 |  |
Ebers, Melchers und Pawelke - Wissenswelten der Philosophie
|
|
 |  |
 |
Die erste - sehr fragwürdige – Definition des Philosophen findet sich bei Heraklit: viel wissen diejenigen, die Philosophen heißen. Der Ausdruck „Philosoph“ meint hier allerdings wohl nicht das, was wir seit Platon darunter verstehen. Richtig ist indes, dass die Philosophen von Platon bis heute viel wissen müssen. Auch, wenn sie zu bedenken haben, was Heraklit an anderer Stelle sagt: Viel zu wissen lehrt nicht Verstandhaben.
Aristoteles wiederum führt uns vor Augen, dass Philosophen zumindest über die Geschichte der Philosophie einiges wissen müssen. Die war für den vielseitig interessierten Platon-Schüler noch kein weites Feld, aber seither sind 2400 Jahre vergangen und was Philosophen über ihre Geschichte wissen sollten, ist in dieser Zeit immer mehr geworden. Wenn gebildete Menschen da mithalten wollen, kann es für sie leicht dahin kommen, dass sie zu den eigentlichen Themenfeldern der Philosophie wie Ethik oder Ontologie gar nicht mehr vorstoßen.
Da erscheint nun für junge Leser ein prächtig ausgestattetes Buch, das kurzweilig aber fast erschöpfend in die Geschichte der Philosophie von der Antike bis heute einführt. Großformatig auf je einer Doppelseite werden die Epochen in ihren Hauptzügen vorgestellt, auf der einen Seite die wichtigsten Denker, auf der anderen Seite die wesentlichen Ereignisse der Politik. Links und rechts kann man die Seiten noch einmal aufklappen, dann erscheinen dort einerseits nähere Angaben zur philosophischen Entwicklung, andererseits Hinweise zur gleichzeitigen Wissenschaft und Kultur. Unter der Überschrift „Gedankenspiele“ werden drei für die Zeit bedeutsame Fragen oder Aussagen in einem Satz vorgestellt, die veranschaulichen, um was es den Leuten damals ging – und uns immer noch.
Für das Mittelalter werden als Hauptphilosophen vorgestellt: Anselm con Canterbury, Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Wilhelm von Ockham und Nikolaus von Kues. Wer diese Namen schon einmal gehört hat und sie mit der vagen Vorstellung eines Gedankens verbinden kann, der steht wenigstens nicht ganz blöd da, wenn vom Mittelalter die Rede ist. Das 20. Jahrhundert erscheint mit zwei „Epochen“: „Die Welt im Krieg“ und „Bedrohtes Denken“. Für beide wird Wittgenstein mit dem selben Bild unter den Hauptdenkern angeführt, ob die Zuordnung „Österreich“ richtig ist, kann bestritten werden. Man könnte auch sagen: „England“. Was von Heidegger im Portrait gezeigt wird, ist – vermutlich – nur Stirn und Haupthaar. Was soll uns das bedeuten?
Wo so viel Wissenswertes auf engem Raum zusammengedrängt ist, lässt sich erwartungsgemäß viel meckern. Wider solcher Erwartung ist das hier nicht der Fall. Zwar kann man kritisieren, dass Philosophen wie Hobbes, Pascal, Spinoza und Locke unter „ferner liefen“ bei der Renaissance eingereiht werden, wo sie nicht hingehören, auch Ludwig XIV. ist kein Renaissancefürst und Defoes „Robinson Crusoe“ keine Renaissanceliteratur. Aber das, um Astrid Lindgrens Karlsson zu zitierten, „stört keinen großen Geist“. Ein leicht fassliches Glossar und eine kaum einschüchternde Liste mit Empfehlungen zu weiteren Lektüre schließen das Buch ab. Schön, es im Hintergrund zu haben, wenn man sich in eines der großen Werke der Philosophie hineinwühlt.
THOMAS EBERS, MARKUS MELCHERS, GUDRUN PAWELKE: „WissensWelten Philosophie“.
Carl Hanser Verlag, München 2008. 24 Seiten, 24,90 Euro.
|