Vier Jahre lang hat der Berliner Fotograf Peter Badge die noch lebenden Nobelpreisträger fotografiert. Dabei entstand ein einzigartiges Dokument - Bilder der Geistesgrößen unserer Zeit von intimer Monumentalität.
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Ein Nobelpreisträger geht baden Steven Chu hatte gerade einige Runden im Bodensee absolviert, als ihn Peter Badge im Juni 2000 noch in Badehose und mit Schwimmbrille im Hotel Bad Schachern traf. Bereitwillig ließ sich der Physik-Nobelpreisträger des Jahres 1997 in seiner ungewöhnlichen Aufmachung fotografieren. Chu ist ein bescheidener und zurückhaltender Mensch, und so brauchte der Fotograf lange, den Amerikaner zu einer Veröffentlichung des Bildes zu gewinnen. Am Ende gab das Argument den Ausschlag, das ein Leitmotiv des Projektes darstellt: Distanz zu den Ikonen des Geistes abzubauen und junge Leute für die Forschung zu begeistern. Steven Chu (USA), Physik, 1997 |
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„Nash hatte etwas Unheimliches. Als er den Raum betrat, durchdrang mich sein Blick“ Wenige Stunden vor der geplanten Abreise des Fotografen in die USA bestätigte John Nash das Treffen durch ein nächtliches Telefonat aus Amerika: „Nach meiner Theorie müsste es jetzt bei Ihnen drei Uhr morgens sein.“ Am selben Tag noch traf Peter Badge den Nobelpreisträger in einem Landhotel in Stony Brook nahe New York. „Er hatte etwas Unheimliches. Als er den Raum betrat, durchdrang mich sein Blick. Er war sehr präsent und gleichzeitig auf eine gewisse Art abwesend.“ John Nash litt an Schizophrenie. Sein Leben und sein Leiden dienten als Vorlage für den Hollywood-Film „A beautiful mind“. Nash, ein Mathematiker, der für seine spieltheoretischen Arbeiten („Nash-Gleichgewicht“) den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt, wurde durch den Film in Amerika zum Star. „Ich hatte den Eindruck, dass er das bei all seiner Bescheidenheit sehr genießt“, erinnert sich Badge. John Nash (USA), Wirtschaft, 1994 |
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Im Palast des Dichterfürsten Das Bild entstand im Sommer 2003 im Anwesen von Gabriel García Márquez in Mexiko City. Der Dichter sitzt auf dem riesigen Steintisch in seinem Garten. Fragen wollte García Márquez nicht beantworten, aber er zeigte dem Besucher seinen 100 Jahre alten Papagei, der noch nie ein Wort gesprochen hat. Zwanzig Jahre lang hatte sich García Márquez Fotoaufnahmen verweigert. Gabriel García Márquez (Kolumbien), Literatur, 1982 |
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„Der Rummel um Nobelpreisträger ist mir zuwider“ Peter Badge fotografierte Robert B. Laughlin im Sommer 2001 bei einem Treffen von Nobelpreisträgern in Lindau, das auf eine Initiative des Mainau-Grafen Lennart Bernadotte zurückgeht. Der Amerikaner, Physiknobelpreisträger des Jahres 1998, genoss die Tage am Bodensee und freute sich über den Austausch mit den Studenten, die traditionell am Treffen teilnehmen: „Wissen Sie, der ganze Rummel um uns ist mir eher zuwider. Das Wichtigste ist doch, dass wir mit den jungen Leuten zusammenkommen“. Robert B. Laughlin (USA), Physik, 1998 |
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Die Grande Dame der Nobelpreisträger Rita Levi-Montalcini wurde am 22. April 1904 in Turin geboren. Gegen den Wunsch ihres Vaters studierte sie Medizin. Ihre ersten Arbeiten musste Levi-Montalcini unter dem Namen eines befreundeten Professors veröffentlichen. Für ihre Forschungsergebnisse über die Mechanismen des Zellwachstums erhielt sie 1986 den Nobelpreis für Medizin. Levi-Montalcini hatte sich eigens für das Treffen mit dem Fotografen in ihr Büro an der Universität Rom bringen lassen. Bis heute verfolgt die 91-Jährige ihre Forschungsarbeiten und hält Vorträge. Rita Levi-Montalcini (Italien), Medizin, 1986 |
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Eine deutsche Karriere Von 1940 bis zu seiner Gefangennahme durch US-Truppen 1945 diente Hans Dehmelt in der Wehrmacht. Nach dem Krieg setzte er sein Physik-Studium fort. Dehmelt emigrierte 1952 in die Vereinigten Staaten, wurde 1961 Professor an der Universität in Seattle und amerikanischer Staatsbürger. Hans Dehmelt (USA), Physik, 1989 |
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Godfather der Ökonomen Generationen von Ökonomen haben seine 1948 erschienenen „Grundlagen der Makro- und Mikroökonomie“ studiert. Er war 1970 der Erste, der einen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften alleine erhielt. Peter Badge traf den 89-Jährigen im Sommer dieses Jahres in seinem Ferienhaus in Florida. Bis heute hat Samuelson einen Lehrstuhl an der Universität Cambridge inne und betreut Doktoranden. Bis heute hält der Neo-Keynesianer Kontakt zu seinem alten akademischen Rivalen Milton Friedman: „Wir sind eng befreundet, solange wir nicht über Wirtschaft reden“. Paul Samuelson (USA), Wirtschaft, 1970 |
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"Viele, die den Nobelpreis verdient hätten, haben ihn nie bekommen“ Edmond („Ed“) Fisher lebt auf der abgelegenen Lopez-Insel, nördlich von Seattle, nahe der kanadischen Grenze. „Machen Sie doch ein paar Tage Urlaub hier“, hatte der Medizin-Nobelpreisträger des Jahres 1992 den Fotografen Badge aufgefordert. Fisher verwöhnte den Besucher aus Deutschland mit einem exzellenten Lammbraten und beeindruckte ihn mit seiner Bodenständigkeit: „Viele, die den Nobelpreis verdient hätten, haben ihn nie bekommen.“ Fisher macht sich über Leute lustig, die glauben, dass „Nobelpreisträger mit einem Heiligenschein einschlafen.“ Badge hat versprochen im nächsten Jahr wiederzukommen und beim Bäumefällen zu helfen. Edmond Henri Fisher (USA), Medizin, 1992 |
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