Hart geschleuderte Steine, Stiche mit der Einwegspritze, Prügelattacken: Die G8-Konferenz war ein Fest für jene Quartalsschläger des Schwarzen Blocks, die Ventile für ihre Aggressionen brauchen wie die Quartalstrinker ihre regelmäßigen Alkoholexzesse.
Gut erkennbar mit ihrer schwarzen Kluft und den schwarzen Gesichtsmasken zwischen friedlichen Demonstranten, folgten die Anhänger des Schwarzen Blocks der uralten Regel gesinnungsgestützter Kriegsführung, dass Kostüm und Maske Klarheit auf dem Schlachtfeld schaffen. Freund oder Feind: Am Outfit sollt ihr sie erkennen! Seit den Fellen der Germanen, den revolutionären Sans-Culottes oder den kragenlosen Anhängern Maos wissen wir, mit wem wir es zu tun haben, und sei es auch nur vom heimischen Sofa aus. Gesinnungskarneval mit klar verteilten Rollen auch in Heiligendamm: Die grünen Uniformen der Staatsgewalt, die düstere Kampfmontur des Schwarzen Blocks, dazu der international gültige Irgendwie-dagegen-Freizeitdress mit verbeulten Spruch-T-Shirts, fertig war das Dreiklassen-Modell.
Doch zum ersten Mal wurde die textile Taktik jetzt variiert, planvoll, perfide und ganz im Einklang mit der Erkenntnis, dass es die Medienbilder sind, die Tatsachen schaffen, nicht die Ereignisse. In das gewalttätige Maskenfest mischten sich nämlich in Heiligendamm erstmals Clowns. Mit unförmigen Overalls, weißen Gesichtern und lustigen roten Clownsnasen agierten sie an vorderster Front, gestaltgewordene Abrüstungsappelle, so mochte man meinen, friedliche Botschafter einer besseren, heitereren Welt.
Weit gefehlt. Ausgerechnet die bunten Clowns waren Spezialkräfte des Schwarzen Blocks. Sie suchten provozierenden Körperkontakt zu den Polizisten, fassten ihre Waffen an und stachen sie mit Einwegspritzen. Wurden diese Gewaltclowns dann gewaltsam zurückgedrängt, sah es aus der Sofaloge des TV-Zuschauers so aus, als ob eine entfesselte Soldateska harmlose, friedliebende Clowns attackiert.
Fortsetzung folgt. Diffuser Staatshass und die Lust an der Randale wird den Gewalttourismus schon bald zum nächsten Event wandern lassen. Auch das Maskenfest wird anderswo weitergehen, beim nächsten Gipfel, bei der nächsten Konferenz. Und damit auch die textile Aufrüstung, mit der eine medial anteilnehmende Öffentlichkeit nach Kräften irregeführt werden kann. Was kommt als nächstes? Priestersoutanen? Krankenschwesteruniformen? Oberschlesische Trachtenoutfits? Wir dürfen gespannt sein.
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