Cicero Startseite | Twitter | Kontakt | RSS-Feed | Als Startseite festlegen
 Anzeige
druckenIhre MeinungArtikel versenden
Rast die Erde tatsächlich auf die Klimakatastrophe zu?
zoom
Die Klima-Hysterie
von Michael Miersch

Die Menschheit steht unmittelbar vor einer Klimakatastrophe. So lautet der Konsens.

Tatort: Ein Supermarkt in Sachsen. Familie Martin erwirbt Lebensmittel für vierzig Euro, von denen sich die fünfköpfige Familie drei Tage lang ernähren möchte. Doch die Martins freuen sich zu früh über den günstigen Einkauf. Denn da kommt Klimakommissarin Kati Ehlert und kontrolliert ihren Wagen. Spargel, Rindfleisch und Milch gefährden das Weltklima, belehrt sie die verdatterte Familie. „Was gleich ins Auge sticht, ist der Spargel“, erläutert Ehlerts Gutachter, „der ist aus Peru, der ist mit dem Flugzeug gekommen.“

Das fahrlässige Einkaufsverhalten der Martins entspricht einer ­CO2-­Emission von unglaublichen 37 Kilo, was die Klimakommissarin mit einem Stapel aus 37 Tüten Mehl deutlich macht. Dennoch kommen die Missetäter noch mal ungeschoren davon, denn es sind ja keine echten Polizisten, die den Einkaufswagen kontrollieren, sondern nur Mitarbeiter der Sendung „exakt“ des Mitteldeutschen Rundfunks. Die Klimakontrolle ist nur eine pädagogische Fernsehfiktion – aber hart an der deutschen Realität im warmen Frühling 2007. Einkaufen, wohnen, reisen: demnächst nur noch unter Klimavorbehalt? Schließlich geht es ums Ganze.

Der Hamburger Oberbürgermeister bezahlt Schülern den Besuch von Al Gores Doku-Thriller „Eine unbequeme Wahrheit“. Umweltminister Sigmar Gabriel kauft gleich 6000 DVDs und lässt sie kostenlos an Schulen verteilen. An bayerischen Gymnasien führen Aktivisten von „Germanwatch“ ihre Roadshow „Klimaexpedition“ vor – gesponsert von der Münchner Rückversicherung.

Um die letzten Ungläubigen am emotionalen Schlafittchen zu packen, greift das öffentlich-rechtliche Fernsehen schon mal auf bewährte Agitationsmittel von einst zurück: Kinder als Botschafter der Rettung. Die zwölfjährige Carla Zeller sprach einen „Tagesthemen“-Kommentar und warnte mit kindlichem Ernst, „dass halb Deutschland überschwemmt wird und auf den Feldern nichts mehr wächst…“

Wirkungsmächtiger noch als die Klimakommissarin und Clara zusammen ist jedoch ein anderer: der kleine Eisbär Knut. Der weiß zwar nicht, was ihm geschieht, aber gerade das macht ihn zum idealen Diener der großen Sache. Knut, als Kuscheltier der Apokalypse zusammen mit Leonardo DiCaprio auf dem Cover der amerikanischen Vanity Fair. Knut demnächst als globaler Klima-Engel in einem Kinderbuch des amerikanischen Harry-Potter-Verlages „Scholastic“, der sich die Rechte am Berliner Eisbären sicherte. Die Macht der Bilder erschlägt jeden Zweifel. Der weiße Bär auf schmelzender Scholle wurde zur globalen Ikone. Dass die Spezies Eisbär in ihrer Entwicklung schon mehrere erdgeschichtliche Warmzeiten unbeschadet überstanden hat, tut da nichts mehr zur Sache. Auch dass ihr Bestand im vergangenen halben Jahrhundert von circa 5000 auf 25000 wuchs, ist ein lästiges Detail. Die Eisbären sterben aus! Schuld ist die Klimaerwärmung! Basta!

Die ganz große Koalition aus Greenpeace und Bild-Zeitung hat es so beschlossen, und alle freuen sich: Hurra, wir retten die Welt! Lidl-Supermärkte helfen mit, indem sie dem Greenpeace-Magazin einen Großteil der Auflage zum Festpreis abnehmen (unabhängig davon, wie viele Hefte verkauft werden). Banken und Börsen freuen sich über den Handel mit Emissionsrechten. Rückversicherungen freuen sich auch, denn die gefühlte Zunahme von Unwettern treibt die Preise der Policen hoch. Und sogar die ewig murrenden Bauern freuen sich: Für den Anbau von Biosprit-Pflanzen winken ergiebige Subventionen. Es sprudeln auch die Fördergelder für Klimawissenschaftler. Weltweit flossen in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten zweistellige Milliarden-Dollarbeträge in ihr Forschungsgebiet. Gut angelegtes Geld, denken sich Politiker, die gern als Weltretter posieren. Sie überbieten sich gegenseitig mit Klimaschutzbekenntnissen und mehr oder weniger intelligenten Vorschlägen, wie die Erderwärmung zu stoppen sei. Der Soziologe Ulrich Beck bezeichnete die Klimapolitik treffend als „eine Sinnressource für die delegitimierte und von Vertrauensverlust gezeichnete Politik“. Und das Schönste ist, man kann mit dem Klimaschutz alles rechtfertigen, jedes Verbot, jede Steuererhöhung. Ob es was gebracht hat, stellt sich angenehmerweise erst in hundert Jahren heraus.

Um das Publikum im Alarmzustand zu halten, kann es nie schlimm genug kommen. „Fliegt uns die Erde um die Ohren?“, fragte Bild im Januar 2007 und verkündete im Februar die Antwort: „Unser Planet stirbt! Jetzt amtlich: Erde immer heißer.“ Kurz darauf dann: „Wir haben noch elf Jahre …“ Bild bildet keine Ausnahme: Hörfunk, Fernsehen und die allermeisten anderen Blätter stimmen die gleiche Tonlage an. Wie einst bei Waldsterben, Nachrüstung, Tschernobyl und BSE steigern sich die professionellen Deuter in einen Untergangsrausch, der jeden Zweifel niederwalzt. Der Erfolg ist überwältigend: Ohne Führer und ohne Staatspartei entstehen Meinungsmehrheiten, die SED-Wahlergebnissen gleichen. Beim Thema „Klima“ macht der Pluralismus Pause.

Kaum einer traut sich zu fragen, ob es wirklich seriös ist, das Weltklima für 50 oder 100 Jahre vorherzusagen. Schließlich gelingt dies nicht einmal für die nationale Wirtschaftsentwicklung eines Jahres – obwohl man es dabei mit weitaus weniger Unbekannten zu tun hat. Es ist keine Verschwörung und kein böser Wille, der diese Dampfwalze treibt – eher eine Art Selbstgleichschaltung aus guter Absicht. Doch mit Aufklärung hat es nichts zu tun. Aufklärung würde bedeuten, Zuschauer und Leser in die Lage zu versetzen, selbst abzuwägen und sich ein eigenes Urteil zu bilden. Das Gegenteil geschieht. Moderatoren und Redakteure wiederholen wie ein Mantra den Satz: Es gibt keinen Zweifel mehr, die Diskussion ist beendet. Richtig daran ist: Kein Wissenschaftler bezweifelt, dass die durchschnittliche globale Oberflächentemperatur im 20.Jahrhundert um circa 0,7 Grad Celsius zugenommen hat. Wie groß die Rolle des Kohlendioxids dabei ist, wie stark der Mensch das Klimageschehen beeinflusst und insbesondere wie sicher die Hochrechnungen sind, mit denen die Temperatur der Zukunft vorausgesagt wird, ist nach wie vor wissenschaftlich umstritten. Völlig offen ist auch, ob eine Erwärmung nur Nachteile bringt. Denn in der Vergangenheit waren Warmzeiten stets besonders angenehm für Mensch und Natur. Der warme April in Europa wird zum Desaster erklärt, die äußerst ruhige Hurrikansaison des Herbstes 2006 in Nordamerika war dagegen keine Schlagzeile wert.

Stets richten sich die Mikrofone auf das gleiche halbe Dutzend Wissenschaftler, von denen man die düstersten Prognosen abrufen kann. Beim Waldsterben war es ebenfalls nur eine Handvoll Experten. Alle anderen wurden als Verharmloser denunziert – damals wie heute. Nicht alle Wissenschaftler sind sich einig. Es sind lediglich alle, die von den deutschen Leitmedien gefragt werden. Und die wissen ihre privilegierte Stellung geschickt zu nutzen, um ihre Kollegen zu denunzieren. „Inzwischen erinnern mich die letzten Zweifler an religiöse Fundamentalisten, mit denen man überhaupt keine Debatte mehr führen kann“, sagt Professor Jochem Marotzke vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie. Dass unter diesen „Fundamentalisten“ zahlreiche besonnene und hoch geehrte Wissenschaftler sind, die teilweise an den Berichten der UN-Klimabehörde IPCC (Intergovernmental Panel on Climat Change) mitgearbeitet haben, dürfte Marotzke bekannt sein. Ist der Leibniz-Preisträger Jan Veizer ein Fundamentalist, Henrik Svensmark vom staatlichen dänischen National Space Center, John Christy von der University of Alabama oder Richard S.Lindzen vom Massachusetts Institut of Technology?

Zahlreiche angesehene Klimaforscher zweifeln, weil ihre Messdaten nicht mit der offiziellen Theorie übereinstimmen. Der brachiale Stil, mit dem eine wissenschaftliche These kanonisiert und durchgepeitscht werden soll, irritiert inzwischen auch Anhänger der Mehrheitsmeinung. Zum Beispiel Heinrich Miller, Geophysiker am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. „Übertreibung führt zu Abstumpfung“, sagt er und fordert „mehr Offenheit in der Debatte“. Sein Kollege Hans von Storch vom GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht, der ebenfalls die vorherrschende Theorie teilt, kritisiert: „Wissenschaftler verfallen in einen Eifer, der geradezu an die Ära McCarthy erinnert.“ Bei einer Umfrage unter 530 Klimaforschern in 27 Ländern, die der Soziologe Dennis Bray zusammen mit von Storch durchführte, war jeder Zehnte absolut überzeugt, dass der Klimawandel auf den Menschen zurückzuführen ist, weitere 46 Prozent tendierten zu dieser Meinung. Beim Rest gab es mehr oder weniger starke Zweifel.

Doch diese Zweifel sind im panischen Grundrauschen der Öffentlichkeit kaum zu hören. Und einige Klima-Retter möchten sie am liebsten völlig zum Verstummen bringen. Ihnen genügt es nicht, eine komfortable Mehrheit aus Politik, Wirtschaft und Medien hinter sich zu wissen. Der Sieg im Meinungsstreit soll total sein. Dafür wird im Namen der guten Sache schon mal unter die Gürtellinie geboxt. Wer abweicht, den stellt man in die Nähe der Kohle- und Öllobby und heftet ihm das Etikett „Klimaleugner“ an. Dabei gibt es unter den bekannten kritischen Klimaforschern keinen, der die Verschwendung von Ressourcen und das leichtfertige Verfeuern fossiler Brennstoffe richtig findet.

Auch Jan Veizer, der in Kanada und Deutschland lehrte, und sein Kollege Nir J.Shaviv von der Universität Jerusalem bekamen den Zorn der Linienpolizisten zu spüren, als sie eine Arbeit über den Einfluss der kosmischen Strahlung auf die Erderwärmung in einem Fachblatt veröffentlichten. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimaforschung schickte gemeinsam mit 13 seiner Kollegen ein Pamphlet an die Presse, das die wissenschaftliche Integrität der beiden Forscher in Zweifel zog. Rahmstorf schreibt auch gern Chefredakteure an, wenn in einer Zeitung Kollegen zu Wort kommen, die nicht auf Linie sind. Für ihn und seinen Chef Hans Joachim Schellnhuber ist der Klimawandel die „Feuertaufe für die im Entstehen begriffene Weltgesellschaft“, wie sie in einem Buch darlegen. Beide sind Berater der Bundesregierung.

Nachdem der britische Sender Channel 4 in der Dokumentation „The Great Global Warming Swindle“ mehrere unbotmäßige Klimaforscher zu Wort kommen ließ, schrieb eine Gruppe von 38 Wissenschaftlern aus dem Mehrheitslager an den Sender. Ihre Forderung: Der Film soll nicht als DVD vertrieben werden, solange nicht einige Passagen bereinigt sind. „Jemand muss hier für das Interesse der Öffentlichkeit eintreten“, begründete der Wortführer die Zensurinitiative. Das populäre grüne Internetmagazin „Grist“ aus den USA ging noch einen Schritt weiter. Dort wurde für Zweifler ein Verfahren „im Stil der Nürnberger Prozesse“ gefordert. Und die Berliner taz berichtete hocherfreut über eine Liste mit 31 Namen dissidenter Wissenschaftler, die unter deutschen Klimaforschern kursiere. Es geht nicht mehr um Erkenntnisgewinn und Falsifizierung, sondern um die moralische Lufthoheit.

Doch ob die Untergangspropheten wirklich die Moral für sich gepachtet haben, ist fraglich. Ist es wirklich ethisch, die potenziellen Probleme künftiger Generationen über die konkreten Probleme der heute lebenden Menschen zu stellen? Viele in Afrika, Asien und Lateinamerika leiden unter unsäglichen hygienischen Verhältnissen, verschmutztem Wasser und verschmutzter Luft. Dies ist eine der häufigsten Todesursachen von Kindern. Ihnen könnte geholfen werden, hier und heute, mit einfachen technischen Mitteln: Kläranlagen, Elektrifizierung, billige Medikamente. Die Öffentlichkeit hierzulande sorgt sich indes um die Afrikaner als mögliche Klimaopfer in hundert Jahren.

Und noch ein zweites Dilemma wird langsam deutlich: Klimaschutz, so denken die meisten, sei gleichbedeutend mit Umweltschutz. Ein fataler Irrtum. Wenn alle Mittel in die Klimarettung gepumpt werden, geraten Überfischung, Tropenwaldzerstörung, Luft- und Wasserverschmutzung in Entwicklungsländern aus dem Fokus. Schlimmer noch: Schon heute wird Regenwald gerodet, um Ölpalm- und Zuckerrohrplantagen für Bio-Treibstoffe anzupflanzen. Schon heute demonstrieren Mexikaner gegen hohe Brotpreise, weil der Biospritbedarf des Nordens den Mais verteuert. Die „Klima-über-alles“-Stimmung könnte sich zu einem massiven Umweltproblem auswachsen. Wer rettet die Welt vor den Weltrettern? Knut, hilf!

Michael Miersch ist Publizist und Dokumentarfilmer. Er schrieb mit Dirk Maxeiner Bücher über Wissenschaft und Politik, zuletzt erschien „Schöner Denken“ (Piper)



Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe Juni 2007

» Heftarchiv
» Ausgabe bestellen
» Kostenloses Probeheft


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
Ihr Name  
Ihr Wohnort  
Ihre eMail  
Ihr Kommentar  
    senden
druckenIhre MeinungArtikel versenden
Leserkommentare
Siegfried Niese (Wilsdruff) 20.11.2009
Ganz gleich, ob man an die Erderwärmung oder an eine kommende Eiszeit glaubt. Klima kommt nicht plötzlich, und unsere Vorfahren haben sich auf Klimaveränderung immer eingerichtet. Grönland hat es überstanden, dass das Grünland mit Eis überzogen wurde. Doch unabhängig davon kann man den CO2-Verbrauch mit Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und Ethik verringern. Doch Deutschland ist extrem kurios. Es subventioniert teure Energiequellen, die nicht ständig Energie liefern und wagt nicht, die dazu gehörenden Pumpspeicherwerke zu bauen. Deutschland will aus der preiswerten Kernenergie aussteigen, und lieber den Strom aus den KKWs der Nachbarländer beziehen. Deutschland subventioniert die Überproduktion an großen PKWs, die reichlich CO2 emittieren.
Winfried Fass (Troisdorf) 19.11.2009
Schon immer haben Religionsführer das Paradies, den Himmel, Walhalla oder ähnliches versprochen. Das ist sehr praktisch, denn bisher hat noch keiner nachprüfen können ob das Versprechen eingehalten wurde. Und so kann man mit der Klima-Religion auch die Rettung der Welt versprechen. Nachprüfen können wirds keiner von den jetzt lebenden.

Es könnte aber auch sein, dass je besser das Klima für die Menschen ist, umso mehr Menschen wird es geben. Mehr Menschen die essen, trinken, reisen usw. Wenn dann die Ozeane leer gefischt, die Wälder abgeholzt und das Öl und Gas verbraucht sind, wirds vielleicht dann doch nichts mit dem Paradies.

Unsere Erde ist so schön und vielfältig wie sie ist, weil sie im Laufe ihrer Geschichte eine ganze Reihe von Klimaveränderungen durchgemacht hat, ohne das sie von ach so klugen Menschen daran gehindert werden konnte.

Gehen wir lieber mit den uns jetzt (noch) zur Verfügung stehenden Ressourcen schonender um, damit nachfolgende Generationen auch noch Fische im Ozean vorfinden und Tiere undUrwälder nicht nur aus dem Märchenbuch kennen.
Norbert (Vancouver) 05.10.2007
Sehr geehrter Herr Miersch, vielen Dank für Ihren Artikel. Ich habe mit Genuß Ihren Beitrag gelesen und freue mich auf einen milden Winter. Bestimmt haben sich viele Deutsche auch über den vergangenen Frühling gefreut als sie mit ihren Kindern zum Baden gehen konnten (oder schon wieder vergessen?). Wenn das Eis im hohen Norden weiter zurückgeht und in Grönland die Erdbeeren wachsen wird sich die dortige Bevölkerung bestimmt auch freuen. Warum den diese Weltuntergangstimmung? Machen wir doch das beste daraus und genießen wir die warmen Tage. Überigens habe ich auch Ihren Artikel vom 19. Dezember 2005 über den "Ökologismus als neue Religion der Wohlstands Eliten" genossen und ganz besonders Ihre 10 Gebote des Öko-Glaubens. Es währe schön diese wieder einmal veröffentlicht zu sehen.
Have A Nice Day!
Dr. Wolfgang Meier (Erkelenz) 24.07.2007
Vielen Dank Herr Miersch für diesen wohltuenden Artikel. Als Wissenschaftler kann ich Ihnen nur dafür danken, dass Sie bei einem solch umstrittenen Thema eine Lanze für die Gedanken- und Meinungsfreiheit gebrochen haben. Wie weit die Gleichschaltung in unseren Köpfen beim Thema Umwelt bereits gediehen ist, zeigt m.E. unter anderem auch der Beitrag von Hr. Dappa: In der Wissenschaft reicht eine Gegenposition eben nicht aus, eine These zu verifizieren oder falsifizieren.
Ich finde es höchst bedenklich, wie es eine Minderheit schafft, mit enormen Geldmitteln die "Meinungshoheit" über die Mehrheit zu ergattern. Ich hoffe, es bleiben uns noch genügend kritische Geister erhalten, damit wir in 100 Jahren nicht fragen lassen müssen "Warum habt ihr nichts degegen getan?"
Klaus Simon (Eindhoven) 18.07.2007
Ich finde es hervorragend das dieser Artikel erschienen ist da mich ich öffentlich geführte "Diskussion" schon sehr stark and totalitäre und fundamentalistische Gesellschaften erinnert haben.
Zum Inhalt selber muss ich sagen das wenn man die IPCC Bericht aufmerksam liest man sehen kann das die meisten Wissenschaftler sich der Unsicherheiten sehr wohl bewusst sind und dies in den Texten auch indirekt geäussert wird.
Einen wichtigen Aspekt der in der Diskussion kaum genannt wird ist der Einfluss der Sonnenstrahlungsintensität. Im IPCC Bericht steht klar das die Strahlungsintensität eine geringe Rolle spielt, vorausgestzt unsere gegenwärtigen Annahmen über die Kopplung zwischen Strahlungsintensität und Erdtemperatur stimmen. Gleichzeitig kann man aber am Max Planck Institut für Sonnenforschung nachlesen das es noch viele Unbekannte in dieser Kopplung gibt und das die Sonnen selber - im Vergleich zu anderen Sternen ihrer Kategorie - unverhältnismässig stabil bzw. ruhig ist. In ksomischen Zeiträumen gesehen wissen wir sehr wenig über die Veränderungen die in unser Sonne oder anderen Sternen im prozentbereich ablaufen und eine Veränderung im 1-2% Prozentbereich würde das Erdklima stärker beeinflussen als Autoabgase zusammen.
Mit andernen Worten wir müssen uns bewusst sein das wir noch rechtig wenig über klimatische Interaktionen wissen und deshalb mit starken Sprüchen oder klaren Handlungsvorschriften vorsichtig sein sollten.
Alexander Dappa (Pfungstadt) 08.07.2007
Michael Miersch zeichnet in seinem Artikel ein Bild von der öffentlichen Debatte über den Klimawandel, das in höchstem Maße verzerrt und irreführend ist. Besonders deutlich wird das an einigen Stellen:

Da ist zuerst einmal der vorhersehbare Verweis auf die Bild-Zeitung, die Miersch geschickt als den Bannerträger des Klimaschutzes darzustellen versucht und diesen damit diskreditiert. Dass auch Autoren in hoch angesehenen Magazinen wie dem Spektrum der Wissenschaft und dem Scientific American nachdrücklich Anliegen des Klimaschutzes vertreten, erwähnt er dagegen nicht.

Noch schlimmer wird es, als er versucht, die wissenschaftliche Fachdebatte zu beschreiben, Zitat:

„Wie groß die Rolle des Kohlendioxids dabei ist, wie stark der Mensch das Klimageschehen beeinflusst und insbesondere wie sicher die Hochrechnungen sind, mit denen die Temperatur der Zukunft vorausgesagt wird, ist nach wie vor wissenschaftlich umstritten.“

Jedem, der sich die Mühe gemacht hat, sich etwas sorgfältiger über den aktuellen Forschungsstand zu informieren, müssen sich bei diesem Satz die Haare sträuben. Der Wissenschaftsjournalist Dr. Henning Engeln beschreibt in der Ausgabe von GEO Kompakt „Wetter und Klima“ (S. 95/96), wie auf die Kritik von Klimawandel-Skeptikern hin nicht menschlich beeinflusste Faktoren wie die Sonneneinstrahlung stärker in wissenschaftliche Berechnungen einbezogen wurden. Und diese zeigten trotzdem eindeutig: Der Mensch und der von ihm verursachte Kohlendioxid-Ausstoß sind ganz klar die Hauptursache der globalen Erwärmung. Und Mierschs Verweis auf frühere Warmzeiten, die „stets besonders angenehm für Mensch und Natur“ gewesen seien, unterschlägt, dass die derzeitige Konzentration an CO2 in der Erdatmosphäre höher ist als in den vergangenen 420.000 Jahren. Besonders angenehm wird das wohl kaum werden.

Irreführend ist auch, was Miersch über „dissidente“ Wissenschaftlern zu sagen hat: Erstens ist ihr Anteil bei weitem nicht groß, wie seine Aufzählung suggerieren möchte. Und zweitens ist es durchaus angebracht, deren Intentionen zu hinterfragen, wenn etwa der von Miersch bemühte John Christy für das wirtschaftsnahe Cato Institute arbeitet und von diesem tatkräftig unterstützt wird. Überhaupt ist es auffällig, dass gerade solche „dissidenten“ Wissenschaftler in der öffentlichen Dabatte viel präsenter sind, als es ihrer geringen Zahl nach zu erwarten wäre. Ich persönlich kenne keine andere Forschungsdebatte, in der Minderheitenmeinungen so stark von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden wie hier. Es ist also gerade anders herum, als Miersch es darstellt.

Äußerst aufschlussreich ist es dagegen, wenn man einen Blick in Mierschs Buch „Die Zukunft und ihre Feinde“ wirft (der Titel offensichtlich eine Anspielung auf Popper). In diesem Buch wirft Miersch tatsächlich Globalisierungskritiker in einen Topf mit Rechtsradikalen, ebenso Greenpeace mit der katholischen Kirche und altbackene Konservative mit linken Verfechtern von sozialer Gerechtigkeit - und bezeichnet diese zusammen dann alle pauschalisierend als Feinde der Technik und des Fortschritts – ohne überhaupt eindeutig zu bestimmen, was denn nun alles unter dem diffusen Begriff von „Fortschritt“ subsumiert werden kann. Angesichts eines derart naiven und primitiven Verständnisses von Fortschritt scheint Mierschs Auftreten in diesem Artikel als ein angeblicher Experte, der aus vermeintlich tieferer Sachkenntnis heraus die Wahrnehmung der Öffentlichkeit korrigieren möchte, nicht gerade glaubwürdig.
siegfried sommer (mannheim) 05.07.2007
Lieber Herr Miersch,

hier ist jemand der sicher die Welt rettet:

Nur mit Nuklearenergie lassen sich die CO2-Emissionen entscheidend verringern.

Sie ist die einzige Form der Stromerzeugung, die als solche keine Bedrohung des internationalen Friedens und der inneren Sicherheit darstellt. Sie ist als Folge ihrer nicht vorhandenen Gefahren und der nicht vorhandenen Geheimhaltung, die sie unweigerlich wegen ihrer Zusammenhänge mit Atomwaffen nicht umgibt, die einzige Form der Stromerzeugung, die als solche keine Bedrohung der individuellen Freiheiten darstellt.

Da die Kernkraft tatsächlich einen nennenswerten Beitrag zur Reduktion der CO2-Emissionen bis 2075 leisten kann, müssten AKWs ein Drittel des benötigten Stroms produzieren. Dazu müssten bis 2075 zwischen 2000 und 2500 AKWs gebaut werden. Das hieße, dass ab jetzt drei neue AKWs in jedem Monat ans Netz gehen müssten - auch in zahlreichen politisch instabilen Ländern wie Bangladesch, Kongo, Indonesien, Nigeria oder Pakistan. In den letzten Jahrzehnten wurden weltweit durchschnittlich 3,4 AKWs pro Jahr gebaut. Wir sind also heute schon in der Lage den Beweis zu erbringen, dass Kernkraft die Emmisionen senken wird!

Es wird auch nicht sehr viel mehr nukleares Material vorhanden sein, aus dem sich Atombomben machen ließe, wodurch auch das Risiko von Anschlägen mit schmutzigen oder nuklearen Bomben nicht sehr erheblich steigen würde. Es ist vernachlässigbar wenn nach Ansicht der Nuklearindustrie bis 2075 der Großteil des mit Atomenergie produzierten Stroms von schnellen Brütern kommen sollte, dann würden die Plutoniumvorräte halt auf 4000 Tonnen ansteigen.

Es ist auch albern darauf hin zu weisen, es gebe bereits im zivilen Sektor 215 Tonnen waffenfähigen Plutoniums, im militärischen Sektor seien es 250 Tonnen. Allein in Frankreich, Russland, Großbritannien und Japan würden die Plutoniumvorräte bis 2015 um weitere 125 Tonnen anwachsen. Was machen wir bloß mit dem hochgiftigen Plutonium? den Müll schicken wir einfach an Herrn Weimer, Problem gelöst, denn der weiß schon was damit zu machen ist? Was Herr Weimer?

Wir sind in der Lage alle Energie aus der Kernkraft zu liefern. Dabei ist nebensächlich, dass der Geschäftsführer der Urenco GmbH, Joachim Ohnemus (Gutachter der Atomlobby), die Zahlen der Greenpeace-Studie nur bestätigen konnte und ansonsten auf das Prinzip Hoffnung setzte. Der Rohstoff für die Atomkraft wird höchstens noch 65 Jahre ausreichen und dies auch nur dann wenn nicht bis 2070 der Verbrauch bei der Zunahme von 50 % liegt.

Was soll der Geiz, packen wir es an!
Götz Warnke (Hamburg) 19.06.2007
Vielen Dank für die deutliche Gegenposition zur allgemein beschworenen Klimakatastrophe und ihren angeblich so eindeutigen Belegen.


Dennoch sollte man nicht übersehen, dass uns zur Praxis des Energiesparens und des Ausbaus der regenerativen Energien kaum eine vernünftige Alternative bleibt.


Dr. Thomas Zahn (CH-8855 Nuolen) 12.06.2007
DANKE für die Ausgabe "Klima-Lüge"!
Es tut speziell Deutschland gut, dass endlich einmal ein anderer Standpunkt so deutlich ausgesprochen wird.
Die CO2-Hysterie und der Öko-Idealismus, der alle Bürger auf das richtige Mass einschränken will (und über das Mass selbst entscheidet!), haben groteske und z.T. totalitäre Formen angenommen.
Das Absurdeste an allem ist, dass sich die ungeheure Anmassung ausspricht, das Klima habe immer gleich zu sein, und dass es in Menschenhand liege, dies zu erreichen.
Wunderbar die prägnante Liste der "Unbequemen Wahrheiten" von Dirk Maxeiner (bitte ins Web stellen!).
Entsinnen wir uns an die Panik ob des Ozonlochs über der Antarktis: als blankes "Loch" nie existent ist es nun wieder geschlossen. Und selbst wenn dort ein paar Pinguine Sonnenbrand bekommen haben, dann sterben diese genausowenig aus wie heute die Eisbären.
Die Klima-Apokalyptiker lancieren das Thema aus ganz anderen Gründen: es eignet sich blendend, um den Lebensstil von Gesellschaften mit freier Marktwirtschaft zu moralisch aufgeladen attackieren, ohne ernsthafte Alternativen zu benennen.

Also nochmals DANKE, Sie haben mir eine Freude gemacht.
Joel Klink (Göttingen) 12.06.2007
Anthropogene Klimafaktoren sind Treibhausgase wie Methan und Kohlendioxid oder auch Waldrodungen. Wäre es nicht wie ein Wunder, wenn all dies KEINEN Effekt hätte? Mag sein, dass vieles an der Klimaerwärmung natürlichen Ursachen geschuldet ist, aber was dabei auch klar ist: Menschliche Faktoren verstärken diese natürlichen Schwankungen, so dass unsere und nachfolgende Generationen mit umso extremeren klimatischen Bedingungen zu kämpfen haben werden. Warum sollte es daher falsch sein, die anthropogenen Faktoren zu minimieren, damit eventuelle natürliche Veränderungen nicht noch ins Extrem gesteigert werden?
Gerald Leinen (Kiel) 31.05.2007
Selbst wenn Michael Miersch Recht hätte: Die Umweltpolitik kennt das Vorsorge-Prinzip. Und das zwingt jetzt zum Handeln.
Anzeige
  Cicero-Sammelschuber - Jetzt bestellen!
RSS Feed
Abonnieren Sie Weltbühne als RSS-Feed
abonnieren

randnotiz
Artikel aus
Ausgabe Juni 2007
» Heftarchiv
» Ausgabe bestellen
» Kostenloses Probeheft

Michael Miersch
Michael Miersch ist Publizist und Dokumentarfilmer.


Die "Charta der deutschen Heimatvertriebenen" ist eine Farce!
mehr lesen
Weltpolitik im Bademantel
mehr lesen
Globulisierungskritiker
mehr lesen
Debatte
Warme Worte
mehr lesen
Mama, hilf!
mehr lesen
Berliner Republik
Der Chefin im Nacken
mehr lesen
Angela Merkels Bindungsbruch
mehr lesen
Kapital
Ohne Bares nichts Wahres
mehr lesen
The Oscar goes to … Schwabing
mehr lesen
Salon
Weltpolitik im Bademantel
mehr lesen
Stilblüten der Diplomatie
mehr lesen
Politsche Videos
Die alte Tante ist K.O.
Video anschauen
Barack Obama schwört den Amtseid und hält die Antrittsrede
Video anschauen
Leinwand
Banale, gelbe Bilder
mehr lesen
"Mit Busen ist es so..."
mehr lesen
Netzstücke
Die "Charta der deutschen Heimatvertriebenen" ist eine Farce!
mehr lesen
„Merkels präsidiale Glanzzeiten werden nicht wiederkehren“
mehr lesen
Bibliothek
Das unerklärliche Zucken
mehr lesen
Ein gesundheitsbewusster Mensch
mehr lesen

 Magazin Cicero
Die aktuelle Printausgabe

Inhalt
Abonnement

 Service
Newsletter
abonnieren

anmelden

 Medien im Blick
Die tägliche
Presse-
Rundschau

weiter

nach oben