und der Stadt selbst mal ganz zu schweigen. Deshalb meine Bitte an meine Landsleute: heult euch weiter die Taschen voll aber bleibt wo ihr seit! DANKE!
H. Brunner (Winterthur, Schweiz) 08.02.2010
Herzlichen Dank für diesen überaus positiven Artikel über die Schweiz.
Aber wir alle wissen: es ist nicht alles Gold, was glänzt - manches ist nur verchromt, obwohl, verchromt ist ja auch recht hübsch.
Dass der Schweizer Staat ein Vorbild sei für die EU, naja, das muss nicht sein.
Man wäre schon froh, wenn man vom mächtigen Nachbarn nicht immer wieder an die Wand gedrückt würde.

Das Verhältnis zwischen dem Schweizer und dem Staat - gerade jetzt, in diesen Zeiten, wird einmal mehr deutlich, wie wenig die Deutschen dieses Verhältnis verstehen und begreifen können.
In der Schweiz wäre es zum Beispiel undenkbar, dass eine Vereinbarung im Stile des Lissabonner Vertrages ohne Befragung des Volkes eingegangen werden könnte. Und sollten die führenden Politiker dies dennoch versuchen, ein Referendum käme wohl innert Monatsfrist zustande.

Stichwort Staatsquote: der Schweizer will staatliche leistungsfähige Institutionen (manche etwas mehr, andere etwas weniger), aber er ist nicht bereit, dafür jeden Preis (in Form von Steuern) zu bezahlen. Einen ausufernden Staatsapparat wie auch eine Umverteilungsmaschine dieses Ausmasses würden die meisten Schweizer nicht akzeptieren. Und da sie dank der direkten Demokratie hier sehr viel mitzureden haben,
Stichwort Bankgeheimnis: Die meisten Schweizer mögen es nicht, wenn der Staat alles über sie weiss. Sie sagen dem Staat (mehr oder weniger), was er wissen muss, um funktionieren zu können, aber den Rest, und dazu gehören insbesondere die Bankdaten, darf der Staat nur wissen, wenn der Schweizer es dem Staat sagt. Das funktioniert denn auch recht gut, besonders darum, weil von den Zinsen 30% Quellensteuer abgezogen wird, welche bei Deklaration rückvergütet werden.

Nun sollte man aber nicht meinen, der Schweizer würde jeden Tag über die Schweiz, seine Staatsdiener (welche nicht nur in der Schweiz gar keine Diener, sondern oft Läuse im Pelz der Bürgr sind) und seine Steuern jubilieren, keineswegs.
Man nimmt es brummend hin und schaut und hofft, dass es nicht schlimmer kommt.
Peter Stefani (CH-Pfäffikon) 08.02.2010
Genau so ist es - einmal durch die Brille eines Deutschen Journalisten gesehen. Der immer wiederkehrende Vorwurf die Schweiz sei lediglich durch und dank ihren Banken zum Reichtum gekommen ist absurd. Die Banken haben am gesamtwirtschaftlichen Aufkommen der Schweiz lediglich einen Anteil von ca. 13%. Im Unterschied zu den umliegenden Ländern wird in der Schweiz die Regeirung durch das Volk dominiert und nicht das Volk durch die Regiereung. Das überaus demokratsiche und föderialistische Prinzip das die Schweiz prägt ist ein seit Jahrzehnten bewährtes absolutes Erfolgsmodell. Die Aussagen betreffend der vielen deutschen "Wirtschaftsflüchtlinge" die bis zum heutigen Tag heute in die Schweiz strömen - allein in den Kanton Zürich sind es monatlich fast 2000 Meschen aus Deutschland (ein mittleres Dorf), zeugt davon, dass es sich in der Schweiz besser Leben läst als in Deutschland. Auch in der Unternehmung in der ich tätig bin, - keine Bank - beschäftigen wir immer mehr Deutsche - die notabene auch zufrieden sind hier zu sein. Der Tenor ist fast immer derselbe, "hier verdienen wir das Doppelte, und zahlen die Hälfte an Steuern" inkl. der Sozialabgaben. Die Gesellschaften um die Schweiz herum sind heute zu "Neidgesellschaften" mutiert. Und sie sind versucht, Geld bei denen zu holen, die es angeblich haben. Den gläsernen Menschen wird es bei uns in der Schweiz niemals geben, das wird der Souverän, also das Volk nicht zulassen!
pete.jackson (Berlin) 08.02.2010
Die Schweiz ist ein reiches Land; das ist ungefähr der Inhalt des Artikels.

So kann z.B. ein Michael Schumacher einen persönlichen Steuersatz in der Schweiz aushandeln. Eine großartige Idee: Je mehr Geld jemand besitzt, desto mehr Einfluss auf staatliche Einrichtungen. Bravo, Schweiz! Ein Zukunftsmodell auch für uns.

Wer Geld hat, ist willkommen, heute auch noch der, der gute Bildung hat (für die freilich andere Länder gezahlt haben). Sicher, das erzeugt Konkurrenzdruck... und das ist ja immer gut!

Geopolitisch ist die Schweiz neutral. Das hat ihr nie geschadet, könnte man meinen. Sie verwaltet lieber die Gelder der Täter und Opfer; das ist überzeugend konsequent. Glücklicherweise ist sie von Freunden umzingelt und daher nie in Verlegenheit, Stellung beziehen zu müssen.

Die Schweiz hat vielerlei Vorzüge, davon bin ich überzeugt, aber ein Zukunftsmodell kann sie nicht sein. So sympathisch einem die kleine Alpenrepublik auch sein mag.
Wolfram Wiesel (D-51503 Rösrath) 07.02.2010
In wenigen Monaten werden in Deutschland genau so viele Menschen "erwerbstätig" sein
wie Menschen Empfänger staatlicher Leistungen sein werden.
Wenn es nun jetzt noch gelingt
ca. 100 000 junge, gut qualifizierte Deutsche im Alter zwischen 20 und 40 Jahren zum dauerhaften 'auswandern' zu bringen, dann haben wir 2030, wenn die geburtenstarken Jhrgänge alle
"in Rente sind", ca. 2 Millionen leistungsfähige Deutsche weniger in Deutschland. Gleichzeitig haben wir dann ca. 25 Millionen Rentner. Davon werden ca. 4 Millionen Pflegefälle sein. Davon wiederum wird die Hälfte, ca. 2 Millionen 'dement' sein.
Aber welcher verantwortliche Politiker will das schon wissen und gar darüber öffentlich reden.? Wir werden dann vermutlich auch nicht mehr über geklaute Informationen und über Steuersünder in der Schweiz reden.
Jungen, gut qualifizierten Deutschen, vor allem wenn sie ein naturwissenschaftliches Studiium erfolgreich absolviert haben, kann man nur empfehlen: "Haut rechtfzeitg ab, bevor der Deutsche Staat die Ausreise mit einer "Reichsfluchtsteuer" belegt.
Guido Majewski (Hanover) 07.02.2010
Wir sollten uns auf die im Artikel angesprochen Leistungen der Schweiz konzentrieren anstatt uns in Vorurteilen gegen die Schweiz zu suhlen. Warum zieht es so viele Deutsche zum arbeiten und studieren in die Schweiz? Die im Artikel angesprochenen Punkte werden in der politischen Debatte komplett ausgeblendet.

Und ausserdem jeder einzelne sollte sich die Frage stellen ob er es nicht begrüssen würde wenn seine Bank nicht an jeden Dahergelaufenen Daten weitergibt. Man sollte sich nicht irren: das Schweizer System fusst in den meisten Fällen auf dem erklärten Willen des Schweizer Volkes. Die Schweizer werden unter solchen Bedingungen nicht wirklich erkennen können was der Vorteil an Europa ist wenn Länder die ein freiheitliches System seit Jahrhunderten pflegen von den Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten dauer-schikaniert werden. Die Schweizer Staats- und Wirtschaftform hat sich im Gegensatz zur deutschen historisch als absolut nachhaltig erwiesen. Deshalb ist nicht erkennbar warum die Schweiz am Ende sein sollte.
Tim S. (Bonn) 07.02.2010
Der letzte Satz ist besonders interessant und da stimme ich auch zu.
Interessant wäre zu wissen, wie man das in Deutschland bzw. Europa umsetzen könnte.
Karl Fritz (Linsengericht) 07.02.2010
Das ist wiedermal ein typischer Kurzdenker-Artikel à la Harnasch. Recherche? Fehlanzeige. Analyse? Fehlanzeige. Statt dessen: eine Aneinenaderreihung von Klischees und dazu ein schöner Deppenapostroph gleich im ersten Satz. Bravo.
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David Harnasch
David Harnasch lebt in Berlin und Freiburg. Er kontempliert über Politik, Kultur und Wirtschaft und ist Mitglied im publizistischen Netzwerk „Die Achse des Guten“.


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