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von Alexander Görlach
Die twitternde Kanzlerin
Die Kanzlerin ist dafür bekannt, viele Kurznachrichten zu versenden.
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Die CDU hat, wie alle anderen Parteien auch, das Internet als den Ort ausgemacht und definiert, an dem Entscheidendes im Wahlkampf 2009 geschehen soll. Im Konrad-Adenauer-Haus wird an der Online-Strategie der Christdemokraten gefeilt. Dabei fallen zwei Punkte besonders auf. In der Pressestelle heißt es, die Kanzlerin werde im Wahlkampf nicht twittern und die CDU-Vorsitzende wird keine Fragen von Wählern in einem Videoblog beantworten. Zwei Ansagen, die verstören. Denn:

Das ganze Land weiß, dass Angela Merkel gerne und häufig SMS schreibt. Es wäre glaubwürdig, würde sie nun über den Kurznachrichtendienst Twitter kleine Einträge posten, die interessierte Abonnenten, CDU-Fans und Wahlkampfinteressierte, empfangen könnten. Die Leser der Twitter-Nachrichten wüssten: Diese 140 Zeichen hat Angela Merkel selbst verfasst! So kann Frau Merkel schreiben "Bin auf dem Weg zum Koalitionsausschuss" oder "Fahre zur Pressekonferenz, um den Papst zu kritisieren". Das Tool Twitter passt zur Kanzlerin: sie, die Viel-SMSerin, könnte damit authentisch den Abstand zwischen ihr und den Wählern minimieren. Der Bundesbürger hätte für sich das Gefühl, nahe an der Macht, nahe an den Entscheidungen der Regierung beziehungsweise der Regierungschefin zu sein.

Das Beantworten von Wählerfragen schlägt in die gleiche Kerbe: Hier kann die Kanzlerin den Abstand zum sich entfremdenden Wahlvolk verkleinern. Es ist ja nicht so, als ob es im Moment nichts zu erklären gäbe. Das Format ist erprobt und vom Wähler für gut befunden: So beantwortete etwa der britische Oppositionschef David Cameron in einem Videoblog schriftlich eingegangene Fragen aus dem Volk. Frau Merkel sollte darauf nicht verzichten, denn die Kanzlerin ist auch noch Vorsitzende und Spitzenkandidatin der Union. Sie muss sich den Fragen der Bürgerinnen und Bürger stellen. Der Videoblog – und zwar einer, der verschieden von ihrem Ansprache- und Verlautbarungsblog als Kanzlerin ist – wird in diesem Wahlkampf als Pflicht verstanden werden und nicht als Kür.

Im Adenauer-Haus heißt es, die Entscheidung, dass die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende weder twittern noch videobloggen wird, gelte erst einmal bis auf Weiteres. Der Erfolg von Frau Merkel und ihrem Onlinewahlkampf wird auch davon abhängen, ob man in diesen Punkten in den kommenden Tagen noch einmal umdenkt.

Foto: Picture Alliance


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Leserkommentare
Ralf Lippold (Dresden) 10.09.2009
...dass die Kanzlerin persönlich twittern oder bloggen muss hält nicht davon ab, dass es andere entscheidende und verbindende Personen tun.

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Alexander Görlach
Alexander Görlach leitete von November 2007 bis Juli 2009 das Ressort Online bei Cicero. Heute ist er Herausgeber und Chefredakteur des Magazin The European. Mehr über ihn unter: www.a-goerlach.com


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