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von Wolfram Weimer
Die Krise des Krieges
Die akute Finanzkrise scheint gebannt, die latente Wirtschaftskrise beginnt. Während die Öffentlichkeit noch über Banker und Börsen lästert, wird immer deutlicher was der wahre Verursacher dieses Sturms gewesen ist: George Bushs Irakkrieg, seine gewaltigen Kosten und die Abwälzung derselben in die Schuldenindustrie. Die aggressive Niedrigzinspolitik von Bushs Zentralbank in Kriegszeiten löste einen Debitoren-Tsunami aus, den wir heute alle bezahlen müssen.

Die Aufarbeitung der Finanzkrise hat begonnen, die Rettungsprogramme greifen, doch die wirtschaftlichen Folgen werden uns noch auf Jahre belasten. Da sich der Pulverdampf der Bankenschlachten verzieht, wird der Blick langsam klarer auf die ursächlichen Kanonenschüsse – denn die wurden im Irak abgefeuert. Mittlerweile gibt es Berechnungen über die Kosten des Irakkrieges, und die belaufen sich – in offiziellen Fassungen – auf mindestens 600 Milliarden Dollar (CRS-Report). In jüngsten Erhebungen werden allerdings bis zu bis 3 Billionen Dollar (Joseph Stiglitz) ermittelt. In jedem Fall ist der Irakkrieg für die USA inzwischen so teuer wie der Erste Weltkrieg. Dass er moralisch und machtpolitisch ein großer Fehler gewesen ist, beschreibt nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist wirtschaftlicher Natur.

Denn zur Finanzierung dieses Billionenkrieges hat sich die Bush-Regierung nicht nur in atemberaubendem Tempo verschuldet. Sie hat zur inneren Befriedung der Aktion eine Niedrigzinspolitik initiiert, die eine doppelte Verschuldungswelle auslösen musste. Die staatliche zur Kriegsfinanzierung und die private zur suggestiven Wohlstandsmehrung. Die Federal Reserve tauchte den Leitzins im November 2002 auf 0,75 Prozent. Damit begann eine Phase der amerikanischen Volkswirtschaft, in der diejenigen bestraft wurden, die solide sparen wollten. Wenn die Zinsen immer wieder unter der Inflationsrate bleiben, zwingt man eine Bevölkerung in die Verschuldung. Da die Sparer bei einer derartigen Politik systematisch ihr Geld vernichten, hören sie auf zu sparen, nehmen Kredite auf und kaufen sich vor allem Häuser.

Bis heute liegt die Sparquote in den USA bei null Prozent. In Deutschland beträgt sie gut zehn Prozent, was den ganzen Unterschied der inneren Solidität beider Volkswirtschaften demonstriert. Die politisch initiierte Politik des billigen Geldes ließ eine Zentralbankblase entstehen, wie wir sie in der Geschichte selten erlebt haben. Bushs Regierung wollte ihrem Volk demonstrieren, dass man einen extrem teueren Krieg führen und zugleich den inneren Wohlstand in Amerika steigern könne. Panzer und Pools, das war die Devise dieser Strategie und sie ging solange gut, bis die Preise für die Pools nicht mehr stiegen und über die Hypotheken das Gebäude zum Einsturz brachte.

Wer heute die „gierigen Banken“ oder den „ungezügelten Kapitalismus“ für die amerikanische Kreditblase verantwortlicht macht, der springt zu kurz. Sie sind nur Verstärkereffekte einer gewaltigen und skandalösen Welle, die längst unterwegs war. Das Fehlverhalten einzelner Kreditinstitute ist rückblickend betrachtet, wie die Schaumkrone eines Kriegstsunamis. Selbst wenn wir all unsere Banken von Anfang an verstaatlicht gehabt hätten, den Bushkrieg hätte die Welt doch bezahlen müssen. Bereits so waren unsere Staats- und Landesbanken an vorderster Stelle mit dabei.

Zur Aufarbeitung der Krise gehört daher auch, dass der historische Skandal dieses Krieges benannt wird. Die europäische Politik hält sich bislang noch an den Geldbeschaffern in den Banken fest. Sie traut sich offenbar nicht, neben den kleinen Helfershelfern die großen Schuldigen zu benennen und Bush sein gravierendes Fehlverhalten direkt anzukreiden. Doch die amerikanische Staatsverschuldung beträgt inzwischen mehr als 10 Billionen Dollar. Und die wollen bezahlt werden. Schon jetzt absorbieren die USA zwei Drittel der gesamten Weltsparleistung zur Finanzierung ihrer Eskapaden. Wer aber die Ursache der Kreditblase nicht benennt, spielt das Spiel von George Bush bis zum Ende weiter. Dann nämlich wird der Rest der Welt die Kriegsbillionen Dollar für Dollar zahlen müssen – vielleicht über eine dramatische Dollarabwertung.

In den kommenden Jahren wird die Staatsverschuldung der entscheidende Indikator dafür sein, ob die Krise tatsächlich überwunden oder nur in den nächsten Rezessionszyklus verschoben ist. Nicht der ungezügelte Kapitalismus hat uns in diese Misere gebracht. Sondern eine ungezügelte Staatspolitik eines ungezügelten Präsidenten. Zum Glück geht seine Amtszeit zu Ende.


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Wolfram Weimer
Wolfram Weimer ist Gründer von Cicero und war bis Ende 2009 Chefredakteur.


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